Autor: Kai Prüter; Fotos: Katharina Roggmann

Hamburg, 05.01.2018

Vizeadmiral Rainer Brinkmann

Vizeadmiral Rainer Brinkmann an der FüAk

Konteradmiral Carsten Stawitzki und Vizeadmiral Rainer Brinkmann (v.li.n.re.)

Konteradmiral Carsten Stawitzki und Vizeadmiral Rainer Brinkmann (v.li.n.re.)

Interessierte Zuhörer des LGAN 2016

Interessierte Zuhörer des LGAN 2016

Admirtal Brinkmann beim Vortrag über die Innere Führung

Admirtal Brinkmann beim Vortrag über die Innere Führung

„Was für Einstein die Mathematik, für Christen die Bibel, ist für uns die Innere Führung". So begann Vizeadmiral Rainer Brinkmann, Stellvertreter des Inspekteurs der Marine und Befehlshaber der Flotte und Unterstützungskräfte, seinen Vortrag Ende Dezember an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg (FüAkBw). Begrüßt wurde er vom Kommandeur der Akademie, Konteradmiral Carsten Stawitzki. Diese Veranstaltung war einer der letzten im abgelaufenen Jahr 2017 und erfolgte im Rahmen des Ausbildungsmoduls "Innere Führung." Teilnehmende des Lehrgangs Generalitätsstabsdienst / Admiralitätsstabsdienst National (LGAN) 2016 hatten das Glück, einen beeindruckenden Vortrag zum Thema "Innere Führung und Selbstverständnis" im vollbesetzten Moltke-Saal der FüAk zu hören. Dabei ist es dem Vizeadmiral gelungen, die Zuhörer für das Thema zu begeistern - und das ganz ohne PowerPoint.

„Innere Führung ist eine exzellente Führungskultur“

Für Vizeadmiral Brinkmann bedeutet die Innere Führung eine exzellente Führungskultur. Sie ist Handlungsmaxime, die dem Soldaten und dem Offizier im Speziellen in einem sich ständig ändernden Umfeld Halt gibt. Dabei stellte Brinkmann die Frage, warum sie bisweilen so kritisch gesehen wird und doch zugleich wie eine „Monstranz“ vor jedem Führungsverhalten vorweggetragen wird? Die Antwort sieht der vortragende Admiral darin, dass Innere Führung heute in einem anderen Umfeld praktiziert wird, als dieses früher der Fall gewesen ist. Die Rahmenbedingungen des militärischen Dienstes seien heute andere als in der Vergangenheit: Globalisierung, Digitalisierung, Regelungsdichte, komplexe Prozesse, überbordende Bürokratie, fehlende Zeit, unzureichende Teilhabe an Gestaltung oder die Diversifizierung von Zuständigkeiten sind für Vizeadmiral Brinkmann deutliche Kennzeichen der Moderne. Diese Aspekte bergen zugleich viele Hemmnisse, die Menschen hindern zu handeln.

Ohnmacht und Vertrauensverlust

Überlagert wird dabei die für den Einzelnen kaum zu bewältigende Komplexität des Alltags durch das Gefühl eigener Ohnmacht und einem Vertrauensverlust in die Eliten. "Vertrauen jedoch ist die unverzichtbare Ingredienz von Führung" so Brinkmann. „Führen mit Auftrag, Fehlerkultur, Zeitmanagement und Professionalität sind weitere Grundbedingungen für gute Führung.“ Demgegenüber führe das Streben nach Perfektionismus in dem hochtourigen Alltag eher zur Entmündigung der Mitarbeiter.

Vorbilder sind notwendig

In dieser Situation sind Vorbilder genauso notwendig wie gemeinsame Erlebnisse, gemeinsame Erfahrungen und vor allem gemeinsam errungene Erfolge. Und der Vizeadmiral führte weiterhin aus: „Die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen ist Sache des Dienstherrn, soldatisches Selbstverständnis zu leben jedoch ist Sache der Soldaten.“

Wir.Dienen.Deutschland

Welchen soldatischen Selbstverständnisses bedarf es aber in den Streitkräften und wie steht es damit? Das schlichte Motto „Wir.Dienen.Deutschland“ ist, so Brinkmann, sehr gut angekommen. Dieses Motto kann Richtschnur sein, wird in einer Zeit zunehmender Individualisierung aber nicht allenthalben gelebt. Dabei fordert die Innere Führung zwar die Beachtung der Würde des Menschen; es ist aber nicht ihre Aufgabe, die Wünsche des Einzelnen zu erfüllen. Der militärische Alltag verlangt sehr wohl, sich bisweilen in Verzicht zu üben und Härten zu ertragen. „Das ist heutzutage aber nicht sonderlich beliebt“, so der Admiral.

 

Humor und Gelassenheit ist Teil gelebter Führung

Brinkmann beendete seinen Vortrag mit dem Appell an die Teilnehmenden des LGAN, Mut zur Entscheidung zu haben, die Bundeswehr aktiv mit zu gestalten und dabei eine Fehlerkultur zu pflegen, in der Diskussionen und konstruktive Kritik zugelassen werden. "Aktuelle Probleme können nicht mit den Rezepten der Vergangenheit gelöst werden", wie Vizeadmiral Brinkmann abschließend hervorhob. Er warb bei den Zuhörern für einen optimistischen Blick nach vorne und sprach den Zuhörern die Empfehlung aus, sich den nötigen Humor und eine gewisse Gelassenheit zu bewahren.