Konkurrent oder Partner? Beziehung zu China steht auf dem Prüfstand

 

Hier steht die Bildunterschrift

Der ehemalige Botschafter in Peking und Tokio, Dr. Volker Stanzel, hielt beim Hamburger Diskurs einen Vortrag zum Thema „Make China Great Again – Chancen und Risiken des Umgangs mit Peking“.

 

Eine Podiumsdiskussion rundete die Veranstaltung ab.

 

Jörn Thießen, Leiter der Fakultät Politik, Strategie und Gesellschaftswissenschaften an der Führungsakademie der Bundeswehr, moderierte den 14. Hamburger Diskurs im Manfred-Wörner-Zentrum der Führungsakademie der Bundeswehr.

 

Gunter Bonz, Präsident des Unternehmensverbandes Hafen Hamburg, berichtete von der verlässlichen und guten Partnerschaft mit China.

 

Staatsrat der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation, Dr. Torsten Sevecke, verwies darauf, dass Chancen als auch Risiken bei jeder Entscheidung abgewogen werden müssen. 

 

China hat eine Vision: Im Jahr 2049 möchte die Volksrepublik „die“ Weltmacht sein. An einem weltumspannenden Netz aus Handelsrouten und Wirtschaftskorridoren wird bereits gearbeitet, sichtbar wird dies mit dem Projekt „Neue Seidenstraße“. Pekings Einfluss auf dem Wasser soll bis zur Nordsee ausgedehnt, Häfen, Bahnstrecken und Straßen zwischen China und Europa ausgebaut werden. Dieses Vorhaben bereitet vielen Menschen Sorge. Aus diesem Grund hat die Denkfabrik, das „German Institute for Defence and Strategic Studies“ (GIDS), zum „Hamburger Diskurs“ geladen. Im Mittelpunkt der 14. Veranstaltung stand das Thema „China als strategische Herausforderung“.

Umgang mit dem Reich der Mitte

Dieses Thema sorgt für gemischte Gefühle. Ist China ein Konkurrent oder ein Partner? Ist es richtig, nervös zu sein oder doch eher übertrieben? Und welche Chancen und Risiken gibt es im Umgang mit dem sogenannten Reich der Mitte? Diese Fragen lockten am 10. Juli 2019 rund 150 Interessierte in das Manfred-Wörner-Zentrum der Führungsakademie der Bundeswehr. Durch den Abend führte der Leiter der Fakultät Politik, Strategie und Gesellschaftswissenschaften an der Führungsakademie der Bundeswehr, Jörn Thießen. Europa und China sind stark miteinander verwoben, das werde durch Investitionen auf beiden Seiten sichtbar, sagt er. „Wir wollen darüber heute diskutieren“, so Thießen weiter.

Impulsvortrag vom ehemaligen Botschafter

Um das Auditorium einzustimmen, hielt Dr. Volker Stanzel einen Impulsvortrag zum Thema „Make China Great Again – Chancen und Risiken des Umgangs mit Peking“. Stanzel kennt als ehemaliger Botschafter in Peking und Tokio sowohl die deutsche als auch die chinesische Seite. Er war jahrzehntelang im außenpolitischen Geschäft tätig. Seit 2018 ist er zudem Vizepräsident der Gesellschaft für Auswärtige Politik. „Dieses Thema macht viele nervös“, gesteht der ehemalige Botschafter zu Beginn. Warum das so ist, habe er sich gefragt. Er kam auf drei Kriterien, die China bereits zur zweitgrößten Wirtschaftsmacht gemacht haben: Zum einen sind sie im Exportgeschäft sehr aktiv – mit dem Geld wurde das kontinuierliche Wachstum generiert und ausgebaut. Zum anderen pflegt die Volksrepublik ein friedliches Verhältnis zu seinen Nachbarn und dann ist da auch noch der „chinesische Traum“, das Streben nach einem modernen sozialistischen Land.

