Autor: Christoph Weigmann; Fotos: Katharina Roggmann

Hamburg, 25.01.2018

Arnór Sigurjónsson beim Eintrag in das Gästebuch der Führungsakademie

Arnór Sigurjónsson beim Eintrag in das Gästebuch der Führungsakademie

General Wieker und Arnór Sigurjónsson im Moltke-Saal

 General Wieker und Arnór Sigurjónsson im Moltke-Saal

Interessierte Zuhörer des LGAN 2017

 Interessierte Zuhörer des LGAN 2017

Arnór Sigurjónsson und Oberst i.G. Boris Nannt bei der Begrüßung an der Führungsakademie

 Arnór Sigurjónsson und Oberst i.G. Boris Nannt bei der Begrüßung an der Führungsakademie

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In der vergangenen Woche haben die Lehrgangsteilnehmer des Lehrgangs Generalitätsstabsdienst- und Admiralitätsstabsdienst 2017 (LGAN) einen besonderen Gast an der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) begrüßt. Die FüAk wurde von Arnór Sigurjónsson, Director General des Defence Directorate am isländischen Außenministerium, besucht, der in Begleitung vom Generalinspekteur der Bundeswehr, General Volker Wieker, nach Hamburg-Blankenese kam.

In den Herzen angekommen

An der Führungsakademie war es der Direktor Strategie und Fakultäten, Oberst i.G. Boris Nannt, der den Gast aus dem hohen Norden in Empfang nahm, um diesen nach dem traditionellen Eintrag ins Gästebuch der Akademie den LGAN-Teilnehmern vorzustellen. „Island“, so sagte Nannt, „ist bei uns in Deutschland nicht erst seit der EM 2016 in den Herzen angekommen." Er selber ist dem Kieler Handball sehr verbunden, in dessen erster Mannschaft viele Isländer spielten.

Islands strategische Herausforderungen

In seinem Vortrag stellte der isländische Chef der Verteidigung dar, welche Bedeutung das kleine Land und seine rund 340.000 Einwohner für die Verteidigung der NATO-Nordflanke haben. Obgleich Island nur über eine eigene Küstenwache, die Icelandic Coast Guard, verfügt und über keine weiteren Streitkräfte, so ist es doch eines der Gründungsmitglieder der NATO. Sigurjónsson brachte den Bundeswehroffizieren einen Perspektivwechsel nahe. Welche Bedeutung die Nordflanke für die NATO und damit die Position Islands hat, wird deutlich, wenn sich vergegenwärtigt wird, dass dieser Inselstaat eine Basis in der sogenannten GIUK- Lücke darstellt.

Die GIUK-Lücke

Im NATO-Marinekontext wird unter der GIUK-Lücke eine gedachte Linie zwischen Grönland, Island und dem Nordende des Vereinigten Königreichs (UK) bezeichnet. Diese Lücke befindet sich am Übergang zwischen dem europäischen Nordmeer, der Grönlandsee und dem nördlichen Atlantischen Ozean. In der Verteidigungsstrategie der NATO kommt damit der Basis Island eine besondere Bedeutung zu. Aber auch viele Luftkorridore kreuzen sich über Island. Vor all diesen Gesichtspunkten rückt Island damit sehr nah an das europäische Festland und an kontinentaleuropäische Sicherheitsinteressen. Zu diesen und weiteren Aspekten unter dem Gesichtspunkt der besonderen Lage Islands hat Sigurjónsson seine Einschätzung abgegeben.

Icelandic Coast Guard

Eine besondere Aufmerksamkeit wurde der Icelandic Coast Guard zuteil. Diese kleine maritime Einheit hat den Auftrag, die isländischen Küstenlinien und Hoheitsgewässer zu verteidigen und Search & Rescue-Massnahmen durchzuführen. Diese kleine, aber effiziente Einheit wurde von Konteradmiral Georg Lárusson, Director General ISL Coast Guard, und Kapitän Jon Gudnason, Kommandant Keflavik Air Base, vorgestellt. Es war zum Abschluss auch der isländische Kapitän, der den Lehrgangsteilnehmern einen kurzen Überblick über die Aufgaben gegeben hat, die Island im Rahmen der eigenen wie auch der Bündnisverteidigung wahrnimmt.

Viele Fragen an die Isländer

Die abschließende Fragerunde zeigte deutlich, wie groß das Interesse an Island ist. Viele Fragen sorgten dafür, dass der Vortrag inhaltlich rund wurde. Am Ende blieb das Bewusstsein, wie gut ein Perspektivwechsel tut, um mit General Wiekers Worten zu sprechen, um die eigene Sicht auf die Welt besser einzuordnen.