Autor: Dr. Wolfgang Schmidt, Anne Bressem; Fotos: Laura Clayborn

Hamburg, 05.06.2018


Delegation der FüAkBw erinnert an Wolf Graf von Baudissin


Kranzniederlegung am Grab Wolf Graf von Baudissins

Gemeinsames Gebet mit Militärdekan Dr. Hartwig von Schubert

Oberst Dr. Schmidt gedenkt Wolf Graf von Baudissin

Kranz zur Erinnerung

 

 

 

 

 

 

 

 

Heute vor genau 25 Jahren ist der Gründervater der Inneren Führung gestorben. Am 5. Juni 1993 wurde Generalleutnant a. D. Professor Wolf Graf von Baudissin auf dem Friedhof Großflottbek begraben. Er war einer der bedeutendsten deutschen Soldaten des 20. Jahrhunderts. Seine Gedanken zum inneren Gefüge der deutschen Streitkräfte und zum Umgang miteinander prägten die Bundeswehr maßgeblich. Die zentralen Ideen des Konzepts der Inneren Führung und das ihr zugrunde liegende Leitbild des Staatsbürgers in Uniform leisten bis heute einen wichtigen Beitrag, die Verankerung der Streitkräfte in unserer Gesellschaft sicherzustellen. Am 25. Todestag hat die Führungsakademie der Bundeswehr mit einer Kranzniederlegung seiner gedacht.

Wir wollen mutig sein, neu zu denken

„Sie haben beweisen dürfen, dass Sie nicht nur ein Fachmann, ein ‚Experte‘ der Inneren Führung sind, sondern auch eine operative Begabung, die bei uns so selten ist. Ein breit angelegter Soldat also, der auf allen Führungsgebieten Impulse zu geben und neue Ideen zu entwickeln in der Lage ist. Sie repräsentieren gerade auch in ihrer integrierten Verwendung das Bild des modernen Offiziers“. Mit diesen Worten verabschiedete der damalige Generalsinspekteur der Bundeswehr, Ulrich de Maizière, den Generalleutnant Wolf Graf von Baudissin am 19. Dezember 1967 in den Ruhestand. Davor lag eine über vierzigjährige Zeit als Soldat.

Ein großer Reformer und Modernisierer

Wolf Graf von Baudissin ist als einer der großen Modernisierer und Reformer in die deutsche Militärgeschichte eingegangen. Ihm ist neben Scharnhorst, Gneisenau, Ulrich de Maizière und Adolf Graf Kielmannsegg die erste demokratische Armee Deutschlands, die Bundeswehr, zu verdanken. Er setzte das Reformprogramm der Bundeswehr durch, welches unter dem Begriff der Inneren Führung die Funktionsbedingungen einsatzfähiger Streitkräfte mit den freiheitlichen Prinzipien eines demokratischen Rechtsstaates in Einklang bringt.

Staatsbürger in Uniform

Dem entspricht das ebenfalls von ihm entwickelte Rollenmodell des Staatsbürgers in Uniform, eines guten Soldaten, vollwertigen Staatsbürgers und freien Menschen. So sieht das Leitbild der Inneren Führung seit ihren Anfängen den einsatzbereiten Soldaten vor, der zugleich freier Mensch und verantwortungsbewusster Staatsbürger ist. Den Kern der Inneren Führung bilden demnach einsatzfähige Streitkräfte, die mit den freiheitlichen Prinzipien eines demokratischen Rechtsstaates konform gehen, jederzeit einsatzbereit sind, zugleich aber auch eng in die Gesellschaft eingebunden sind.

Frieden in Freiheit

Den Frieden in Freiheit zu generieren geriet zur bestimmenden Richtschnur des soldatischen Dienens in der Bundeswehr. Dies gilt unverändert bis heute. Wolf Graf von Baudissin hatte in der Bundeswehr keinen leichten Stand. Die überwiegende Mehrzahl der militärischen Altelite konnte mit der Modernität der neuen Führungsphilosophie kaum etwas anfangen. Sie opponierte heftig gegen sein reformatorisches Werk. Auch an der Führungsakademie, als 1968 der stellvertretende Inspekteur des Heeres, Helmut Grashey, im Moltke-Saal von der Inneren Führung als einer Maske sprach, die man als Konzession zur Zustimmung der SPD für die westdeutsche Aufrüstung habe anlegen müssen. Sie gelte es abzulegen, um wieder zu echtem Soldatentum – so wie er und seinesgleichen es verstanden – zurückkehren zu können. Auch heute steht das Konzept der Inneren Führung immer mal wieder in der Kritik. Mit dem Prozess "Innere Führung heute" gibt das Bundesministerium der Verteidigung dem Konzept Baudissins jüngst einen neuen Impuls.

Verbundenheit der Führungsakademie mit Baudissin

Mit der Benennung einer Liegenschaft ehrte die Führungsakademie der Bundeswehr 1994 einen der bedeutendsten Soldaten des 20. Jahrhunderts. Damit ersetzte man den bisherigen, ab 1965 an einen ausschließlich an einen Funktionär des nationalsozialistischen Krieges erinnernden Namen durch eine Persönlichkeit, die zum Nachdenken über den Zweck des Soldatseins in der Bundeswehr anregt – zum Dienst für Frieden, Freiheit und Menschenwürde. Dazu steht auch der Nachlass von Generalleutnant Professor Wolf Graf von Baudissin im 2001 eingerichteten Baudissin-Dokumentations-Zentrum an der Führungsakademie der Bundeswehr zur Verfügung.

Zum Fachaufsatz von Oberst Dr. Schmidt: Generalleutnant Wolf Graf von Baudissin (1907-1993). Vom Sachwalter des Krieges zum Sachwalter der Friedens

Zum Artikel des Zentrum Innere Führung