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Die Führungsakademie der Bundeswehr ist traditionell international stark vernetzt. Weltweite Kooperationen sind die Basis unseres Beitrages zur Völkerverständigung.

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Lehrdeputat

An der Führungsakademie der Bundeswehr bringen Spitzenführungskräfte aus allen Bereichen der Streitkräfte ihre Expertise in unterschiedlichen Formaten in die Lehre ein.

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GIDS

Das German Institute for Defence and Strategic Studies – GIDS – untersucht geostrategische, sicherheitsrelevante Fragestellungen unserer Zeit. 

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Master: MFIS

Die Führungsakademie der Bundeswehr bietet ihren Lehrgangsteilnehmern in Kooperation mit der Helmut-Schmidt-Universität einen international anerkannten Masterabschluss:

„Militärische Führung und Internationale Sicherheit“

Bella Italia und die Führungsakademie

Autorin: Dr.Victoria Eicker; Fotos: Lene Bartel

Hamburg, 10.12.2018

Der Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr, Generalmajor Kohl begrüßt den Kommandeur des Instituto di Stato Maggiore Interforze (ISSMI), Generalmajor Dario Mario Ranieri

"Die Akademien halten zusammen"

Generalmajor Dario Mario Ranieri beim Eintrag in das Gästebuch der Führungsakademie der Bundeswehr

Das Instituto di Stato Maggiore Interforze (ISSMI) in Rom ist das italienische Pendant zur Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg. Es bildet den italienischen Führungsnachwuchs der Streitkräfte aus und weiter. Der italienische Kommandeur, Generalmajor Dario Mario Ranieri, reiste im Dezember in die Hansestadt, um sich erstmals mit dem hiesigen Kommandeur, Generalmajor Oliver Kohl, auszutauschen. Aber nicht nur das. Italien plant auch, seine Variante des Generalstabslehrgangs neu aufzustellen.

Kaffee unter Freunden

Der Besuch lief zunächst wie gewohnt ab: Eintrag ins Gästebuch und morgendlicher – deutscher – Kaffee mit Generalmajor Kohl. Während Generalmajor Ranieri seine Worte ins Gästebuch unter den Augen von Carl von Clausewitz verfasste, trank er seinen Kaffee unter den Augen des „Mädchens mit dem Perlenohrring“ von Jan Vermeer im Zimmer des Kommandeurs. Das Wetter wechselhaft – typisch hanseatisch. Das Gespräch verlief angeregt, gestenreich – die Offiziere tauschten sich über Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Akademien aus. Kurz darauf hörte sich Generalmajor Ranieri Vorträge zur Struktur der Führungsakademie an. Sein Interesse galt dabei insbesondere dem Aufbau der Lehrgänge und den zeitlichen Ansätzen dieser in der Gesamt-Vita der Stabsoffiziere.

Master a la italiana – Ausbildung im Vergleich

Zur Sprache kamen dabei unter anderem der Basislehrgang Stabsoffizier sowie die beiden Lehrgänge Generalstabs-/ Admiralstabsdienst National (LGAN) sowie International (LGAI). Ganz interessiert zeigte sich der italienische Kommandeur am Masterstudiengang Militärische Führung und Internationale Sicherheit (MFIS). Generalmajor Kohl berichtete von dem großen Zuspruch, den dieser Masterstudiengang, der erstmalig 2016 startete, seither erfahren habe. Ranieri fragte dezidiert nach der Anbindung an die Helmut-Schmidt-Universität, nach Länge und Anerkennung. Während der zusätzliche Master parallel zum Generalstabslehrgang in Hamburg freiwillig ist, ist ein Masterstudiengang in Italien eng verwoben mit der Generalstabsausbildung. Das ISSMI kooperiert mit zwei Universitäten in der italienischen Hauptstadt, um ein möglichst breit gefächertes Angebot an Masterstudiengängen anbieten zu können. Insgesamt sei der Generalsstabslehrgang in Rom wissenschaftlicher ausgerichtet und die Lehrgangsteilnehmer sind deutlich älter als an der Akademie in Hamburg: 40 bis 45 Jahre alt ist man in Rom, während die deutschen Stabsoffiziere 30 bis 35 Jahre alt sind. „Unser Generalstabslehrgang dauert zehn Monate“, erklärte Ranieri – deutlich kürzer als in Deutschland. Allerdings geht diesem Lehrgang ein für die Teilstreitkräfte spezifischer einjähriger Lehrgang voraus. Und zu einem späteren Zeitpunkt in der Karriere der italienischen Stabsoffiziere folgt ein weiterer einjähriger Lehrgang. Zwei unterschiedliche Konzepte. Beide Kommandeure waren sich indes darin einig, dass insbesondere auch die intellektuellen Fähigkeiten des militärischen Führungsnachwuchses gestärkt werden müssen.

 

Fähigkeiten stärken

Doch was bedeutet das? Logisches Denken, Erfassen abstrakter Gedanken und Vorstellungen, richtiges Schlussfolgern, Verstehen von komplexen Zusammenhängen – um nur einige Fähigkeiten zu nennen, die in Studienphasen, Übungen und Studienarbeiten geschärft werden. „Die Erkenntnis, wie wichtig das Stärken dieser Fähigkeiten ist, ist aber noch nicht überall angekommen“, gab Generalmajor Kohl zu bedenken. Aufstehen, diskutieren, überzeugend und mitreißend sein, Entscheidungen treffen – auch Führungsfähigkeiten seien wichtig. Der Weg an die Spitze des Militärs verlangt viel vom Nachwuchs. Am Ende steht der militärische Führer, „kriegstaugliche Generalstabsoffiziere“, wie Generalmajor Kohl betont. Große Anerkennung erhaltend und politisch gewollt sei der LGAI, zu dem regelmäßig Stabsoffiziere aus nicht-NATO-Staaten eingeladen werden. Sie erhalten Einblick in die Struktur deutscher und auch europäischer Sicherheitspolitik und kommen oft als Militärattachés später zurück nach Deutschland. Kohl und Ranieri tauschten sich zudem über die Herausforderung aus, ziviles Personal für die Generalstabslehrgänge zu gewinnen.

Viele Anregungen

Oberst i.G. Martin Simberg, Leiter des Ausbildungsprozessmanagements, führte den italienischen General im Anschluss in die Lehrgangsplanung und die Weiterentwicklungsprozesse für die bestimmenden Lehrgänge an der Führungsakademie ein. Vertieft wurde die Thematik insbesondere in Bezug auf den LGAN schließlich noch durch Oberst i.G. Lars Gehlhaar, Leiter des LGAN 2017, und Oberstleutnant i.G. Ralf Hammerstein, Leiter des LGAN 2018. Ranieri wurde nicht nur durch die Räumlichkeiten geführt, er bekam auch einen Einblick in den Lernplan und die wesentlichen Inhalte – Studienphasen, Reisen, Übungen, es sind dichte 24 Monate. Während die Lehrgangsteilnehmerzahlen in Hamburg sukzessive ansteigen, stellte Generalmajor Ranieri fest: „Bei uns nimmt die Zahl an Lehrgangsteilnehmern ab“ – was in der Tatsache begründet liegt, dass die italienischen Streitkräfte bis zum Jahr 2024 reduziert werden sollen. Ranieri zeigte sich äußerst interessiert. „Wir suchen nach noch besseren Wegen, unsere Lehrgangsteilnehmer zu motivieren und in ihnen die Kompetenzen zu entwickeln und zu stärken, die wir für unser Spitzenpersonal haben wollen“, resümierte er. „Ich nehme viel mit. Danke“, sagte er schließlich lächelnd – Akademien halten eben zusammen.

 

 

 

Aktuelles

Bedrohung - Sicherheit - Cyber Achillesferse morderner Gesellschaften

Autor: Jürgen Nehring; Fotos: Lene Bartel / Jürgen Nehring

Hamburg, 12.12.2018

Cyber-Sicherheit im multinationalen Rahmen an der Führungsakademie

Über den Spieltrieb zur „Cyber-Awareness“


Die Teilnehmer des Seminars „Cyber-Security international“

Die Digitalisierung verändert Staat, Gesellschaft und Wirtschaft in raschem Tempo. Der Cyberraum, der praktisch grenzenlos ist und alle über das Internet vernetzten Informationssysteme umfasst, spielt politisch und gesellschaftlich, aber auch militärisch global eine immer entscheidendere Rolle. Entsprechend international besetzt war das Modul „Cybersecurity International“, um Aspekte der Cybersicherheit „grenzüberschreitend“ zu besprechen. Auf Einladung der Führungsakademie der Bundeswehr kamen 21 Teilnehmer aus 11 Nationen zu einem einwöchigen Informations- und Erfahrungsaustausch zusammen. Unter Leitung von Oberstleutnant Nehring, einem der Cyberdozenten der Führungsakademie, und mit Unterstützung zahlreicher interner und externer Referenten wurde ein weiter und facettenreicher Bogen gespannt.

Gesamtstaatlicher Ansatz

Nach dem Begrüßungsvortrag durch OTL Friedrich, der schon den internationalen und vertrauensbildenden Charakter der Führungsakademie unterstrich, stellte der ministeriell zuständige Vertreter für Cyber-Politik und -strategie im BMVg (aus dem Referat CIT I 1), FK Dr. Patrick Jungkunz, das Grundverständnis heraus: Aufgaben im Cyber- und Informationsraum können nur gesamtstaatlich, gemeinsam und nach Möglichkeit multinational bewältigt werden. Neben der Bedrohung militärischer Einrichtungen und Systeme sind alle Bereiche der Gesellschaft wie Privatpersonen, staatliche Behörden, Industrie und Wirtschaft von den Gefahren im Cyberraum betroffen. Innere und äußere Sicherheit fallen in wenigen Bereichen so eng zusammen wie im Cyberraum. Diese Aussage aus dem Weißbuch der Bundesregierung wurde durch den Vertreter des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), Herrn Sven Niedfeldt, nochmals bekräftigt. Das BSI ist verantwortlich für die Cyber-Sicherheit in Deutschland und damit sowohl für den einzelnen Bürger als auch für Unternehmen und Verwaltungen. Es koordiniert dabei mit den anderen Ressorts die Zusammenarbeit bei Basisschutzmaßnahmen, die Abwehr technischer Cyber-Attacken und im Großschadenfall die Krisenreaktions- und -aufwuchsfähigkeit des nationalen Cyber-Abwehrzentrums.

