Junge Führungskräfte aus Wirtschaft und Bundeswehr arbeiten zusammen

 

Sie sollen komplexe Vorgänge strukturieren und ihren Angestellten Orientierung bieten, zugleich verlangen sie von ihren Mitarbeitern ein gewisses Maß an Flexibilität: Die Rede ist von Führungskräften. Welchen Herausforderungen sich diese aufgrund des digitalen Wandels stellen müssen und wie es ihnen gelingt, ihre Teams trotz der veränderten Rahmenbedingungen erfolgreich zu leiten, darüber haben sich Teilnehmende des „Digitalforums Führen“ Gedanken gemacht. Ihre Zwischenergebnisse präsentierten die jungen Führungskräfte im Alter von 25 bis 35 Jahren Interessierten beim Ausbildungskongress an der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr in Hamburg.

 

„Agiles Führen agil lernen“

Passend zum Thema „Agiles Führen agil lernen“ verlangen die Redner ein gewisses Maß an Beweglichkeit von ihren Zuhörern. Denn Stühle gibt es in dem Seminarraum keine. Stattdessen sollen sich die Kongressteilnehmer von einer Stellwand zur nächsten bewegen, um den Ausführungen der verschiedenen Teams zu folgen. Das „Digitalforum Führen“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Bundeswehr, den Unternehmensverbänden Berlin-Brandenburg und dem Bundesverband Deutsche Startups. Drei der fünf Coaches, die die Teilnehmenden während des gesamten Projektes begleiten, stellen den Zuhörern zunächst die Idee hinter dem Forum vor: Brigadegeneral Boris Nannt, Direktor Strategie und Fakultäten an der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw), Oberstleutnant Kai Prüter, Dozent an der FüAkBw, und Jutta Wiedemann von den Unternehmensverbänden Berlin-Brandenburg nehmen die Zuhörer mit auf eine Reise zu den Anfängen.

Verschiedene Blickwinkel

„Wir sind jetzt seit fünf Jahren mit dem ,Digitalforum Führen‘ auf der Piste“, sagt Oberstleutnant Prüter und erzählt den Anwesenden, dass junge Führungskräfte aus der Wirtschaft und der Bundeswehr jedes Jahr insgesamt sechs Monate lang zusammenarbeiten. Für vier zweitägige Workshops werden die Teilnehmenden aus ihren Jobs herausgeholt. Die Zeit dazwischen gilt es nach der Arbeit für ihr Projekt zu nutzen, sich im Team zu koordinieren und Lösungsansätze für die Bearbeitung ihres Themas zu finden. Den Teilnehmenden bleibt Zeit, sich auszutauschen, zu netzwerken und sich bei der Erfüllung der Aufgaben zu unterstützen. 2014 startete das Projekt mit dem Namen „Führen lernen“. Damals habe sich die Seminargruppe wie ein bunter Haufen Smarties gefühlt, der sich je näher das Ende der Projektphase rückte, nach Farben sortiert hatte, erzählt Jutta Wiedemann. Von Jahr zu Jahr änderte sich der Blickwinkel auf das Thema Führen: 2015 beschäftigten sich die Teilnehmenden mit der Frage „Was ist wichtig für eine Führungskraft“, ein Jahr später wollten die jungen Frauen und Männer herausfinden, was es für eine Führungskraft bedeutet, ein Team durch das digitale Zeitalter zu leiten. Und im Jahr 2017 ging die Internetseite www.führen.digital an den Start. Das Thema der Projektgruppe lautete „Resilienz – Was heißt das für mich als Führungskraft?“. Im vergangenen Jahr gründeten Teilnehmende ein virtuelles Unternehmen mit dem Namen „Take 5“. Die jungen Führungskräfte haben sich konkret mit Tools und Methoden auseinandergesetzt, die Unternehmen dabei helfen, agiler zu werden. Und in diesem Jahr haben die Teilnehmenden den Schwerpunkt auf das Thema „Agiles Führen agil lernen“ gelegt.

