Autor: Christoph Weigmann; Fotos: Laura Clayborn

Hamburg, 23.02.2018

Zivil-militärisches Zusammenwirken in der Planungsphase

Begrüßung von Gästen durch den Leiter LGAI, Oberst i.G. Frank Wasgindt und Frau Andrea Tempel

Angeregter Austausch unter den Zuhörern

Begrüßung durch Konteradmiral Carsten Stawitzki

Auf der Bühne: Korvettenkapitän Bayoumy, Fregattenkapitän Melki, Oberstleutnant Laamech, Fregattenkapitän Benarab, Fregattenkapitän Ahlers (v.li.n.re.)

Interessierte Zuhörer aus vielen Nationen

Fregattenkapitän Bodo Ahlers bei der Begrüßung

KKpt Bayoumy stellt sein Land Ägypten vor

 

 

Es war ein Eintauchen in den Maghreb und in die nordafrikanische Welt: Lehrgangsteilnehmer aus Ägypten, Algerien, Marroko und Tunesien des Internationalen Lehrgangs Generalstabsdienst/ Admiralitätsstabsdienst (LGAI) haben im Rahmen eines regionalen Informationstages an der Führungsakademie ihre vier Länder vorgestellt. Zu diesem Anlass konnte der Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw), Konteradmiral Carsten Stawitzki, nicht nur interessierte Gäste sowie die Teilnehmer des LGAI und Vertreter des Lehrgangs Generalitätsstabsdienst-/ Admiralitätsstabsdienst National (LGAN) in Hamburg begrüßen. Zu Gast waren auch die Leiterin des Konsulats der Tunesischen Republik, Sonja Ben Amor Ep Missaoui, und der Verteidigungsattaché bei der Botschaft des Königreichs Marokko, Oberst i.G. Youssef Bhar.

Mit Libyen beginnt die Reise

Maghreb kommt aus dem arabischen al-maġrib und bedeutet „der Westen‘‘. Damit ist auch der Schwerpunkt dieses internationalen Tages der Regionen gut umschrieben worden, denn die Vertreter kamen aus den nordwestlichen Teilen des afrikanischen Kontinents. Erweitert wurde diese regionale Abgrenzung lediglich um das Land Ägypten. Der Leiter des LGAI, Oberst Frank Wasgindt, hat in seinen einführenden Worten zunächst die Podiumsteilnehmer vorgestellt. Im Anschluss gab Fregattenkapitän Bodo Ahlers eine kurze Einführung in die nordafrikanischen Regionen, die Besonderheiten und spezifischen Herausforderungen und stellte in diesem Zusammenhang Libyen vor, das zum Maghreb gehört, jedoch nicht durch einen Lehrgangsteilnehmer des LGAI repräsentiert werden konnte.

Im Land der Pharaonen

Korvettenkapitän Ahmed Moustafa Fahim Bayoumy führte die Zuhörer sodann in das Land der Pharaonen. Mit einem Bild der Sphinx vor der Chephren-Pyramide im Sonnenuntergang gelang der gedankliche Sprung über das Mittelmeer. Nach einem Überblick über die geografischen Herausforderungen führte Korvettenkapitän Bayoumy zunächst in das politische System Ägyptens und die Außenpolitik des Landes ein. Ägypten, so Bahoumy, sei als Regionalmacht bestrebt, seinen Einfluss über die Organisation der Islamischen Zusammenarbeit, der Organisation für Afrikanische Einheit, der Arabischen Liga und den Vereinten Nationen (als nichtständiges Mitglied) geltend zu machen. Nach Bahoumy sind die deutsch-ägyptischen Beziehungen geprägt vom politischen Dialog, der wirtschaftlichen Zusammenarbeit beider Staaten, des Kultur-und Wissenschaftsaustausches sowie der Entwicklungszusammenarbeit.

