13. Hamburger Diskurs: Der Nordkorea-Konflikt

Autor: Verena Hoffmann & Jonathan Scheffler; Fotos: Katharina Roggmann

Hamburg, 14.03.2018

Flottillenadmiral Schneider eröffnet den 13. Hamburger Diskurs

Flottillenadmiral Schneider eröffnet den 13. Hamburger Diskurs

Interessierte Zuhörerschaft im vollbesetzten Gneisenau-Saal

Interessierte Zuhörerschaft im vollbesetzten Gneisenau-Saal

Professor Michael Staack über die Verflechtung der vier Dimensionen des Nordkorea-Konflikts

Professor Michael Staack über die Verflechtung der vier Dimensionen des Nordkorea-Konflikts

Angeleitete Podiumsdiskussion moderiert durch Jörn Thießen

Angeleitete Podiumsdiskussion moderiert durch Jörn Thießen

Podiumsdiskussion mit Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik

 Divisionär a.D. Gerber

Abschließender gemeinsamer Austausch

Abschließender gemeinsamer Austausch (v.l.n.r. Jörn Thießen und Werner Sonne)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bereits zum dreizehnten Mal trafen sich hochrangige Repräsentanten aus der Metropolregion Hamburg, um mit Führungspersonal der Führungsakademie sowie zahlreichen interessierten Zuhörern aus der Zivilbevölkerung in einen strategischen Gedankenaustausch zu treten. Dieses Jahr stand der Nordkorea-Konflikt mit seinen Ursachen, Interessenlagen und potenziellen Lösungsstrategien im Fokus des strategischen Dialogs. Flottillenadmiral Schneider, stellvertretender Kommandeur der Führungsakademie, konnte an diesem Abend die Herren Professor Michael Staack, Politikwissenschaftler an der Helmut-Schmidt-Universität, Werner Sonne, deutscher Journalist, Schriftsteller und der ehemaliger Korrespondent ARD, sowie den Divisionär a.D. Urs Gerber, Delegationsleiter der Schweizer Offiziere in der Neutral Nations Supervisory Commission (NNSC) an der koreanischen Demarkationslinie von 2012 bis 2017, im Manfred-Wörner-Zentrum der Führungsakademie begrüßen.

Welt aus den Fugen geraten

Mit diesen Worten begrüßte der stellvertretende Kommandeur die interessierte Zuhörerschaft im mit 300 Zuhörern voll besetzten Vorlesungssaal des Manfred-Wörner-Zentrums. Das hohe Interesse von Seiten der Zivilbevölkerung sowie der militärischen Zuhörer am Thema des Abends zeigt deutlich, dass sich die deutsche Bevölkerung des Bedrohungspotenzials, welches von Nordkorea auch auf Deutschland und Europa ausbreiten kann, bewusst ist. Welche Rolle Deutschland dabei über die gemeinsame Erfahrung der Teilung eines Landes hinaus im Spiel der unterschiedlichen Interessenlagen der Großmächte Amerika, Russland, China, neben den betroffenen Staaten Nordkorea und Südkorea, einnimmt, wurde im nun folgenden Vortrag von Professor Michael Staack sowie in der anschließenden Podiumsdiskussion unter Einbindung der Fragen der Zuhörer deutlich herausgestellt.

Kühl denken, tapfer planen und handeln

Als Experte für kooperative Sicherheit und ehemaliges Mitglied der deutschen Beratergruppe zu Fragen der Wiedervereinigung für Südkorea erläuterte Staack die Verflechtung der vier Dimensionen des Nordkorea-Konflikts. Erstens stellte er die Bedrohung der internationalen Ordnung durch das atomare Bewaffnungspotenzial Nordkoreas dar, erläuterte sodann die nicht nur rhetorischen Konfrontationslinien zwischen Nordkorea und den USA, um anschließend den Hegemonialkonflikt der USA mit China zu besprechen. An vierter Stelle erklärte er den Konflikt zwischen den beiden getrennten koreanischen Staaten. Wer dabei Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un, so Staack, als unberechenbaren «Little rocket man» abstempelt, wird dem Mann mit seiner kühl rational durchdachten Sicherheitspolitik nicht gerecht. „Immerhin hat es dieses isolierte Land geschafft, sich hoch strategisches Wissen anzueignen und sich 2013 die Aufmerksamkeit als ernst zu nehmender Aggressor zu erarbeiten. Durch das ambitionierte Atomprogramm hat sich Kim Jong Un das Überleben des Regimes sowie die Unangreifbarkeit seines Landes gesichert.“ Indem er speziell mit den USA auf Konfrontation geht, zeigt er seinem Land und den USA Stärke.

