Alumni

Die Führungsakademie der Bundeswehr ist traditionell international stark vernetzt. Weltweite Kooperationen sind die Basis unseres Beitrages zur Völkerverständigung.

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Master: MFIS

Die Führungsakademie der Bundeswehr bietet ihren Lehrgangsteilnehmern in Kooperation mit der Helmut-Schmidt-Universität einen international anerkannten Masterabschluss:

„Militärische Führung und Internationale Sicherheit“

GIDS

Das German Institute for Defence and Strategic Studies – GIDS – untersucht geostrategische, sicherheitsrelevante Fragestellungen unserer Zeit. 

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Lehrdeputat

An der Führungsakademie der Bundeswehr bringen Spitzenführungskräfte aus allen Bereichen der Streitkräfte ihre Expertise in unterschiedlichen Formaten in die Lehre ein.

Zur Veranstaltung

Luftwaffe goes Weltraum

Autor: Andreas Schreiner; Fotos: LGAI

Hamburg, 07.01.2019

Major Aridito aus Indonesien überreicht das Gastgeschenk des Hörsaals Luftwaffe an Generalleutnant Habersetzer, Kommandeur des Zentrum Luftoperationen

Generalmajor Vetter, Chef des Stabes des Kdr CIR, in der Diskussion mit dem Hörsaal

Der Hörsaal Luftwaffe des LGAI 2018 während der Westreise beim DLR

Dass unsere Weltmeere durch eine überbordende Flut von Plastikmüll stark verschmutzt sind, ist mittlerweile ein Thema, das beinahe jeden Tag durch die Medien und sozialen Netzwerke geistert. Doch es wird auch noch andernorts eng: Mit etwa 80.000 Objekten mit einer Größe von über zehn Zentimetern und etwa 700.000 Objekten mit einer Größe von immer noch über einem Zentimeter rechnet das Zentrum Weltraumoperationen, eine Abteilung des Zentrums Luftoperationen der Luftwaffe, in den durch die Raumfahrt genutzten Erdumlaufbahnen. Sprich: Auch da Müll! Aber nicht nur: Es handelt sich sowohl um Satelliten wie auch um Weltraumschrott. Und der ist gefährlich.

Gefahr in der Erdumlaufbahn

Bei Geschwindigkeiten von mehreren Kilometern pro Sekunde sind selbst kleinste Objekte eine große Gefahr. Dabei ist durch die zunehmende Kommerzialisierung der Raumfahrt mit einer stark steigenden Anzahl an neuen Satelliten in den nächsten Jahren zu rechnen. Das erhöht das Kollisionsrisiko weiter. Schon heute müssen die von der Bundeswehr betriebenen Satelliten und auch die Raumstation ISS immer wieder Ausweichmanöver fliegen. Die Operationsführung der Bundeswehr ist zunehmend auf Systeme im Weltraum angewiesen, von Navigation über Kommunikation bis hin zur strategischen Aufklärung. Der sichere Betrieb dieser Systeme macht ein zuverlässiges Weltraumlagebild erforderlich.

Das war im vergangenen Dezember Thema während der Westreise des Hörsaals Luftwaffe des Lehrgangs Generalstabsdienst-/ Admiralstabsdienst International (LGAI) der Führungsakademie der Bundeswehr. Die Lehrgangsteilnehmer konnten sich vor Ort über die Luftwaffe informieren. So erfuhren sie, dass die Bundeswehr in den kommenden Jahren ihren ersten eigenen Sensor zur Erfassung von Teilchen im Weltraum in Betrieb nehmen wird. Dennoch werden die Streitkräfte diese Aufgabe nicht alleine bewältigen können – das wurde klar. Nur die enge Kooperation mit Verbündeten und zivilen Einrichtungen, wie dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), welches im Auftrag der Bundesregierung das Raumfahrtmanagement wahrnimmt, ermöglichen die Erstellung eines verlässlichen Lagebildes.

Lagebild von oben

Beim Besuch des Kommandos Cyber- und Informationsraum (Kdo CIR) konnten sich die Lehrgangsteilnehmer ein Bild von deren weltraumgestützten Fähigkeiten machen – so beispielsweise von der strategisch abbildenden Aufklärung. Sie ist als Voraussetzung für eine erfolgreiche Operationsführung nicht mehr wegzudenken. Die strategisch abbildende Aufklärung liefert nicht nur Bilder zur Aufklärung von Kräfteansammlungen, sondern bereits im Frieden wichtige Grundlagen zur Erstellung geographischer Produkte, insbesondere Kartenmaterial. Welche Bedeutung Hochtechnologie für die Sicherheit des Staates spielt, wurde bei einem abschließenden Gespräch mit dem Chef des Stabes des Kdo CIR, Generalmajor Michael Vetter, deutlich. Hier kamen insbesondere die Bedrohungen im Cyberraum zur Sprache.

