Sicherheitspolitische Kommunikation heute

Autor: Sophie Scheidt; Fotos: Katharina Roggmann

Hamburg, 21.03.2018

Referent Christian Thiels und Oberst i.G. Jürgen Schrödl

Referent Christian Thiels und Oberst i.G. Jürgen Schrödl 

„Sicherheitspolitische Kommunikation findet in Deutschland nicht statt“ - Christian Thiels vor der FüAk

„Sicherheitspolitische Kommunikation findet in Deutschland nicht statt“ - Christian Thiels vor der FüAk

Interessierte Zuhörer bei der Tagung

 Interessierte Zuhörer bei der Tagung

 

„Sicherheitspolitische Kommunikation findet in Deutschland nicht statt“. Mit diesem Eingangsstatement eröffnete Christian Thiels, Chef vom Dienst bei den ARD - Tagesthemen und Verteidigungsexperte der Tagesschau seinen Vortrag an der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) im Rahmen des sicherheitspolitischen Ausbildungsabschnitts des nationalen Lehrgangs Generalstabsdienst/Admiralstabsdienst 2017 (LGAN) 2017. Mit dieser zugespitzten Anmerkung wollte Thiels verdeutlichen, dass sicherheitpolitische Kommunikation noch viel Verständnis und Entwicklungsarbeit bedarf. Er zeichnete in seinem Vortrag ein differenziertes Bild der sicherheitspolitischen Berichterstattung in Deutschland und nahm dabei sowohl die Rolle der Medien als auch die des BMVg und der Bundeswehr kritisch in den Blick.

Keine Erörterung des Grundsätzlichen

Sicherheitspolitische und strategische Grundsatzfragen werden in Deutschland nicht erörtert, so Thiels. Soweit sicherheitspolitische Themen in der Öffentlichkeit diskutiert würden, beschränke sich der Diskurs auf Fragen „im Klein-Klein“ oder „auf Debatten in elitären Kreisen mit immer gleichen Beteiligten“. Die historisch gewachsene Skepsis allem Militärischen gegenüber sei noch immer die Hauptursache für das Ausbleiben einer breiten Diskussion sicherheitspolitischer und strategischer Grundsatzfragen in Deutschland.

Vorurteile abbauen und Vertrauen schaffen

Dem eigenen Berufsstand gegenüber beschreibt Thiels Sicherheitspolitik überwiegend als „Igitt-Thema“, wobei der ein oder andere Journalist sicherlich vorurteilsbehaftet ist. In mancherlei Hinsicht wird das Thema möglicherweise grundsätzlich abgelehnt oder aufgrund fehlender Expertise nicht differenziert dargestellt. Der Referent gab jedoch auch zu bedenken, dass auch öffentlich-rechtliche Medien die Einschaltquoten im Blick haben müssten und Sicherheitspolitik aufgrund der geringen direkten Betroffenheit der Bevölkerung nur auf ein überschaubares Interesse treffe.

Auch die Bundeswehr ist in der Pflicht

Thiels nahm jedoch auch die Bundeswehr in die Pflicht. Zwar sei in der Kommunikation des BMVg zunehmend Transparenz zu erkennen. "Aber es sei eben auch erforderlich, eine Diskussion in der Sache zu fördern anstatt Jubelbotschaften zu verbreiten. Hierfür müsse sich auch das BMVg und die Bundeswehr wesentlich weiter professionalisieren und schneller agieren", so Thiels. Das Ergebnis wäre ein gewachsenes Vertrauen und eine Bereitschaft zur Diskussion sicherheitspolitischer Fakten und Themen.