Kritische Infrastruktur – Achillesferse moderner Gesellschaften

Großschadensfälle können eintreten, wenn z.B. Kritische Infrastrukturen (KRITIS) etwa durch Cyber-Angriffe betroffen sind und teilweise oder ganz ausfallen. Dies gilt beispielsweise für große Stromnetzbetreiber bzw. im Banken- oder Gesundheitssektor, wenn Versorgungs- oder Leistungsausfälle erhebliche negative Auswirkungen auf das gesellschaftliche Zusammenleben entwickeln können. OTL Krempel, seinerseits Cyber-Reservist und ausgewiesener KRITIS-Experte mit langjähriger Berufserfahrung in der Deutschen Flugsicherung, erläuterte in seinem Vortrag die praktischen Konsequenzen, die sich bei der Nichteinhaltung von Regeln und Standards (z.B. im Rahmen des IT-Sicherheitsgesetzes) ergeben können. Er verdeutlichte dies am Beispiel des zivilen Flugverkehrs. Seine anschaulichen Ausführungen sorgten bei den Teilnehmern für reges Interesse und konnten in besonderem Maße die Bedeutung der Informationssicherheit in allen staatlichen und privaten Bereichen herausarbeiten.

Die Bundeswehr stellt sich der Cyber-Bedrohung – der neue militärische Organisationsbereich Cyber -und Informationsraum

Wofür braucht die Bundeswehr fast 15.000 Cyber-Krieger? Diese oder ähnliche Fragen wurden eingangs von Seiten der internationalen Teilnehmer verwundert bis kritisch gestellt. Im Rahmen der ersten Gastvorträge wurde aber schnell klar, dass sich diese Zahl auf den gesamten neuen militärischen Organisationsbereich Cyber -und Informationsraum (CIR) bezieht und damit der größte Teil der zusammengeführten Dienststellen und Verbände bereits vorher bestand (IT-Services, Aufklärung, GeoInfo, Operative Kommunikation). Nur wenige Elemente wurden gänzlich neu aufgestellt oder wachsen auf. Eine der wichtigsten Neuerungen stellt das Gemeinsame Lagezentrum (GemLZ) im Kommando CIR dar. FK Albrecht als Vertreter des Lagezentrums erläuterte den aktuellen Sachstand zum Aufbau eines fusionierten Lagebildes CIR aus verschiedenen bereits bestehenden Bundeswehr-Teillagen mit CIR-Bezug. Nach Fertigstellung im Jahr 2021 soll das GemLZ sowohl strukturierte wie auch unstrukturierte Informationen aus heterogenen Quellen wie Betriebsdaten, Lageberichte oder öffentlichen Quellen sammeln. Die Daten und Informationen sollen mittels kognitiver Technologie korreliert und georeferenziert darstellt werden, um sowohl Bw-interne Informationsbedarfe als auch externe Informationsanfragen zur Lageauswertung und Entscheidungsfindung zu bedienen.

Human Error – nach wie vor die größte Gefahr im Cyber- und Informationsraum

Was nützt die beste Firewall, das aktuellste Antivirenprogramm oder sonstige technische Schutzmaßnahmen, wenn der einzelne Nutzer sorglos mit den Fortschritten unserer digitalisierten Umwelt umgeht und durch seine unbedachte Art hilflos den Cyber-Angreifern ausgeliefert ist. Genau hier setzt mit Gamification ein interessanter Ansatz an, um bei der Zielgruppe eine Sensibilisierung für Risiken auch aus dem Cyberraum zu erreichen. OTL Thorsten Kodalle, ein Fachmann auf dem Gebiet Serious Games/Gamification und der Vertreter der FüAkBw in den entsprechenden NATO-Arbeitsgruppen, schaffte es, die internationalen Kursteilnehmer für sein selbst entwickeltes Cyber-Kartenspiel zu begeistern. Nach einer guten Stunde „Spieltrieb“ gab es sowohl Sieger im Kartenspiel als auch anerkennende Zustimmung, dass mit dieser spielerischen Lernform die Lernziele Sensibilisierung und Cyber-Awareness auf leichte Art und Weise vermittelt werden können.

Internationale Zusammenarbeit notwendig und erwünscht

Verteilt auf alle Tage des Seminars stellten die internationalen Teilnehmer ihrerseits die verschiedenen nationalen Strukturen und Aktivitäten im Cyberraum dar. Es ist auffallend, dass Gefahren und Risiken überall ähnlich gesehen werden, die gewählten Ansätze zur Cyber- und Informationssicherheit je nach nationalen Rahmenbedingungen und Schwerpunktsetzungen tatsächlich sehr verschieden ausfallen. Umso wichtiger ist der gegenseitige Austausch. „Networking“ heißt die Zauberformel, die oft abseits der offiziellen Strukturen und Beziehungen zum Erfolg führt. Dieses internationale Cyberspace-Seminar ist das beste Beispiel für erfolgreiches Networking. Vertreter aus Ländern, die zumindest im Cyberraum bisher wenig bis gar nichts miteinander zu tun hatten, kommen ins Gespräch, teilen Informationen und Wissen und tauschen Erfahrungen aus.

Dies wurde auch vom Vertreter des Auswärtigen Amtes, Herrn von Heynitz, gelobt, der am letzten Tag die Bedeutung gegenseitiger Gespräche, vertrauensbildender Maßnahmen und den freiwilligen Informationsaustausch unter Partnern betonte. Diese Grundsätze gelten ausdrücklich auch in der Cyberspace-Domain“, stellt er heraus, u.a. bei internationalen Konsultationen bei NATO, EU oder VN.

Die freundschaftliche Atmosphäre und der kameradschaftliche Umgang untereinander wurden auch durch den anfänglichen Icebreaker und das kulturelle Hamburg-Programm gefördert. Kontaktdaten wurden selbstredend ausgetauscht. So wurde die Führungsakademie wieder einmal Ihrem Ruf, als „Little United Nations“ gerecht und so vertrauensbildende Maßnahmen zu stiften und zur Völkerverständigung beizutragen.

 

Musikalische Klänge an der Führungsakademie der Bundeswehr

Autorin: Verena Hoffmann; Fotos: Lene Bartel

Hamburg, 06.12.2018

Der stellvertretende Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr, Oberst i.G. Neumann, begrüßt die Gäste im Manfred-Wörner-Zentrum

Das Marinemusikkorps Kiel führte unter Leitung von Herrn Fregattenkapitän Friedrich Szepansky durch die Geschichte des Militärmusikwesens

 Austausch beim Empfang im Manfred-Wörner-Zentrum

 

 

Militärmusik in Geschichte und Gegenwart. Den Lehrgangsteilnehmern des LGAN 2017, deren Angehörigen sowie weiteren interessierten Gästen wurde am 21.11.2018 im Manfred-Wörner-Zentrum der Führungsakademie der Bundeswehr mittels eines Informationskonzertes eindrucksvoll die Einsatzmöglichkeiten sowie die Leistungsfähigkeit eines Musikkorps der Bundeswehr präsentiert. Die Wichtigkeit der Wahrnehmung dieser besonderen Tradition betonte Oberst Neumann, stellvertretender Kommandeur der Führungsakademie, in seinen Begrüßungsworten durch die Aufnahme des Informationskonzerts in den Lehrplan der zukünftigen Generalstabsoffiziere des laufenden Generalstabsdienst / Admiralstabslehrgangs.

Ein Mix aus Musikstücken und Vortragsblöcken

Das Marinemusikkorps Kiel führte an dem Abend in knapp zwei Stunden unter der Leitung von Herrn Fregattenkapitän Friedrich Szepansky durch die Geschichte, das Fähigkeitsprofil und das Leistungsspektrum des Militärmusikwesens. Dabei wechselten sich klassische, moderne und vor allem bekannte Musikstücke mit kurzen Vortragsblöcken ab und zeichneten somit eine erlebnisreiche Zeitreise durch die Epochen der Militärmusik für die begeisterten Zuhörer des voll besetzten Gneisenausaals.

Militärmusik als zentrales Element der soldatischen Tradition

Was macht Militärmusik zur Tradition des Soldatentums? Mit dieser Frage richtete sich Fregattenkapitän direkt an das interessierte Publikum. Noch anfangs verhalten in den Antworten wurde das Publikum durch ein reges Frage-Antwort-Spiel zwischen den historischen Passagen und den militärischen Stücken schnell immer mutiger. Ein Freiwilliger, der sein Truppensignal aus der Gemenge von 6 Signaltönen herausfinden sollte, war schnell gefunden. Dieses Experiment sollte zeigen, dass die Signaltöne des Trompeters zur Führung über Distanz auch im Gefecht von denen des Feindes differenziert werden musste.

„Türen öffnen, Gespräche fördern und Brücken bauen“

Am Ende des Abends stellte Fregattenkapitän Szepansky erneut die Frage, was Militärmusik im Sinne der Tradition ausmacht. Die Antworten wurden nach dieser Geschichtsstunde durch die Epochen vom Publikum richtig beantwortet: Die Militärmusik diente schon immer dazu, Zusammenhalt zu festigen und das Selbstverständnis zu prägen und ist seit Jahrhunderten fest im Militär verankert. Dabei gilt es nicht nur einen beeindruckenden und würdigen Rahmen bei Übergaben von Großverbänden zu bilden, sondern auch Türen zu öffnen, Gespräche zu fördern und Brücken zu bauen. Dieser Austausch wurde beim anschließenden Empfang im Foyer des Manfred-Wörner-Zentrums mit Speis und Trank noch ausgiebig gefeiert.

