Autor: Julia Döhrn; Fotos: LGAN 2016

Hamburg, 01.02.2018

Im Gespräch mit Henning Otte (CDU), Tobias Lindner (Grüne) und Siemtje Möller (SPD)

Im Gespräch mit Henning Otte (CDU), Tobias Lindner (Grüne) und Siemtje Möller (SPD)

Zivile und militärische Führungskräfte im Gespräch an der Bundesakademie für Sicherheitspolitik

Zivile und militärische Führungskräfte im Gespräch an der Bundesakademie für Sicherheitspolitik  

Der LGAN 2016 mit Staatssekretärin Emily Haber im BMI

 Der LGAN 2016 mit Staatssekretärin Emily Haber im BMI

Major Kai Domack überreicht Bundespräsident Steinmeier als Dank den großen Lehrgangscoin

Major Kai Domack überreicht Bundespräsident Steinmeier als Dank den großen Lehrgangscoin

Hier werden Entscheidungen getroffen: der Kabinettstisch im Bundeskanzleramt

Hier werden Entscheidungen getroffen: der Kabinettstisch im Bundeskanzleramt

Der Parlamentarischer Staatssekretär im BMZ Silberhorn plädiert für vernetztes Denken

Der Staatssekretär Silberhorn plädiert für vernetztes Denken

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wie entstehen politische Entscheidungen? Wird der vernetzte Ansatz in der Bundesregierung gelebt? Was bewegt zurzeit das politische Berlin? Diesen und anderen Fragen gingen die Lehrgangsteilnehmenden des Lehrgangs generalstabsdienst / Admiralstabsdienst 2016 (LGAN) der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) zu Beginn des Jahres 2018 auf der traditionell stattfindenden Hauptstadtreise nach. Begleitet wurde der LGAN vom stellvertretenden Kommandeur der Akademie, Flottillenadmiral Karsten Schneider.

Im Zentrum des Handelns

Direkt am ersten Tag besuchte der Lehrgang das Zentrum des Regierungshandelns, das Bundeskanzleramt. Im Gespräch mit Brigadegeneral Andreas Delp, der mit seinem Team die Bundeskanzlerin und den Chef des Bundeskanzleramts in sicherheits- und verteidigungspolitischen Fragen berät, wurden vor allem die Ergebnisse der Sondierungsgespräche zwischen CDU/CSU und SPD diskutiert. Während der Führung durch das Bundeskanzleramt und beim Besuch der Reichstagskuppel bekamen die Teilnehmenden besondere Eindrücke und Ausblicke auf das Regierungsviertel Berlins.

Besuch im „Mutterhaus der Bundeswehr“

Am Dienstag wurde der Lehrgang im Bundesministerium der Verteidigung hochranging empfangen. Zunächst stand der Austausch mit den Abteilungsleitern „Strategie und Einsatz“ sowie „Planung“ und den stellvertretenden Abteilungsleitern der Abteilung „Politik“ und des Führungsstabs der Streitkräfte an. Bei einer Podiumsdiskussion wurden kontroverse Fragen zur Lage der Bundeswehr diskutiert. Der Austausch hinterließ bei allen einen nachhaltigen Eindruck, zeigte er doch den enormen Handlungsbedarf für eine zukunftsfeste Bundeswehr auf. Auch die daran anschließende Gesprächsrunde mit dem stellvertretenden Generalinspekteur, Vizeadmiral Rühle, war geprägt von Fragen zur Weiterentwicklung der Bundeswehr, der Personallage und der Tradition in der Bundeswehr.  Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen nahm sich Zeit, um mit den Lehrgangsteilnehmenden über ihre künftige Rolle bei der Modernisierung der Bundeswehr zu sprechen. Sie rief ihren Führungskräftenachwuchs dazu auf, fachlich versiert aber trotzdem demütig, kommunikativ und aufgeschlossen, standfest und ohne Scheuklappen voranzugehen.

