Britischer Militärattaché blickt auf seine Zeit an der Führungsakademie zurück

 

Er erinnert sich gern an seine Zeit an der Führungsakademie der Bundeswehr zurück: Brigadegeneral Rob Rider, Militärattaché an der Botschaft des Vereinigten Königreiches Großbritannien. (Foto: Führungsakademie der Bundeswehr/Dr. Victoria Eicker)

Er erinnert sich gern an seine Zeit an der Führungsakademie der Bundeswehr zurück: Brigadegeneral Rob Rider, Militärattaché an der Botschaft des Vereinigten Königreiches Großbritannien. (Foto: Führungsakademie der Bundeswehr/ Victoria Eicker) 

 

Brigadegeneral Rob Rider, Militärattaché an der Botschaft des Vereinigten Königreiches Großbritannien, war im Jahr 1996 Teilnehmer des nationalen Lehrganges Generalstabs-/Admiralstabsdienstes an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg. Wie es ihm an der höchsten militärischen Ausbildungsstätte in Deutschland gefallen hat und welche Erinnerungen er mit dieser Zeit verbindet, hat er im Interview verraten.

Herr Brigadegeneral Rider, wann haben Sie den Generalstabs-/Admiralstabsdienst National (LGAN) besucht?

Rider: Ich war von 1996 bis 1998 an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg. Das war der LGAN 39 Heer. Damals war es hauptsächlich ein teilstreitkräftespezifischer Lehrgang.

 

Sie haben damals die Ehrenurkunde General von Clausewitz gewonnen?

Rider: Ja, das stimmt. Ich habe diesen Preis für meine Lehrgangsarbeit zum Thema „Norddeutschlands langes Kriegsende“ erhalten. Kurz gesagt, war es eine soziale, militärische und politische Analyse des Dritten Reichs. Das passte zu meinem Studium in den 1980er Jahren. Ich habe deutsche, russische und französische Geschichte an der Universität von Cambridge studiert.

Sie waren nicht nur Mitte der 1990er Jahre in Hamburg, richtig?

Rider: Das ist korrekt. Ich war von 2002 bis 2004 als Verbindungsoffizier noch ein weiteres Mal an der Führungsakademie in Hamburg. Allerdings wurde ich in dieser Zeit in den Irak abkommandiert – das war von Januar bis Mai 2003. Daher wurde ich danach auch als Dozent am Zentrum für gemeinsame Operationen eingesetzt, schließlich war der Irakkrieg eine gemeinsame Operation mit den Amerikanern. Ich kam mit einer Menge Einsatzerfahrungen – insbesondere auf strategischer Ebene – zurück.

Wie sind Sie an die Führungsakademie gekommen?

Rider: Damals konnte man sich entscheiden, ob man eine Generalstabsausbildung in England machen möchte oder im Ausland. Ich wollte unbedingt nach Deutschland, denn die Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg hatte einen sehr guten Ruf und ich wollte meine Sprachkenntnisse verbessern. Heutzutage müssen unsere Soldaten, die als junge Offiziere an die Führungsakademie kommen, allerdings auch noch den englischen Generalstabslehrgang in Shrivenham machen – allerdings später in ihrer Laufbahn.

Konnten Sie bereits Deutsch, als Sie nach Hamburg kamen?

Rider: Mein Deutsch habe ich auf der britischen Sprachenschule in Mönchengladbach gelernt. Wir hatten damals noch einen großen Standort dort. Zudem ist meine Frau aus Iserlohn, das hat mir auch immer geholfen.

Wie war für Sie die Zeit in Hamburg?

Rider: Es ist erst einmal grundsätzlich ein Geschenk, zwei Jahre am Stück nur lernen zu dürfen. Ich hatte eine großartige Zeit mit meinen Kameraden damals. Wir sind viel gereist. Aber am meisten freute ich mich darüber, dass man thematisch in die Tiefe gehen konnte. Die Deutschen haben eine gute Lehre. Ich habe viel über die Geschichte gelernt, aber man kann auch viel über Prozesse in der NATO lernen. Was ich hier insbesondere gelernt habe, ist, operativ zu denken. Denn das war total anders als das britische System damals – und heute auch.