 

 

 

 

 

Was Haferflocken mit Digitalisierung zu tun haben

Autoren: Christoph Weigmann / Beatix Palt u.a.; Fotos: Lene Bartel

Hamburg, 05.12.2018

Gastgeber und Referenten des DWT Symposiums

Dr. Andreas Schröter, Executive Vice President & Regional Manager DNV GL - Energy, beim Vortrag

 Konteradmiral a.D. Karl-Wilhelm Ohlms bei der Begrüßung

 Interessierte Zuhörer im Auditorium

 

Prof. Dr. Burkhard Meißner, Vorstand GIDS

Prof. Dr. Beatrix Palt, INP Institut für Nachhaltiges Projektmanagement bei Ihren Ausführungen

Generalmajor Michael Vetter CdS des Kommandos Cyber- und Informationsraum, CIR

Was haben Haferflocken mit Digitalisierung zu tun? Gar nichts, sagen Sie? Das stimmt nicht. Hiervon wußte Dr. Christian von Boetticher, Geschäftsführer der Peter Kölln GmbH & Co KGaA zu erzählen, als er seine Dinner Speech „Digitalisierung: Wie Big Data uns zur Veränderung zwingt“ an der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) gehalten hat. Dr. von Boetticher war eingeladen, mit seinem Erfahrungsbericht das diesjährige Symposium der Deutschen Gesellschaft für Wehrtechnik e.V. der Sektion Hamburg und Schleswig-Holstein zu eröffnen. Dieses Symposium fand zum zweiten Mal an der Führungsakademie statt. Vor der Rede begrüßte die Sektionsleiterin der DWT, Frau Fkpt. d. R. Professorin Dr. Beatrix Palt, die rund 100 geladenen Gäste sehr herzlich und lud zur aktiven Beteiligung an einem Symposium ein, deren Ziel der rege Erfahrungsaustausch ist. Ihre Worte nahm der Kommandeur der FüAkBw, Generalmajor Oliver Kohl auf, um seinerseits als Hausherr und Gastgeber den Gästen einen informativen und guten Austausch zu wünschen. Schließlich begrüßte auch der Geschäftsführer der DWT, Konteradmiral a.D. Karl-Wilhelm Ohlms, die geladenen Teilnehmer des Symposiums. Admiral Ohlms spannte zugleich Bogen zur FüAk, denn die DWT zeichnet alljährlich die beste Lehrgangsarbeit mit wehrtechnischem Bezug unter den Absolventen des Lehrgangs Generalstabsdienst/ Admiralitätsstabsdienst National (LGAN) mit dem Zukunftspreis der DWT aus. Dieses Jahr erfolgte die Verleihung für seine Arbeit an Major Sven Kümmeth, der sich mit „Big Data in der Bundeswehr“ auseinandergesetzt hat (wir berichteten darüber).

Trenderkennung über Flaggshipstores

In seiner Dinner Speech begann Herr von Bötticher gleich mit der Feststellung, dass es DIE Digitalisierung nicht gibt. Es gebe sie in Geschäftsmodellen, in Märkten usw. Nach Dr. von Boetticher kommt es als modernes Unternehmen, das auch in Zukunft bestehen möchte, sehr darauf an, dass der Sachnächste die Entscheidungen trifft und nicht der hierarchisch höherstehende. Dieser habe möglicherweise in der komplexen Fachmaterie auch keine Ahnung mehr. Die Moderne im Führungsprozess im digitalen Zeitalter bestehe aus drei Kernaspekten: 1. Die Führungskraft muss Vertrauen in seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben und in deren Sachkompetenz. 2. Es käme darauf an, in Teams zusammenzuarbeiten. Hierarchien verhindern das Zusammenwirken von allen gefragten Lösungskompetenzen. Und 3. kommt es auf eine gelebte Fehlerkultur an. „Das Lernen aus den Fehlern ist ein Teil des Prozesses“, so Dr. von Boetticher. Und weiter führte er aus: „Doch „das setzt den Mut zum Probieren voraus.“ Digitalisierung ermöglicht jedoch auch eine schnelle Reaktion auf Marktentwicklungen. So ermöglicht der Flaggshipstore des Unternehmens beim Hamburger Chilehaus eine Trendbeobachtung. Diese Trends können dann in ein Serienprodukt ausgebaut werden. Damit der Changemanagementprozess im Zuge der Digitalisierung in dem Unternehmen schnell umgesetzt werden kann, hat sich die Geschäftsführung entschlossen, 24 Targets parallel anzugehen. Nach von Boetticher geht es darum, unter seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern „die Sehnsucht nach Digitalisierung zu wecken.“

Bei einem gemeinsamen Abendessen, das von einem großen IT-Dienstleister gesponsort worden ist, konnten die Gäste das Gehörte gut diskutieren. Auch das Netzwerken kam nicht zu kurz.  

Sehnsucht nach Digitalisierung

In 10 Vorträgen mit jeweils anschließenden Diskussionen näherten sich die Symposiumsteilnehmer am zweiten Tag des Symposiums dem Thema der Veranstaltung „Digitalisierung. Organisation und Akteure. Design Thinking, Big Data, Workflows, neue Gesellschafter und Sicherheit“. Den Begriff von der „Sehnsucht nach Digitalisierung“ nahm zur Eröffnung des zweiten Tages Admiral Ohlms auf, der die Frage umfassend anging. So fragte er neben den zu erwartenden Vorteilen, etwa der neuen Arbeitsplätze, auch danach, was „Industrie 4.0“ bei den einfach ausgeprägten Jobs in den Schwellen- und Entwicklungsländern bedeuten würde. Doch Umwälzungen würden auch hierzulande anstehen. Zu denken sei nur an das Roboting in der Pflege, ein Prozess, der vor allem in Deutschland, Japan und Korea zu erwarten sei, also überall dort, wo die hohe Überalterung der Gesellschaft diese Ausprägung der Digitalisierung erforderlich machen würde.

Digitalisierung ist das Thema bei den Streitkräften

Generalmajor Vetter, Chef des Stabes im Kommando Cyber- und Informationsraum der Bundeswehr, ist in seinem Vortrag der Frage nachgegangen, was die Digitalisierung für die Streitkräfte bedeutet. Er bezeichnete dabei die Digitalisierung als „den Megatrend des 21. Jahrhunderts“, der große Chancen eröffnet, aber auch Risiken und Gefahren in sich birgt. Die Angriffe auf kritische Infrastrukturen könnten, so der General, „im Ergebnis dabei ähnliche Effekte erzielen, wie ein massives Bombardement.“ Information wird zu einem wesentlichen Faktor auch der Operationsführung, wobei nicht nur der „Kampf um Information“, sondern zunehmend auch der „Kampf mit Information“ im Fokus steht. Propaganda, „Fake News“ und andere Möglichkeiten der Beeinflussung müssen erkannt werden und es sind gezielt „Gegennarrative“ zu entwicklen. Die Besonderheiten des Cyber- und Informationsraums sind auch in Bezug auf die operativen Faktoren „Raum, Zeit und Kräfte“ zu beachten. So hebt die Bedrohung aus dem Cyberraum die Territorialität weitgehend auf und auch der Faktor Zeit bekommt eine andere Bedeutung. Wirkung kann z.B. über beliebige Entfernung ohne Zeitverzug erzielt werden, denn die Effekte treten in Echtzeit ein. Jedoch bedürfen die Angriffe aus dem Cyberraum langer und präziser Vorbereitungen. Sie seien nicht einmal „ebenso“ zu ermöglichen. Hybride Konfliktformen werden zunehmend zu wahrscheinlichen Konfliktszenarien, die in der Regel gezielt unterhalb militärischer Eskalationsschwellen bleiben. Sie nutzen unklare Zuständigkeiten – beispielsweise die Abgrenzung innere und äußere Sicherheit –, bleiben i.d.R. unterhalb der Schwelle des „klassischen“ Krieges („war without fighting a war“). Das heißt aber nicht, dass sie gewaltfrei verlaufen. In diesem Kontext ist zu klären „Wann liegt im Verständnis ein Verfassungsfall im Sinne des Grundgesetzes vor? Kann ein großangelegter Cyberangriff den Verteidigungsfall auslösen?“, so der General.

Workflows – in einem Digital Enterprise

Die Transformation von Geschäftsprozessen und Workflows im Zuge der Digitalisierung war der Themenschwerpunkt von Frank Irnich, Enterprise Architekt bei der SAP SE. Um dem Begriff der Digitalisierung besser zu definieren, wurden eingängige Messgrößen festgelegt und Bereiche der digitalen Transformation sowie deren Herleitung über Modelle erörtert. Im Zuge der sich durch die digitale Transformation ständig ändernden Geschäftsprozesse, Wertschöpfungsketten und Technologien beschrieb der Vortrag die Vorteile von Prozess-Mining für Bestandsprozesse zur Steigerung von Effizienz, Konformität und Compliance. Aktuelle disruptive Technologien, wie Künstliche Intelligenz und Blockchain, die heute schon bei der Digitalisierung einen großen Einfluss auf die Prozesswelt haben, wurden vorgestellt und durch Prozessbeispiele näher beleuchtet. Besonders die Möglichkeiten von Künstlicher Intelligenz reichen dabei sehr weit und konnten am Beispiel der Automatisierung einer Service-Ticket-Bearbeitung verfolgt werden.

