Autor: Andreas Aschert; Fotos: Katharina Roggmann / Doris Wagner / Bundeswehr

Hamburg, 07.02.2018

Zivil-militärisches Zusammenwirken in der Planungsphase

Doris Wagner interessiert sich für Sicherheitspolitik

Leben in der Lage: Die Teilnehmenden im Planspiel

 Planspiel Cerasia an der Führungsakademie

 Der zivile Partner - das ,,West Erbil Emergency Hospital"

Doris Wagner berät Lehrgangsteilnehmer des Planspiels

Ungefähr drei Wochen verbrachte Doris Wagner, ehemalige Bundestagesabgeordnete der Grünen, an der Führungsakademie der Bundeswehr. In der Planspielübung CERASIA 2018 des nationalen Lehrgangs Generalstabsdienst/ Admiralitätsstabsdienst 2016 (LGAN) der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) schlüpfte sie in die ihr aufgrund Ihrer Bundestagstätigkeit bereits bekannte Rolle der Sprecherin im Verteidigungsausschuss des Bundestages. Aber wie kam es dazu?

Als bayrisches Nordlicht in den Verteidigungsausschuss

Doris Wagner wurde 1963 in der Hansestadt Bremen geboren und ist dort aufgewachsen. Gleich nach ihrem Abitur verschlug es sie als Nordlicht in südliche Gefilde, nach Würzburg, wo sie eine Dolmetscherschule besuchte. Im Süden ist sie seither wohnhaft geblieben. Denn nach Etappen in Mailand in Italien und London in Großbritannien ist sie seither in München ansässig. Für die bayerischen Grünen wurde sie über die Landesliste 2013 Mitglied des Bundestags und war bis 2017 Mitglied im Verteidigungsausschuss. Aus dieser Zeit kommen ihre fundierten Kenntnisse einer verteidigungspolitischen Ausschussarbeit, die sie bei CERASIA nun vollumfänglich einbringen konnte.

Auf Feuer reagieren

"Mir ist es wichtig, sich mit Sicherheitspolitik auseinander zu setzen, weil wir in Krisenzeiten leben. Die Krisen sind so nah.“ Ihr ist das bewußtsein wichtig, dass wir dabei in wirklich krisenbestimmten Zeiten leben. Entscheidungen sollten daher vorausschauend und diplomatisch gut vorbereitet sein. „Wie die Feuerwehr, die sich darauf vorbereitet, dass es immer neue Brandbeschleuniger gibt und man auch auf diese reagieren muss, um das Feuer richtig zu bekämpfen.“  Dass sie mal mit Sicherheitspolitik, Bundeswehr oder Politik im Allgemeinen zu tun haben würde, hat sie sich in den 1990er Jahren, als sie vier Jahre in Mailand lebte, nicht vorstellen können. „Ich war immer an Politik Interessiert, aber zu der damaligen Zeit war ich noch sehr weit weg von Politik, schon gar von der Vorstellung, jemals aktiv Politik zu gestalten“, so Doris Wagner.

Nicht als Oberleutnant in den Irak

Von der Führungsakademie in Hamburg hörte sie dann Positives in ihrer Abgeordnetenfunktion. Den Weg quer durch Deutschland, wieder in eine Hansestadt, nahm sie zwei Wochen vor der eigentlichen Planspielübung gerne auf sich. Erst durch den Elbtunnel, dann durch das Kasernentor. Schließlich wollte sie sich gut auf die Übung in Hamburg vorbereiten. Unbekannt ist ihr der Zutritt in eine Kaserne dabei nicht. 2015 ist sie während einer einwöchigen Multiplikatoren Ausbildung zum Oberleutnant ernannt worden. Als Bundestagsabgeordnete war sie außerdem in Afghanistan, Erbil (Irak) und Israel. Dort hat sie weitere Einblicke in die Bundeswehr erhalten.

Mit Dolmetscherin verwechselt

Für sie als Abgeordnete war die Reise nach Erbil die spannendste überhaupt. Total dankbar ist sie für die unglaublich lehrreiche Reise, die sie mit dem Inspekteur des Sanitätsdienstes Generaloberstabsarzt Michael Tempel machen durfte. Eine für sie witzige Anekdote während der Erbil-Reise: „ Ich bin dort direkt mit dem italienischen Kommandeur ins Gespräch gekommen. Natürlich in fließendem Italienisch, das ich als Dolmetscherin und den fünf Jahren in Italien beherrsche. Man glaubte dort von Anfang an ich sei als Dolmetscherin mitgereist, weniger als Abgeordnete.“ Allein an diesem Szenario zeigt sich, das Doris Wagner ein zugänglicher Typ ist und schnell ins Gespräch kommt.

Gespräche ohne Vorurteile

Mit den Lehrgangsteilnehmern während CERASIA 2018 hätte sie sich gewünscht noch mehr ins Gespräch zu kommen. Laut ihr war es manchmal ein bisschen kurz, aus dem Grund, weil die Teilnehmer sehr in ihrer Aufgabe gebunden waren und der Zeitdruck enorm hoch war. Die Möglichkeit zum Austausch nutzte sie vorwiegend während der Essenzeiten oder während der Pausen vor den fiktiven Ausschusssitzungen. Der Informationsaustausch war durchweg positiv für sie. Das stellt für Doris Wagner neben vielen anderen Begegnungen während der Übung und an der Führungsakademie ein Highlight dar. Sie findet es toll das man offen und ohne Vorurteile aufeinander zugeht. Aus ihrer Erfahrung im politischen Umfeld weiß sie umso besser, als noch mancher junger angehender Referent, dass es wichtig sei sich zu begegnen und dadurch vielleicht vorherrschende Vorurteile abzubauen. Das hat Auswirkungen auf die Ergebnisse. Sie würde daher den Lehrgangsteilnehmern mit auf den Weg geben: „Seid offen für andere.“

Plötzlich Übungsende

Gerührt hat sie daher auch als viele Teilnehmer mit Abschluss der Übung noch schnell mit Umarmungen fleißig ihre Visitenkarten ausgetauscht haben. „Das war so richtig wuselig, da die Übung zu Ende war und plötzlich auf einmal ohne Zeitdruck festgestellt wurde, die Ersten müssen schon abreisen. Wenn die sich wieder sehen, werden sie sich an die positiven Erfahrungen zurück erinnern und die erfahrene Offenheit wahrscheinlich auch anderen Referenten aus anderen Ressorts sofort gewähren“, so Doris Wagner.

Ohne Zeitdruck nach Paris

Ohne eigenen Zeitdruck ist eines ihrer privaten Ziele eine Reise nach Paris. Unabhängig von ihrer Ausbildung zur Textilbetriebswirtin im Jahr 1995 hat sie es sich schon immer gewünscht in ihre Lieblingsstadt, die Modestadt Paris, zu fahren und „einfach mal ein bis zwei Monate die Stadt vor Ort wirken zu lassen.“ Momentan wirkt erst mal die Führungsakademie nach, mit all der angefundenen Offenheit auf die sie gestoßen ist und dem Leitspruch der Akademie: „Der Geist bewegt die Materie.“