Ehemalige LGAN-Teilnehmer an der spanischen Botschaft in Berlin

 

Der Lehrgang Generalstabs-/Admiralstabsoffizier National ist der Spitzenlehrgang an der Führungsakademie der Bundeswehr. Dazu werden nur die Besten eines Jahrgangs ausgewählt. Neben deutschen Offizieren werden durch das Bundesministerium der Verteidigung auch Offiziere aus anderen NATO- und ausgewählten Partnerstaaten zu dem zweijährigen Lehrgang nach Hamburg eingeladen. Oberst i.G. Ramón Farré Rebull, bis Sommer 2019 Verteidigungs-, Heeres- und Marineattaché in Berlin, Bern und Wien sowie sein Kollege Oberstleutnant i.G. Pedro Solbes Galiano, Luftwaffenattaché in Berlin, Bern und Wien, nahmen vor einigen Jahren an dem hochwertigen Lehrgang teil.

 

Oberst Farré und Oberstleutnant Solbes in ihrem Dienstzimmer in der spanischen Botschaft in Berlin. Oberst Farré Rebull ist bereits seit Juli 2019 zurück in seinem Heimatland. (Foto: Bundeswehr/Dr. Victoria Eicker)

Oberst Farré und Oberstleutnant Solbes in ihrem Dienstzimmer in der spanischen Botschaft in Berlin. Oberst Farré Rebull ist bereits seit Juli 2019 zurück in seinem Heimatland. (Foto: Bundeswehr/Dr. Victoria Eicker)

 

Herr Oberst Farré, Sie besuchten den Lehrgang für Generalstabs-/Admiralstabsdienst National (LGAN) im Jahr 2000 und waren bis 2002 in Hamburg. Wie war das damals?

Farré: Ich besuchte den LGAN von 2000 bis 2002. Damals unterschied man noch in die Teilstreitkräfte. Ich war im LGAN 43 Heer. Das bedeutete, dass ich drei Semester lang heerspezifisch unterrichtet wurde, ein Semester war streitkräftegemeinsam.

 

Herr Oberstleutnant Solbes, wie war das bei Ihnen?

Solbes: Ich habe den LGAN 7 in den Jahren 2010 bis 2012 absolviert. Damals hatten sie das System umgestellt und ich hatte den gesamten Lehrgang streitkräftegemeinsam.

 

Haben Sie zuvor den Generalstabslehrgang in Spanien besucht, Herr Farré?

Farré: Ich hatte in Spanien bereits den dortigen ebenfalls zweijährigen Generalstabslehrgang absolviert. Das war damals Voraussetzung. Heutzutage ist es keine Voraussetzung mehr. Herr Solbes hat ihn beispielsweise noch nicht absolviert. Zudem wurde er auf ein Jahr gekürzt – wie in vielen anderen europäischen Ländern.

Solbes: Das stimmt. Bei der Luftwaffe war das für mich keine Voraussetzung.

 

Hatten Sie denn deutsche Sprachkenntnisse?

Farré: Ich musste damals sowohl Sprachkenntnisse in Deutsch wie auch in Englisch nachweisen. Wir mussten sechs Monate nach Hürth zum Bundessprachenamt als Vorbereitung auf den LGAN in Hamburg, um die Sprache zu vertiefen und das militärische Vokabular zu lernen.

Solbes: Ich war zuvor ein Jahr in Hürth, um Deutsch zu lernen. In Spanien hatte ich mir schon Kenntnisse in einem Goethe-Institut angeeignet.

 

Wie war Ihre Zeit beim LGAN?

Solbes: Zunächst einmal: Es war ein großes Privileg am deutschen Generalstabslehrgang teilnehmen zu dürfen.

Farré: Für mich gibt es davor und danach in meiner militärischen Laufbahn. Mein Generalstabslehrgang in Spanien bezog sich nur auf das Heer. Streitkräftegemeinsam war damals noch nicht üblich. Wir hatten nur einen Monat am Ende der zwei Jahre, bei denen wir streitkräftegemeinsame Inhalte hatten. Auch die Führungsakademie hatte damals zwar noch keinen streitkräftegemeinsamen Lehrgang wie heutzutage, aber es war deutlich mehr Zeit – ein ganzes Semester. Und das war unheimlich bereichernd. Der Generalsstabslehrgang in Deutschland hat mein Denken komplett verändert.

 

Inwiefern?