Ein Stop der nuklearen Aufrüstung?

Auch wenn beide Staaten auf der koreanischen Halbinsel eine Wiedervereinigung in ihrer Verfassung verankert haben, ist das Interesse Kim Jong Uns nur auf den Machterhalt ausgerichtet. Dafür würde er einer Wiedervereinigung des Landes nur unter nordkoreanischen Bedingungen und damit unter Abkehr vom amerikanischem Einfluss zustimmen. Dass dies keine Option für Südkorea ist, versteht sich von selbst. Der südkoreanische Präsident Moon Jae In betreibt erfolgreich eine Politik der Entspannung und hält den Dialog zwischen beiden Staaten aufrecht, um sich die Möglichkeit der Wiedervereinigung offen zu halten. Ob die südkoreanische Bevölkerung ein Interesse an der Vereinigung beider koreanischer Staaten hat, ist fraglich. Ein Großteil der jungen Generation lehnt einen Zusammenschluss ab, weil sie weder familiäre Bindung nach Nordkorea haben noch für den Aufbau eines bankrotten Systems aufkommen wollen. Damit kristallisierte sich in der anschließenden Podiumsdiskussion unter Leitung von Jörn Thießen, Leiter Fakultät Politik, Strategie- und Gesellschaftswissenschaften, schnell heraus, dass eine Regelung der nuklearen Bedrohung wesentlich wahrscheinlicher erscheint als die Wiedervereinigung des Landes.

Rolle Deutschlands im Nordkorea-Konflikt

"Mit der Befähigung zur zielgenaueren und der variabel zu steuernden Zerstörungskraft ihrer Atomwaffen befinden sich Russland und Amerika derzeitig in einer gefährlichen Aufrüstungsspirale, die auch von China kritisch verfolgt wird", so Staack zu seinen Zuhörern. Wenn man die Kommunikation mit Nordkorea abbricht und die Sanktionen aufrechterhält, könnte Nordkorea ein potenzieller Anbieter für Atomwaffentechnik werden. Andere Staaten könnten sich Nordkorea als Vorbild nehmen, um mit der atomaren Abschreckung ihre politischen Forderungen durchzusetzen. Um dies zu verhindern, könnte sich Deutschland, so Staack, als diplomatischer Vermittler im Nord-Korea Konflikt anbieten. Deutschland pflegt nicht nur enge Partnerschaften und Kontakte zu Nordkorea sowie Südkorea und teilt mit beiden koreanischen Staaten die gemeinsame Erfahrung der Teilung eines Landes, sondern weiß aus der Geschichte heraus, dass für ein geteiltes Land eine kriegerische Auseinandersetzung keine Lösung ist.

Was wissen wir über das tatsächliche Waffenarsenal?

Dieser Frage nahm sich Oberstleutnant i.G. Andre Zechmeister von der Fakultät Politik, Strategie- und Gesellschaftswissenschaften gerne an. Als studierter Diplom-Politologe hat er bereits im Studium mit großem Interesse die Entwicklung Nordkoreas verfolgt und beobachtet das Land „in der Geiselhaft der Familie Kim“ seit zehn Jahren sehr intensiv. Nordkorea verfügt, so Zechmeister, über ein einsatzbereites und funktionsfähiges B- und C-Waffen Arsenal, welches mit den vorhandenen Trägersystemen eingesetzt werden könnte. Es ist jedoch nicht bekannt, ob Nordkorea die Fähigkeit zur Produktion der benötigten Triebwerke für seine Langstreckenrakete, die auch Amerika erreichen würde, besitzt. Ob Nordkorea auf anderen Wegen Triebwerke erhalten kann, bleibt offen.

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