Beschleunigen im Führungsprozess- Herausforderung durch Bedrohungen

Autor: Christof Schulz; Fotos: Katharina Roggmann

Hamburg, 09.07.2018

Einsatz der verbundenen Kräfte

Die Analysephase ist in vollem Gang

Luftunterstzüng am deutschen Beispiel

Gute Vorarbeit ist alles

 

Das Militärische Nachrichtenwesen (MilNW) ist vor Herausforderungen gestellt. Neue Bedrohungen tangieren den Führungsprozess der Landstreitkräfte. Ob und wie dieser Denk- und Abstimmungsprozess beschleunigt werden kann, damit beschäftigt sich das Modul „Militärisches Nachrichtenwesen in Landoperationen“  an der Führungsakademie der Bundeswehr.

Mit welchen Methoden kann das gegnerische Handeln analysiert werden, wenn dessen Vorgehen und Denken stärker von den eigenen Einsatzgrundsätzen abweichen? Wie behalten wir einen Kenntnisvorsprung, wenn das militärische Vorgehen des anderen nicht unbedingt auf der Hand liegt? Wie vereinbart man erforderliche Tiefe der Operationsplanung mit der Forderung des Führungsprozesses der Landstreitkräfte mit dem Ziel, möglichst schnell zu einem stringenten Entschluss zu gelangen? Das Modul „Militärisches Nachrichtenwesen in Landoperationen“ findet Antworten auf diese Fragen und eröffnet neue inhaltliche und ablauforganisatorische Aspekte im Führungsprozess.

Bunte Mischung aus Erfahrungen

Mehr als 20 Teilnehmer aus dem Militärischen Nachrichtenwesen beschäftigen sich im Seminar „Militärisches Nachrichtenwesen in Landoperationen“ mit diesen spannenden Fragen. Von Soldaten der 10. Panzerdivision, des I. Deutsch-niederländischem Korps, aus verschiedenen Bereichen des Systems Militärisches Nachrichtenwesens bis hin zu Reservedienstleistenden waren Experten mit einer höchst unterschiedlichen Erfahrungsbandbreite beim zuletzt durchgeführten Seminars anwesend. Die Diskussionen waren äußerst lebhaft, es gab einen regen Gedankenaustausch und nicht zuletzt sorgte der Lehrgang dafür, alle Teilnehmer auf einen gemeinsamen Wissenstand zu bringen - den sie selbst wiederum in ihren eigenen Bereich als Multiplikator mitnehmen konnten.

„Neue Bedrohung“ - Herausforderung bei der Analyse

Bereits bekannte Verfahren bildeten die Analysegrundlage, um das theoretische und praktische Vorwissen zu vertiefen und in konkreten Beispielen und Lagen auf „neue Bedrohungen“ im Führungsprozess der Landstreitkräfte auf Ebene einer Division anzuwenden. Konkret bedeutet dieses, dass ein möglicher Gegner auf zwei Arten ungewöhnlich agiert: Zum einen wendet er sogenannte Bataillonskampfgruppen an, das heißt er agiert in (relativ) kleinen Kampfgruppen mit mehreren hundert Soldaten. Diese Bataillonskampfgruppe ist jedoch zum Einsatz von verbundenen Kräften, also den Einsatz unterschiedlicher Truppengattungen und Teilstreitkräfte, befähigt und verfügt daher unter anderem über eigene Kampfunterstützungselemente wie z.B. Artillerie sowie eigene Aufklärungskräfte, eine verstärkte logistische Befähigung und eine Anbindung an ein sogenanntes Sensor-to-Shooter-System der übergeordneten Armee. Das entspricht nicht unseren üblichen Einsatzgrundsätzen, die die Autarkie erst auf Brigadeebene vorsehen. Zum anderen verfügt der Gegner aber auch über Kräfte des klassischen Durchbruchs in der Division-, Brigade- bzw. Regimentsgliederung. Flankiert werden die Operationen des Gegners durch hybride Aktivitäten im holistischen Spektrum, einem ganzheitlichen Ansatz, der weit über eine rein militärische Bedrohungen hinausgeht. Ein derart eigenständiger Gegner erfordert flexibel agierende eigene Kräfte und insbesondere eine Flexibilität im Denken im Führungsprozess, um ihn erfolgreich abzuwehren.

 


Konsequenzen für das Militärische Nachrichtenwesen

Die Rolle des Militärischen Nachrichtenwesens und der Aufklärung wird noch bedeutsamer. Ein derartiger Gegner erfordert eine sehr detaillierte Analyse. Diese wie auch die jeweiligen Teilbeiträge des Militärischen Nachrichtenwesens in den einzelnen Phasen des Führungsprozesses dürfen diesen bei Zeitdruck dennoch nicht verlangsamen. Hier muss lageabhängig geprüft werden, was zwingend im Führungsprozess zu berücksichtigen und welche Teile parallel zum Planungsauftrag durch die Zelle MilNW der jeweiligen Ebene bearbeitet werden kann.

Ziel erreicht

Das Ziel der Modulausbildung wurde für den Dozenten an der FüAkBw erreicht. Es ging darum,  ein gemeinsames Grundverständnis für die Thematik des Gefechts der verbundenen Kräfte in Bataillonskampfgruppen und Durchbruchskräften einschließlich der Anwendung der bekannten Analyse- und Aufklärungsverfahren des Militärischen Nachrichtenwesens zu schaffen. Möglichkeiten der Straffung des Prozesses wurden diskutiert und angeboten. Die Modulteilnehmer wurden bedarfsorientiert für ihre Funktionsbereiche mit dem Blick in die Zukunft und insbesondere für ihren Einsatz in den Planungszellen im Einsatz und auf Übungen geschult.