Autor: Katia Gil & Verena Hoffmann; Fotos: Katharina Roggmann

Hamburg, 04.04.2018

General Werner Albl spricht  über die bilateralen Beziehungen Deutschlands zu Frankreich<

General Werner Albl spricht  über die bilateralen Beziehungen Deutschlands zu Frankreich

Oberst i.G. Schrödl und General Albl im Austausch mit den Teilnehmenden

Oberst i.G. Schrödl und General Albl im Austausch mit den Teilnehmenden

Lehrgangsteilnehmer des LGAN beim Vortrag

Lehrgangsteilnehmer des LGAN bei der Vorstellung des Referenten

General Albl im Austausch mit dem LGAN

General Albl im Austausch mit dem LGAN

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

,,Die bilateralen Beziehungen Deutschlands zu Frankreich – Ihre Herausforderungen und Projekte" war das Thema, zu dem Brigadegeneral Werner Albl, Verteidigungsattaché an der deutschen Botschaft in Paris, vor Teilnehmern des nationalen Generalstabs-/Admiralstabslehrgangs (LGAN) gesprochen hat. Albl kam mit dem Wunsch nach Hamburg an die Führungsakademie (FüAkBw),  ,,Klischees und Vorurteile abzubauen". Zum Verständnis hat es geholfen, dass General Albl aufgrund seiner beruflichen Tätigkeit tiefgehende Kenntnisse der französischen Positionen darlegen konnte.

Deutschland und Frankreich bleiben eine Familie

Nach Albl bleibt Deutschland ein entscheidender Partner für Frankreich. Die Partnerschaft Deutschlands mit Frankreich ist auf viele symbolträchtige Momente in der Vergangenheit zurück zu führen. Ihr intensives gemeinsames zivilgesellschaftliches Engagement eint die Länder und als Wirtschaftspartner werden Deutschland und Frankreich auch weiterhin eng zusammen arbeiten. „Uns verbindet eine gemeinsame Kultur sowie der Wille unserer Staatsoberhäupter, die Kooperationen beider Länder durch gemeinsame Innovationen weiter nach vorne zu bringen“, so der Referent.

Gemeinsame Ausbildungen sollen verstärkt werden

Neben einer gemeinsamen militärischen Ausbildung sollen z.B. auch Luftfahrzeugbesatzungen künftig aus beiden Ländern zusammengesetzt werden. Doch trotz aller Gemeinsamkeiten sind Deutschland und Frankreich keine eineiigen Zwillinge. „Was beispielsweise beide Staaten massiv voneinander trennt, ist ihre Geschwindigkeit und Bereitschaft, in Konflikte militärisch einzugreifen.“ Frankreich hätte eine Vorliebe für militärische Einsätze und sei in der Lage, durch wenige Entscheidungsinstanzen schnell Truppen in die Einsätze zu bringen. Dabei würden sie durch das 2010 beschlossene Lancaster House Abkommen durch Großbritannien eng und zuverlässig unterstützt. „Deutschland dagegen“, so Albl, „hat eher eine Vorliebe für den ganzheitlichen Ansatz." Die Lösung bestünde darin, dass wir versuchen müssten Kompromisse zu machen, Brücken zu bauen. Und diese Brücke hieße eben gemeinsame militärische Einsätze. Die Richtung beider Sicherheitsinteressen stimmt dabei überein. „Wenn es unseren beiden Nationen nun noch gelingt unsere Stärken und Schwächen auszubalancieren, dann kommen wir auch auf eine gemeinsame Route", so der General.

Wann Kooperationen sinnvoll sind

Bisher sieht Frankreich eher in Großbritannien den engen Sicherheitspartner und Garant für militärische Unterstützung in den vielen parallel laufenden Einsatzgebieten. Denn dieser ist neben seinem globalen Denken auch zu high-end Operationen in der Lage. Und es ist auch gewillt, sein Militär einzusetzen. Sowohl Frankreich als auch Großbritannien haben sich im Einsatz bewährt. „Großbritannien", so Albl, „war dabei immer in der Lage schnell zu agieren. Es hat sich damit als zuverlässiger und unverzichtbarer Partner für Frankreich erwiesen." Beide einsatzerfahrenen Nationen richten ihre Ausbildung und Rüstung auf die laufenden Einsätze aus und befinden sich in einem ständigen Modernisierungsprozess. Eine effizientere Ausrichtung auf Einsätze kann dabei leichter erfolgen, da die französische Rüstungsindustrie enger mit dem Militär zusammen arbeitet als in Deutschland.

Frankreichs Schwierigkeiten

Doch auch Frankreichs Material ist verschlissen und die Motivation der stark beanspruchten Soldaten muss durch attraktive Maßnahmen gestärkt werden.  Hierbei orientiere man sich, so Albl, an der Attraktivitätsagenda der Bundesrepublik Deutschland. Rund 11.000 Angehörige der Streitkräfte sind außerhalb Europas stationiert, rund 7.000 Soldaten befinden sich derzeit in multi-/unilateralen Einsätzen. Bis zu 13.000 Soldaten hält Frankreich für den Einsatz im Inneren bereit, um permanent eine Bekämpfung von z.B. illegaler Fischerei oder Waldbrandbekämpfung sicherzustellen. Bis 2025 sollen die von der NATO geforderten 2% des Bruttoinlandproduktes für Militärausgaben erreicht sein. Als Führungskraft Europas setzt Frankreich mittelfristig auf einen zweiten Flugzeugträger sowie eine Modernisierung der nuklearen Abschreckungsfähigkeit als Garant für die nationale strategische Autonomie.

„Wir müssen mehr für die eigene Sicherheit tun.“

Wenn die Weltordnung in Unruhe ist, ist ein reines Abstützen auf den Partner USA nicht mehr zielführend, so Albl. Als globale Ordnungsmacht mit eigener Nuklearschlagfähigkeit sieht sich Frankreich als Führungskraft Europas, die zusammen mit Deutschland die europäische Sicherheit voran bringen will. Das Ziel Macrons ist es dabei, eine europäisch strategische Autonomie zu erwirken. Diese soll ergänzend zur nationalen Autonomie eines jeden Bündnislandes komplementär zur EU und NATO für die europäische Sicherheit sorgen. Ein Zusammenschluss aus 12 durch Frankreich ausgewählten Staaten zu einer „Europäischen Interventionsinitiative" soll im Bedarfsfall reaktionsschnell einen militärischen Beitrag leisten können. Dazu geht Frankreich an die Partner heran, „die man für fähig und willig hält", so Albl. Fest eingebunden in die Sicherheitsorganisationen/Bündnisse der Vereinten Nationen, NATO und EU geht es Frankreich nicht darum, andere Bestrebungen „schlecht zu machen oder gar die PESCO zu konterkarieren. In der Ständigen Strukturierten Zusammenarbeit (SSZ) der Europäischen Union", so Albl, „gibt es viele Möglichkeiten, aber es fehlt der Schritt nach vorne in Richtung Intervention." 
Für die Zuhörerinnen und Zuhörer des LGAN wurde der Vortrag General Albls zu einer reichen Quelle der Frankreich-Kenntnisse.