Streitkräfte Ägyptens

Korvettenkapitän Bahoumy stellte in seinem Vortrag auch den Auftrag der Streitkräfte dar. Dieser gliedert sich in vier Schwerpunkte, die den Schutz der Landesgrenze beinhalten, die Aufrechterhaltung der Ordnung sowie eine Beistandspflicht der arabischen Länder und schließlich die Unterstützung der Zivilbehörden. 500.000 Soldaten, wovon 300.000 Wehrpflichtige sind, und etwa 500.000 Reservisten stellen die Streitkräfte Ägyptens dar. Auch Frauen dienen in der Arme, wobei deren Größenordnung bei rund vier Prozent liegt. Sie kommen vorwiegend im Sanitätsdienst und im Feldjägerdienst zum Einsatz. Ägypten ist derzeit in 18 UN-Missionen engagiert.

Meer, Sonne, Schnee und Sand

Das Land Algerien mit den fünf klimatischen Hauptregionen, in welches nahezu alle europäischen Länder flächenmäßig hineinpassen, wurde als nächstes durch Fregattenkapitän Abdelbassat Benarab vorgestellt. FK Benarab entführte die Zuhörer zu mediterranen Mittelmeerstränden, über schneebedeckte Bergrücken bis hin zu den Wüsten der Sahara. Die jahrtausendealte Geschichte, die von Karthago, den Phöniziern ca. 1250 v. Chr., über die Einflüsse der Römer, der Vandalen, der Byzanten, Araber Spanier und den Osmanen bis zur franz. Kolonialzeit, die von 1830 – 1962 reichte, sich erstreckte, wurde vom Fregattenkapitän anschaulich dargestellt. Er stellte im Verlauf deren Auswirkungen bis zur Moderne mit seinen Befreiungskriegen dar, die 1962 in die Unabhängigkeit führten. Die seit 1999 erfolgte Politik der nationalen Aussöhnung hat, so Benarab, mit dazu beigetragen, dass Algerien eine stabile Entwicklung genommen hat.

Algerien im Fokus

Nach einem kurzen Überblick über die wirtschaftlichen Schwerpunkte und die deutsch-algerischen Beziehungen sowie die Kurzdarstellung des politischen Systems stellte der Kapitän die Sicherheitspolitik des Landes vor. Geleitet wird diese von fünf Grundpfeilern. Diese bestehen aus der nationalen Souveränität und Integrität, aus Wohlstand und Sicherheit, regionaler Sicherheit, friedlicher Koexistenz sowie der Zusammenarbeit mit der NATO und der afrikanischen Union. Der Vortrag über Algerien, das neben der EU und AU auch Mitgliedsstaat der Organisation Islamischer Staaten (OIS), der Arabischen Liga (AL), der Union des Arabischen Maghreb, der United Nations (UN) und der NATO ist, wurde mit einer Kurzvorstellung der Streitkräfte beendet. Deren Umfang umfasst rund 200.000 Heeressoldaten, 40.000 Luftwaffensoldaten und Soldaten der Luftverteidigung sowie 20.000 Marinesoldaten. Algerien ist derzeit an vier UN-Einsätzen beteiligt. Diese stellen sich den Herausforderungen der Bekämpfung der organisierten Kriminalität, der Waffenproliferation, der Bekämpfung des Terrorismus/Radikalismus, der illegalen Einwanderung und des Drogenschmuggels. Ein besonderes Augenmerk wurde den Bedrohungen an der libyschen Grenze gewidmet.

