Autor: Victoria Eicker; Fotos: Lene Bartel

Hamburg, 16.11.2018

Militärdekan Monsignore Mezger begrüßt die Gäste in der Kapelle des Friedhofs Blankenese

Generalmajor Kohl hielt eine Ansprache und erinnerte an das Ende des 1. Weltkrieges vor 100 Jahren

Eine französische Ehrenformation mit Studenten der HSU rahmte den Festakt ein

Verschiedene Abordnungen legten Kränze am Gedenkstein nieder

Kameraden der britischen Armee sorgten für eine musikalische Begleitung

Im Anschluss an die Reden folgte eine Schweigeminute zum Gedenken

Eine Fotoausstellung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge informiert über den 1. Weltkrieg

 

 

Es war still, als der dunkle, dumpfe Gong zehnmal erklang. Wie aus weiter Ferne, erinnernd. Die Bänke in der kleinen Kapelle auf dem Blankeneser Friedhof waren bis auf den letzten Platz besetzt: Soldatinnen und Soldaten unterschiedlicher Nationen – Amerikaner, Franzosen, Briten, Italiener, Deutsche – alle in Uniform. Ferner Angehörige, Familien, Kinder und Menschen, die gedenken wollten. Rund 100 geladene Gäste hatten sich eingefunden. Alle hielten inne – in Stille. Der Volkstrauertag 2018 stand unter dem besonderen Vorzeichen der Beendigung des 1. Weltkriegs vor 100 Jahren. Der Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) in Hamburg, Generalmajor Oliver Kohl, hatte Vertreter der ehemaligen deutschen Kriegsgegner zu einer gemeinsamen Kranzniederlegung mit anschließendem Empfang eingeladen.

Sehnsucht nach Frieden

„Zehn Schläge, zehn mal zehn, 100 Jahre ist es her, dass die Waffen schwiegen“, hob der katholische Militärdekan Bernward Mezger hervor. Anschließend habe eine kurze Zeit des Friedens begonnen. „Frieden, darum beten wir an diesem Ort“, fuhr der Militärdekan fort. 17 Millionen Menschen starben im 1. Weltkrieg, 60 Millionen Menschen fielen dem 2. Weltkrieg zum Opfer - und dann, in vielen kleinen und großen Kriegen und Konflikten seither, unzählige weitere Menschen, Soldaten wie auch Zivilsten. Doch das seien nicht nur Zahlen. „Gott kennt jeden Einzelnen dieser Menschen und nennt ihn beim Namen“, betonte Mezger. Es sei ein Zeichen der Hoffnung, dass sich ein Jahrhundert nach dem 1. Weltkrieg hier in dieser Kapelle Menschen der Nationen, die sich damals feindlich gegenüber gestanden hätten, gemeinsam versammelten, um ihrer und aller Toten zu gedenken. „Es gibt etwas, das uns zusammenführt. Es ist die Sehnsucht nach Frieden“, sagte der Militärdekan. Doch er mahnte gleichzeitig an, wachsam zu sein!

Tag des Innehaltens

Im Anschluss an die Andacht versammelten sich die Gäste am Gedenkstein des Friedhofs. Gras und Moos an den vielen Soldatenstiefeln waren an diesem frostigen Morgen kalt und nass vom Raureif. Die matten Strahlen der Herbstsonne brachen durch die schon kahlen Äste der Eichenbäume und fielen hinab auf die stille Versammlung. Eine Ehrenformation junger französischer Offiziere, die derzeit an der Helmut-Schmidt-Universität studieren, rahmte den Festakt ein. Generalmajor Kohl begrüßte die Gäste und erinnerte an das geschichtsträchtige Datum der Beendigung des 1. Weltkriegs: „Ein Krieg, der 17 Millionen Menschen das Leben kostete. 17 Millionen, die Mahnung genug hätten sein müssen. 17 Millionen Träume, Wünsche, Erwartungen, Sehnsüchte“, betonte er. Doch es sei nicht Mahnung genug gewesen. Denn gefolgt sei der 2. Weltkrieg - mit 60 Millionen Toten. „60 Millionen Menschen, 60 Millionen Träume, Wünsche, Erwartungen und Sehnsüchte“. Der Volkstrauertag sei ein Tag des Innehaltens, der Trauer, des Gedenkens all der Opfer von Krieg, Gewaltherrschaft, Vertreibung und Willkür. Kohl gedachte auch der 100 Soldaten der Bundeswehr, die in der Erfüllung ihrer Pflicht gefallen sind

