Autor: Michel Gallien; Fotos: privat / Taylor Mohr, US Army / Scott M. Ash, US Air Force

Hamburg, 13.02.2018

Andrea Rotter profitiert von UN-Seminar an der FüAkBw

Andrea Rotter profitiert von UN-Seminar an der FüAkBw

Vereinte Nationen vernetzt in Genf

Vereinte Nationen vernetzt in Genf

 Frauennetzwerk WIIS verbindet

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Aufgabe der Vereinten Nationen: Hilfe in instablien Regionen

 

 

 

 

 

 

 

„Strukturiertes Arbeiten und unkonventionelles Denken“ oder „auch mal etwas um die Ecke denken“ – damit ist Andrea Rotter, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Hanns-Seidel-Stiftung in München, immer gut gefahren. Dort ist sie seit März 2015 in der Abteilung für Politik und Zeitgeschehen tätig, mit Fokus auf Internationale Beziehungen. Jetzt hat es sie zur Führungsakademie nach Hamburg verschlagen. Dort nimmt sie am Weiterbildungsmodul „United Nations (UN) Peacekeeping Missions“ teil. Dieses beschäftigt sich mit dem Aufbau von Friedensprozessen innerhalb so genannter „failed states“, also Staaten, die ihre grundlegenden Funktionen nicht mehr ausführen können. Überlegungen zur Stärkung der Zivilgesellschaft oder eine Bewusstseinsgenerierung für demokratische Prozesse bezüglich Menschen- und Frauenrechte sind hier Themenschwerpunkte. Schließlich geht es darum, die Teilhabe an demokratischen Prozessen zu unterstützen.

Vom Frauen-Netzwerk zur UN 

Warum ist sie in den Norden zu genau diesem Seminar gereist? Durch das Frauennetzwerk „Women in international security“ ist Rotter auf dieses Seminar „UN Peacekeeping Missions“ aufmerksam geworden. „Es dreht sich in dem Modul ja auch schwerpunktmäßig um dieses Thema, aus weltweiten Perspektiven“, so Rotter. In der ersten Woche wird im Seminar ein theoretischer Anteil behandelt, in der zweiten Woche nehmen die Teilnehmer eine so genannte „Security Sector Reform“ inklusive einer Simulation mit dem Titel „Civilian affairs office“ bei failed states.

Kein Patentrezept für Staaten

Wie funktioniert genau eine Security Sector Reform? Andrea Rotter erklärt, in Ländern, in denen früher Jahre lang Bürgerkriegsähnliche Verhältnisse geherrscht haben, wird Militär oft für Repressalien gegen die eigene Bevölkerung eingesetzt. Die Polizei kann ihre Aufgaben nicht mehr wahrnehmen. In dem Kurs ist vorgesehen, alte Strukturen aufzubrechen, das heißt, Militär, Polizei und Justizsystem zu verändern, um wieder Stabilität im Land herzustellen. Die Vereinten Nationen, die UN, ist auf Einladung der Regierung in dem Land, um dieses zu unterstützen. Wie kann man die Zivilbevölkerung mit einbinden? „Vertrauen schaffen und Stärkung des Sicherheitssektors stehen im Vordergrund, es gibt aber für kein Land ein Patentrezept, das ist von Staat zu Staat unterschiedlich“, sagt Rotter.

Jeden Tag sicherheitspolitische Themen

Vom ländlichen Leben zum weltstädtischen Großstadtdschungel: Die gebürtige Allgäuerin hat schon Einiges erlebt auf ihrem Werdegang. Nach dem Abitur ging es für sie zum Studium nach Passau. Dort studierte Rotter „International Culture and Business Studies“, bevor sie 2011 an der Universität Regensburg selbst als Dozentin eine Promotionsstelle besetzte. Der Masterabschluss in „European-American Studies“, speziell Internationale Beziehungen und Amerikanistik, folgte 2013. Ein Jahr später zog es Rotter nach Berlin. Dort arbeitete sie an der Stiftung für Wissenschaft und Politik. Als Trägerin des Deutschen Instituts für Internationale Politik und Sicherheit berät die Stiftung die Bundesregierung sowie den Deutschen Bundestag bei außen- und sicherheitspolitischen Fragen. An der Hanns-Seidel-Stiftung setzt sie sich tagtäglich mit sicherheitspolitischen Themen auseinander. Mit ihren Interessen und Vorkenntnissen war die Teilnahme an dem Seminar eine große Bereicherung.

Netzwerken für besseres Verständnis

„Ich habe viel mitgenommen in den zwei Wochen“, erklärt Rotter, „ich konnte viele Verantwortliche aus der UN kennenlernen, die aus ihrer Praxis berichtet haben – dadurch ist es mir gelungen, ein besseres Verständnis für Peacekeeping-Prozesse zu entwickeln, zu verstehen, warum vieles so langwierig ist oder ab und zu nicht funktioniert. Es gibt zahlreiche Interdependenzen der unterschiedlichen Einheiten. Außerdem habe ich gelernt, wie zivil-militärischer Austausch funktioniert und was das oft für ein Balanceakt ist.“ Voll des Lobes ist Rotter auch für die Organisation: „Das Modul war super strukturiert.“

Immer dem Motto treu bleiben

Nach dem Aufenthalt in Hamburg, der Andrea Rotter viele neue Kenntnisse und Kontakte verschafft hat, stehen für die Bayerin nun fernere Ziele auf der Agenda. Die 32-Jährige möchte unbedingt einmal nach Ägypten oder Griechenland reisen. „Das Land der Pharaonen“ und die „Welt der Antike“ haben schon länger ihr Interesse geweckt. Auch könnte sich Rotter vorstellen, einmal einen sozialkritisch, tiefgründigen Liebesroman zu verfassen. Zukünftig möchte sie vor allem ihrem Motto treu bleiben – „I am not going to censure myself to comfort your ignorance“ (ich werde meine Persönlichkeit nicht aufgeben, um deiner Ignoranz einen Wohlfühldienst zu leisten).