Die Parlamentsarmee im Bundestag

Im Anschluss traf der Lehrgang mit ehemaligen und künftigen Bundestagsabgeordneten des Verteidigungsausschusses zu einem offenen Austausch zusammen. Eine wichtige Station für eine Parlamentsarmee. Fragen zum Verteidigungshaushalt,  Einsatzmandaten und Deutschlands Rolle in den Bündnissen wurden kritisch diskutiert – auch mit Blick auf eine mögliche große Koalition. Der folgende Tag begann für die nationalen Lehrgangsteilnehmenden mit ausführlichen Briefings im Bundesnachrichtendienst. Dort wurde einmal mehr deutlich, wie sehr die Bundesregierung in unruhigen außenpolitischen Zeiten auf belastbare Informationen aus den Krisenregionen dieser Welt angewiesen ist.  Die Kameraden aus unseren Partnernationen tauchten derweil im Stasi-Museum in die Geschichte des geteilten Deutschlands ein. Im Bundesrat informierten sie sich zudem über die Besonderheiten des föderalen Systems in der Bundesrepublik.

Gespräch mit Bundespräsident Steinmeier

Nach dem Mittagessen wartete für alle der Höhepunkt der Reise: Der Besuch im Schloss Bellevue und das persönliche Zusammentreffen mit Bundespräsident Steinmeier. In einem ausführlichen Gespräch informierte sich der Bundespräsident über die Lage in der Bundeswehr und beantwortete Fragen zu den ersten Monaten seiner Amtszeit. Er sprach allen Soldatinnen und Soldaten sein Vertrauen aus und versicherte: „In mir haben Sie einen Freund der Bundeswehr.“ Die Worte des Bundespräsidenten werden den Lehrgangsteilnehmenden mit Sicherheit noch lange in Erinnerung bleiben. Am Abend hatte die Bundesakademie für Sicherheitspolitik nach Pankow geladen. Dort trafen der LGAN 2016, die Crew des 72. Attachéelehrgangs des Auswärtigen Amtes und junge Führungskräfte aus dem Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) zusammen. Nicht nur in Vorbereitung auf das gemeinsame Planspiel CERASIA wurden an diesem Abend wichtige Kontakte geknüpft und einige Vorurteile bei einem Glas Wein abgebaut. Der Austausch und das Netzwerk werden weit darüber hinaus relevant bleiben.

Vernetzt denken und handeln

Der Donnerstag und der Freitag standen daher auch ganz im Zeichen des vernetzten Ansatzes. Bei Terminen im Auswärtigen Amt, im BMZ und erstmals auch im Bundesministerium des Innern wurde kontrovers diskutiert. Welche Rolle spielt die Bundeswehr im Denken der anderen Ressorts? Welche ressortgemeinsame Vision gibt es für die Sahel-Region? Wie können Fluchtursachen bekämpft und Migration gesteuert werden? Mit der Beauftragten für Sicherheitspolitik des AA, Bettina Cadenbach, dem Parlamentarischen Staatssekretär im BMZ, Thomas Silberhorn und der Staatssekretärin im BMI,  Emily Haber, trafen die Lehrgangsteilnehmenden auf erfahrene politische Entscheider. Die allen gemeinsame Botschaft: Nur ressortgemeinsam können wir die zahlreichen Krisen heute und in Zukunft effektiv bewältigen. Einen Perspektivwechsel bot der Besuch bei den Botschaften der Nordischen Länder. Die Militärattachées aus Finnland, Dänemark, Norwegen und Schweden reflektierten die Sicherheits- und Verteidigungspolitik Deutschlands aus nordischer Sicht. Gleichzeitig sensibilisierten sie die Lehrgangsteilnehmenden für Geographie und Geopolitik mit Blick auf die Arktis und den großen Nachbarn Russland.

Viele Eindrücke gesammelt

Mit vielen Eindrücken kehrt der LGAN 2016 zurück nach Hamburg. Einige Diskussionen werden nachwirken. Besondere Begegnungen werden in Erinnerung bleiben. Und schon bald werden die ersten Lehrgangsteilnehmenden die Entscheidungsprozesse in Berlin mitgestalten.