Autor: Norbert Stäblein; Fotos: Lene Bartel

Hamburg, 21.11.2018

Entspannte Gesichter bei der Vorstellung

Generalleutnant Jörg Vollmer erklärt Details der Heereslage

Die Zuhörer nutzen die Chance, dem Inspekteur des Heeres Fragen zu stellen

 Die Gespräche wurden im kleineren Kreis fortgesetzt

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Botschaft an die Lehrgangsteilnehmer war eindeutig: „Nutzen Sie die Führungsakademie der Bundeswehr dazu, den Blick über den Tellerrand zu richten. Hinterfragen Sie auch die Ausbildung“. Es war Generalleutnant Jörg Vollmer, Inspekteur des Heeres, der bei seinem Überblick „Zur Lage des Heeres – aktuelle Entwicklungen“ seine Zuhörerinnen und Zuhörer dazu aufforderte. Er nahm zunächst eine Bestandsaufnahme vor und referierte dann vor den Teilnehmern der Lehrgänge General- und Admiralstabsdienst National und International, sowie des Basislehrgangs Stabsoffiziere im Gneisenau-Saal über die zukünftigen Entwicklungen und Handlungsfelder. Mit einem Schmunzeln gab er den Lehrgangsteilnehmern einen kleinen Hinweis: “Es ist die beste Zeit Ihres Lebens“.

Entscheidungen treffen

Wer glaubte, dass im sogenannten Lehrdeputat Zahlen und taktische Begriffe abgespult würden, irrte. Der Heeresinspekteur hatte sich den ganzen Tag Zeit genommen, um mit den Offizieren intensiv ins Gespräch zu kommen. Das Lehrdeputat ist eine Lehrverpflichtung, die Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen dem Spitzenpersonal der Bundeswehr für den Nachwuchs der Bundeswehr abverlangt. General Vollmer referierte mit viel Elan und schöpfte aus seinem mehr als 40-jährigen Erfahrungsschatz im Dienste der Bundeswehr. Er war teils sachlich, teils emotional, immer mit Blick auf den Menschen. Vollmer forderte die jungen Stabsoffiziere immer wieder auf: „Erinnern Sie sich daran, wo sie herkommen und mit welchem Ziel Sie ihre Entscheidungen treffen“.

Die Zukunft der Laufbahn hinterfragen

Die anwesenden Lehrgansteilnehmer nutzten die Gelegenheit und kamen der Aufforderung, des Generals nach, Fragen zu stellen: Wie Generalleutnant Vollmer zur möglichen Einführung des Status` Berufssoldat für Mannschaftsdienstgrade stehe? „Manch einen würde ich sofort befördern, wegen seines Selbstverständnisses, wegen seines Auftretens – ein angenehmes Auftreten – und wegen seinem Duktus“, begann er seine Antwort. Aber viele Unteroffiziere rekrutieren sich aus der Mannschaftslaufbahn.  „Wenn wir den Mannschaftssoldaten zum Berufssoldaten machen, entfällt der Anreiz für den Einen oder Anderen in die Laufbahn der Unteroffiziere zu wechseln. Aber genau dieses Potential brauchen wir“.

Distanzen müssen überbrückt werden

Zuvor hatte Vollmer den Ist-Zustand des Heeres aufgezeigt und Ausblicke auf die Zukunft gegeben. „Ist das Fulda-Gap gleich dem Suwalki-Gap?“, fragte er rhetorisch. Die Begriffe stehen für eine geografische „Lücke“, die einen militärischen Einmarsch – damals während der Blockkonfrontation das Gelände nördlich von Fulda, heute ein kurzer Grenzverlauf zwischen Polen und Litauen –vorstellbar machen. Vollmer gab sogleich die Antwort: „Fulda ist in Deutschland und war unser Verteidigungsraum. Suwalki ist 1.000 Kilometer entfernt“. Der Hinweis saß: „Landesverteidigung hatte früher nicht die gleichen Distanzen wie es sie heute gibt“. Folglich müsse bei Operationen wie Trident Juncture in Norwegen auch das Verlegen über große Distanzen geübt und die Erkenntnisse daraus in nationale Planungen einbezogen werden.

Aufruf zur multinationalen Zusammenarbeit

Auch die Aspekte Vertrauen in das Material und Bündnisverpflichtung sprach Vollmer an. Mit der Teilnahme der Panzerlehrbrigade 9 an der NATO-Übung Trident Juncture in Norwegen sei es gelungen, die „einzig vollständige Brigade neben dem US-Marine Corps“ zu verlegen. Gerade mit Blick auf die multinationale Übung Trident Juncture sprach er den Bündnisgedanken an. „Europa sind wir alle“, zeigte der Inspekteur auf. Er verstehe darunter die westlichen Staaten genauso wie die Verbündeten an der Ostgrenze der Nato. Die deutsch-niederländische Kooperation sei beispielsweise ein Leuchtturm europäischer Zusammenarbeit, weil die gegenseitigen Unterstellungen von Einheiten sich bewährten. Schließlich „muss man eine Vision haben, die wie eine Brücke auf festen Pfeilern steht“, schloss der Inspekteur. Diese Pfeiler seien die vielen militärischen Kooperationen Deutschlands mit anderen Staaten.

Zukünftige Entscheider sollen Perspektive entwickeln

Die Zuhörer griffen Vollmers Appell des Hinterfragens auf. Sie wollten neben fachlichen Antworten auch seine persönliche Erfahrung und Meinung mitnehmen. Von der Europäischen Armee bis zur Fliegerabwehr – General Vollmer beantwortete alle Fragen. Besonders wichtig war ihm, dass die Teilnehmer der Führungsakademie als zukünftige Entscheidungsträger immer auch eine eigene Perspektive entwickeln und Lösungsansätze herbeiführen. Sie sollten aber auch Geduld behalten und künftige Aufträge langfristig denken.