„Jeder sollte stolz darauf sein, Soldat zu sein“

 

Der Kommandeur der Führungsakademie,Generalmajor Oliver Kohl,übergibt das Veteranenabzeichen beim Tag der Bundeswehr 2019 an den Oberststabsgefreiten André Soppa. (Foto: Bundeswehr/Anja Damerius)

Der Kommandeur der Führungsakademie, Generalmajor Oliver Kohl, übergibt das Veteranenabzeichen beim Tag der Bundeswehr 2019 an den Oberststabsgefreiten André Soppa. (Foto: Bundeswehr/Anja Damerius)

 

 

 

 

André Soppa hält das Veteranenabzeichen als erster Soldat an der Führungsakademie in seinen Händen. (Foto: Bundeswehr/André Soppa)

André Soppa hält das Veteranenabzeichen als erster Soldat an der Führungsakademie in seinen Händen. (Foto: Bundeswehr/André Soppa)

 

 

 

Er war gerade einmal acht Jahre alt, da wusste Oberstabsgefreiter André Soppa bereits, was er später einmal werden möchte. In einem alten leerstehenden Gebäude in seiner Heimatstadt Cottbus fand er beim Spielen mit Freunden eine Militärzeitung. Die Fahrzeuge begeisterten ihn, auch die Uniformen hatten es ihm angetan. Zudem war sein Vater früher bei der Nationalen Volksarmee. Soppa leitet bei der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) das Freizeitbüro. Dass er beim Tag der Bundeswehr 2019 das Veteranenabzeichen ausgehändigt bekommen würde, konnte er damals jedoch noch nicht erahnen.

Wer kann sich Veteran nennen

Viel wurde in den  Medien und den sozialen Netzwerken darüber diskutiert: Wer ist eine Veteranin oder ein Veteran der Bundeswehr und was muss sie oder er dafür geleistet haben? Im Tagesbefehl vom 26. November 2018 definiert Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen den Begriff wie folgt: „Veteranin oder Veteran der Bundeswehr ist, wer als Soldatin oder Soldat der Bundeswehr im aktiven Dienst steht oder aus diesem Dienstverhältnis ehrenhaft ausgeschieden ist, also den Dienstgrad nicht verloren hat.“ So zählen darunter „Aktive und ehemalige Soldatinnen und Soldaten, Reservistinnen und Reservisten, Gesunde und Versehrte (…)“. André Soppa ist der erste Soldat an der Führungsakademie der Bundeswehr, der dieses erst neu eingeführte Abzeichen ausgehändigt bekommen hat.

Anerkennung für die geleistete Arbeit

Beim Tag der Bundeswehr 2019 in Hamburg überreichte ihm der Kommandeur der Führungsakademie, Generalmajor Oliver Kohl, das Veteranenabzeichen. Es war ein besonderer Moment für Soppa, wie er im Gespräch verrät. Die eher gemischten Stimmen zur Auszeichnung im Allgemeinen kann er nicht nachvollziehen. Für ihn ist es eine tolle Geste, eine Anerkennung für die geleistete Arbeit.

Ziel: „Etwas Gutes tun“

„Ich wollte schon immer zur Bundeswehr, um etwas Gutes zu machen für die Bevölkerung, für die Welt“, sagt der Oberstabsgefreite. Mit 17 Jahren bekam er den Einberufungsbescheid per Post zugeschickt. Damals befand er sich noch mitten in der Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker. Knapp ein Jahr arbeitete er noch in seinem Beruf, danach erfüllte er sich seinen Kindheitstraum und ging zur Bundeswehr. Er verpflichtete sich 2009 für vier Jahre als Zeitsoldat. „Ich wollte auch immer richtig Soldat sein, draußen sein; alle Waffen und Waffensysteme kennenlernen. Ich wollte auch schon immer in den Einsatz, das anwenden, was ich gelernt habe“, verrät der Oberstabsgefreite. 

Grundausbildung in Munster absolviert

Sein Weg führte ihn nach Munster in das Panzergrenadierlehrbataillon 92. Dort absolvierte er seine Grundausbildung. „Ich fand‘s toll dort“, sagt Soppa. Besonders gefiel ihm die Kameradschaft – „das wir miteinander funktionieren“. Auch, dass er an seine Grenzen gekommen ist, hebt er hervor. Es folgte die Panzergrenadierspezialgrundausbildung. Dort lernte er die Fahrzeuge und weitere Waffen kennen. Soppa bildete sich als Milan-Schütze, Richtschütze und Zielfernrohrschütze fort, wie er sagt. 

Für sechs Monate in Afghanistan

Im Jahr 2011 war es dann soweit – André Soppa ging für sechs Monate nach Afghanistan. „Ich hatte Respekt davor, aber ich wollte es unbedingt“, sagt er. Etwas mulmig war ihm dabei schon, schließlich sollten die Kameraden abgelöst werden, die den ersten Anschlag auf den Schützenpanzer Marder erlebt haben – ein Kamerad ist damals gefallen. „Wir wussten ganz genau, da wird was passieren“, sagt er. Die Zeit im Einsatz hat den Oberstabsgefreiten nachhaltig geprägt, ihn und sein Leben verändert. Die Kultur und die Menschen haben ihn bereichert, zugleich war es auch erschreckend, wie arm und anders Menschen sein können. „Das hat einen nachdenklicher gemacht, das hat einem auch gezeigt, wie gut man es eigentlich hat“, so der Oberstabsgefreite. 

Der Einsatz hat ihn verändert

Zurück in Munster leistete er wieder seinen Dienst. Doch der Einsatz hat mehr mit ihm gemacht, als er es sich zuerst eingestehen wollte. Irgendwann merkte er, dass er sich Hilfe holen muss, um das Erlebte zu verarbeiten. Er war dadurch für den Dienst an der Waffe und für Auslandseinsätze nicht mehr geeignet. Vor viereinhalb Jahren kam Soppa dann an die FüAkBw. Hier leitet er seither das Freizeitbüro. „Ich versüße den Aufenthalt der Lehrgangsteilnehmer und des Stammpersonals“, erzählt Soppa. Zu den Angeboten zählen unter anderem der Grillplatz, die Kegelbahn, Kanus oder der Verleih von Fahrrädern. 

Eine Sache ist ihm besonders wichtig

Seit Anfang des Jahres ist Soppa aufgrund seiner Schädigung im Einsatz nach dem Einsatz-Weiterverwendungsgesetz als Berufssoldat tätig. Auch, wenn sich sein Leben durch den Einsatz in Afghanistan grundlegend verändert hat, bereut er seine Entscheidung, Soldat geworden zu sein, nicht. Er habe gelernt, mit den Folgen umzugehen, sagt er. Als er beim Tag der Bundeswehr das Veteranenabzeichen ausgehändigt bekommen hat, war die Freude groß. Er wusste zuvor nur, dass er von seinem Chef für das Abzeichen vorgeschlagen wurde, ob er es auch bekommt, stand zu diesem Zeitpunkt noch nicht fest. „Ich fühle mich geehrt, dass ich der erste an der Führungsakademie bin, der es bekommen hat“, so der Oberstabsgefreite. Jeder, der seinen Dienst für den Staat geleistet hat, könne ein solches Abzeichen bekommen - das findet Soppa gut. „Ich würde es aber umso besser finden, wenn es die Leute auch nach außen tragen. Dass man ein Bild dazu hat, wer Veteran ist.“ Denn eine Sache ist ihm als Soldat besonders wichtig – Anerkennung aus der Bevölkerung. „Jeder sollte stolz darauf sein, Soldat zu sein“, sagt er.

 


Autorin: Sophie Stange