Autor: Andreas Schreiner; Fotos: LGAI

Hamburg, 07.01.2019

Major Aridito aus Indonesien überreicht das Gastgeschenk des Hörsaals Luftwaffe an Generalleutnant Habersetzer, Kommandeur des Zentrum Luftoperationen

Generalmajor Vetter, Chef des Stabes des Kdr CIR, in der Diskussion mit dem Hörsaal

Der Hörsaal Luftwaffe des LGAI 2018 während der Westreise beim DLR

Dass unsere Weltmeere durch eine überbordende Flut von Plastikmüll stark verschmutzt sind, ist mittlerweile ein Thema, das beinahe jeden Tag durch die Medien und sozialen Netzwerke geistert. Doch es wird auch noch andernorts eng: Mit etwa 80.000 Objekten mit einer Größe von über zehn Zentimetern und etwa 700.000 Objekten mit einer Größe von immer noch über einem Zentimeter rechnet das Zentrum Weltraumoperationen, eine Abteilung des Zentrums Luftoperationen der Luftwaffe, in den durch die Raumfahrt genutzten Erdumlaufbahnen. Sprich: Auch da Müll! Aber nicht nur: Es handelt sich sowohl um Satelliten wie auch um Weltraumschrott. Und der ist gefährlich.

Gefahr in der Erdumlaufbahn

Bei Geschwindigkeiten von mehreren Kilometern pro Sekunde sind selbst kleinste Objekte eine große Gefahr. Dabei ist durch die zunehmende Kommerzialisierung der Raumfahrt mit einer stark steigenden Anzahl an neuen Satelliten in den nächsten Jahren zu rechnen. Das erhöht das Kollisionsrisiko weiter. Schon heute müssen die von der Bundeswehr betriebenen Satelliten und auch die Raumstation ISS immer wieder Ausweichmanöver fliegen. Die Operationsführung der Bundeswehr ist zunehmend auf Systeme im Weltraum angewiesen, von Navigation über Kommunikation bis hin zur strategischen Aufklärung. Der sichere Betrieb dieser Systeme macht ein zuverlässiges Weltraumlagebild erforderlich.

Das war im vergangenen Dezember Thema während der Westreise des Hörsaals Luftwaffe des Lehrgangs Generalstabsdienst-/ Admiralstabsdienst International (LGAI) der Führungsakademie der Bundeswehr. Die Lehrgangsteilnehmer konnten sich vor Ort über die Luftwaffe informieren. So erfuhren sie, dass die Bundeswehr in den kommenden Jahren ihren ersten eigenen Sensor zur Erfassung von Teilchen im Weltraum in Betrieb nehmen wird. Dennoch werden die Streitkräfte diese Aufgabe nicht alleine bewältigen können – das wurde klar. Nur die enge Kooperation mit Verbündeten und zivilen Einrichtungen, wie dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), welches im Auftrag der Bundesregierung das Raumfahrtmanagement wahrnimmt, ermöglichen die Erstellung eines verlässlichen Lagebildes.

Lagebild von oben

Beim Besuch des Kommandos Cyber- und Informationsraum (Kdo CIR) konnten sich die Lehrgangsteilnehmer ein Bild von deren weltraumgestützten Fähigkeiten machen – so beispielsweise von der strategisch abbildenden Aufklärung. Sie ist als Voraussetzung für eine erfolgreiche Operationsführung nicht mehr wegzudenken. Die strategisch abbildende Aufklärung liefert nicht nur Bilder zur Aufklärung von Kräfteansammlungen, sondern bereits im Frieden wichtige Grundlagen zur Erstellung geographischer Produkte, insbesondere Kartenmaterial. Welche Bedeutung Hochtechnologie für die Sicherheit des Staates spielt, wurde bei einem abschließenden Gespräch mit dem Chef des Stabes des Kdo CIR, Generalmajor Michael Vetter, deutlich. Hier kamen insbesondere die Bedrohungen im Cyberraum zur Sprache.

Hörsaal Luftwaffe konnte auf seiner einwöchigen Ausbildungsreise noch weitere namhafte Dienststellen der Bundeswehr insbesondere der Luftwaffe besuchen. Der Fokus lag dabei auf der Bedeutung der jeweiligen Fähigkeiten für die Einsatzbereitschaft der Streitkräfte. Neben Hochtechnologie und Weltraum wurde thematisiert, dass der Mensch ein entscheidender Faktor ist. Insbesondere die schwierige Lage bei der Gewinnung von hochqualifiziertem Personal – Piloten genauso wie Ingenieure und besonders Informatiker – zog sich wie ein roter Faden durch die Reiseroute. Der Besuch beim Assessmentcenter für Führungskräfte der Bundeswehr bot einen guten Einblick in die Strategie der Personalgewinnung der Bundeswehr.

Von draußen in den Lehrsaal

Nach fünf Tagen und Besuchen in neun verschiedenen Dienststellen sowie beim DLR haben die Teilnehmer einen umfassenden Einblick in die aktuellen Herausforderungen und die Lösungsstrategien der Luftwaffe und der Bundeswehr insgesamt erhalten. Die Ergebnisse fließen in die weitere Ausbildung mit ein.