Ehemaliger LGAI-Teilnehmer im Interview

 

Flottillenadmiral Abbas Lafta Aoda war 2006 an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg und besuchte den Lehrgang Generalstabs-/Admiralstabsdienst International (LGAI). Heute ist der Marineoffizier Militärattaché der Botschaft der Republik Irak in Berlin. Seine Deutschkenntnisse und sein umfangreiches Netzwerk sind ihm bei dieser herausfordernden Aufgabe eine große Hilfe.

 

Militärattaché Aoda nahm sich in der irakischen Botschaft in Berlin Zeit für die Fragen der Führungsakademie. (Foto: Bundeswehr/Dr. Victoria Eicker)

Militärattaché Aoda nahm sich in der irakischen Botschaft in Berlin Zeit für die Fragen der Führungsakademie. (Foto: Bundeswehr/Dr. Victoria Eicker)

 

 

Sehr geehrter Herr Flottillenadmiral Aoda. Sie sind derzeit irakischer Militärattaché in Berlin. Seit wann und wie lange?

Ich bin seit Anfang August 2018 in Berlin. Theoretisch bleibe ich drei Jahre. Aber das ist schwer zu sagen. Das wird alles im Verteidigungsministerium entschieden. In Berlin hatten wir seit zwei Jahren keinen Militärattaché. Ich habe sehr viel Arbeit. Es gibt im Irak nicht sehr viele Offiziere mit Deutschkenntnissen. Das hat mir natürlich sehr geholfen, diesen Posten zu bekommen. Bevor ich nach Deutschland kam, war ich Kommandeur der irakischen Marineakademie – sie ist in Basra. Irak hat nur eine kleine Küste, aber die Marine ist sehr aktiv.

 

Wann waren Sie an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg?

Ich habe im Jahr 2006 den Lehrgang Generalstabs-/Admiralstabsdienst International besucht. Zuvor war ich ein Jahr lang am Bundessprachenamt in Hürth und habe zunächst die deutsche Sprache gelernt. Das war wirklich ein neues Erlebnis für mich. Ich kam damals ohne Familie und hatte vorher keine Ahnung von Deutsch. Die Sprache war sehr schwer für mich – es ist ein ganz anderes Buchstabensystem.

 

Kamen Sie allein aus dem Irak?

Wir waren fünf Offiziere aus dem Irak, die zunächst an dem Sprachlehrgang teilnahmen. Ich war Angehöriger der Marine, drei Kameraden kamen vom Heer und einer von der Luftwaffe. Ich habe meinen Sprachlehrgang bestanden. Dann ging es gemeinsam mit zwei weiteren Kameraden an die Führungsakademie der Bundeswehr.

 

Sie haben im Sommer 2006 Ihren Lehrgang in Hamburg begonnen. Wie war das?

Ich war im Hörsaal Marine. Dort waren wir insgesamt zwölf Offiziere. Drei Deutsche und neun Internationale aus Aserbaidschan, Bangladesch, China, Südkorea, Südafrika, Serbien, Albanien und der Ukraine. Das waren sehr viele verschiedene Kulturen. Für mich war das neu. Aber es war unheimlich bereichernd, wir haben viel voneinander gelernt.

 

Wie war der Lehrgang denn insgesamt für Sie?

Der Lehrgang war sehr gut organisiert. Wir haben Seminare besucht, Übungen und Reisen gemacht – das war eine tolle Zeit. Wir haben zum Beispiel sehr viel über deutsche Außen- und Sicherheitspolitik gelernt, aber auch wie die deutschen Streitkräfte aufgebaut sind und welche Struktur und Aufgaben sie haben. Auf der militärischen Seite haben wie gelernt, wie man eine Operation plant. Das war eine gute Verflechtung zwischen Theorie und Praxis.

 

Hat Ihnen der LGAI etwas für Ihre weitere Laufbahn im Irak gebracht?

Nach meinem Aufenthalt in Deutschland habe ich als Dozent am irakischen Joint Staff College in Bagdad gearbeitet. Somit war alles, was ich in Deutschland gelernt hatte, sehr nützlich für mich. Ich habe damals ein Buch über die Planung von Seeoperationen ins Arabische übersetzt. Das Buch wird bis heute am Joint Staff College genutzt. Kurzum: Das, was ich in Deutschland gelernt habe, habe ich meinen Schülern beigebracht.

 

Haben Sie auch außerhalb der Akademie Menschen kennenlernen können?

Ja, in der Tat. An einem Tag im Dezember lief ich mit einem Kameraden aus China an der Elbe entlang. Wir trafen einen Bekannten des Chinesen. Mein chinesischer Kamerad stellte mich vor. Der Mann fragte mich, wo ich Weihnachten feiern werde. Da sagte ich ihm, auf dem Zimmer. Allein. Der Mann aber sagte, das dürfe in Deutschland nicht sein und lud mich ein. So feierte ich Weihnachten mit seiner Familie, das war die Familie Thümer. Das war für mich unglaublich schön. Der Kontakt ist bis heute geblieben. Dieses Weihnachten 2018 habe ich mit meinem Sohn und meiner Frau bei eben dieser Familie verbracht. Zudem haben wir über den Freundeskreis ausländischer Offiziere an der Führungsakademie auch viel in Hamburg kennengelernt: zum Beispiel einen Ausflug an der Elbe oder der Besuch des Musicals Mamma Mia. Zudem war ich zu meiner Zeit in der Akademie das „Patenkind“ von Herrn Hob, der mir in vielerlei Hinsicht geholfen hat und mich betreut hat.

 

Was war für Sie das Wichtigste beim LGAI?

Die multinationalen Kontakte, die ich dort geknüpft habe, nutze ich bis heute. Also neben all dem Wissen, das man dort erwerben konnte, und der Erfahrung, in einem anderen Land zu leben, sind die Kontakte, die man schließen konnte, sehr viel wert.

 

Was haben Sie von den Deutschen gelernt?

Pünktlichkeit! Das ist definitiv ein Wert, den ich schätzen gelernt habe. Außerdem machen die Deutschen nichts ohne Plan. Auch das habe ich schätzen gelernt. Witzigerweise hat mein Dozent in seiner Beurteilung über mich geschrieben: Er ist immer geradeaus und ernst. Meine Kameraden aus Deutschland haben scherzhaft gesagt, dass ich schon ein halber Deutscher sei.

 

Sie waren zwei Jahre in Deutschland. Wie haben Sie das mit Ihrer Familie gemacht? War sie mit?

Nein. Ich konnte nach meiner Sprachausbildung leider nicht nach Hause fliegen. Ich habe damals zwei Jahre lang meine Familie nicht gesehen. Das war eine sehr schwere Zeit für uns. Der Größte war etwa zehn Jahre alt, der Kleinste kaum drei Jahre alt. Jetzt ist der Kleine mit uns hier in Deutschland und besucht das Gymnasium.

 

 

Autorin: Dr. Victoria Eicker