Agiles Arbeiten ist Teil der Digitalisierung  

Ralf Junge, Leiter Content Strategie der Aperto GmbH, wählte einen gänzlich anderen Ansatz, sich dem Thema Digitalisierung zu nähern. Er stellte die nutzerzentrierte Produktentwicklung im digitalen Zeitalter dar. Ein möglicher Ansatz ist ein Design Thinking-Prozess, wobei unter „Design“ auch die Kenntnis darüber zu verstehen ist, wie etwas funktioniert. Hier beschrieb er die Auswirkungen, die die Digitalisierung in der Zusammenarbeit mit Kunden bedeutet. Um mit Kunden schneller und effizienter zusammenarbeiten zu können, sind viele neue Arbeitsweisen notwendig. 12 Prinzipien für „agiles Arbeiten“ und das Agile Manifesto liegen der Arbeit von Aperto zugrunde, die im Zusammenarbeitsprozess mit den Kunden berücksichtigt werden.  

Agilität und die Akteure – der Drahtseilakt

Frau Professorin Dr. Palt, INP Institut für Nachhaltiges Projektmanagement, beschrieb in ihrem Vortrag Digitalisierung als evolutionären, offenen Entwicklungsprozess für die Organisation und ihre Akteure. Anhand eines Drahtseilakts veranschaulichte sie den Zuhörern, dass Digitalisierung einerseits bedeute, alles in Frage zu stellen, Konfetti in die Luft zu werfen und anderseits die Akteure und ihre Befähiger zu befähigen. Das erfordere Agilität, Beweglichkeit, aber nicht als Selbstzweck, sondern mit dem Ziel, Komplexität und Kontingenz zu beherrschen. „Will ich Menschen in Bewegung setzen, so verlangt das ein Lernen in unterschiedlichsten Bereichen.“ Hierzu führte sie aus: „Wir sprechen hier vom Lernen aus Erfahrung und in sozialen Kontexten.“ Dabei helfen die Erkenntnisse aus der Gehirnforschung (wie lernen wir?) ebenso wie Erkenntnisse aus der Wirksamkeitsforschung (Was bringt uns das?), der Organisationspädagogik (wie lernen wir selbstreguliert aus reflektierter Erfahrung? oder auch der IT. Professorin Palt forderte, tradierte Denkmuster aufzugeben „Agilität fordert ein reflexives Führungsverständnis, das mit einem offenen Entwicklungsverständnis einhergeht.“ Damit funktioniert ein agiler Fortschritt nur, wenn die Fähigkeit zur Selbstreflexion, die Fähigkeit zur Selbstregulierung und zur Problemlösung vorliegt. Entscheidend dafür sei die Fähigkeit zum Musterbruch – in der Organisation aber auch im Selbst.

Digitalisierung im Gesundheitswesen

In einem nächsten Vortragsabschnitt der Tagung wurde die Digitalisierung im Gesundheitswesen zum Thema. Dieser Abschnitt begann mit einem Vortrag von Dr. John Näthke, Geschäftsführer der Helios-Kliniken. Nach Herrn Dr. Näthke zeigt sich in seiner Klinikgruppe Digitalisierung unter anderem als eine Plattform, wo alle Vorschläge, die seitens der Patienten wie auch der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingebracht werden, von der Geschäftsführung bewertet und zur Umsetzung gebracht werden können. Das betrifft das Ärzteportal ebenso wie auch ein umfassendes digitales Serviceangebot für Kunden, ein Feedback- und Beschwerdetool, Anfrageoptionen für Wahlleistungen oder ein Benachrichtigungssystem, das nach dem Ende einer Operation den Angehörigen eine Nachricht sendet. Doch kann im Gesundheitswesen Digitalisierung sehr weit gedacht werden. An dieser Stelle seien die digitalen Patientenakten zu nennen oder der Wartezeitenmonitor.

Behandlung von Patienten auf See

Mit den Darstellungen von Admiralarzt Dr. Stephan Apel wurde der Vortragsabschnitt Gesundheit fortgeführt. Nach Dr. Apel bedeutet Telemedizin „medizinische Beratung auf Distanz“. In diesem Kontext also die Betreuung von Patienten auf Schiffen, die fern der Heimatstandorte im Einsatz sind und deren medizinische Versorgung sichergestellt werden muss. Dabei hat die maritime Telemedizin bereits eine sehr lange Geschichte. Die weltweit vorgeschriebene Bereitstellung von telemedizinischen Diensten für Seefahrer wird für Deutschland seit 1931 durch das Krankenhaus Cuxhaven in staatlichem Auftrag übernommen. Digitalisierung bedeutet in diesem Zusammenhang die Nutzung aller digitalen Medien und Verfahren um diese Beratung zu verbessern und auszuweiten. Fragen der technischen, aber vor allem auch der rechtlichen Rahmenbedingungen wurden angerissen und das weitreichende Potential in der Weiterentwicklung dargestellt.

Wie die Digitalisierung unser Unternehmen durcheinanderbrachte

Die Digitalisierung als plötzliches Phänomen zu betrachten, greift zu kurz. Vielmehr sind Veränderungsprozesse wohl stete Begleiter eines Unternehmens. Die vielen Prozesserleichterungen, die eine digitale Welt mit sich bringen kann, können auf der einen Seite Ängste hinsichtlich benötigter Personalressourcen auslösen. Andererseits stellt die Digitalisierung – wie im Fall der FURUNO DEUTSCHLAND GmbH einer der Schlüssel für den weiteren wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens dar. Die Neuausrichtung bestehender Prozesse und deren Abbildung in Form digitaler Workflows geschieht nicht über Nacht und stellt auch keine One-Man-Show dar. Herr Frederiksen und Herr Lumma führten anschaulich aus, dass hierzu nicht nur das Kommittent im Führungskreis ein Erfolgsfaktor ist. Vielmehr wurde die Einbindung der betroffenen Mitarbeiter als weiter Baustein für eine „Sukzess Story“ betrachtet. Beide Redner zeigten sich überzeugt: allein aufgrund der aktiven Einbindung der operativen Einheiten und der hieraus gewonnenen Erkenntnisse kann ein digitaler Umstellungsprozess durch den Teamcharakter und des interaktiven Zusammenwirkens von Hierarchie- und Fachabteilungen einen gewissen Grad zur Eigenmotivation wecken. Herausgehoben wurden die anfänglichen Hürden und kleinen Widerstände im Unternehmen, denen mittels regelmäßiger Soll-Ist-Abgleiche im Rahmen von Feedback-Gesprächen und Workshops begegnet wurde. In einem laufenden Umstellungsprozess, so die Redner, sind Risiken nicht zu unterschätzen. Bei der FURUNO DEUTSCHLAND GmbH ist dies eine Doppelbelastung der betroffenen Mitarbeiter, nicht nur für die regelmäßigen Workshops, sondern für die sich ergebenen Testphasen der digitalen Workflow-Prozesse. Darüber hinaus kann ein Rückfall in „alte“ Verhaltensweisen den Projekterfolg gefährdenden und die „neue“ „digitale Welt“ als Allheilmittel für Problemstellungen betrachtet werden. Voller Zuversicht konzentriert sich das Unternehmen nunmehr auf die Endphase des Prozesses und wird im neuen Geschäftsjahr 2019, nach einer gut Einjährigen Einführungsphase, den digitalen Workflowprozess auf live schalten.

Neue Geschäftsmodelle und Kosteneinsparungen in der Energiewirtschaft durch Digitalisierung und Datennutzung

Dr. Andreas Schröter Executive Vice President & Regional Manager DNV GL - Energy fuhr die Vortragsreihe mit dem Thema „Neue Geschäftsmodelle und Kosteneinsparungen in der Energiewirtschaft durch Digitalisierung und Datennutzung“ fort. Dabei ging es vorab um die Zukunft der Energiegewinnung. Es wird prognostiziert, dass bis 2050 eine Aufteilung der fossilen und nicht fossilen Quellen von 50/50 sattfinden wird. Darüber hinaus wird die Photovoltaik um das 80-fache und die Windenergie um das 30-fache wachsen. Durch die höhere Nachfrage und somit Produktion, werden die einzelnen Stückkosten der Anlagen wiederum sinken. Die Digitalisierung und die Datenanalyse ermöglichen ein genaueres Verständnis des Zustandes der Stromversorgung und seiner Fähigkeiten. Digitale Technologien werden das Energiesystem vernetzter, intelligenter, effizienter, zuverlässiger und nachhaltiger gestalten. Dieser Effekt wird sich bei der Energieversorgung bemerkbar machen, vor allem aber die Effizienz bei der Endnutzung der Energie steigern. Auswirkungen der Digitalen Technologien können sein, dass die Betriebskosten durch Fernsteuerung- und überwachung der Anlagen verringert werden. Durch das Internet of Things kann der Strombedarf genau angepasst werden und es ist eine bessere Koordination von Angebot und Nachfrage möglich. Es wird vorhergesagt, dass bis 2025 etwa 50% aller neuen Autos in Europa E-Autos sein werden. Am Ende des Vortrages von Herrn Dr. Schröter erläuterte er, wie DNV GL Energy auf diesen Trend reagiert und seine Geschäftsfelder umstellt. Des Weiteren gewährte Herr Dr. Schröter einen kurzen Einblick in einige digitale Projekte von DNV GL Energy. Digitale Projekte sind beispielsweise GPM Horizon, WindGEMINI und Smart Cable Guard. GPM Horizon ist ein Multi-Technologie Überwachungsplattform für gemischte erneuerbare Portfolios, die derzeit Solar-, Speicher- und Windkapazitäten umfassen. WindGEMINI ist ein Digitales Zwillings Framework, das Betriebsdaten in nahezu Echtzeit analysiert, um das Expertenwissen von DNV GL an unsere Kunden zu liefern und ihren Umsatz zu steigern und Smart Cable Guard ermöglicht es, Stromverteilungsnetze zuverlässiger, sicherer und "fit für die Zukunft" zu machen, indem es eine nachhaltigen Betrieb unterstützt.