„Kabelwirrwarr“ soll entknotet werden

An dem „Digitalforum Führen 2019“ nehmen insgesamt 20 junge Führungskräfte teil. Diese haben sich in vier Gruppen aufgeteilt – ein Team bildet die Projektleitung und drei Arbeitsgruppen beschäftigen sich mit einzelnen Aspekten zum Hauptthema. Statt einem bunten Haufen Smarties nutzt die Projektleitung in diesem Jahr das Bild vieler miteinander verknoteter Kabel. Dieses „Kabelwirrwarr“ gilt es für die Teilnehmenden zu lösen. „Das Ganze ist ein Transformationsprozess“, gibt das Projektteam den Zuhörern zu verstehen. So galt es zu Beginn zu klären, wie Absprachen getroffen werden können, welche Teilnehmenden welche Soft Skills besitzen und wie die Aufgaben am besten in den Teams verteilt werden können.

Tool soll Mitarbeitern Handlungsempfehlungen geben

Die erste Arbeitsgruppe hat ihren Fokus auf die Mitarbeiter gelegt. Die Teilnehmenden wollen herausfinden, vor welchen Herausforderungen diese stehen. Doch um tiefer in das Thema einzusteigen, haben sie sich erst einmal mit den Besonderheiten von Wirtschaftsunternehmen als auch mit dem Öffentlichen Dienst beschäftigt. Ersteres hat meistens eine hierarchische Struktur, letzteres sei, so sagt die Projektgruppe, nicht unbedingt für seine Schnelligkeit bekannt. Was beide vereint, ist jedoch, dass sich die Rahmenbedingungen verändern und kreative, schnelle Ideen in Zukunft gefragt sind. Das Wissen der Mitarbeiter müsse gebündelt werden und schnell abrufbar sein. „Agilität passiert im Kopf von jedem Einzelnen“, so die Projektgruppe. Aus diesem Grund sollten Erfahrungswerte mit Agilität geschaffen und die Mitarbeiter individuell abgeholt werden. Die Teilnehmenden sprechen sich für die Fragebogenmethode aus. Am Ende wird dem Mitarbeiter sein „Agilitätsgrad“ angezeigt. Mithilfe eines Tools, das individuell auf den Mitarbeiter abgestimmt wird und ihm Handlungsempfehlungen gibt, soll sich dieser selbst reflektieren und an seiner Agilität arbeiten.

Was brauchen vernetzte Teams?

Einen anderen Ansatz verfolgt hingegen die zweite Arbeitsgruppe. Sie hat ihren Schwerpunkt auf vernetzte Teams gelegt. Diese Teams sind an verschiedenen Standorten des Unternehmens eingesetzt. Was sie eint, ist ein gemeinsames Ziel. Im Mittelpunkt der Projektarbeit stehen die Fragen: „Was brauchen wir zum Arbeiten und was hilft uns dabei? Gibt es Tools, damit wir produktiver werden können? Und vor allem: Wie können wir uns verbessern? Auch hier soll ein Fragebogen Auskunft über die Bedürfnisse und den Wissensstand des Mitarbeiters geben. So soll beispielsweise geklärt werden, wie der Mitarbeiter an ein Thema herangeht, wie und wo er arbeitet und ob er Unterstützung benötigt.

Eine große Spannbreite

Der Fokus der dritten Arbeitsgruppe liegt hingegen auf der Zielgruppe der jungen Führungskräfte. Die Teammitglieder wollen mehr über die Unternehmenskultur und die Rahmenbedingungen in Unternehmen herausfinden. So reiche die Spannbreite von Wirtschaftsunternehmen mit langwierigen Entscheidungsprozessen und einem starren Regelwerk bis hin zu Startups mit vielen Freiräumen. Fragen, die eine Rolle spielen sind: Macht Agilität in jeder Hinsicht Spaß? Was ist mit einer Fehlerkultur? Ist diese überhaupt erlaubt oder gar erwünscht? Die Teilnehmenden sind sich derzeit noch unschlüssig, ob Spiele den Führungskräften das agile Arbeiten näherbringen können. Zudem mache Agilität ihrer Meinung nach nur Sinn, wenn es für ein Problem keine Standardlösung gäbe.

Noch offene Fragen werden am 14.November 2019 in Berlin beantwortet. Denn dann ist die Vorstellung der Endergebnisse des „Digitalforums Führen“ vor Führungskräften und Personalverantwortlichen aus Bundeswehr und Wirtschaft geplant. 

 

Autorin: Führungsakademie der Bundeswehr/Sophie Düsing

Fotografin: Führungsakademie der Bundeswehr/Lene Bartel