Autor: Andreas Aschert; Fotos: Katharina Roggmann

Hamburg, 05.02.2018

Zivil-militärisches Zusammenwirken in der Planungsphase

Zivil-militärisches Zusammenwirken in der Planungsphase

Leben in der Lage: Die Teilnehmenden im Planspiel

 Leben in der Lage: Die Teilnehmenden im Planspiel

 "ein gemeinsames Verständnis füreinander entwickeln"

Theorie in die Praxis umsetzen

 Theorie in die Praxis umsetzen

Doris Wagner bringt ihre Erfahrung in die Übung ein

Doris Wagner bringt ihre Erfahrung in die Übung ein

 

 

 

 

 

Über 90 Lehrgangsteilnehmer des Lehrgangs General- / Admiralitätsstabsdienst National (LGAN) 2016 der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) stellten sich den Herausforderungen des Planspiels CERASIA 2018 in der Clausewitz-Kaserne. Unter Zeitdruck und den Augen von 30 militärischen und zivilen Experten wurde eine abgestimmte militärpolitische Position erarbeitet und ein vorlagefähiges Konzept auf ministerieller Ebene erstellt. Die Teilnehmer wurden durch dieses Planspiel befähigt, eine künftige ministerielle Tätigkeit auszuführen, und zwar ressortübergreifend.

Praxisnähe durch vernetzten Ansatz

In der Übung geht es nicht nur um eine Krisenbewältigung in der fiktiven Region CERASIA mit militärischen Mitteln, sondern auch um das unerlässliche Zusammenwirken von zivilen und militärischen Instrumenten. Die Übung steht so voll und ganz im Einklang mit dem Weißbuch 2016 unter dem Aspekt des vernetzten Ansatzes. Sieben Referenten des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und 22 Angehörige des Attaché Lehrganges des Auswertigen Dienstes nehmen an dem Planspiel teil, um der Idee der ressortgemeinsamen Ausbildung und Übung gerecht zu werden. Mit ihnen entsteht bei CERASIA 2018 eine Praxisnähe und Tiefe in der Ausbildung. "Die Übung ist ein unheimlicher Zugewinn. Wir haben hier die Chance der gemeinsamen Ausbildung, in der wir auch ein gemeinsames Verständnis füreinander entwickeln", so Oberst i.G. Boris Nannt, der als Direktor Strategie und Fakultäten CERASIA 2018 verantwortet.

Eine abgestimmte Position als Ziel

Fünf Tage in Echtzeit und ohne Unterbrechung sind für alle eine Herausforderung. Die Teilnehmer des LGAN 2016 durchlaufen die in der Übung geforderten Prozesse und Abläufe anwendungstechnisch das erste Mal. „Grundlagen der Stabsarbeit auf Kommandoebene hatten wir als einwöchige theoretische Unterrichtung. Jetzt setzten wir das zuvor Gelernte in der Praxis um, und zwar direkt auf ministerieller Ebene“, so Major Christian Menrath, LGAN-Teilnehmer. Wie er wenden auch alle anderen Lehrgangsteilnehmer nun Verfahren ministerieller Arbeit mit dem Ziel an, eine auf politisch-strategischer Ebene inner- und interministeriell abgestimmte Position zu entwickeln und ihre vorbereiteten Entscheidungen zu kommunizieren.

Tiefes Verständnis

Das Interagieren und Kommunizieren mit nicht militärischen Akteuren und deren spezifischen Herangehensweisen an die Problemlösung brachte einige wenige Lehrgangsteilnehmer zu Stirnrunzel. So brachte auch Doris Wagner, ehemaliges ordentliches Mitglied im Verteidigungsausschuss und ehemaliges ordentliches Mitglied der interparlamentarischen Konferenz für die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik/ Gemeinsame Sicherheits- und Verteidigungspolitik, ihre Erfahrungen in die Übungen ein. Im Planspiel trat sie in die Funktion der Obleute und wurde durch die Lehrgangsteilnehmer bei der Obleute-Unterrichtung des Verteidigungsausschusses über Ereignisse im Krisenland CERASIA als Obfrau einer Partei informiert. Im Nachgang führten alle Gespräche der Übungsteilnehmer im gegenseitigen Miteinander zu einem tieferen Verständnis der anderen Partei und festigte die Idee des vernetzten Ansatzes.

Fiktive Region CERASIA

Die fiktive Region CERASIA, nach der die Übung benannt ist, hat die geografischen Daten und Gegebenheiten der Region vom Horn von Afrika, das die östliche Spitze des afrikanischen Kontinents bildet. Geopolitisch ist CERASIA nicht mit dem echten Horn von Afrika, mit den Ländern wie beispielsweise Dschibuti und Somalia, den Ethnien und Religionen, sowie der dort gegenwärtig anzufindenden Gegebenheiten  vergleichbar und gleichzusetzen. Im Übungsszenario beispielsweise entwickelte sich über mehrere Jahre eine Krise, die hin und wieder sichtbar wurde und in einem multiplen Krisenszenar endet, das nur ressortgemeinsam lösbar ist. So finden sich im Planspiel, wie in der Realität, Akteure aus allen Bereichen zur Krisenbewältigung. GIZ, THW, Bundespolizei etc. Die Hörsäle, durch den LGAN 2016 besetzt und die Referenten aus BMZ und dem Auswertigen Dienstes verstärkt, bereiten während der Übung u.a. Strategiegespräche im Bundesministerium der Verteidigung, Abstimmungsrunden im Auswärtigen Amt (AA), ein Staatssekretärsfrühstück im AA oder die Obleute-Unterrichtung vor und bilden jeweils ein Referat im Bundesministerium der Verteidigung ab. Dementsprechend müssen die Referenten wie im echten Ministerium ihre präzise, kurz formulierten Vorlagen, Sprechempfehlungen etc. ihrem jeweiligen Unterabteilungsleiter vorlegen und vortragen.  In CERASIA 2018 wurde diese Aufgabe u.a. von fünf Obersten außer Dienst wahrgenommen. Das Planspiel fand inzwischen zum fünften Mal statt. "Diese Übung ist durchaus mit der Realität vergleichbar", betonte Doris Wagner abschließend im Gespräch mit Teilnehmern der Übung, bevor diese ihre Heimreise antraten.