 

A bit british an der Elbe

Autorin: Dr. Victoria Eicker; Fotos: Lene Bartel

Hamburg, 03.12.2018

Generalmajor Oliver Kohl begrüßt Air Vice-Marshal Chris Luck an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg

Air Vice-Marshal Chris Luck beim Eintrag in das Gästebuch der Führungsakademie

 Gespannt folgt die Akademieführung dem Vortrag

 Interessierte Zuhörer im Auditorium

 

Im Austausch mit Air Vice-Marshal Luck

 

 

Wozu ist die Führungsakademie der Bundeswehr eigentlich da? Und wozu sind die vielen anderen militärischen Akademien weltweit da? Darin war man sich von Anfang an einig: um die nächste Generation militärischer Führungskräfte bestmöglich auf eine ziemlich ungewisse Zukunft vorzubereiten. Und das heißt: intellektuelle und handwerkliche Fähigkeiten sowie die Möglichkeit zur Selbstreflexion, um in komplexen Situationen und mit diesen Werkzeugen Entscheidungen zu treffen, die am nächsten an einem „richtig“ liegen. Das klingt nicht ambitioniert? Mehr ist Illusion und kommt an eine sich rasant verändernde und komplexe Sicherheitslage nicht heran. Doch beginnen wir am Anfang eines dieser spannenden Tage in der Clausewitz-Kaserne in Hamburg.

Zwei Kommandeure – zwei Akademien

Morgens neun Uhr: Der Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg (FüAkBw), Generalmajor Oliver Kohl, begrüßt den Kommandeur des britischen Pendants zur Führungsakademie, das Joint Services Command & Staff College (JSCSC) in der Clausewitz-Kaserne, Air Vice-Marshal Chris Luck. Es ist das erste Mal, dass der Kommandeur der Führungsakademie den ehemaligen Hubschrauberpiloten und Kollegen aus dem britischen Shrivenham persönlich empfängt. Nach dem traditionellen Eintrag ins Gästebuch und einem ersten Austausch zwischen den beiden Kommandeuren, wird Air Vice-Marshal Luck – sein Dienstgrad entspricht einem deutschen zwei Sterne General – die Führungsakademie der Bundeswehr als höchste Bildungseinrichtung der deutschen Streitkräfte vorgestellt.   

Angeregte Diskussion

Von der Geschichte der Führungsakademie bis hin zu den Fakten der Gegenwart: Eine Bildungsinstitution mit etwa 3.000 Lehrgangsteilnehmern pro Jahr, davon 250 international, in 80 Lehrgängen – um nur einige zu nennen. Dem hoch aufmerksamen Air Vice-Marshal Luck präsentiert zunächst Oberstleutnant i.G. Matthias Friedrich die Struktur der FüAkBw sowie die spezifischen Besonderheiten der Lehrgänge für Stabsoffiziere und den angehenden Führungsnachwuchs anhand der Grundphilosophie der Lebenslagen Lernens. Vom ersten Tag bei der Bundeswehr bis zu dem Tag, an dem man womöglich General wird und darüber hinaus: Lernen gehört zum Weg durch die Streitkräfte. „Wie entscheiden Sie, welche Inhalte gelehrt werden“, fragt Luck. „Wir stützen uns auf Vorgaben, Erfahrung und Evaluation“, erklärt Generalmajor Kohl. Luck ist nicht nur an der Auswahl der Inhalte interessiert, auch an der Länge beispielsweise des Lehrgangs Generalstabs-/Admiralstabsdienst National (LGAN). Dieser ist auf zwei Jahre ausgelegt. Das Pendant dazu im Vereinigten Königreich Großbritannien sei zehn Monate lang – und das empfinde man schon als erheblichen Zeitaufwand. Das Thema werde auch hier diskutiert, versichert Generalmajor Kohl – aber Ausbildung braucht seine Zeit, besonders im Bereich der Spitzenkräfte.

Einladung nach England

Auch Oberst i.G. Jesko Peldszus, Leiter des Kompetenzzentrums Ausbildung und Führung, und Oberst i.G. Sönke Marahrens, Projektoffizier des German Institute for Defence and Security Studies (GIDS) – dem neuen Think Tank an der Führungsakademie, halten in Vorträgen die Besonderheiten ihres Bereich fest. Der britische Gast verfolgt die Beiträge genau, hakt immer wieder nach und diskutiert mit Generalmajor Kohl, dem Direktor Ausbildung Oberst i.G. Holger Neumann und den Vortragenden über Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Ausbildung und Struktur ihrer Führungsakademien. Ganz besonders interessiert den britischen Zwei-Sterne-General das Konzept des Lebenslangen Lernens – welche Anreize werden geschaffen, bis zu welcher Führungsebene ist eine Teilnahme angedacht. Immer wieder durchbricht schallendes Lachen die Diskussion – britischer Humor ist eben etwas Besonderes. Der neue Think Tank GIDS stößt bei Luck auf großes Interesse, denn auch in Großbritannien gibt es den Think Tank Development, Concepts and Doctrine Center, der dem Verteidigungsministerium untersteht. Zum Schluss dieses für alle Seiten fruchtbaren Gesprächs lädt Air Vice Air-Marshal Luck seine deutschen Kollegen zu einem nachfassenden Gespräch nach Shrivenham ein.

Ungewisse Zeiten

Fortsetzung 13.30 Uhr: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Lehrgänge Generalstabs-/Admiralstabsdienst National 2017 und 2018 und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Führungsakademie warten gespannt im fast komplett
besetzten Manfred-Wörner-Zentrum. Eine kurze, aber spritzige Vorstellung des britischen zwei-Sterne-Generals von Oberstleutnant Sarah Tunsdall, einer britischen Teilnehmerin des LGAN, stimmt das Auditorium auf dessen Vortrag ein. Luck umreißt die aktuelle, sehr komplexe und ausgesprochen dynamische Sicherheitslage sowie die Herausforderungen etwa durch Künstliche Intelligenz oder unbemannte Waffensysteme. Für das künftige militärische Führungspersonal steht fest, dass sie eine Wirklichkeit vorfinden werden, die heute noch gar nicht in Gänze absehbar ist. Luck und Kohl sind sich am Ende einig: Der Führungsnachwuchs muss heute so gut wie möglich auf ungewisse Zeiten von morgen vorbereitet werden. Das ist die Aufgabe der Führungsakademien.

 

 

 

 

Georgiens Verteidigungsminister an der Führungsakademie

Autorin: Anne Bressem; Fotos: Lene Bartel

Hamburg, 30.11.2018

Generalmajor Oliver Kohl begrüßt Georgiens Verteidigungsminister, Levan Izoria, an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg

Georgiens Verteidigungsminister Levan Izoria beim Eintrag in das Gästebuch der Führungsakademie

 

Wie wird das Führungsprinzip der Auftragstaktik im Bundeswehralltag gelebt und wie ließe sich diese Methode der Führung auf die georgischen Streitkräfte anwenden? Welche Arbeit leistet das German Institute for Defence and Strategic Studies (GIDS)? Fragestellungen, zu denen sich Georgiens Verteidigungsminister Levan Izoria in Begleitung seines Chief of Defense, Generalmajor Vladimer Chachibaia, sowie einer georgischen Delegation  intensiv  mit dem Kommandeur der Führungsakademie, Generalmajor Oliver Kohl und Akademieangehörigen austauschte.

Von kriegstauglichen Generalstabsoffizieren

Zur Einführung stellte Oberstleutnant i.G. Matthias Friedrich zunächst das Konzept des Lebenslangen Lernens sowie das breit gefächerte Angebot aller Lehrgänge der Akademie vor. General Kohl nahm dies auf und unterstrich an dieser Stelle den Charakter der Führungsakademie als höchste Bildungseinrichtung der Bundeswehr. Kernaufgabe sei die Aus-, Fort- und Weiterbildung bereits berufserfahrener Offiziere aus dem In- und Ausland. Ziel sei es, kriegstaugliche Stabsoffiziere und Generalstabsoffiziere von der Akademie in ihre diversen Verwendungen der Bundeswehr zu entsenden.

Auf der Münchner Sicherheitskonferenz

„Wir wollen die Gesellschaft für sicherheitspolitische Themen sensibilisieren, in einen Dialog treten, Debatten strategisch bereichern“, erklärte Oberst i.G. Sönke Marahrens, Projektleiter für das GIDS. In Erweiterung des Auftrags der Führungsakademie solle das in Lehre und Forschung gesammelte Wissen als Angebot für strategische Diskurse dienen. „We are a new kid on the block“ führt Marahrens fort und betonte das Alleinstellungsmerkmal des GIDS, die Kooperation mit der „Helmut Schmidt Universität“, Universität der Bundeswehr Hamburg.  Mit sichtbarem Stolz verkündete er dem interessierten Publikum, sowohl GIDS als auch die Führungsakademie seien mit einem Panel auf der kommenden Münchner Sicherheitskonferenz vertreten, ein erster großer Erfolg seit dem erst kurzen Bestehen von ungefähr fünf Monaten. Verteidigungsminister Izoria war geradezu gefangen von diesen Impulsen: „Wie gehen Sie in die Öffentlichkeit, wie bieten Sie sich an, wie gestalten Sie das im Detail?“, fragte er nach. Wir gehen proaktiv in Debatten, wir wollen Mut zum Diskurs nicht nur postulieren, wir praktizieren ihn gnadenlos. Unsere Ministerin Dr. Ursula von der Leyen gibt mit der Existenz des GIDS darüber hinaus ein wichtiges Signal in die Truppe. Sie sagt, ich brauche Euch, Euer Wissen, Euren Rat für meine tägliche Arbeit.