Afrika gegenüber von Europa

Oberstleutnant Jamal Laamech stellt nach einer kurzen Pause sein Königreich Marokko vor. Die Bilder von Marakkesh, Casablanca, Fés und Rabbat, den atemberaubenden Landschaften dieses Landes und den malerischen Trachten seiner Bewohner zwischen Mittelmeer und Atlantik erinnerten die Zuhörer an 1001-Nacht-Märchen. Marokko ist gerade einmal 14 km von Europa entfernt und doppelt so groß wie die Bundesrepublik, so Oberstleutnant Laamech zu seinen Zuhörern. „Wir sind ganz nah.“ Über Marokko mit seiner jahrtausendealten Geschichte kann viel erzählt werden. 2000 Jahre alte Felszeichnungen in Zagora stellten den Beginn der Zeitreise Laamechs dar, die über die Zeit der Phönizier, der Römer, der arabischen Epoche mit deren unterschiedlichen Dynastien der marokkanischen Herrscherhäuser bis zur Konlonialzeit reicht. Das seit 1956 unabhängige Land hat 35 Millionen Einwohner, wovon 99 Prozent Muslime sind. Nach einem Überblick über eine stabil aufgestellte Wirtschaft mit den Industriesektoren, den Bereichen erneuerbare Energien und der Tourismusbranche, ließen den Oberstleutnant das politische System und die Auswirkungen des Arabischen Frühlings 2011 vorstellen. Letzterer endete in einer neuen Verfassung.

International breit aufgestellt

Ausführlich ging Laamech auf die internationale Vernetzung Marokkos ein. Er erählte von den Mitgliedschaften in der Union des arabischen Maghrebs, der Arabischen Liga, der Assoziation mit der NATO als Haupt-Alliierter außerhalb der NATO, der Union für den Mittelmeerraum oder in der Afrikanischen Union. Ein besonderes Augenmerk in der Sicherheitspolitik Marokkos wird nach Laamech auf die Sahelzone gelegt. Mit dem Überblick über die Streitkräfte Marokkos endete der interessante Vortrag. Danach leisten rund 240.000 Soldaten Dienst in den Streitkräften, wovon 180.000 in den Landstreitkräften dienen, 16.000 in der Luftwaffe, etwa 12.000 in den Marinestreitkräften und einer Gendarmerie von 25.000 Mann.

Eine lange Geschichte

Fregattenkapitän Anouar Melki stellte als letzter Referent das Land Tunesien vor. Die Bandreite des klimatischen Spektrums vom 55 Grad Celsius heißen Sommer an der Mittelmeerküste bis zu den schneebedeckten Hochgebirgslandschaften waren der Einstieg in die Präsentation eines Landes, welches viele Urlauber über Jahre bis zum Einschnitt durch den Arabischen Frühling als Ziel für die Ferien hatten. Elf Millionen Einwohnen leben in einem Land, dessen Geschichte nachweislich 8500 Jahre vor Christus begann und mit den Berber-Dynastien, den Römern, den Vandalen, den oströmischen Einflüssen über die Arabisierung, dem osmanischen Reich, der französischen Kolonialzeit bis zur Unabhängigkeit im Jahre 1956 reicht. Kurz stellte der Fregattenkapitän die Wirren zwischen den Jahren 2011 und 2014 dar und besprach in diesem Zusammenhang auch die Herausforderungen und Entwicklungen im Zuge der Revolutionsjahre 2011 bis 2013 mit dem folgenden demokratischen Übergang.

Wehrpflicht in Tunesien

Seinen Zuhörern stellte Melki die tunesische Wirtschaftsstruktur vor, die wesentlich durch Landwirtschaft, Bergbau und Rohstoffindustrien sowie Tourismus geprägt ist. Wie die anderen Maghreb-Staaten, so ist auch Tunesien unter anderem Mitglied in der Afrikanischen Union, in der Union des arabischen Maghreb, in der arabischen Liga und in den Vereinten Nationen. Sicherheitspolitisch ist die enge Kooperation mit Algerien eine wichtige Komponente und die Stabilisierung Libyens das strategische Ziel. Mit einem kurzen Überblick über die tunesischen Streitkräfte, die eine Wehrpflichtarmee sind, endete der Vortrag von Fregattenkapitän Melki. Tunesien, so sagte Melki, hat in den 57 Jahren seines Bestehens an insgesamt 20 UN-Einsätzen teilgenommen. Mit afrikanischen Speisen und Zeit zum Gespräch im Foyer endete der spannende und vielseitige Ausflug in den Maghreb.