Farré: Jetzt mal ganz salopp gesagt: Als wir in Spanien zum Generalstabslehrgang kamen, waren wir darauf vorbereitet zu leiden – wenig Zeit, sehr viel Stoff, harte Arbeit, viel Stress. Das klingt zunächst merkwürdig, aber als wir nach Hamburg kamen, haben wir uns auf eben das vorbereitet. Der Lehrgangsleiter hat uns dann aber alle überrascht. Er sagte: „Es ist schön, dass Sie bei uns an der Führungsakademie in Hamburg sind. Genießen Sie die zwei Jahre hier mit ihren Familien“. Mit dem Begriff „genießen“ hatten die meisten von uns nicht gerechnet. Aber das wir uns nicht falsch verstehen. Auch Hamburg war harte Arbeit. Es war aber ein ganz anderer Ansatz.

Solbes: Dem pflichte ich bei. Für uns war das erst einmal eine großartige Möglichkeit, Deutschland und seine Kultur kennenzulernen. Aber was Herr Farré mit dem anderen Ansatz meint, ist, dass man hier ermuntert wurde, zu denken, kritisch zu sein, zu hinterfragen und Ideen und konstruktive Beiträge zu leisten.

 

Was ist daran für Sie so besonders?

Farré: Wenn man etwas gern tut und mit Freude, dann geht man auch mit einem offenen Geist daran. Erinnern wir uns an das Leitmotiv der Akademie: mens agitat molem – der Geist bewegt die Materie. Wir sollten immer mit einem offenen Geist an der Sache arbeiten. Das wurde dort auch gelehrt. Der Lehrgangsleiter sagte, dass noch schwere Zeiten kommen werden, wenn wir erstmal im Generalstab sind. Jetzt aber sei es Zeit, den Geist anzuregen. Lernen und Denken, das war für uns ein neuer pädagogischer Ansatz.

 

Haben Sie denn viel gelernt beim LGAN?

Farré: Interessant und spannend waren für mich die Seminare mit den Schwerpunkten Führen, Management und Strategie. Das war neu und qualitativ sehr hochwertig. Freiheit des Denkens. Den Geist offen zu haben und zu halten, um über Sachen nachzudenken – das ist wirklich etwas, das ich dort gelernt habe.

 

Was haben Sie aus den beiden Jahren in Hamburg mitgenommen?

Farré: Es war vor allen Dingen der offene, kritische Geist, den wir aus Hamburg mitgebracht haben.

Solbes: Was mich am meisten beeindruckt hat, war die Methode der Lehre. Während in anderen Ländern der Fokus auf Tests und Abschlussarbeiten liegt, ist der Fokus in Hamburg auf den Seminaren und der Partizipation. Simples Auswendiglernen genügt da nicht. Vieles wird hinterfragt und nicht als gegeben hingenommen. Das weckt diesen kritischen Geist. Das hat mich sehr beeindruckt.

 

Gab es denn auch Schwierigkeiten?

Farré: Was schwierig für uns war, war die Sprache. Gerade wenn so viel Wert auf den Diskurs gelegt wird, dann ist das sehr schwer, wenn der Diskurs nicht in der Muttersprache geführt wird. So waren unsere Beiträge manchmal etwas einfach, weil wir uns ab einer bestimmten Ebene einfach nicht mehr so gut ausdrücken konnten.

Solbes: Wir haben dort auch definitiv gelernt, demütig zu sein. Als ausländischer Lehrgangsteilnehmer muss man einen Schritt zurücktreten. Man kann nicht ebenso an den sehr hochwertigen Diskussionen teilnehmen wie ein Muttersprachler. Aber der Lehrgang und all die Mühe tragen irgendwann Früchte – insbesondere wenn man auf einen Posten kommt wie diesen hier. Hier merkt man welchen großen Wert es hatte, in Hamburg gewesen zu sein.

 

Können Sie das genauer erklären?

Farré: Es ist natürlich so, dass man heute das Land und die Strukturen der Bundeswehr kennt – auch wenn sie seit meinem Besuch des LGAN Transformationsprozesse durchlaufen hat. Und die Kontakte, die sind mit einem gewachsen und bilden heute belastbare und gute Berührungspunkte in viele Bereiche der Bundeswehr.

Solbes: Die Vernetzung ist ein ganz wertvoller Bestandteil – bei mir ist das ja auch noch teilstreitkräfteübergreifend. Die Tatsache, dass der LGAN streitkräftegemeinsam ist, ist ein immenser Fortschritt gewesen.

 

Warum ist die Führungsakademie auch eine wichtige Station für ausgewählte spanische Offiziere?

Solbes: Die interoperativen Austausche sind mittlerweile viel mehr als früher. Sie haben spanischen Piloten, die hier fliegen, deutsche Piloten, die den Eurofighter in Sevilla fliegen. Und das wird mehr werden. Deshalb ist es eine große Möglichkeit, dass Spanien Kandidaten nach Hamburg schicken kann.

 

Autorin Dr. Victoria Eicker