Autor: Christoph Weigmann; Fotos: Christiane Rodenbücher

Hamburg, 08.12.2017

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Dunkelheit in den frühen Abendstunden. Fackeln tauchen den Festplatz in der Clausewitz-Kaserne in eine adventlich-feierliche Atmosphäre. Sterne und Weihnachtsbeleuchtung. Die leicht fröstelnden Temperaturen sorgen für eine winterliche Stimmung. Die Angehörigen der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) und ihre Gäste sind zur Adventsandacht mit einem anschließenden adventlichen Beisammensein zusammen gekommen.

Begrüßt wurde die Gemeinschaft durch Konteradmiral Carsten Stawitzki, der gleich zu Beginn und noch vor seiner Rede alle militärischen Angehörigen antreten ließ, um Oberstleutant i.G. Christian Musche zum Oberst i.G. zu befördern. Mit einem dreifachen „Hurra“ wurde er in seinen neuen Dienstgrad entlassen.

In seiner in deutscher und englischer Sprache gehaltenen Ansprache rief der Kommandeur dazu auf, Mut zur Entschleunigung zu haben. „Alles hat seine Zeit“, so der Admiral. „Und wenn sich in diesen speziellen Tagen des Jahres einmal mehr die Dinge wieder beschleunigen, wenn wir mit Blick auf die aktuelle Nachrichtenlage vom Nahen Osten bis nach Ostasien nicht zur Ruhe kommen, sollten wir gerade jetzt versuchen, uns zu entschleunigen, Ordnung in den eigenen Gedanken zu schaffen, eben einmal tief durchatmen.“

Halt durch festes Wertefundament

Er appellierte an die Anwesenden, sich des Wertefundaments, auf dem wir stehen, immer wieder zu vergewissern, denn dieses sei ein nie endender Auftrag. „Denn nur, wer auf einem festen Fundament steht, kann sich selbst, gerade aber auch anderen Halt geben“, so der Kommandeur. Er legte dar, dass das Wertefundament, welches unsere westliche Gesellschaft trägt, untrennbar mit dem Zeitalter der Aufklärung verknüpft ist. In dieser Zeit schrieb Gotthold Ephraim Lessing in der Stadt der FüAk sein letztes Drama „Nathan der Weise“, das aus einem Streit mit dem Hauptpastor der über 760 Jahre alten Hamburger Hauptkirche St. Katharinen zu Hamburg entstanden ist. Der in diesem Drama zum Ausdruck gebrachte Auftrag zu Respekt und Toleranz, zur Achtung der Freiheit und des Individuums, ist heute aktueller denn je.

Was unsere Gesellschaft trägt

Alle diese Grundlagen stellt die Präambel des Grundgesetzes fest. „In der Verantwortung vor Gott und den Menschen … alles das trägt unsere Gesellschaft, und gerade unsere Aufgabe ist es eben auch“, sagte der Kommandeur. „Genauso in der aktuellen Diskussion um die eigene Tradition und das Selbstverständnis der Bundeswehr: Da geht es nicht darum, vermeintlich leicht verständliche Grundsatzregeln aufzuschreiben, sondern es geht vielmehr darum, Geschichte mit Geschichten zu erzählen, zu erklären und begreifbar zu machen, um damit auch Halt zu finden und Halt zu geben.“ Auf diese Weise hat es Lessing am Ende des Disputes mit Nathan dem weisen getan.

Die Gäste des DSACEUR

Besonders begrüßt hat der Kommandeur die anwesenden Gäste des Deputy Suppreme Allied Commander Europe, des stellvertretrenden NATO-Oberbefehlshabers in Europa. Bei dieser Gelegenheit ist der Kommandeur besonders auf einen großen Freund der Führungsakademie, Brian Leakey, den Leiter der US-Delegation aus Leavenworth, eingegangen. Dieses Jahr jährte sich sein Einsatz für die Kontinuität dieses seit 1966 bestehenden Austausches der FüAk mit der vergleichbaren Akadmie der US Army zum letzten Mal. Mit einem Geschenk über Carl von Clausewitz, der sich zu seiner Zeit ebenfalls für anregende Dialoge einsetzte, wurde er auf seine Reise zurück in seine alte Heimat verabschiedet.

Gemütliches Beisammensein

Eine Adventsandacht, die der evangelische Militärdekan Pastor Dr. Hartwig von Schubert hielt und die eingerahmt war von englischen und deutschen Adventsliedern, beendeten den offiziellen Teil des Abends im Freien. Aufgebaut war ein kleiner Weihnachtsmarkt. In diesem festlichen Umfeld hat die Abendgesellschaft im Anschluss daran noch die Gelegenheit wahrgenommen, sich bei einem Glühwein, einer Grillwurst oder einer Suppe auszutauschen, zu singen und zu lachen. Ein kameradschaftlicher Abend, der lange in Erinnerung bleiben wird, ging zu Ende.