Autor: Kim Strunk; Fotos: FüAkBw

Hamburg, 18.10.2018

„Veränderungsmangement – Serious Gaming“, ein interaktives Planspiel

Modelle im Realitätscheck

Veränderungen sind allgegenwärtig und können auf den Einzelnen bedrohlich wirken. Wer Wandel erfolgreich gestalten will, muss Betroffene im Veränderungsprozess mitnehmen, überzeugen und einbinden. Veränderungsmanagement ist dabei keine „Blackbox“. Führungskräfte können lernen, Veränderungen zielgerichtet zu steuern, zu unterstützen und zum Erfolg zu führen. Das Seminar "Veränderungsmanagement in der Bundeswehr (VMBw)" an der Führungsakademie der Bundeswehr steht dazu zivilen und militärischen Managern offen.
Für Führungskräfte ist es eine Herausforderung, Mitarbeitende nach der ersten und manchmal impulsiven Schock-Reaktion aufzubauen, für die Veränderung zu sensibilisieren und in diese einzubinden. Mitte September stellten sich unterschiedliche zivile und militärische Führungskräfte dieser Herausforderung und bildeten sich mit dem Seminar VMBw weiter.

Ein Werkzeugkoffer für Veränderungen

Das Veränderungsmanagement in der Bundeswehr betrifft nahezu jede Dienststelle. Das Seminar bietet dabei einen Einstieg in die Thematik und praktische Hilfestellungen. Das Modul schafft zunächst eine gemeinsame Basis und „Abholpunkte“: Wie reagieren Menschen auf Veränderungen? Wie entwickeln sich Reaktionen auf der Zeitschiene? Was ist Veränderungsmanagement und wie ist das Vorgehen bei Veränderung?
Ein interaktives Planspiel in Gruppen von jeweils fünf bis sechs Teilnehmern begleitet die theoretischen Inhalte. Dabei gestaltet die Gruppe einen komplexen Veränderungsprozess durch Entscheidungen. Diese fallen nicht immer leicht. Unterschiedliche Standpunkte und Sichten auf die Situation sensibilisieren für individuelle Unterschiede. Der spielerische Ehrgeiz schweißt die Gruppen zusammen. Das Planspiel macht Veränderung erlebbar und bietet den Teilnehmenden eine ausgezeichnete Möglichkeit, das Gelernte unmittelbar anzuwenden.

Unterschiedliche Perspektiven

Gastdozenten ergänzen und bereichern die Seminarinhalte. Dieses Mal gab Marcus Tatulinski, Kapitänleutnant der Reserve und Experte für Psychologie, einen Einblick in neurologische Funktionsweisen des Gehirns und erklärte kurzweilig, wie Menschen Informationen aufnehmen, verarbeiten und mit Veränderung grundsätzlich umgehen. Kim Strunk, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Passau, bot Einblicke in ein aktuelles Forschungsprojekt der Universität. Dieses untersucht die Konflikte, Spannungen und unterschiedlichen Motivationen bei der Einführung von "Mindfulness"* in Unternehmen. Der Unternehmensberater Stefan Rausch zeigte am Beispiel eines DAX-Unternehmens, wie Veränderungsprojekte in der Wirtschaft verlaufen und wie dort Maßnahmen der Führungskräfte zum Erfolg führen können.

Theorie und Praxis

Der Erfahrungsaustausch steht gemeinsam mit den Unterrichtseinheiten zu theoretischen Hintergründen und Modellen im Mittelpunkt des Seminars. Die Teilnehmenden verfügen über umfangreiche persönliche und berufliche Erfahrungen mit Veränderungen und bringen diese in die Diskussion ein. „Ziel ist es, nicht nur Modelle zu vermitteln, sondern auch den Kontext zu hinterfragen und die Eignung der Modelle einschätzen zu können", sagen die Seminarleiter, Oberstleutnant Reinhard Beckmann und Hauptmann Thorsten Fischer. ,,Dazu bilden wir gezielt heterogene Arbeitsgruppen, um von unterschiedliche Meinungen, Sichten und Erfahrungen zu profitieren“, so die Seminarleiter weiter.

Es braucht Verständnis und Einsatz

Veränderungsmanagement ist keine unlösbare Aufgabe und kann erfolgreich gelernt werden. Hierfür braucht es insbesondere Empathie, Kommunikationsvermögen und ein entsprechendes Grundwissen in Methoden. Veränderungsmanagement ist immer mehr als eine zusätzliche Nebenaufgabe, um Veränderungen erfolgreich zu gestalten und die Menschen mitzunehmen.


* Eine erste Erläuterung zur Einführung von „Mindfulness“ in Unternehmen finden Sie zum Beispiel hier.