Autor: Andreas Aschert; Fotos: Bundeswehr

Hamburg, 08.03.2018

Dr. Schoeps im Vortrag

 Dr. Schoeps im Vortrag

Angehende Fach- und Führungskräfte

Angehende Fach- und Führungskräfte

Sanitäter im Einsatz

Sanitäter im Einsatz

Dr Schoeps im strategischen Gespräch

Dr Schoeps im strategischen Gespräch

 

 

 

Rund 20 militärische Ärzte aus dem Organisationsbereich Sanitätsdienst haben das fünftägige Weiterbildungsmodul „Führungskräftetraining Sanitätsdienst“ an der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) besucht. Als hochkarätiger Gast und Redner reiste der stellvertretende Inspekteur Sanitätsdienst und Kommandeur Gesundheitseinrichtungen, Generalstabsarzt Dr. med. Stephan Schoeps, an. In seiner Funktion als Kommandeur Gesundheitseinrichtungen sensibilisierte er die Teilnehmer unter anderem in Bezug auf die Einsatzfähigkeit. Konteradmiral Carsten Stawitzki, Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr, begrüßte ihn dazu in der Generalleutnant-Graf-von-Baudissin-Kaserne.

Hauptauftrag Ausbildung

„Die Bundeswehrkrankenhäuser sind quasi ein Krankenhauskonzern und nehmen mit der Behandlung von zivilen Patienten rund 210 Millionen Euro ein“, so die einleitenden Worte des Generalstabsarzt Stephan Schoeps im aktuellen Lagevortrag. Die Einnahmen entstehen, weil durch den Hauptauftrag der Ausbildung bestqualifiziertes Personal für die Bundeswehr bereit gehalten wird und die Auslastungen der Krankenhäuser auch zivilen Patienten zur Verfügung steht.

Einsatzort ist nicht zu Hause 

„Wir sind aber nicht ein militärisches Krankenhaus mit dem Einsatzort zu Hause“, führte Schoeps weiter aus. Damit betonte er vor den Teilnehmern den verdrängten weiteren Hauptauftrag, die Abstellung von Personal für Bundeswehreinsätze. Nach Schoeps muss der maximale Output von einsatzbereiten Sanitätsdienstsoldaten ausgehen, und diesem seien die klinischen Erfordernisse unterzuordnen. „Dazu gehört, dass sanitätsdienstliches Personal militärische Aus- und Fortbildung betreibt. Als Führungspersonal ist es somit Ihre Leistung, dieses zu gewährleisten“, so der Generalstabsarzt Schoeps zu den anwesenden Ärztinnen und Ärzten. 

Zertifiziertes Personal

Ein Gegenargument, das besagt, dass inzwischen zertifizierte Krankenhäuser gefordert sind und die Zertifikate an Fachpersonal gebunden sind und dieses daher für die Häuser schwer abkömmlich ist, ließ der General nicht gelten. Er beantwortete das Argument mit der herausfordernden Frage: „Welche Zertifikate braucht es denn für den Kernauftrag?“

Fachkraft oder Führungskraft

Als ein Sanitätssoldat, der die Karriere vom Facharzt zur Führungskraft eingeschlagen hat, weiß Generalstabsarzt Schoeps genau um den Spagat zwischen Führungskraft und Sanitätsdienstsoldat, beziehungsweise Facharzt. „Wir haben das Problem, dass wir eigentlich keine Vorbilder haben“, so Schoeps zu den Seminarteilnehmern, die sich entscheiden müssen, ob sie Fachkraft oder Führungskraft seinen wollen. „Daher ist es problematisch, dass die Bundeswehrärzte kaum eine militärische Ausbildung durchlaufen“, so der hohe Sanitätsgast.

Wertschätzung nicht vernachlässigen

Es fehle der Blickwinkel eines Kompaniechefs, wie bei einem Heeresoffizier, und dennoch könne man irgendwann in die Situation eines Vorgesetzen kommen. „Wir bringen uns das dann irgendwie selbst bei, meist autodidaktisch“, schlussfolgert der Generalstabsarzt aus seinen Erfahrungen. Seine Empfehlung an die Seminarteilnehmer sei es daher, die Wertschätzung nicht zu vernachlässigen. Sie sei in der Führung von Menschen ein wesentlicher Punkt zu einer guten Führung. Vertrauen sollte dabei an hoher Stelle stehen, nicht zuletzt, um den Blick für das Wesentliche nicht zu verlieren.

 

Falke über dem Kornfeld

Ähnlich sieht es der Kommandeur der Führungsakademie, Konteradmiral Carsten Stawitzki. Er gab den Teilnehmern mit seinen einleitenden Worten „Man muss ertragen lernen, dass andere etwas tun, was man selber nicht mehr machen kann“, das Bild vom Falken über dem Kornfeld mit auf den Weg. Nach Stawitzki müsse der über dem Kornfeld kreisende Falke das Gespür entwickeln, sich nur auf den anderes bewegenden Halm zu stürzen, weil da die Maus sitzt, und nicht permanent die ganze Zeit auf jeden Halm zu stürzen.

Strategisches Management

So sollen die Teilnehmer laut Kommandeur nicht zu denen werden, die im Bild des Falken den ganzen Tag über dem Feld kreisen und nicht wissen, was los sei, oder die ganze Zeit jagen und nicht wissen, was am anderen Ende des Feldes los sei. Das sei für den Kommandeur zugleich strategisches Management. „Sie müssen das Wechselspiel beherrschen, um nicht das Gespür zu verlieren, zu sehen, wo die Meinung der Spezialisten erforderlich ist, um strategische Entscheidungen zu treffen."