Vertrauen haben und miteinander reden

Daran anschließend veranschaulichte Oberst i.G. Marahrens Verteidigungsminister Izoria und der georgischen Delegation nicht weniger impulsiv und anregend das Führungsprinzip der Auftragstaktik. Menschen zu führen, stehe hier immer in direkter Beziehung zur Inneren Führung, zeige er auf. Der militärische Führer gebe den Soldatinnen und Soldaten das Ziel vor, verfolgen und erreichen solle der Soldat das Ziel selbständig, führt Marahrens fort. In der folgenden Diskussion wollte die georgische Delegation wissen, inwiefern es vorstellbar sei, die Auftragstaktik auch bei den georgischen Streitkräften zu implementieren, welche Empfehlung die Bundeswehr aus ihrer Praxis habe, von welchem Zeithorizont bis zur erfolgreichen Praxis in der täglichen Umsetzung man ausgehen könne. General Kohl betonte an dieser Stelle: „Wir haben die Auftragstaktik 1888 eingeführt und sehen Sie, es dauert eben seine Zeit. Mit Geduld, Verständnis und Dialog nehmen Sie Ihre Soldaten mit. Setzen Sie Vertrauen in Ihre Männer und geben Sie ihnen stets einen sinnvollen Hintergrund für ihren Auftrag.“ Das Führungsprinzip der Auftragstaktik setze großes Vertrauen in die Geführten, appelliere an ihre Vernunft und den Sinn dafür, Verantwortung übernehmen zu wollen. Beziehungen müssten so geschaffen werden, die Motivation der Soldaten zu stärken. Auftragstaktik bedeute eine kulturelle Veränderung für die Streitkräfte Georgiens, der tiefere Sinn liege vor allem in der Kultur von Kommunikation, resümierte Verteidigungsminister Izoria abschließend fasziniert und bedankte sich auch im Namen seiner Delegation für den inhaltlich sehr wertvollen Diskurs sowie für den herzlichen Empfang.

 

 

 

Erster Bürgermeister an der Führungsakademie

Autor: Norbert Stäblein; Fotos: Lene Bartel

Hamburg, 27.11.2018

Generalmajor Oliver Kohl begrüßt den Ersten Bürgermeister der Hansestadt Hamburg, Dr. Peter Tschentscher an der Führungsakademie der Bundeswehr

Dr. Peter Tschentscher beim Eintrag in das Gästebuch der Führungsakademie der Bundeswehr

 

 

Über die Bandbreite von Ausbildungen, Lehrgangsmodulen und Forschung informierte sich der Erste Bürgermeister der Hansestadt Hamburg, Dr. Peter Tschentscher an der Führungsakademie der Bundeswehr. Erfreut meinte er, dass das Angebot ein gutes Angebot am Standort Hamburg sei. Generalmajor Oliver Kohl stellte ihm als Kommandeur den interdisziplinären Ansatz vor, mit dem die Akademie Soldaten, zivile Angehörige der Bundeswehr, aber auch internationale Militärs und Experten aus zivilen Institutionen ausbildet.

Ausbildung auf hohem Managementlevel

Die Ausbildung von Generalstabsdienst- / Admiralstabsdienstoffizieren, Stabsoffizieren und zivilen Führungskräften bewegt sich auf höchstem Managementniveau, wobei unter anderem die Einbindung von Angehörigen von Streitkräften anderer Länder das intellektuelle Spektrum erweitert, erfuhr der Bürgermeister. Besonders die Verbindung zwischen der militärischen Ausbildung und der Forschung am German Institute for Defence and Strategic Studies (GIDS) ließ ihn aufmerken.

Expertise zusammenbringen

Tschentscher nahm den vernetzten Ansatz auf und folgerte, man könne zwar militärisch gewinnen, aber danach seien die Konflikte nicht weg. General Kohl bestärkte diesen Gedanken indem er darauf hinwies, dass die „Verwebung von ziviler und militärischer Expertise“ ein Grundanliegen der Ausbildung und des lebenslangen Lernens sein müsse. Dazu böten die Lehrgänge, Seminare, Module und die Forschungsarbeit die strategische Fragestellungen aus sicherheits- und verteidigungspolitischer Perspektive untersucht, eine wesentliche Grundlage.

 

 

 

 

Omid Nouripour besucht die Führungsakademie

Autor: Christoph Weigmann; Fotos: Lene Bartel

Hamburg, 26.11.2018

Omid Nouripour beim Eintrag ins Gästebuch

Generalmajor Oliver Kohl mit Omid Nouripour, MdB, und Antje Möller, MdHB

 

 

Es ist immer wieder ein außergewöhnliches Ereignis für die Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw), wenn ein Abgeordneter des Deutschen Bundestages die höchste militärische Ausbildungseinrichtung in Hamburg besucht. Mitte November war Omid Nouripour, Mitglied der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, zu Gast an der Akademie. Begleitet wurde er von Antje Möller, Vizepräsidentin der Hamburgischen Bürgerschaft und Sprecherin für Arbeitsmarkt, Innenpolitik, Flüchtlingspolitik, Eingaben und Härtefallkommission der Bürgerschaftsfraktion Bündnis90/Die Grünen.

Nach der Begrüßung durch den Kommandeur der Führungsakademie, Generalmajor Oliver Kohl, folgte der traditionelle Eintrag in das Gästebuch der Akademie und ein offizielles Begrüßungsfoto.

Geballte Informationen

Im Anschluss stellte Oberst i.G. Jesko Peldszus den Auftrag der Akademie und die einzelnen Ausbildungsebenen an der FüAkBw vor. In seinem Kurzvortrag ging er auch detailliert auf die Inhalte der Ausbildungslehrgänge ein. Professor Dr. Burkhard Meißner, Vorstand des German Institute for Defence and Strategic Studies (GIDS), präsentierte den Gästen das auf Initiative von Bundesverteidigungsministerin Dr. Ursula von der Leyen am 30. Juni dieses Jahres gründete Institut, das an der FüAkBw angesiedelt ist. Als Kooperationsprojekt der Führungsakademie der Bundeswehr und der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg berät das GIDS forschungsbasiert Entscheidungsträger in strategiepolitischen Fragestellungen, publiziert Forschungsergebnisse und fördert mit Tagungen, Kongressen und innovativen Veranstaltungsformaten den öffentlichen Diskurs zu sicherheitspolitischen und sicherheitsstrategischen Fragestellungen.

Der aus Teheran stammende Nouripour zeigte großes Interesse an den Ausführungen der Referenten, die er mit zielgerichteten Fragen und Beiträgen ergänzte. Nach dem rund zweistündigen Besuch verließ er den Bundeswehrstandort in Hamburg-Blankenese mit neuen, fundierten Eindrücken.

 

 

 

Niger – Land der Herausforderungen

Autor: Dr. Victoria Eicker; Fotos: Laura Clayborn

Hamburg, 23.11.2018

Generalmajor Kohl begrüßt den Verteidigungsattaché der Republik Niger, General Salifou Mody, an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg

Der Lehrgangsleiter des LGAI, Oberst i.G. Wasgindt, bei der Eröffnung des großen nationalen Informationstages

 Vorträge verauschaulichten die vielen Facetten des Landes

Dr. Aissa Haridou stellt die traditionellen Bekleidungen der verschiedenen Volksgruppen des Landes vor

 Traditionelle Tanzeinlagen rundeten die Vorträge ab

Die Pausen im Foyer des Manfred-Wörner-Zentrums boten Zeit für den persönlichen Austausch der Gäste

Generalmajor Kohl bedankt sich bei den Vortragenden

Es war der erste große Regionale Informationstag des im August gestarteten Lehrgangs Generalstabs-/Admiralsstabsdienst International (LGAI) 2018. Die informative Reise bei der Veranstaltung im Manfred-Wörner-Zentrum der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) führte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Lehrgangs wie auch die geladenen Gäste in die Mitte Afrikas, hinein in die trockenen, heißen Gebiete der Sahelzone: nach Niger. Niger ist ein Binnenstaat in Westafrika. Das Land ist weitläufig, klimatisch vielfältig. Viele der Teilnehmer hatten bis zu diesem Tag keine konkreten Vorstellungen vom Niger, doch das Land hat viel zu bieten und es ist strategisch wichtig.

Weltkulturerbe in Niger

Erst Mitte November war Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen in Niger gewesen, einem wichtigen Partner im Kampf gegen den internationalen Terrorismus, organisierte Kriminalität und illegale Migration. Die nigrische Hauptstadt Niamey ist bereits seit Längerem Drehkreuz für den Einsatz der Bundeswehr in Mali. Dort stellte die Ministerin im November das „Camp Vie Allemande“ in Dienst. Von diesem Stützpunkt am Flughafen aus wird die Beförderung von Personal und Material nach und von Mali sowie die medizinische Versorgung von Verwundeten für die UN-Mission MINUSMA sowie die EU-Mission EUTM koordiniert.

Im Manfred-Wörner-Zentrum begrüßte Generalmajor Oliver Kohl, Kommandeur der Führungsakademie, anlässlich des Regionalen Informationstages nicht nur die Gäste aus den Reihen des „Freundeskreises Ausbildung ausländischer Offiziere an der Führungsakademie der Bundeswehr“ und die Teilnehmer des LGAI, sondern auch den Verteidigungsattaché der Republik Niger, General Salifou Mody, der eigens aus Berlin angereist war. „Ich habe heute während meines Gesprächs mit General Mody noch einmal viel über den Niger gelernt“, sagte Generalmajor Kohl. „Das zeigt, wie wichtig diese Informationstage sind.“ Auch für die Anwesenden war es sehr interessant zu erfahren, dass sich in Niger drei Welterbestätten der UNESCO befinden, unter anderem das Aïr und Ténéré Naturreservat sowie die Altstadt von Agadez, die schon im Mittelalter ein wichtiges Handelszentrum war.

