Autor: Julia Döhrn; Fotos: Zebis, Doreen Bierdel

Hamburg, 09.01.2018

Militärbischof, Dr. Franz-Josef Overbeck, Botschafter Ekkehard Brose, Vizeadmiral Joachim Rühle sowie Professor Dr. Eckard Minx (v.li.n.re.) bei der Diskussion

Militärbischof, Dr. Franz-Josef Overbeck, Botschafter Ekkehard Brose, Vizeadmiral Joachim Rühle sowie Professor Dr. Eckard Minx (v.li.n.re.) im Zentrum der Diskussion

Konteradmiral Carsten Stawitzki führt die Delegation der FüAkBw an

Konteradmiral Stawitzki führt die Delegation der FüAkBw an

Interessierte Zuhörer

Zahlreiche Besucher am Thema interessiert

Botschafter Ekkehard Brose und Vizeadmiral Joachim Rühle im Gespräch

Botschafter Brose und Vizeadmiral Joachim Rühle im Gespräch

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Führen künftig Roboter unsere Kriege?
Wie gut ist Deutschland auf die Krisen und Konflikte der Zukunft vorbereitet?
Können wir durch mehr strategische Vorausschau Krisen besser vorbeugen?

Die Zukunft von Konflikten: Wie kann man besser vorbeugen? Mit dieser Frage haben sich Experten aus Politik, Kirche, Militär und Wirtschaft in Berlin beschäftigt. Die Podiumsdiskussion „Operation Frieden – was kann Strategische Vorausschau zur Früherkennung und Krisenprävention beitragen?“ bot auch 40 Lehrgangsteilnehmern und Stammpersonal der Führungsakademie der Bundeswehr die Möglichkeit, sich abseits des Akademiealltags mit Zukunftsfragen zu beschäftigen. Der Kommandeur der Führungsakademie, Konteradmiral Carsten Stawitzki, begleitete die Gruppe.

Strategische Vorausschau

Der katholische Militärbischof, Dr. Franz-Josef Overbeck, der Beauftragte des Auswärtigen Amtes für zivile Krisenprävention und Stabilisierung, Botschafter Ekkehard Brose, der Stellvertreter des Generalinspekteurs der Bundeswehr, Vizeadmiral Joachim Rühle, sowie der Vorstandsvorsitzende der Daimler und Benz Stiftung, Professor Eckard Minx, diskutierten dabei sehr offen über die Möglichkeiten und Grenzen der strategischen Vorausschau. Botschafter Ekkehard Brose betonte die Vielzahl an Krisen, denen sich Deutschland und seine Partner seit Jahren gegenüber sähen. „Das Tagesgeschäft und die Krisenbewältigung fordert die Mitarbeiter und Strukturen der Bundesregierung bereits enorm und lässt weniger Raum, Zeit und Ressourcen für die Befassung mit möglichen künftigen Konflikten als wünschenswert wäre“, sagte der Botschafter.

Perspektivwechsel wagen

Professor Minx rief dazu auf, „eingetretene Pfade zu verlassen und Perspektivwechsel zu fördern!“ Strategische Vorausschau als „Denken auf Vorrat“ brauche daher Gruppen von Menschen, die unabhängig vom Tagesgeschäft den Freiraum hätten, sich mit Zukunftsfragen zu beschäftigen. Er warb dafür, diese Freiräume auch in den Institutionen der Bundesregierung zu schaffen und Mitarbeiter in den Methoden der strategischen Vorausschau zu schulen. Militärbischof Dr. Franz-Josef Overbeck erklärte, „die säkulare Gesellschaft hat die Rolle von Religion in Konflikten vollkommen unterschätzt“. Wer verenge und lediglich interessengeleitet auf die Probleme unserer Zeit blicke, werde den komplexen sozialen und menschlichen Dimensionen von Konflikten nicht gerecht. Die Dimension Mensch bewegte auch Vizeadmiral Rühle, insbesondere mit Blick auf autonome Systeme. Er glaubt, auch künftig werde kein Kampf „Maschine gegen Maschine“ geführt.

Denken in Alternativen fördern

Einig waren sich die Panelisten, dass strategische Vorausschau keine eindeutigen Lösungen für künftige Probleme bietet. Sie funktioniere vielmehr als „Denkhilfe“, als „Motor für Phantasie“, quasi als Instrument, um in Alternativen zu denken. Mit einem starken Plädoyer, die strategische Vorausschau in den Institutionen der Bundesregierung zu fördern, warben auch die Veranstalter, Dr. Veronika Bock, Direktorin des Zentrums für Ethische Bildung in den Streitkräften (zebis), der Vizepräsident der Bundesakademie für Sicherheitspolitik (BAKS), Wolfgang Rudischhauser, und der Kommandeur des Zentrum Innere Führung der Bundeswehr, Generalmajor Reinhardt Zudrop.

Die Zukunft denken

Die Reise in die Hauptstadt hat sich nicht nur für die Lehrgangsteilnehmer gelohnt. Den Kommandeur der Führungsakademie beschäftigen die aufgeworfenen Fragen ebenso. „Wie finden wir Antworten auf die Krisen von morgen in einer Welt, die immer dynamischer, komplexer und unübersichtlicher wird - und die uns meist schon mit den heutigen Herausforderungen gänzlich in Beschlag nimmt? Wie können wir strategische Vorausschau im Sinne einer methodisch fundierten und kontinuierlichen Auseinandersetzung mit denkbaren Zukunftsszenarien für unsere Sicherheitsvorsorge einsetzen?“

Themen relevant für die FüAk

Konteradmiral Stawitzki denkt außerdem darüber nach, wie die Führungsakademie der Bundeswehr mit verantwortlichen politischen und gesellschaftlichen Akteuren in einen Dialog treten kann, um bisherige Denkweisen zu hinterfragen und um sich auf neue Wege der Entscheidungsfindung einzulassen. Darüber hinaus findet er lobende Worte für „das hoch interessante Thema“ sowie „die großartige Formatidee“, Lehrgangsteilnehmer in die Veranstaltung einzubinden. „Es war eine tolle Bereicherung“, erklärt der Admiral, „wir werden die Thematik in unser Portfolio aufnehmen und bei unseren Vorträgen im Jahr 2018 berücksichtigen.“