Autor:Christoph Weigmann; Fotos: Laura Clayborn

Hamburg, 31.05.2018


 Oberst Professor Dr. Matthias Rogg begrüßte die Besucher


Peter Burkowski im Gespräch mit der Steuergruppe Denkfabrik an der Führungsakademie

Delegationsteilnehmerin Dr. Silke Köser

 Aufmerksamer Austausch

Es gibt viele Gemeinsamkeiten, die die Führungsakademie für Kirche und Diakonie der Evangelischen Kirche (fakd) und die Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg (FüAk) bewegen. Dieses zeigte sich während eines Besuches, den Vertreter des Leitungsteams der fakd der FüAk abstatteten. Angeführt wurde die Delegation aus Berlin von Dr. Paul Hanselmann, der unter anderem die Schwerpunktfelder „Organisations- und Unternehmensentwicklung“ in der fakd betreut. Außerdem begleiteten die Delegation Frau Dr. Silke Köser, verantwortlich unter anderem für den Bereich „Management in sozialen Organisationen (MSO)“, sowie Dr. Lars Charbonnier aus dem Bereich „Theologische Diskurse und Persönlichkeits- und Organisationsentwicklung“. 

Fachgespräch in der Fakultät Management

Ziel des Besuches der Delegation war es, sich über den Auftrag und die Inhalte von bestimmten Ausbildungsinhalten auszutauschen. So wurde die dreiköpfige Delegation zunächst von Oberst Michael Strunk empfangen, der an der FüAk in der Fakultät Management das Fachgebiet Management-Verfahren verantwortet. Zusammen mit Hauptmann Thorsten Fischer hat er ein Fachgespräch geführt.

Neuer Auftrag Denkfabrik

Im Anschluss daran wurden die Besucher von Oberst Professor Dr. Matthias Rogg, dem Leiter der Steuergruppe Denkfabrik an der FüAk, begrüßt. In einem zweistündigen Gespräch stellte Oberst Professor Rogg die Denkfabrik vor, um die die FüAk aufgrund der Weisung der Bundesverteidigungsministerin erweitert wird. In diesem Zusammenhang wurde die Steuergruppe Denkfabrik an der Führungsakademie eingerichtet. Aufgabe dieser Steuergruppe ist es, das gemeinsam von der FüAk und der Helmut-Schmidt-Universität gegründete German Institute for Defence and Strategic Studies akademieseitig und in Kooperation mit der HSU zu steuern. Die FüAk wird damit Hamburg als Bildungsstandort bereichern.

MFIS ist der erste Pfeiler

Dabei kann die FüAk diesen Auftrag auf einer bewährten Basis aufbauen. Gemeinsam mit der HSU betreibt die FüAk bereits seit mehreren Jahren den Masterstudiengang „Militärische Führung und Internationale Sicherheit“ (MFIS), der sich zu einem echten Erfolgsmodell entwickelt hat. Die Abschlussarbeiten besitzen regelmäßig eine außergewöhnliche Qualität. Dieser Studiengang richtet sich als Aufbaustudiengang an Personen ab Mitte 30, die bereits einen eigenen Berufsabschluss aufweisen und militärische Praxis mitbringen.

„Erarbeitet einmal ein neues Konzept“

Vor diesem Hintergrund forderte die Ministerin die FüAk auf, eine neues Konzept zu erarbeiten, indem sich nicht nur der Input-Charakter widerspiegelt, den die FüAk als Ausbildungsstätte seit eh und je besitzt: die Ausbildung des eigenen Top-Führungspersonals. Zusätzlich soll der Output-Charakter hinzukommen. Dieses bedeutet, dass sich die FüAk mit ihren Ergebnissen der Öffentlichkeit und dem Diskurs stellen soll. Umgesetzt wird dieses durch den Beratungsauftrag, der neu hinzugekommen ist. Hierzu stellt die FüAk mit den etwa 125 Dozenten für alle Themen der militärischen Führungsfragen zum einen in ihren eigenen Fakultäten eine Ressource dar.

Das Kern-Mantel-Prinzip

Über das GIDS erfolgt die wissenschaftliche "Tiefenbohrung" zu bestimmten Themen, so der Oberst in dem Gespräch. Die Steuergruppe soll dabei den Forschungsansatz des GIDS, das gleichsam den Kern der Denkfabrik darstellen wird, mit dem Netzwerk der FüAk und der HSU verbinden. Damit können FüAk und HSU als Mantel aufgefasst werden. Ab Ende Juni 2018 wird das GIDS seine offizielle Arbeit aufnehmen. Basis wird eine exzellente Grundlagenforschung im Bereich der Sicherheitspolitik sein. Gerade die Sicherheitspolitik stellt die komplexeste Materie der Außenpolitik dar. Ein kritischer, politischer Beratungsansatz, der nicht von vornherein antizipierend ist, und der öffentliche Diskurs, der in der wissenschaftlichen Debatte gesucht wird, sind die weiteren Rahmenparameter der neuen Denkfabrik.

Sechs Forschungscontainer des GIDS

Die Konzentration der Forschungsfelder wird auf sechs Feldern, den so genannten ,,Forschungscontainern“, liegen. Die Forschungsfelder „Kultur und Identität in einem veränderten sicherheitspolitischen Umfeld“, „Ökonomie und Ökologie von Gewalt“ und „Dynamiken und Typologien von Kriegen und Konflikten“ werden die ersten drei Themenfelder sein, mit denen dieses Jahr die Umsetzung des Auftrags begonnen wird. Gerade zu dem ersten „Container“ führte Oberst Rogg der Delegation beispielhaft den Baedeker-Angriff im Zweiten Weltkrieg oder das Vorgehen des so genannten Islamischen Staates an. Beispielhaft wurde zum zweiten Forschungsfeld angeführt, wie sehr sich Gewalt in andere Bereiche verlagern wird und das Militär an Bedeutung zurücktritt.

Kritische Infrastruktur

„Was geschieht“, so die Frage von Professor Rogg, ,,wenn systematisch die Organisations-IT von mehreren Krankenhäusern gehackt wird, so dass im Bewusstsein der Bevölkerung das Vertrauen in eine funktionierende Gesundheitsversorgung durch den Staat zum Einsturz gebracht wird?“ Im kommenden Jahr werden die Forschungsfelder um die Themen „ressortgemeinsames und interdisziplinäres Denken und Handeln in sicherheitspolitischer Perspektive“, „Militärstrategie und Führung im 21. Jahrhundert“ sowie „Strategische Partnerschafen“ erweitert.

Hoffnung auf Zusammenarbeit

Zum Abschluss des Gespräches und nach einem lebhaften Austausch zu all den angesprochenen Themenfeldern verabschiedete sich Rogg von den drei Vertretern der fakd und gab der Hoffnung Ausdruck, dass eine Zusammenarbeit der beiden Akademien in Zukunft weiterentwickelt werden kann. Ein rundum freundschaftlicher und ergiebiger Austausch kam mit der Verabschiedung aus der Denkfabrik zum Abschluss.

 

Erfahren Sie mehr über Internationalität an der Führungsakademie am 9. Juni 2018 beim Tag der Bundeswehr.

Die Führungsakademie der Bundeswehr - seit 60 Jahren in Hamburg