Autor: Verena Hoffmann / Jonathan Scheffler; Fotos: Jonathan Scheffler

Hamburg, 13.06.2018


Austausch in der Arbeitsgruppe "Religiöse Vielfalt leben"


Dr. Maren Tomforde „Den Menschen hinter der Uniform sehen"


Dr. Ute Schäffer und Dr.Maren Tomforde folgen gespannt den Vorträgen der Teilnehmenden


Oberstleutnant Dr. Uwe Ulrich trägt über "Diversity innerhalb der Bundeswehr" vor

Unter dem Motto „Diversity in der Hochschule“ fand Anfang Juni der 6. Deutsche Diversity-Tag an der Helmut-Schmidt-Universität (HSU) in Hamburg statt. In einem vielfältigen Programm mit Vorträgen, Podiumsdiskussionen, Ausstellungen, Workshops und einem Poetry Slam wurde das Thema „Vielfalt“ den interessierten Besuchern näher gebracht. Neben Vertretern aus der freien Wirtschaft und Forschung brachte sich auch die Bundeswehr mit Fachvorträgen und Workshops ein. Interessierte Teilnehmer konnten unter Anleitung von Hauptfeldwebel Hülya Süzen vom Zentrum Innere Führung (ZInFü) in einem Thesenspiel zum Thema „Religiöse Vielfalt leben“ unterschiedliche Statements zur Religion und Bundeswehr diskutieren. Die Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) bot zum Thema „Diversität in der Bundeswehr“ einen Workshop an, der von Frau Dr. Maren Tomforde und Oberstleutnant i.G. Dr. Uwe Ulrich geleitet wurde. Beide haben langjährige Erfahrungen mit "Diversity"-Inhalten und stellten in ihren Impulsvorträgen deutlich heraus, dass „Diversity“ nicht nur die Dimension Gender umfasst.

Diversity verlangt, ein Schubladendenken zu verlassen

Mit ihrem Beiträgen unterstrichen sie die Wichtigkeit gelebter Vielfalt in den Streitkräften und sensibilisierten ihre Zuhörer, das Schubladendenken in unserer Gesellschaft aufzubrechen. „Diversity" bedeutet Unterschiedlichkeit! Unterschiedlichkeit in Alter, Rasse, Religion, Behinderung, Bildung, Herkunft, sexuelle Orientierung und Geschlecht. Vielfalt anerkennen, heißt, sich auf den Anderen einzulassen und die positiven Synergieeffekte zu nutzen.

„Der wertschätzende Umgang mit Vielfalt ist normativ geboten“

Neben Vertretern der FüAkBw trugen Referenten des Bundeswehrkrankenhauses Hamburg und des Bildungs- und Informationszentrums der Bundeswehrverwaltung in Mannheim zum Thema Diversität und deren Einsatzmöglichkeiten in Behörden vor. Das Zentrum Innere Führung in Koblenz zeigte auf, wie man mit Hilfe von Ausbildungsmaterialien Soldaten/-innen erreichen und informieren kann.

Vielfalt ist gewollt

Alle Vorträge hatten gemeinsam, dass Vielfältigkeit innerhalb der Bundeswehr gewollt ist und als eine Chance für die Bundeswehr verstanden wird. „Denn“, so Oberstleutnant Dr. Uwe Ulrich, „profitiert die Bundeswehr, wie andere Streitkräfte auch, von der Vielfalt an unterschiedlichen Erfahrungen und Qualifikationen.“ Schon „der Bezug zu unserer Werteordnung und der Blick in das Grundgesetz fordert den wertschätzenden Umgang mit dem Individuum sowie dessen chancengerechte Behandlung“, wie Oberstleutnant Dr. Ulrich ausführte. Und somit ist es für alle Ausbildungseinrichtungen der Bundeswehr von besonderer Bedeutung, den Umgang mit Vielfältigkeit zu lehren.

Auch an der FüAkBw ist Diversität ein Thema

Speziell der FüAkBw mit ihren Lehrgängen für zukünftige Stabsoffiziere käme eine besondere Verantwortung zu. „Bezogen auf die Inhalte befassen wir uns mit Ursachen und Wirkungen soziokultureller Vielfalt in der Bundeswehr. Es geht um sicherheits- und gesellschaftspolitische Megatrends wie der demografische Wandel, die Individualisierung oder die Digitalisierung, um nur einige Beispiele zu nennen. Es geht aber auch um Wahrnehmungsfehler und ihre Auswirkungen in der Personalauswahl und im (Aus-)Bildungsprozess. Es geht zudem um Führungsfragen unter den Bedingungen wachsender Vielfalt – sowohl hinsichtlich des Auftrages als auch der Personen, die ihn ausführen sollen“, so Ulrich.

„Den Menschen hinter der Uniform sehen“

Frau Dr. Maren Tomforde stellte in ihrem Workshop die Foto-Ausstellung „Uniformierte Vielfalt“ vor, die anlässlich des Diversity Tages 2017 an der Führungsakademie entstanden ist. Die Ausstellung zeigt je ein Foto der Soldaten und zivilen Angestellten der Führungsakademie in Büro- beziehungsweise Dienstkleidung wie auch in Privatkleidung. Dazwischen befindet sich ein selbst gewähltes Objekt, das die Person für sich als wichtig erachtet. Die Ausstellung soll darauf aufmerksam machen, dass wir Menschen in unserem geschäftigen Arbeitsalltag oft nur in ihrer offiziellen Position und Funktion wahrnehmen, z.B. als Fahrer des Akademiekommandeurs. Die Individuen dahinter, mit all ihren Fähigkeiten, Fertigkeiten, vielseitigen Interessen und vor allem Erfahrungen, beachten oder kennen wir oftmals nicht.

 


Vorurteile abbauen

Um auf dieses oberflächliche Bild und deren Vorurteile aufmerksam zu machen, wurden die Gäste des Diversity-Tages 2018 im Eingangsbereich des Hauptgebäudes der HSU von zwei lebensgroßen Pappaufstellern, die eine Soldatin und einen Soldaten in Uniform zeigten, konfrontiert. Die Aufgabe der Teilnehmenden war es, dem abgebildeten Soldaten sowie der Soldatin typische Vorurteile „anzuheften“. Die Anzahl der verschiedenen Vorurteile zeigte deutlich, wie uns Vorurteile beim Anblick von Äußerlichkeiten prägen und unser Schubladendenken aktivieren.

Der Vielfalt eine Chance geben

Mit dem sechsten Diversity-Tag an der HSU wurde auf das Thema Diversität an Hochschulen aufmerksam gemacht und ein klares Zeichen gesetzt: Die Vorurteile müssen durchbrochen und abgebaut werden, um der Vielfalt eine gerechte Chance zu geben. Ob dies an der HSU gelungen ist, bleibt abzuwarten. Welche Themen den Diversity-Tag 2019 bestimmen werden, wird sich im nächsten Jahr zeigen.