Autor: Andreas Aschert; Fotos: Michael Gundelach

Hamburg, 10.07.2018

Brigadegeneral Kohl bei der Verabschiedung des LGAI

Landestypische Trachten

Blechbläserquintett des Marineorchesters Hamburg

Der argentinischen Inspekteur des Heeres, Generalmajor Claudio Pasqualini

Oberstleutnant Boniface A.R. Zanga Zambo aus Kamerun

Dr. Martin Willich übergibt den Scharnhorst-Preis Major Majid Jan

 

 

 

 

 

 

Die 72 Absolventen des 56. internationalen Generalstabs- und Admiralstabslehrgangs (LGAI) sind nach einjähriger Lehrzeit in einer feierlichen Abschlussveranstaltung von der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) verabschiedet worden. Zwei Jahre haben die Offiziere aus 45 verschiedenen Nationen - darunter 17 Deutsche – in Deutschland verbracht, erst ein Jahr gemeinsam deutsch am Bundessprachenamt in Hürth gelernt, anschließend die Schulbank in Hamburg gedrückt. Dabei befand sich unter den Absolventen in dem diesjährigen LGAI eine Soldatin.

Gemeinsam stark

Brigadegeneral Oliver Kohl, Kommandeur der Führungsakademie, verabschiedet die bunte Truppe mit persönlichen Worten. Er zollte ihnen Respekt für das Engagement und die hervorragende Leistung, die Generalstabsausbildung in einer fremden Sprache zu durchlaufen. „Sie alle haben sich hier verdient gemacht und diesen Lehrgang mitgestaltet. Ich persönlich war dabei sehr beeindruckt, wie sie in einer neuen Sprache so kritische Fragen stellen konnten. Dieses haben Sie bei Besuchen von wichtigen Institutionen in Brüssel und Wien, wie beispielsweise bei der UN oder OSZE, für mich sehr eindrucksvoll bewiesen.“ Das Ziel, das Handwerkzeug der Generalstabsausbildung zu erreichen, wo Kritikfähigkeit, Konsensfähigkeit und Konfliktfähigkeit neben der Militärpolitik mit dazu gehören, sieht er als erfüllt an. Er unterstrich dabei auch, dass die Absolventen Teil eines riesen ALUMNI-Netzwerkes sind. „Das ist für Sie, rund um die Welt, ein Mehrwert über den LGAI hinaus“, sagte der General vor den noch Lehrgangsteilnehmern.

Großartige Unterstützung

Viele Familien sind mitgekommen, Verteidigungsattachés sind aus Berlin angereist, Freunde und Wegbegleiter der Lehrgangsabsolventen tummeln sich im Manfred-Wörner-Zentrum, teilweise sogar in landestypischen Trachten. Die 250 Gäste umrankten die stolzen Offiziere bei ihren Feierlichkeiten, das Blechbläserquintett des Marineorchesters Hamburg sorgt mit stimmungsvollen Stücken wie „California Dreamin‘ “ für eine schöne Atmosphäre. Alle denken noch einmal an die anstrengenden und herausfordernden, aber auch sehr schönen letzten Monate zurück.

Festredner von der anderen Seite des Globus

Oliver Kohl übergibt das Wort an den argentinischen Inspekteur des Heeres, Generalmajor Claudio Pasqualini. Er ist eigens aus Argentinien angereist, um die Festrede zu halten. Eingeladen wurde der ehemalige Absolvent der FüAk bereits sehr viel früher, als er noch Heeresdivisionskommandeur war. Inzwischen ist er seit Januar im neuen Amt und freut sich umso mehr, die jetzigen Absolventen zu verabschieden. Das liegt 17 Jahre nach seiner eigenen Abschlussrede als Lehrgangssprecher. Auch für ihn ist ein Kern der LGAI-Ausbildung die Verknüpfung im Netzwerk untereinander, in der Bekanntschaften und Freundschaften entstehen. „Bleiben Sie bitte in Kontakt untereinander. Es ist ein unbezahlbarer Schatz für Sie“, legte er den Absolventen an Herz. Laut Pasqualini trägt gerade diese vertrauensbildende Maßnahme zum Verständnis untereinander bei und dient dem Frieden.“ Inzwischen ist es gute Tradition, einen LGAI-Absolventen zur Verabschiedung einzuladen, um den Teilnehmern lebhaft vor Augen zu führen, was ein ehemaliger Lehrgangsteilnehmer erreichen kann. Es soll auch Motivation sein, selbst immer das Höchstmögliche anzustreben.

Wehmut und Zukunftsappell

Oberstleutnant Boniface A.R. Zanga Zambo aus Kamerun hält anschließend als Lehrgangssprecher eine Rede. Unabhängig von seinen Vorrednern zieht auch er für sich und seine Lehrgangskameraden ein ähnliches Fazit nach den zwei Jahren in Deutschland. „Gerade dieser Lehrgang in Hamburg hat uns gezeigt, dass Menschen aus unterschiedlichen Kulturen und Nationen friedlich zusammenleben können. Wir haben eine bessere Verständigung miteinander, die zu einer besseren Welt und gegenseitiger Akzeptanz führt. In unseren Herzen bleibt daher die lebendige Erinnerung an die Freundschaften“, so der Oberstleuntant. Für ihn sei aber auch das Erlernen einer gemeinsamen Sprache ein Geschenk gewesen. So konnte er auch die Zeit an der Führungsakademie erst richtig geniessen, wie er betonte.

Preis und Witz

Dr. Martin Willich, Vorsitzender des Freundeskreises LGAI an der FüAk, schaffte es im Anschluss in seiner Rede, einen der Lehrgangsabsolventen richtig zu überraschen. Bewegt zeigt sich Major Majid Jan aus Pakistan, als er erfährt, dass er den Scharnhorst-Preis für überragende gezeigte Leistungen erhält. Willich betont, „es geht bei dem Preis darum, dass der Offizier eine hervorragende Gesamtpersönlichkeit ist“. Neben seinen fünf Sprachen hat Jan laut Willich unter anderem durch seine Höflichkeit und Differenziertheit sowie seinen spitzen Humor überzeugt. Ironisch fügte Willich in der Laudatio auf Jan an: „Sie, Major Jan, haben einmal die Frage in den Raum gestellt, warum die Deutschen denn Kreativität bräuchten, sie hätten doch Regeln und Vorschriften“, bevor er Jan das Buchgeschenk „Die Deutschen und ihre Mythen“ von Herfried Münkler überreichte.

Lange Geschichte

Der LGAI hat an der Führungsakademie eine über 50jährige Tradition: Seit dieser Zeit wurden bislang Offiziere aus insgesamt 120 Nationen zum Generalstabs- und Admiralstabsoffizier ausgebildet. Sie werden auf operativer und taktischer Ebene im gesamten Aufgabenspektrum der Streitkräfte geschult und nehmen besonders persönliche Eindrücke einer Parlamentsarmee, des Leitbilds vom Staatsbürger in Uniform, des Führens mit Auftrag und des Konzepts der Inneren Führung in ihren persönlichen Erfahrungsschatz auf. Neben dieser militärischen Ausbildung erhalten die Lehrgangsteilnehmer zusätzlich eine Vielzahl kultureller, politischer und wirtschaftlicher Einblicke in die deutsche Gesellschaft. Unterstützt werden sie dabei von einem Drittel deutscher Lehrgangsteilnehmer. Für alle Absolventen stehen nun die nächsten herausfordernden Aufgaben im Heimatland an.