Von der Wüste bis in tropisches Sahelklima

Mody verwies in einer kurzen Ansprache auf die angespannte Sicherheitslage in der Sahelzone. Niger sei derzeit ein Ruhepol. Das liege nicht zuletzt auch an der Unterstützung der vielen Partner des Landes wie unter anderem Deutschland. So unterstütze die Bundesrepublik vor allem auch im Bereich Ausbildung. Niger erhielt darüber hinaus im Zusammenhang mit der Ertüchtigungsinitiative zum Kampf gegen Terrorismus und illegale Migration jüngst 53 Militärfahrzeuge. Auch am Bau einer Unteroffizierschule in Agadez will sich die Bundesregierung beteiligen. Oberstleutnant Amadou Sadou und Oberstleutnant Ismael Ka Sidi Oumar Ka, beide Teilnehmer des aktuellen LGAI, gaben nachfolgend einen Einblick in ihr Land.

So führte Oberstleutnant Sadou aus, dass der Niger gut 3,5 Mal so groß ist wie Deutschland, zu 75 Prozent aus Wüste und Halbwüste besteht und rund 22 Millionen Einwohner zählt – zum Vergleich: Deutschland hat eine Bevölkerung von mehr als 82 Millionen Einwohnern. Der Offizier, Vater von vier Kindern, stammt aus der Hauptstadt Niamey. Die Stadt befindet sich im Südwesten des Landes. „Die meisten Städte Nigers liegen wegen den klimatisch schwierigen Bedingungen des Nordens im Süden des Landes“, erklärte er. Dort herrscht tropisches Sahelklima, zudem durchfließt der Niger dieses Gebiet – der Norden des Landes indes gehört zu den heißesten Regionen der Erde. Dattelpalmen, Affenbrotbäume, Papayabäume und bis zu sechs Meter hohes Elefantengras – das sind typische Merkmale der Flora des Landes. Viele Schutzgebiete bieten dem westafrikanischen Löwen, Giraffen, Elefanten und Wasserbüffeln Rückzugsmöglichkeiten. Wunder der Natur gibt es in Niger viele zu bestaunen.

Tuareg an der Führungsakademie

Nichtsdestoweniger gehört Niger zu den ärmsten Ländern der Welt. Das hat unterschiedliche Ursachen. Das Land hat beispielsweise einen extrem hohen Bevölkerungszuwachs – sieben Kinder bekommt eine nigrische Frau im Durchschnitt. „Niger ist ein Vielvölkerstaat“, berichtete LGAI-Teilnehmer Sadou. Bevölkerungsgruppen sind Hausa, Songhai, Tuareg und Fulbe – um nur einige zu nennen. An diesem Punkt wurde den Gästen im Rahmen einer kleinen Modenschau die traditionelle Bekleidung der unterschiedlichen Stämme und Völker präsentiert. Dr. Aissa Haridou, die an einer Universität in Deutschland in Wirtschafts- und Sozialwissenschaften promoviert hat, moderierte mit ihrem perlenden, ansteckenden Lachen diese sehenswerte Vorführung. So kam ein Tuareg-Paar mit der traditionellen Kopfbedeckung und der langen Bekleidung in den Vorlesungssaal des Manfred-Wörner-Zentrums spaziert –  farbenfroh und für Europäer ein ungewohnter und beeindruckender Anblick.

Die Geschichte Nigers ist sehr alt und beeindruckend dicht. Schon Jäger und Sammler hinterließen in der Frühzeit Felszeichnungen im Aïr-Gebirge. Handelswege entlang der Wüste lassen sich weit zurück datieren. Im Mittelalter galt die Stadt Agadez als wirtschaftlicher Knotenpunkt für den Handel, zudem galt das Songhai-Reich, das sich bis an den Atlantik streckte zur damaligen Zeit als eines der größten Reiche Afrikas. 1921 wurde Niger französische Kolonie. Französisch ist auch heute noch die Amtssprache. In dem westafrikanischen Land werden aber weitere zehn Nationalsprachen gesprochen und unzählige Dialekte. 1958 ging das mehrheitlich muslimische Land in die Autonomie, 1960 in die Unabhängigkeit. Danach folgten Militärputsche und Militärregime. Doch in den letzten Jahrzehnten hat sich das Land am Niger langsam stabilisiert.

Mehr Bildung für Niger

Oberstleutnant Sidi Oumar Ka erläuterte in seiner azurblauen Luftwaffenuniform, wie reich sein Land an Ressourcen ist. Nigers erste Exportware sind Zwiebeln – das überraschte ein bisschen. Es ist aber der viertgrößte Uranproduzent der Welt. Daneben gibt es Eisenerz, Kohle, Gas, Erdöl, Gold. „Wieso dann das Pro-Kopf-Einkommen so niedrig ist, verstehe ich nicht“; sagte Sidi Oumar Ka stirnrunzelnd, fast ein bisschen anklagend. „Das ist eine große Herausforderung für mein Land!“ Das Pro-Kopf-Einkommen betrug in Niger für das Jahr 2017 knapp 440 US-Dollar – im Vergleich dazu betrug es in Deutschland mehr als 40.000 US-Dollar. Bildung sei eines der wichtigsten Bereiche, in die investiert werde. Die Alphabetisierungsrate ist sehr niedrig. „Das erschwert die Demokratisierung. Bildung ist der Grundstein der demokratischen und wirtschaftlichen Entwicklung eines Landes“, erklärte der Stabsoffizier. Und auch die Energiesicherheit sei ein wichtiges Thema.  

Der nigrische Stabsoffizier referierte auch zum Thema Sicherheitspolitik in seinem Heimatland. 54.000 Soldaten umfasst die nigrische Arme – Heer und Luftwaffe. Eine Marine gibt es in dem Binnenstaat nicht. „Zwei hochrangige Militärs sind ehemalige Lehrgangsteilnehmer des LGAI“, betonte Sidi Oumar Ka. Das Militär ist sowohl im Rahmen afrikanischer Bündnisse aktiv, wie auch in UN-Missionen. 1000 Soldaten befinden sich derzeit in Auslandseinsätzen. „Niger steht vor großen Herausforderungen: das Bevölkerungswachstum, die hohe Zahl an Analphabeten, Terrorismus, Klimawandel“, resümierte Sidi Oumar Ka. „Doch in unserem Land steckt auch ein enormes wirtschaftliches Potential, um sich weiter zu entwickeln“. So wünscht sich denn auch Oberstleutnant Sadou: „Dass wir die Herausforderungen alle gemeinsam, alle Nigrer zusammen, in Angriff nehmen und schaffen“. Abgerundet wurden die beiden Vorträge von zwei traditionellen Tanzeinlagen, die durch ihre rhythmischen, geschmeidigen und gleichzeitig kraftvollen Bewegungen das ein oder andere Bein zum Mitschwingen animierten.

Nigrisches Bier und andere Köstlichkeiten

Bevor es zu den kulinarischen Köstlichkeiten aus dem vielfältigen westafrikanischen Land ging, erhoben sich alle zur melodischen Nationalhymne des Niger – „La Nigérienne“. Danach lachten und sprudelten die Gäste und zahlreiche Nigrer aus Hamburg im Foyer des Manfred-Wörner-Zentrums. Es gab nigrisches Bier und traditionelle Gerichte. Was denn Sadou am meisten an Deutschland schätze? „Die Pünktlichkeit! Wir Nigrer verlieren zu viel Zeit!“, sagte er lächelnd. An diesem Abend musste keiner mehr pünktlich sein. Es war ein entspanntes und anregendes Beieinander. 

Seit 1990 nahmen insgesamt 17 Stabsoffiziere aus dem Niger am LGAI an der Führungsakademie in Hamburg teil. Zwei Lehrgangsplätze werden pro Jahr für die Soldaten aus dem Niger bereitgestellt. In großer Zahl waren Gäste aus dem „Freundeskreis Ausbildung ausländischer Offiziere an der Führungsakademie der Bundeswehr“ zu der Veranstaltung erschienen. Sie unterstützen als Paten die Integration der ausländischen Offiziere und ihrer Familien.

 

 

 

 

Das Ziel im Blick und kritisch bleiben

Autor: Norbert Stäblein; Fotos: Lene Bartel

Hamburg, 21.11.2018

Entspannte Gesichter bei der Vorstellung

Generalleutnant Jörg Vollmer erklärt Details der Heereslage

Die Zuhörer nutzen die Chance, dem Inspekteur des Heeres Fragen zu stellen

 Die Gespräche wurden im kleineren Kreis fortgesetzt

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Botschaft an die Lehrgangsteilnehmer war eindeutig: „Nutzen Sie die Führungsakademie der Bundeswehr dazu, den Blick über den Tellerrand zu richten. Hinterfragen Sie auch die Ausbildung“. Es war Generalleutnant Jörg Vollmer, Inspekteur des Heeres, der bei seinem Überblick „Zur Lage des Heeres – aktuelle Entwicklungen“ seine Zuhörerinnen und Zuhörer dazu aufforderte. Er nahm zunächst eine Bestandsaufnahme vor und referierte dann vor den Teilnehmern der Lehrgänge General- und Admiralstabsdienst National und International, sowie des Basislehrgangs Stabsoffiziere im Gneisenau-Saal über die zukünftigen Entwicklungen und Handlungsfelder. Mit einem Schmunzeln gab er den Lehrgangsteilnehmern einen kleinen Hinweis: “Es ist die beste Zeit Ihres Lebens“.

