Autor: Thorsten Fischer; Fotos: FüAkBw

Hamburg, 26.06.2018


Die Modulteilnehmenden


"Wissensmanagement benötigt keine Software"


Wissen und Ideen aus einfachen Methoden generieren

Dies wusste bereits General Carl Phillipp Gottfried von Clausewitz. Wissen kann allerdings nur dann ein Können werden und zum Handeln befähigen, wenn ein bewusster und systematischer Umgang mit der Ressource Wissen erfolgt – und genau das ist der Kern des Wissensmanagements in der Bundeswehr (WiMgmtBw)!

Unter dem Leitgedanken „Nicht Wissen ist Macht, sondern angewandtes Wissen ist Macht“ fand im Juni 2018 ein weiterer Durchgang des Moduls „Wissensmanagement in der Bundeswehr“ an der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) in Hamburg statt. Den Lehrgangsteilnehmern wurden in dem einwöchigen Seminar Grundlagen des Wissensmanagements sowohl theoretisch als auch praktisch-methodisch vermittelt.

WiMgmtBw betrifft dabei jeden Prozess und erreicht somit jede Dienststelle und jeden Beteiligten der Organisation. Dies spiegelt sich nicht zuletzt in der „bunt-gemischten“ Gruppe an Seminarteilnehmenden wider, welche mit viel Elan das Thema aus unterschiedlichsten Perspektiven heraus beleuchteten.

Wissensmanagement ist vielschichtig

Zu Beginn des Moduls wurden zunächst eine gemeinsame Basis und „Abholpunkte“ geschaffen. Was ist eigentlich Wissen? Wie entsteht Wissen? Wo ist es zu finden? Was ist Wissensmanagement? Und wie gestaltet es sich in der Bundeswehr? Solche und ähnliche Fragen standen im Vordergrund.

Wissensmanagement aus Sicht des Bundesverteidigungsministeriums

Wie kommt das WiMgmtBw in der Bundeswehr zur Umsetzung? Mit seinem Beitrag WiMgmtBw aus Sicht des Bundesministeriums der Verteidigung (BMVg) gab Oberstleutnant i. G. Manuel Sandvoß aus dem Referat Managemententwicklung einen konzeptionellen Überblick. Dabei stand er den Seminarteilnehmern Rede und Antwort. Auch das digitale Dokumentenmanagementsystem der Bundeswehr als ein spezieller Teil des WiMgmtBw war im jüngst durchgeführten Modul ein zentrales Thema. An dieser Stelle gaben Frau Regierungsdirektorin Heike Höschel und Oberstleutnant Lars Kostka (beide BMVg), sowie Oberst Andreas Prüfert von der Einführorganisation Dokumentenmanagementsystem Heer das Implementierungskonzept und Ihre bis dato gesammelten Erfahrungen an die Lehrgangsteilnehmer weiter.

Wissensmanagement als Abbild des Gehirns

Ein weiteres Highlight war der Beitrag von Herrn Oberstleutnant d. R. Frank Röbers, welcher als Vorstandsvorsitzender der Synaxon AG vom spannenden Weg zu einem vertrauensbasierten Wissensmanagement in einem Wirtschaftsunternehmen berichtete. Neben Herrn Röbers gab Kapitänleutnant d. R. Marcus Tatulinski als Experte für Psychologie einen interessanten Einblick in die Funktionsweisen des Gehirns und erklärte kurzweilig wie Menschen lernen, also Informationen aufnehmen, verarbeiten und zu Wissen umwandeln.

Wissensmanagement in der Umsetzung

Ein Tag des Seminars stand gänzlich im Zeichen der praktischen Methode. Dazu zeigte Frau Dorothé Mertens von der Firma „Wissenshunter“ den Seminarteilnehmenden, wie man anhand einfacher und sofort einsetzbarer Methoden neue Ideen und Wissen generieren kann. Abgerundet wurde die Woche durch einen Gastauftritt von Herrn Leitender Wissenschaftsdirektor Reinhard Färber aus dem Bildungszentrum der Bundeswehr in Mannheim. Er berichtete, wie der Megatrend der Digitalisierung unser (Arbeits-)Leben bereits heute entscheidend beeinflusst und auch das Wissensmanagement innerhalb von Organisationen in Zukunft weiter prägen wird. Dabei betonte er, dass es darauf ankommt diese Entwicklung nicht als Bedrohung bestehender Ordnung, sondern vielmehr als Chance und Möglichkeit zu betrachten, das Wissen der Organisationsmitglieder noch besser als bisher zu nutzen.

Wissenschaftsmangement ohne Software

Eine der Kernbotschaften des Seminars war, dass das Wissensmanagement keine Software benötigt. Allzu leicht wird verkannt, dass das wertvollste Wissen der Soldaten und zivilen Mitarbeiter oftmals nicht expliziert verschriftlicht und somit auch nicht in einer Datenbank gespeichert werden kann. Lediglich ein Bruchteil des Wissens kann in Form von Informationen durch Software-Lösungen erfasst werden. Das über Jahre und Jahrzehnte angeeignete Erfahrungswissen, das Können und die Kompetenz der Mitarbeiter, welche die Streitkräfte letzten Endes mit Leben erfüllen, sind der eigentliche Schatz der Organisation; ein Schatz den es wertzuschätzen, zu bewahren und weiter zu mehren gilt.