Und was hat Ihnen noch gefallen?

Rider: Ehrlich gesagt, war es eine sehr schöne Zeit. Ich hatte einen geregelten Arbeitstag. Meine Familie war mit dabei. Meine Tochter ist damals in Hamburg geboren – sie ist ein echtes Hamburger Deern, heute 22 Jahre alt. Außerdem waren die Reisen fantastisch. Insbesondere die nach Amerika. Dort hat man einen sehr guten Einblick in Strategie und strategisches Denken bekommen – da sind die Amerikaner einfach weiter als die Europäer.

Welche Erinnerungen haben Sie an die Zeit Ihres Lehrgangs?

Rider: Sehr, sehr gute. Ich hatte sehr engagierte Kameraden. Sie waren im Übrigen alle sehr gute Analysten und Stabsarbeiter. Mit einem sehr klassischen Verständnis darüber, wie man Stabsarbeit und Führung zusammenbindet. In Deutschland geht alles in die Tiefe, das ist nicht oberflächlich. Das finde ich großartig. Wovon ich heute noch zehre – und das liegt sicher daran, dass ich sehr oft in Deutschland eingesetzt wurde – sind die guten Kontakte, die ich während meiner Einsätze hier schmieden konnte.

Warum sind Kontakte für Sie so wichtig?

Rider: Salopp formuliert: Wenn es mal irgendwo brennt, dann kann ich immer jemanden anrufen, um herauszufinden, was Sache ist. Man kann so auch schneller Missverständnisse vermeiden – zumindest öfter mal.

Hat Ihnen der Besuch des LGAN auch beruflich etwas gebracht?

Rider: Seit 1983 wurde ich immer wieder in Deutschland eingesetzt. Deshalb, ja, ich gelte als Experte für Deutschland. Und ich bleibe ja auch noch bis Sommer 2020 als Verteidigungsattaché in Berlin.

Wie fanden Sie denn den Lehrgang?

Rider: Das war nicht immer einfach für mich. Es ist ein sehr deutsches System, in Lehre und Methode. Wir ausländischen Teilnehmer müssen uns da auch immer integrieren. Man braucht auch eine gewisse Gelassenheit – es geht ja darum, eine Sprache und eine Kultur zu verstehen.

Was meinen Sie damit?

Rider: Am Anfang habe ich versucht, ein bisschen zu Deutsch zu werden, ich wollte in allem perfekt sein, in der Sprache und im Unterricht, alles gleichzeitig. Man vergisst dabei, dass man als Brite aber auch etwas mitbringt – beispielsweise hatten wir Briten damals schon sehr viel Einsatzerfahrung. Ich war 1989 in Irland, 1991 und 1992 in Belize an der Grenze zu Guatemala und 1994 bis 1995 in Bosnien im Einsatz. Dann wird man auch wieder lockerer. Man kann sich da sehr unter Druck setzen. Alleine schon die Sprache ist eine Barriere, man wird in den komplexen Themen keine perfekten Sätze formulieren.

Haben Sie etwas für sich mitgenommen?

Rider: Ich habe gelernt, nach Perfektionismus zu streben, ohne perfekt sein zu müssen. In Hamburg habe ich versucht, ein bisschen lockerer zu werden und wurde wieder ein bisschen englischer. Dann konnte ich auch bessere Arbeit leisten. Die Sprache ist ein wichtiger Schlüssel in die Kultur und damit auch der Schlüssel zur Integration. Das war für mich 1996 bis 1998 die Herausforderung.

Danach ging es zurück nach England?

Rider: Ja. Und das war auch erst gar nicht so einfach. Ich musste mich dann erstmal in England wieder integrieren. Da fehlte mir dann plötzlich die Fachkenntnis. In den ersten Monaten habe ich 90 bis 100 Stunden gearbeitet, um das wieder aufzuholen, aber man integriert sich schnell – sink or swim, adapt to survive!

 

 Autorin: Victoria Eicker