Autor: Verena Hoffmann / Jonathan Scheffler; Fotos: Jonathan Scheffler

Hamburg, 18.06.2018


Dirk Feldhaus (Mitte) - Beauftragter Kommunikation der Arbeitgebermarke Bundeswehr

Klaus Gorny (Mitte in der Diskussionsrunde) - Head of Communications Facebook- beantwortet die Fragen der Teilnehmenden

PR-Experte Malte Schinlder über Social Media in der Bundeswehr

Moderator der Podiumsdiskussion: Journalist Dirk Finger

Klaus Gorny, Dirk Finger und Malte Schindler (v.l.n.r.)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mit dem Thema „Social Media im Einsatz und in der Truppe: Chancen und Risiken“ fand im Rahmen des Ausbildungsangebotes Mitte Juni im Manfred-Wörner-Zentrum der Führungsakademie Hamburg (FüAkBw) unter Leitung von Oberstleutnant Jürgen Bredtmann, eine Podiumsdiskussion vor etwa 50 interessierten Gästen statt. Hierbei stellten sich der Beauftragte Kommunikation Arbeitgebermarke Bundeswehr, Dirk Feldhaus, der Head of Communications Facebook, Klaus Gorny, sowie der Video-Experte für PR und Marketing, Malte Schindler, den vielfältigen Fragen vom Journalisten Dirk Finger zum Thema Chancen und Risiken von Social Media innerhalb der Bundeswehr. Eineinhalb Stunden beschäftigten sich die eingeladenen Experten sowie die anwesenden Zuhörer mit Fragen rund um das Thema „soziale Medien“ und ihre Nutzung für die und in der Bundeswehr.

Transparenz tut der Bundeswehr gut

Hierbei wurde deutlich, dass die Bundeswehr eine der ersten Großorganisationen ist, die das Potenzial von „Social Media“ erkannt hat und dass kein Weg an ihrer Nutzung vorbei führt. Der größte Vorteil der sozialen Medien wurde in der Werbung für die Bundeswehr, hier im Speziellen für die Nachwuchswerbung, erkannt. Über verschiedene Instrumente wie Snapchat, Facebook, Instagram und YouTube können sich die unterschiedlichsten Altersgruppen über die Bundeswehr informieren. Besonders die YouTube-Auftritte der Serie „Die Rekruten“ erlangte hohe Aufmerksamkeit und hatte steigende Bewerberzahlen zur Folge. Die Beobachtung der gleichaltrigen Darsteller bei der Bewältigung ihrer täglichen Abenteuer und Aufgaben bei der Bundeswehr nutzen viele Jugendliche zur Information, um sich dann bei der Bundeswehr zu bewerben. „Wir erreichen damit unsere Hauptzielgruppe im Alter von 17 bis 35, zeigen den realistischen Alltag in der Grundausbildung und bauen dadurch Vorbehalte bei unseren zukünftigen Bewerbern ab“, so Dirk Feldhaus. „Wir zeigen neben dem normalen Dienst auch beide Seiten des Soldatenlebens – Kameraden, die sich in der Bundeswehr verwirklichen und Menschen, die sich in der Bundeswehr nicht wiederfinden und das Militär verlassen.“