Wir vergessen nicht

Der Kommandeur der Führungsakademie zitierte Bertolt Brecht mit den Worten: „Der Mensch ist erst wirklich tot, wenn niemand mehr an ihn denkt.“ Und er mahnte an, sich immer wieder daran zu erinnern, dass Frieden und Gerechtigkeit keine Selbstverständlichkeit sind: „Wir vergessen nicht!“, sagte Kohl. Obwohl die Menschen hierzulande im Frieden lebten, dürfe dies nicht dazu führen, dass man das Elend und die Ungerechtigkeiten an anderen Orten der Welt gleichgültig hinnehme. Damit erinnerte Kohl daran, dass der Volkstrauertag nicht nur ein Tag der Trauer und der Mahnung ist, sondern eben auch ein Tag der Hoffnung auf Versöhnung und der Verpflichtung für die Zukunft: für eine friedliche und gerechte Welt. So sei Europa seit jenen trennenden Jahren der Weltkriege über die folgenden Jahrzehnte hinweg zusammengewachsen. Demensprechend freute sich der Generalmajor darüber, dass so viele internationale Gäste, Freunde und Partner der Veranstaltung beiwohnten. So war der britische Generalkonsul Nicholas Teller zu Gast, ebenso der französische Generalkonsul Laurent Toulouse, der italienische Generalkonsul Giorgio Taborri sowie der US-amerikanische Verbindungsoffizier an der Führungsakademie Jared Samuelsen. Jeder von ihnen legte einen Kranz am Gedenkstein nieder. So entstand ein buntes Blütenmeer der Erinnerung im kalten Grau dieses Vormittags. Unter den Gästen war auch die Bezirksleiterin von Altona, Dr. Liane Melzer.

Poppies in Blankenese

Der Volkstrauertag ist ein sogenannter stiller Feiertag. Ein Tag des Gedenkens an die Opfer der Kriege, von Gewaltherrschaft und Willkür. Doch es ist auch ein Tag der Mahnung. „Krieg darf nie wieder passieren und jeder ist aufgefordert, sich klar zu positionieren“, betonte Generalmajor Kohl. Auch der britische Generalkonsul Teller, der bereits zum zweiten Mal an dem gemeinsamen Gedenken teilnahm, mahnte Wachsamkeit an. Es sei ein Tag, sich all jener zu erinnern, die im Dienst für ihr Land ihr Leben gelassen hätten. Teller trug eine rote Mohnblume am Revers, mittlerweile weltweites Erinnerungssymbol für die Opfer von Kriegen, das aus Großbritannien stammt. Mit stilisierten Mohnblumen wird dort seit den 1920er Jahren an die Gefallenen des 1. Weltkriegs, später aller Kriege, erinnert – angelehnt an ein Gedicht des kanadischen Lyrikers John McCrae. Generalkonsul Teller betonte die gemeinsamen Sicherheitsziele der internationalen Gemeinschaft und die Wichtigkeit, gemeinsam die Freiheit zu verteidigen. Er war es auch, der den außergewöhnlichsten Kranz niederlegte: Dieser bestand ausschließlich aus roten Mohnblumen – Remembrance Poppies.

Fotoausstellung 1. Weltkrieg

Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von der britischen „Band of the Royal Armoured Corps“, die von den Seenelager Barracks aus Bielefeld nach Hamburg gekommen war, sowie einer Abordnung des Marinemusikkorps Kiel. Beide spielten mit ihren Bläsern die Stücke „Gaelic Blessing“, „Aux Morts“ sowie „Das Lied vom guten Kameraden“. Im Anschluss gab es einen Empfang für geladene Gäste im Beck-Saal der Führungsakademie. Hier konnten sich Interessierte noch einmal anhand einer Fotoausstellung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge über den 1. Weltkrieg informieren. Die Ausstellung wird noch bis zum 28. November 2018 im Foyer des Wirtschaftsgebäudes in der Clausewitz-Kaserne zu besichtigen sein. Kleinere Abordnungen der Führungsakademie nahmen zudem an Gedenkfeiern mit Kranzniederlegungen auf dem Friedhof Nienstedten und am Gedenkstein Osdorfer Landstraße sowie später im Hamburger Michel teil.

 

Die Rede des Kommandeurs finden Sie hier