„Es braucht weit mehr als bunte Facebook-Kacheln“:

 

Parlamentarischer Staatssekretär Dr. Tauber über die Herausforderungen der Zukunft

 

Der Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr, Generalmajor Oliver Kohl (rechts), und der Parlamentarische Staatssekretär Dr. Peter Tauber während des Interviews. (Foto: Führungsakademie der Bundeswehr/Lene Bartel)

Der Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr, Generalmajor Oliver Kohl (rechts), und der Parlamentarische Staatssekretär Dr. Peter Tauber während des Interviews. (Foto: Führungsakademie der Bundeswehr/Lene Bartel)

 

Bei seinem Antrittsbesuch trug sich Dr. Peter Tauber in das Gästebuch der Führungsakademie der Bundeswehr ein. (Foto: Führungsakademie der Bundeswehr/Lene Bartel)

Bei seinem Antrittsbesuch trug sich Dr. Peter Tauber in das Gästebuch der Führungsakademie der Bundeswehr ein. (Foto: Führungsakademie der Bundeswehr/Lene Bartel)

 

Vom Direktor Strategie und Fakultäten, Brigadegeneral Boris Nannt, erfuhr der Parlamentarische Staatssekretär mehr über die Ausbildungsinhalte. (Foto: Führungsakademie der Bundeswehr/Lene Bartel)

Vom Direktor Strategie und Fakultäten, Brigadegeneral Boris Nannt, erfuhr der Parlamentarische Staatssekretär mehr über die Ausbildungsinhalte. (Foto: Führungsakademie der Bundeswehr/Lene Bartel)

 

Einen Überblick zum sicherheitspolitischen Planspiel „Cerasia“ erhielt Dr. Tauber unter anderem vom Major René Ladwig. (Foto: Führungsakademie der Bundeswehr/Lene Bartel)

Einen Überblick zum sicherheitspolitischen Planspiel „Cerasia“ erhielt Dr. Tauber unter anderem vom Major René Ladwig. (Foto: Führungsakademie der Bundeswehr/Lene Bartel)"

 

Der Parlamentarische Staatssekretär nutzte die Chance, sich mit Teilnehmenden des Planspiels auszutauschen.  (Foto: Führungsakademie der Bundeswehr/Lene Bartel)

Der Parlamentarische Staatssekretär nutzte die Chance, sich mit Teilnehmenden des Planspiels auszutauschen. (Foto: Führungsakademie der Bundeswehr/Lene Bartel)

 

 

 

Wie hat sich die Ausbildung von Stabsoffizieren im Laufe der Jahre verändert? Wie motiviert sind die Soldaten, die sich an der Führungsakademie der Bundeswehr ausbilden lassen? Und woher kommen die Dozenten? Das sind Fragen, die den Parlamentarischen Staatssekretär bei der Bundesministerin der Verteidigung und Mitglied des Deutschen Bundestages, Dr. Peter Tauber, bei seinem Besuch an der Führungsakademie ganz genau interessierten. Schließlich war er zum ersten Mal an der höchsten militärischen Ausbildungsstätte in Hamburg. Neben Vorträgen zu Ausbildungsstrukturen und -inhalten erfuhr er mehr über die Arbeit der Denkfabrik, das German Institute for Defence and Strategic Studies, und tauschte sich mit Teilnehmenden des Planspiels „Cerasia“ aus. Letzteres zielt darauf ab, ein Verständnis zum gemeinsamen, ressortübergreifenden Handeln auf den Ebenen der Ministerien zu vermitteln. Während des Rundganges nahm sich der Parlamentarische Staatssekretär Zeit für ein kurzes Interview.

 

Herr Dr. Tauber, heute ist Ihr Antrittsbesuch bei der Führungsakademie der Bundeswehr. Welche Erwartungen haben Sie an die höchste militärische Ausbildungsstätte in Deutschland?

