Autor: Verena Hoffmann/ Inka v. Puttkamer; Foto: Verena Hoffmann/ Inka v. Puttkamer

Hamburg, 08.03.2018

Ben Schievelbein führte als Sprecher des IKZ durch den Abend

Brigadegeneral Thorsten Puschmann bei seinem Vortrag

 90 Teilnehmer verfolgten Interessiert den Ausführungen

Dr. Robert Glawe der Experte für Wettbewerbs- und Vergaberecht

Es ist eine seit fünf Jahren etablierte Veranstaltung: Die Deutsche Gesellschaft für Wehrtechnik e.V. (DWT) ist mit ihrem Geschäftsführer, Konteradmiral a.D. Karl-Wilhelm Ohlms, und zusammen mit ihrer Tochtergesellschaft, dem Inititativkreis Zukunft (IKZ), zum „Hamburger Impuls“ an die Führungsakademie der Bundeswehr gekommen, um Themen der Sicherheits- und Verteidigungspolitik sowie der Wehrtechnik und der Verteidigungswirtschaft zu diskutieren. Im Publikum saßen knapp 90 Teilnehmer des nationalen General- und Admiralstabsdienstlehrgangs 2017 und folgten gespannt dem Diskurs. Durch den Wechsel aus Vorträgen und anschließenden Diskussionen war auch genau das garantiert. Wortgewandt führte Gunnar Ben Schievelbein als Sprecher des IKZ durch den Abend, er hatte große Freude an den detaillierten Nachfragen und kritischen Fragen.

"Think the impossible"

Brigadegeneral Thorsten Puschmann, Abteilungsleiter im Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr, macht den Anfang und spricht über aktuelle Aspekte der Agenda Rüstung und der Agenda Nutzung. Als Highlight hat er die rüstungspolitischen Aspekte des vorläufigen Koalitionsvertrages ausgewertet, was das besondere Interesse der Zuhörer gewinnt. Fähigkeitslücken sollen geschlossen und den Soldaten die bestmögliche Ausrüstung zur Verfügung gestellt werden. Dazu passt der Vergleich, den der Kommandeur der Führungsakademie, Konteradmiral Carsten Stawitzki, in seiner Begrüßung aufstellt, fast perfekt: Ein Hausbau ist wie die Beschaffung von Wehrmaterial: Ein jeder Hausbauer befasst sich bei der Hausplanung mit den drei kritischen Parametern Zeit, Ressourcen und Qualität.

Große Chance

Wenn nun die Gewerbe mit eingebunden werden, kann die Vergabe der Aufträge nach dem freien Willen und der Schwerpunktsetzung des künftigen Hausbesitzers erfolgen. Dies geht aber zu Lasten von Zeit, Ressourcen oder Qualität. So frei ist die Bundeswehr in der Entscheidung jedoch nicht immer. Und daher sieht Stawitzki es als eine große Chance für die Lehrgangsteilnehmer, ein besseres Verständnis für die Belange der Industrie zu entwickeln und dabei die DWT als neutrale Plattform kennen zu lernen. Die Ermutigung zum Querdenken und kritischen Denken bleibt dabei immanent. Der Vortrag von Andreas Frank von Rheinmetall Electronics zielt in eine ähnliche Richtung: Es geht um Compliance, die Einhaltung von Gesetzen und Richtlinien in Unternehmen. Zusammenarbeit zwischen wehrtechnischer Industrie und Bundeswehr. 

„Dialog ist eine Notwendigkeit"

Dr. Robert Glawe, Rechtsanwalt bei Bird & Bird LLP, ist Experte für Wettbewerbs- und Vergaberecht. Er will mit bestehenden Mythen aufräumen und äußert diese plakativ. „Vergaberecht ist Böses aus Brüssel“, sagt er spaßend, und entkräftet daraufhin mit den Argumenten, dass Vergaberecht Wettbewerb fördert und außerdem Korruption verhindert - hier schließt sich der Kreis zum vorangegangenen Thema. Auch das Vorurteil „Vergaberecht verbietet den Dialog zwischen Streitkräften und Industrie“ sei nicht richtig. Wichtig ist aber, dass der Dialog in alle Richtungen gepflegt wird und sich nicht auf bestimmte Firmen konzentriert. Der Appell aller Vortragenden lautet wie das Motto, das sich die DWT für das Jahr auferlegt hat: „Kommen wir raus, kommen Sie raus aus der eigenen ,bubble´ und bleiben wir, bleiben Sie neugierig. Nur so ist Weiterentwicklung und Fortschritt möglich.“ Übersetzt: Nur so können wir für unsere Soldaten die gemäß Koalitionsvertrag festgelegte bestmögliche Ausrüstung definieren und entwickeln.

Besseres Verständnis

Beim anschließenden Empfang war zu sehen, wie dies sofort in die Tat umgesetzt wird: Die angereisten Industrievertreter durchmischen sich mit den Lehrgangsteilnehmern, und es wird eifrig diskutiert. Ein ausländischer Lehrgangsteilnehmer resümiert, dass er diesen Dialog zwischen Industrie und Bundeswehr sehr ergiebig findet: „So kann jeder die andere Seite besser einschätzen und weiß Sachverhalte besser einzuschätzen.“