Entscheidungen treffen

Wer glaubte, dass im sogenannten Lehrdeputat Zahlen und taktische Begriffe abgespult würden, irrte. Der Heeresinspekteur hatte sich den ganzen Tag Zeit genommen, um mit den Offizieren intensiv ins Gespräch zu kommen. Das Lehrdeputat ist eine Lehrverpflichtung, die Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen dem Spitzenpersonal der Bundeswehr für den Nachwuchs der Bundeswehr abverlangt. General Vollmer referierte mit viel Elan und schöpfte aus seinem mehr als 40-jährigen Erfahrungsschatz im Dienste der Bundeswehr. Er war teils sachlich, teils emotional, immer mit Blick auf den Menschen. Vollmer forderte die jungen Stabsoffiziere immer wieder auf: „Erinnern Sie sich daran, wo sie herkommen und mit welchem Ziel Sie ihre Entscheidungen treffen“.

Die Zukunft der Laufbahn hinterfragen

Die anwesenden Lehrgansteilnehmer nutzten die Gelegenheit und kamen der Aufforderung, des Generals nach, Fragen zu stellen: Wie Generalleutnant Vollmer zur möglichen Einführung des Status` Berufssoldat für Mannschaftsdienstgrade stehe? „Manch einen würde ich sofort befördern, wegen seines Selbstverständnisses, wegen seines Auftretens – ein angenehmes Auftreten – und wegen seinem Duktus“, begann er seine Antwort. Aber viele Unteroffiziere rekrutieren sich aus der Mannschaftslaufbahn.  „Wenn wir den Mannschaftssoldaten zum Berufssoldaten machen, entfällt der Anreiz für den Einen oder Anderen in die Laufbahn der Unteroffiziere zu wechseln. Aber genau dieses Potential brauchen wir“.

Distanzen müssen überbrückt werden

Zuvor hatte Vollmer den Ist-Zustand des Heeres aufgezeigt und Ausblicke auf die Zukunft gegeben. „Ist das Fulda-Gap gleich dem Suwalki-Gap?“, fragte er rhetorisch. Die Begriffe stehen für eine geografische „Lücke“, die einen militärischen Einmarsch – damals während der Blockkonfrontation das Gelände nördlich von Fulda, heute ein kurzer Grenzverlauf zwischen Polen und Litauen –vorstellbar machen. Vollmer gab sogleich die Antwort: „Fulda ist in Deutschland und war unser Verteidigungsraum. Suwalki ist 1.000 Kilometer entfernt“. Der Hinweis saß: „Landesverteidigung hatte früher nicht die gleichen Distanzen wie es sie heute gibt“. Folglich müsse bei Operationen wie Trident Juncture in Norwegen auch das Verlegen über große Distanzen geübt und die Erkenntnisse daraus in nationale Planungen einbezogen werden.

Aufruf zur multinationalen Zusammenarbeit

Auch die Aspekte Vertrauen in das Material und Bündnisverpflichtung sprach Vollmer an. Mit der Teilnahme der Panzerlehrbrigade 9 an der NATO-Übung Trident Juncture in Norwegen sei es gelungen, die „einzig vollständige Brigade neben dem US-Marine Corps“ zu verlegen. Gerade mit Blick auf die multinationale Übung Trident Juncture sprach er den Bündnisgedanken an. „Europa sind wir alle“, zeigte der Inspekteur auf. Er verstehe darunter die westlichen Staaten genauso wie die Verbündeten an der Ostgrenze der Nato. Die deutsch-niederländische Kooperation sei beispielsweise ein Leuchtturm europäischer Zusammenarbeit, weil die gegenseitigen Unterstellungen von Einheiten sich bewährten. Schließlich „muss man eine Vision haben, die wie eine Brücke auf festen Pfeilern steht“, schloss der Inspekteur. Diese Pfeiler seien die vielen militärischen Kooperationen Deutschlands mit anderen Staaten.

Zukünftige Entscheider sollen Perspektive entwickeln

Die Zuhörer griffen Vollmers Appell des Hinterfragens auf. Sie wollten neben fachlichen Antworten auch seine persönliche Erfahrung und Meinung mitnehmen. Von der Europäischen Armee bis zur Fliegerabwehr – General Vollmer beantwortete alle Fragen. Besonders wichtig war ihm, dass die Teilnehmer der Führungsakademie als zukünftige Entscheidungsträger immer auch eine eigene Perspektive entwickeln und Lösungsansätze herbeiführen. Sie sollten aber auch Geduld behalten und künftige Aufträge langfristig denken.

 

 

 

 

Maghreb-Diplomaten auf Informationsbesuch

Autor: Daniel Giese; Fotos: Lene Bartel

Hamburg, 20.11.2018

Die 13-köpfige Delegation aus den Maghreb-Staaten zu Gast an der Führungsakademie der Bundeswehr

Der Lehrgangsleiter LGAI, Oberst i.G. Wasgindt, begrüßt die Delegation am Admiral-Dieter-Wellershoff-Gebäude

Botschafters a. D. Dr. Michael Witter beim Eintrag in das Gästebuch der Führungsakademie

Gruppenfoto der Maghreb-Delegation vor dem Admiral-Dieter-Wellershoff-Gebäude

 

 

 

 

 

 

Im Rahmen der „Internationalen Diplomatenausbildung“ des Auswärtigen Amtes war eine 13-köpfige Delegation aus den Maghreb-Staaten Mitte November zu Gast in der Hansestadt. Die Visite der jungen Diplomatinnen und Diplomaten aus Algerien, Marokko und Tunesien umfasste auch einen exklusiven Besuch der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw), einer der weltweit führenden postuniversitären Bildungseinrichtungen für höheres militärisches und ziviles Führungspersonal.

Führungsakademie präsentiert sich

Die Delegation unter Leitung des Botschafters a. D. Dr. Michael Witter wurde von Oberst i.G. Frank Wasgindt begrüßt. Nach dem Eintrag ins Gästebuch der Akademie stellte Oberstleutnant i.G. Sascha Kraft dem Diplomatennachwuchs aus Nordafrika Auftrag, Organisationsstruktur und Ausbildungsangebot der FüAk vor. Dabei ging er auch auf die neu hinzugekommene Aufgabe als strategische Denkfabrik und das zu diesem Zweck Mitte 2018 gegründete „German Institute für Defense and Strategic Studies“ (GIDS) ein.

Im Anschluss präsentierte Oberst Wasgindt den einjährigen Lehrgang Generalstabs-/Admiralstabsdienst International (LGAI), an dem aktuell fünf Stabsoffiziere aus den drei Maghreb-Staaten teilnehmen. Für die Diplomatinnen und Diplomaten war es interessant zu erfahren, dass der LGAI nicht nur internationalen militärischen Führungskräftenachwuchs auf Verwendungen im Generalstabsdienst vorbereitet, sondern dass der Lehrgang darüber hinaus auch als außen- und sicherheitspolitisches Mittel dienen soll, um den Teilnehmern aus Nicht-NATO-Staaten den ganzheitlichen deutschen Ansatz von Sicherheitspolitik zu vermitteln.

Deutschlandbesuch vermittelt umfassende Einblicke

Während des dreiwöchigen Aufenthalts in Deutschland lernt der Diplomatennachwuchs noch bis Ende November die Funktions- und Arbeitsweise der Bundesregierung sowie die Grundlagen der deutschen verfassungsrechtlichen Ordnung kennen. Das Programm umfasst zudem Studienfahrten in ausgewählte Bundesländer sowie Besuche bei öffentlichen Institutionen und politischen Stiftungen, in Unternehmen und Museen. Thematisch stehen im Fokus von Vorträgen und Seminaren neben deutscher Kultur und Geschichte unter anderem die deutsche Nahost- und Afrikapolitik, das deutsch-französische Verhältnis sowie grenzübergreifende Kooperationen beispielsweise in Klima- und Migrationsfragen.

In Hamburg stand jedoch nicht nur der Besuch der FüAk auf der Agenda der Delegation aus den Maghreb-Staaten. Vielmehr wurden die Diplomatinnen und Diplomaten auch offiziell im Rathaus begrüßt und waren zu einem Empfang ins Gästehaus des Senats an der Außenalster geladen. Die Gruppe besichtigte zudem die Flugzeugproduktion von Airbus in Finkenwerder, das Nachrichtenmagazin „Spiegel“ und sie konnte die Hansestadt bei einer Hafenrundfahrt auf der Elbe vom Wasser aus entdecken.

Die Internationale Diplomatenausbildung

Mit der Internationalen Diplomatenausbildung möchte das Auswärtige Amt jungen Diplomatinnen und Diplomaten aus dem Ausland am Beginn ihrer Karriere die Gelegenheit bieten, in Deutschland berufliche Erfahrungen zu sammeln, Positionen zu vergleichen und Gemeinsamkeiten zu erkennen.

Die Internationale Diplomatenausbildung wurde 1992 ins Leben gerufen, um den Aufbau Auswärtiger Dienste in den jungen Demokratien Mittel- und Osteuropas zu unterstützen. Später folgten Programme für weitere Staaten vor allem in Asien und Afrika. Inzwischen bietet das Auswärtige Amt pro Jahr mehr als 15 Kurse für etwa 300 Diplomaten aus mehr als 180 Ländern an.

Region mit großer Relevanz für Europa

Die Maghreb-Staaten haben zunehmend Bedeutung für Deutschland. Wie im Fall von Marokko sind sie durch das Mittelmeer zum Teil nur wenige Kilometer von Europa getrennt. Die geografischen Rahmenbedingungen schaffen wechselseitige regionale Abhängigkeiten und ein enges nachbarschaftliches Beziehungsgeflecht sowohl zur Europäischen Union (EU) als auch zu Deutschland. Vor diesem Hintergrund und um künftige Kooperationen zu fördern, besteht ein großes Interesse Deutschlands und der EU an Stabilität, Wachstum und rechtsstaatlicher Entwicklung in der Maghreb-Region.

 

 

 

 

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Das German Institute for Defence and Strategic Studies – GIDS – untersucht geostrategische, sicherheitsrelevante Fragestellungen unserer Zeit. 

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