Hier an der Führungsakademie der Bundeswehr werden unsere Offiziere für die weitere Führungsverwendung aus- und weitergebildet. Ich persönlich bin sehr beeindruckt von der fachlichen, aber auch von der menschlichen Qualität unsere Offiziere, die mir im Einsatz, in der Truppe oder im Ministerium begegnen. Ich kann dazu nur sagen: hohe Fachlichkeit, tolles Auftreten und kameradschaftlicher Umgang miteinander. Für die Soldaten ist die Führungsakademie der Bundeswehr auf dem Weg zum Stabsoffizier oder Generalstabsoffizier ein ganz wichtiger Baustein. Für mich ist es ganz spannend, sich mal anzuschauen, wo gelehrt wird. Bildung ist ein ganz essentieller Punkt für die Entwicklung eines Menschen und deswegen ist es gut, wenn wir als Bundeswehr so viel Wert darauf legen und viel in Bildung investieren.

 

Welchen Mehrwert kann die Denkfabrik, das German Institute for Defence and Strategic Studies (GIDS), im politisch quirligen Berlin Ihrer Meinung nach noch generieren?

Aus meiner Sicht schließt sie eine Lücke mit Blick auf Fragen der Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Es ist nicht so, dass wir eine Fülle von Think Tanks haben, die uns aus deutscher Perspektive beraten oder lenken. Wenn wir das selber machen, aber auch offen sind, dass wir externen Sachverstand dazu holen und vor allem das viele gute Wissen, was wir in der Bundeswehr oder im Umfeld der Bundeswehr haben, nutzbar machen für die Politik und darüber hinaus für die Gesellschaft, dann hat es einen absoluten Mehrwert und ist mehr als erforderlich. Wenn man es nicht jetzt erfunden hätte, dann müsste man es spätestens morgen erfinden.

 

Was sind die wichtigsten Zukunftsthemen, bei denen Sie die Expertise der Führungsakademie der Bundeswehr als Denkfabrik nutzen können?

Aus meiner Sicht ist es ganz wichtig, dass wir uns bewusst machen, dass offensichtlich die Ordnung, wie wir sie leben, die Normen und Werte wieder hinterfragt oder auch in Abrede gestellt werden. Und wenn freiheitliche Gesellschaften glauben, dass es nach wie vor ein Zukunftsmodell ist, um das Zusammenleben von Menschen zu organisieren, dann müssen sie sich sozusagen auch nach Innen stärken, also Resilienz bilden. Da braucht es Erklärungsmodelle, da braucht es Narrative, also sinnstiftende Erzählungen, die das stützen, die die Menschen begeistern und auch mitnehmen. Dafür braucht es eine wissenschaftliche Grundlage und nicht nur bunte Facebook-Kacheln. Die wissenschaftliche Grundlage muss irgendwie belegt werden, um Narrative zu stärken. Da ist die Führungsakademie als Ausbildungsinstrument und Think Tank ein ganz wichtiger Baustein.

Im nächsten Schritt ergeben sich die Fragen, welche Themen sind es, mit denen wir uns beschäftigen müssen. Im Konkreten: Warum profitiert Deutschland von einer multilateralen Weltordnung, wie kann man diese stärken und stützen? Und im nächsten Schritt glaube ich, dass man nur in einer multilateralen Weltordnung die großen Herausforderungen der Zeit wie Klimawandel, Migration, Bevölkerungsentwicklung, Umgang mit Ressourcen und Nachhaltigkeit lösen kann.

 

Sie sind ja selbst Hauptmann der Reserve und haben sich gerade schon über die verschiedenen Lehrgänge informiert. Spielen Sie mit dem Gedanken, ein Modul für Reservisten hier an der Führungsakademie der Bundes- wehr zu besuchen?

(lächelt und blickt zu General Kohl) Dann müsste mein Kommandeur mir sozusagen ermöglichen, im Rahmen meines weiteren Verwendungsausbaus auch hier zu üben. Dann müsste ich das mal fragen (beide lachen). Es ist spannend. Das hängt auch von der Zeit ab. Ich bin ganz froh, dass ich dieses Jahr wieder zwei Wochen üben konnte. Aber natürlich geht die Arbeit als Staatssekretär vor. Aber auch da gehört Weiterbildung dazu. Insofern ist das Üben als solches wieder eine Weiterbildung für mich.

 

 

Autorin: Führungsakademie der Bundeswehr/Sophie Düsing

Fotografin: Führungsakademie der Bundeswehr/Lene Bartel