„Wir sind nicht Hollywood, sondern die Bundeswehr“

Diesen offenen und ungeschminkten Umgang in den Medien und die umfangreiche Nutzung der unterschiedlichen Social-Media-Kommunikationsmittel für die Bundeswehr lobte der Journalist und Marketingexperte Malte Schindler. Neben Internetkanälen greift die Bundeswehr zusätzlich auf die Medien Fernsehen, Radio und auch Plakatwerbung zurück. „Mit dem modifizierten Flecktarn auf unseren Plakaten verknüpft heutzutage jeder die Bundeswehr, auch ohne diesen Hinweis explizit geben zu müssen“, sagt Feldhaus. Damit hat die Bundeswehr einen deutlichen Wandel hinter sich, von einer sehr reservierten und langweiligen Medienpräsenz hin zu einer sehr offenen Kommunikationsplattform. Besonders lobend erwähnte Malte Schindler hierbei die Berichterstattung über den Auslandseinsatz in Mali, da sie ein realistisches Bild vom Leben eines Soldaten/einer Soldatin im Einsatz darstelle. Diese Serie zeige ungeschönt den Alltag in diesem Auslandseinsatz, ohne die Gefahren zu verharmlosen. Der tägliche Alltagstrott, Bürokratie und Langeweile gehören genauso zum Einsatz wie die Verwundung oder der Tod von Soldaten. „Dieser offene Umgang mit der Wirklichkeit im Einsatz spricht die Leute an“, erklärt Feldhaus

Geschichten für Jugendliche

Nicht nur „Mali“ und „Die Rekruten“ sollen Interessierte und potenzielle Bewerber ansprechen. „In Google stellen Interessierte aus allen Altersgruppen Fragen zum Alltag in der Bundeswehr. Wir versuchen daraus interessante Geschichten für Social Media abzuleiten. Aber nicht jede Idee ist spannend genug, um sie in kleinen Häppchen zu erzählen. Über die Fragen hinaus bekommen wir auch Feedback von Familien, die sich positiv über die Internetpräsenz der Bundeswehr äußern, da dadurch das Berufsbild des Soldaten für viele Jugendliche greifbarer dargestellt wird“, erklärt der Beauftragte Kommunikation Arbeitgebermarke Bundeswehr.

Ohne Social Media geht es nicht mehr

Die Botschaft der heutigen Diskussionsrunde ist laut Dirk Feldhaus eindeutig: ,,In der heutigen Zeit können wir uns nicht erlauben, auf Medienauftritte zu verzichten, wenn wir der Bevölkerung den Auftrag der Bundeswehr und Karrierechancen näher bringen wollen. Wenn wir es nicht machen, machen es die Soldaten mit Handys oder Helmkameras. Die selbstgedrehten Videos der Soldaten können nur unterstützend Informationen über die Bundeswehr vermitteln. Die Basis muss aber von uns kommen. Und hierbei merken wir, dass wir mit unseren Social-Media- Aktivitäten einfach mehr Menschen erreichen, als wir es noch vor ein paar Jahren geschafft haben. Trotz mittelschwerer Krise aufgrund des Datenmissbrauchsskandals dient Facebook weiterhin als Werbekanal. Und bei einer Generation, welche kein Fernseher mehr schaut, müssen wir unsere Informationen in YouTube, Facebook und anderen Formaten bereit stellen."

Social Media als Modul an der Akademie

Die FüAkBw bietet, um der Bedeutung der Sozialen Medien Rechnung zu tragen, seit diesem Jahr das Thema „Sozial Media und Streitkräfte“ an. Hierbei ist die Podiumsdiskussion ein Teil des Seminars, das in dieser ersten regulären Durchführung 16 Lehrgangsteilnehmer von Major bis Oberst wahrnahmen. Die Heterogenität der Gruppe reichte dabei vom Reservisten über einen stellvertretenden Kommandeur bis hin zum medienaffinen Chef vom Dienst von Bundeswehr TV. Das Wissen im Seminar war daher breit gestreut und startete bei dem ein oder Seminarteilnehmer ohne tiefere Kenntnisse. Durch die umfangreichen Angebote während des Moduls, wie beispielsweise der praktische Anteil einer Strategieentwicklung für eine Sozial-Media-Kampagne, der Rechtslagen oder der Krisenkommunikation in Zeiten von Fakenews, Sozialbots und Shitstorm wurde der Modulteilnehmer mit Twitter, Instagram, SnapChat, YouTube und Facebook vertraut gemacht. Das Modul bedient sich dabei vieler externer Dozenten wie beispielweise dem Fachanwalt Phillip von Mettenheim oder Leonard Wessendorf für die Krisen- und Unternehmenskommunikation aus ziviler Sicht.