Autor: Christoph Weigmann; Fotos: Lene Bartel

Hamburg, 24.09.2018

Flottillenadmiral Karsten Schneider

Flottillenadmiral Schneider während einer Besprechung

Admiral Schneider bei einer Verhandlungsführung

Mit einer feierlichen Übergabe verabschiedet sich Flottillenadmiral Karsten Schneider am 26. September aus der weltoffenen Stadt Hamburg. Sechs Jahre lang war er als stellvertretender Kommandeur und Direktor Ausbildung an der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) eingesetzt. Admiral Schneider übernimmt in Rostock die Aufgabe des Chefs des Stabes im dort ansässigen Marinekommando. Den Kommandowechsel wird der Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr, Brigadegeneral Oliver Kohl, vollziehen. Der Nachfolger von Flottillenadmiral Schneider wird Oberst i.G. Holger Neumann.


Aus diesem Anlass ist es unser Anliegen, noch einmal den Admiral zu Wort kommen zu lassen. Das Interview mit ihm erfolgte im September, kurz vor seinem Wechsel ins Marinekommando nach Rostock:

Frage: Herr Admiral, seit 2012 sind Sie stellvertretender Kommandeur der Führungsakademie und zugleich Direktor Ausbildung. Wenn Sie auf die zurückliegenden sechs Jahre zurückschauen: Was sind die Höhepunkte Ihrer Zeit an der FüAk?

Admiral Schneider: Das einschneidendste Ereignis der vergangenen sechs Jahre war der Besuch der Frau Ministerin von der Leyen am 6. November 2016, bei dem sie der Akademie einen neuen Auftrag und damit eine neue Grundlage gegeben hat. Seit diesem Tag haben wir die Ausbildung neu gestaltet und den Sachverstand von Lehrenden und Lernenden in einer Denkfabrik für die Bundeswehr und ihre politische Führung organisiert.

Frage: Gab es auch schwierige Zeiten?

Admiral Schneider: Vor diesem neuen Auftrag war die Akademie in ihren Entfaltungsmöglichkeiten stark eingeschränkt. Vieles, was wir als erforderlich erachteten, konnte nicht in Angriff genommen werden. Das erforderte Geduld und die Bereitschaft, sich auf einen Tag X vorzubereiten, ohne zu wissen, wann und ob er kommt.

Zur Führungsakademie und den Veränderungen an der FüAk

Frage: Die Führungsakademie hat in den sechs Jahren eine große Veränderung erfahren: Was bedeutet dieser Prozess für Sie?

Admiral Schneider: Ich sehe in diesen Veränderungen zwei Chancen. Erstens können wir den an der Akademie versammelten Sachverstand für die Bundeswehr und unser Land nunmehr richtig zur Wirkung bringen. Zweitens, und für mich als Direktor Ausbildung wichtiger, gibt es einen völlig neuen Ansatz der Ausbildung. Wir waren schon vorher nicht schlecht und mussten uns nicht verstecken. Jetzt aber besteht die Chance, sich von einer ziemlich guten zu einer herausragenden Ausbildungseinrichtung zu entwickeln. Dabei tritt die Entwicklung von Führungspersönlichkeiten in den Vordergrund gegenüber der reinen Wissensvermittlung. Uns eröffnen sich ganz neue Möglichkeiten, das Potential der bei uns Ausgebildeten im Sinne einer professionellen Prognostik abzuschätzen. Wir bekommen zudem erstmals die Kapazität, „Ausbildung‘‘ selbständig nach den Methoden moderner Erwachsenenbildung zu gestalten. Dieser Prozess ist bei Weitem noch nicht abgeschlossen.

Menschen an der Führungsakademie

Frage: Welche Begegnungen bleiben Ihnen in Erinnerung?

Admiral Schneider: Die Führungsakademie ist ein Ort der Begegnung. Ich habe herausragende Dozentinnen und Dozenten kennengelernt, denen lernbegierige Teilnehmende der vielen verschiedenen Lehrgänge gegenübersaßen, darunter viele Reservistinnen und Reservisten auf beiden Seiten. Die intensivsten Begegnungen hatte ich während der Lehrgangsreisen, wenn Gelegenheit bestand, ganze Tage und Wochen miteinander zu verbringen. Dafür bin ich sehr dankbar. Beeindruckt haben mich außerdem die vielen Menschen an der Akademie und in ihrem Umfeld, die zu allen Zeiten, ob ruhig oder bewegt, ohne viel Aufhebens ihre Aufgaben erfüllt haben. Das sind die vielen dienstbaren Geister im Stab der FüAk, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundeswehrdienstleistungszentrums und unseres Sanitätsbereichs ebenso wie die Freunde der Akademie, die sich um unsere ausländischen Lehrgangsteilnehmer kümmern. Das Zusammentreffen mit diesen Menschen war für mich eine enorme Bereicherung.

Innere Führung und Führung mit Auftrag

Frage: Für beide Themen, „Innere Führung‘‘ und „Führung mit Auftrag‘‘, steht die FüAk, denn die Auseinandersetzung wie auch die Weiterentwicklung dieser Bereiche sind Akademieauftrag. Was bedeuten Ihnen "Innere Führung" und "Führen mit Auftrag"?

Admiral Schneider: "Innere Führung" und "Führen mit Auftrag" sind eng miteinander verbundene Themen, zu denen viele jüngere Soldaten Diskussionsbedarf haben. Ich habe das eine oder andere Mal vermitteln müssen, dass ,,Führen mit Auftrag" verbunden mit einem kooperativen Führungsstil nicht dem netten Umgang miteinander dienen, sondern eine überlegene Führungsform sind, darauf angelegt, die gesamte Leistungsfähigkeit der Auftragsempfänger zu aktivieren. Das entspricht dem Menschenbild, das der ,,Inneren Führung" zugrunde liegt. Wir dürfen nicht müde werden das zu vermitteln, weil diese Erkenntnisse nicht so selbstverständlich sind, wie ich mir das manchmal vorgestellt habe.

Und noch eine letzte Frage: Was würden Sie der FüAk gerne mit auf den Weg geben?

Admiral Schneider: Die FüAk hat in ihren beiden Aufgabenfeldern als Denkfabrik und als Stätte moderner militärischer Ausbildung großes Potential. Als Ergebnis ihrer Tätigkeit erwartet man pragmatische Ergebnisse auf der Grundlage tiefer akademischer Durchdringung. Und man erwartet, dass Ihre Absolventen gleichermaßen als militärische Führer und als Stabsarbeiter zu den besten der Welt gehören. Ich bin zuversichtlich, dass die Akademie diese Herausforderung mit großem Erfolg meistern wird.

Herr Admiral, vielen Dank für dieses Interview. Wir wünschen ihnen für Ihre neue Aufgabe alles Gute.