Positive und negative Folgen

Stanzel lässt die Konsequenzen daraus nicht unerwähnt. Er geht auf positive als auch negative Auswirkungen ein, betrachtet wirtschaftliche, politische als auch sicherheitspolitische Aspekte. So spricht er von der Aneignung fremder Technologien und dem daraus resultierenden Vertrauensverlust auf der einen und von einem boomenden Elektromarkt mit einer großen Auswahl auf der anderen Seite. „China ist ein Konkurrent, ein Systemwettbewerber und ein Partner“, so Stanzel. Deutschland als auch China seien gemeinsam gewachsen. Der ehemalige Botschafter erzählt den Zuhörern von dem vorherrschenden Bonussystem in China. Bei Rot über die Straße zu gehen, führt zu Punktabzug und kann eine Geldstrafe nach sich ziehen. Ein Leihfahrrad ein paar Meter weiter abzustellen, also genau dort, wo ein entsprechender freier Platz ist, kann Pluspunkte bringen. Dieses Vorgehen beschreibt er als System der autoritären Gängelung, in dem die Gesellschaft zum „richtigen Handeln“ erzogen werden soll. Dass China den Dialog mit Deutschland suche, sollte hingegen positiv gesehen werden. Der ehemalige Botschafter verschweigt auch nicht die sicherheitspolitischen Zustände, den Einsatz von physischer Gewalt gegen oppositionelle Kreise. Andererseits kann China aber auch als Stabilitätsfaktor in der Welt gesehen werden, der im Kampf gegen Krankheiten wie Malaria einen Beitrag leisten kann.

Hamburg ist mit China lange verbunden

Wie wichtig die Handelsbeziehungen zwischen Hamburg und China sind, wurde bei der anschließenden Podiumsdiskussion deutlich. Staatsrat der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation, Dr. Torsten Sevecke, berichtet von der Handelspolitik des Senats mit China, die bereits seit Jahrzehnten gepflegt werde. So haben 40 Prozent der Waren, die von und nach Hamburg verschifft werden, mit China zu tun; zudem spricht er von 235 Eisenbahnanläufen in beide Richtungen pro Jahr. Trotz der guten Beziehungen werden immer wieder alle Chancen und Risiken beurteilt. Bei Übernahmeangeboten reagiere die Hansestadt eher defensiv und typisch norddeutsch, also zurückhaltend. Dass China, als dominierende Kraft wahrgenommen wird, bekräftigt auch Gunter Bonz, Präsident des Unternehmensverbandes Hafen Hamburg. Deutschland sei seiner Meinung nach auf das Handeln und Miteinander mit China angewiesen. Er plädiert für eine Strategie, an der Politik und Wirtschaft gemeinsam arbeiten sollten. Dass die Beziehungen zum Reich der Mitte schwierig sind, hänge laut Stanzel vom Spagat ab, der absolviert werden muss. So habe Deutschland materielle Interessen, denen gegenüber steht jedoch die unterschiedliche Wertegrundlage beider Länder. So zu tun, als gäbe es die Konflikte im Wertebereich nicht, sei falsch. Denn so würde sich Deutschland unglaubwürdig machen, sagt Stanzel.

Fragen aus dem Publikum

Nachdem jeder Diskussionspartner seinen Standpunkt erläutert hat, waren die Zuschauer an der Reihe. „Welchen Wert messen Sie gemeinsamen Übungen mit den chinesischen Streitkräften zu?“ – auch in Hinblick auf die Darstellung dieser Übungen in den chinesischen Medien. „Gibt es Dinge, die wir im Management von den Chinesen lernen können?“ Und „was müsste passieren, damit wir in Deutschland zu einer langfristigen Strategie kämen?“ – Das sind nur einige Fragen, die an diesem Abend besprochen wurden. Doch auch in Zukunft wird das Thema „China als strategische Herausforderung“ das GIDS weiter beschäftigen. Getreu dem Motto „Mut zum Diskurs“ soll es eine Fortsetzung der Veranstaltung geben.

 

 

 

Fotografin: Bundeswehr/Lene Bartel

Autorin: Bundeswehr/Sophie Stange