Autor: Andreas Aschert; Fotos: Katharina Roggmann

Hamburg, 27.03.2018

Begeisterte Zuhörer

Brigadegeneral Friedhelm Tränapp beim Vortrag

Begeisterte Zuhörer

 Interessierte Zuhörer an der FüAk

Die Tanzgruppe Sol Mexicano führte landestypische Tänze auf

"Innere Führung und Compliance gehören eng zueinander", so Tränapp

 

 

 

 

 

 

 

Compliance Management, ein Anglizismus, der für die Gesamtheit der im Unternehmen eingerichteten Maßnahmen und Prozesse steht, um Regelkonformität sicherzustellen, war Thematik an der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw). Brigadegeneral Friedhelm Tränapp, Compliance Management Beauftragter für das Bundesministerium der Verteidigung (BMVg), besuchte hierzu das Modul "Bundeswehrgemeinsames Führungskräfteseminar II" als Gastdozent an der FüAkBw.

Ein Jahr Compliance Management Beauftragter

Bereits zum zweiten Mal reiste Brigadegeneral Tränapp innerhalb weniger Wochen an die FüAkBw, um seine Sicht auf das Compliance Management darzustellen und Misstrauen abzubauen. Zuletzt war er mit seinem Projekt im Januar an der Akademie. Bei seiner Aufgabenübernahme im Ministerium im März 2017 schlug dem Compliance Management System und ihm als Projektbeauftragten schon Misstrauen entgegen. "Was ich anfangs spürte, war allgemeine Verunsicherung bei dieser Thematik", so der General vor den rund 20 Führungskräften im Seminar. Und diese Vorbehalte wolle er nun auch vor den zivilen und militärischen Führungskräften abbauen.

Risikosteckbriefe münden in Risikolandschaft

Seit der Aufgabenübernahme vor einem Jahr ist viel passiert. Von anfangs 63 erkannten Risiken sind nun 17 entwickelte Risikosteckbriefe in eine Risikolandkarte eingeflossen. Diese als "Hot Spots" bewerteten Risikosteckbriefe auf der Landkarte, wie beispielsweise Presseanfragen, Arbeitszeitregelungen, Mitarbeiterführung und Verschlusssachen, sollen abschließend in ein noch zu erstellendes Compliance Programm münden. Soweit ist er aber noch nicht mit seinem Team. Dieses sei für das laufende Jahr geplant.

Keine Misstrauensdebatte

Er betonte daher mehrmals, dass ein Compliance Management System (CMS) im BMVg ein wertebasiertes System sei, in dem sich eine Compliance Kultur integriere. Ihm sind daher einige Punkte als Voraussetzung für ein gemeinsames Verständnis wichtig, um auch Misstrauen und Verunsicherungen gegenüber dem neuen System abzubauen. Das CMS sei weder eingeführt worden, um eine Misstrauensdebatte zu führen, noch weil es evtl. Vorbehalte zur Inneren Führung gebe. "Innere Führung und Compliance gehören eng zueinander", so Tränapp.

Einen Wertekompass entwickeln

Dem General sei es wichtig zu verstehen, dass er mit dem CMS keine neuen Regeln schaffen will und wird. "Wir tragen zum Verständnis bei", sagte Tränapp. Es geht darum, einen Wertekompass zu entwickeln, bei dem Rechtschaffenheit die Leitlinie des Handels bildet. Dieser Kompass sollte grundsätzlich existieren, schließlich sind alle Mitarbeiter an Artikel 20 Absatz 3 des Grundgesetzes gebunden, also an die Einhaltung von Recht und Gesetz. Da aber aufgrund der vielen Weisungen und Vorschriften nicht jeder alles wissen könne, soll das Compliance Management (CM) hierbei lediglich unterstützen, diese Zielvorgabe einzuhalten.

Schulungen als Hilfestellung

Mit Handreichungen und Schulungen will sein Team sensibilisieren. „Wir sind überreguliert, so dass manche Gesetzesverstöße von uns nicht wahrgenommen werden, weil ein bestimmter Ablauf evtl. schon immer so war.“ Tränapp betonte dazu aber aus seiner Erfahrung, dass die meisten den eingefahrenen Abläufen aus bestem Wissen und Gewissen folgen und in der irrtümlichen Annahme der Rechtseinhaltung handeln. „Ich möchte den Menschen helfen, dass sie nicht in diese Fallen hineinlaufen“, so Brigadegeneral Tränapp zu seiner Mission.

Seminar unter dem Motto „Gestalten und Beraten“

General Tränapp, der mit seinen fast 36 Dienstjahren auch Mitbegründer des Seminars „Bundeswehrgemeinsames Führungskräfteseminar“ war, brachte mit der CMS-Thematik unter dem Seminarmotto: „Gestalten und Beraten“ einen weiteren Baustein in die Seminarwoche ein.