Hörsaal Luftwaffe konnte auf seiner einwöchigen Ausbildungsreise noch weitere namhafte Dienststellen der Bundeswehr insbesondere der Luftwaffe besuchen. Der Fokus lag dabei auf der Bedeutung der jeweiligen Fähigkeiten für die Einsatzbereitschaft der Streitkräfte. Neben Hochtechnologie und Weltraum wurde thematisiert, dass der Mensch ein entscheidender Faktor ist. Insbesondere die schwierige Lage bei der Gewinnung von hochqualifiziertem Personal – Piloten genauso wie Ingenieure und besonders Informatiker – zog sich wie ein roter Faden durch die Reiseroute. Der Besuch beim Assessmentcenter für Führungskräfte der Bundeswehr bot einen guten Einblick in die Strategie der Personalgewinnung der Bundeswehr.

Von draußen in den Lehrsaal

Nach fünf Tagen und Besuchen in neun verschiedenen Dienststellen sowie beim DLR haben die Teilnehmer einen umfassenden Einblick in die aktuellen Herausforderungen und die Lösungsstrategien der Luftwaffe und der Bundeswehr insgesamt erhalten. Die Ergebnisse fließen in die weitere Ausbildung mit ein.

 

 

Aktuelles

Stolze Bilanz: Über 3000 Euro für die Aktion Sorgenkinder in Bundeswehrfamilien

Autor: Birgit Schön; Fotos: Bundeswehrsozialwerk

Hamburg, 22.01.2019

Der stolze Gewinner mit seinem Fußball im Kreise der Regionalstelle des BwSW

Mitglieder der Regionalstelle 2127 des BwSW beim Oster-Büchermarkt

2824,15 Euro. Das ist die Summe, welche die Regionalstelle Hamburg –West dem Bundeswehr-Sozialwerkes im vergangenen Jahr für die „Aktion Sorgenkinder in Bundeswehrfamilien“ überreichen konnte. Darüber hinaus ergab eine Spendensammlung des Seminars „Internationale Höhere Führung 2018 an der Führungsakademie der Bundeswehr zusätzliche 525 Euro.

Bücherflohmarkt und Tag der Bundeswehr

An insgesamt fünf Veranstaltungstagen im vergangenen Jahr kam das Geld für die Aktion Sorgenkinder in Hamburg zusammen. , Den Anfang machte im März ein Oster- Bücherflohmarkt, bei dem die Besucher in der Clausewitz-Kaserne der Führungsakademie der Bundeswehr neben vielen, bunten Büchern auch Kaffee und Kuchen genießen konnten. Bei dieser Veranstaltung konnte ein Erlös von 453,20 Euro für die Aktion Sorgenkinder gewonnen werden. Später im Juni, beim „Tag der Bundeswehr“, an dem sich 2018 auch die Führungsakademie der Bundeswehr beteiligte, konnte das Bundeswehr-Sozialwerk mit einem Glücksrad und konnte damit 771, 95 Euro erzielen. Es gab tolle Preise zu gewinnen: Zwei Mitfahrten auf einem Marineschiff bei der Kieler Woche und einen Rundflug über Hamburg mit der Reservistenkameradschaft Flugdienst aus Appen. Das lockte viele Besucher, das Glücksrad mal kräftig zu drehen.

Tombola und immer wieder Glücksrad

Ebenfalls im Juni fand das Kinderfest in der Clausewitz-Kaserne an der Elbe statt. Dort war das Bundeswehr-Sozialwerk mit der schon zur Tradition gewordenen Tombola mit am Start und konnte für die Aktion Sorgenkinder 808 Euro erzielen. Auch hier lockte der Hauptpreis viele Besucher an den Stand: Über einen Gutschein in Höhe von100 Euro für einen Aufenthalt in einem Haus des Bundeswehr-Sozialwerks freute sich Oberstabsgefreite Ewa Kolodziejczyk, Mitarbeiterin der Führungsakademie der Bundeswehr. Im November drehte sich wieder das Glücksrad. Am traditionellen „Tag der Regionen“ des Lehrgangs Generalstabs-/ Admiralstabsdienst National erfreute sich das Bundeswehrsozialwerk über 440 Euro, die das Glücksrad in den Geldbeutel drehte. Zu gewinnen gab es wie im Sommer einen Rundflug der Reservistenkameradschaft Appen über Hamburg. Stolzer Gewinner war der Sohn eines Lehrgangsteilnehmers aus dem LGAN 2017, der darüber hinaus auch noch einen Lederfußball gewann. Einen Monat später fand zur Weihnachtszeit die letzte Aktion statt. Beim vorweihnachtlichen Abend des Lehrgangs Generalstabs- / Admiralsstabsdienst International dreht sich nicht nur wieder das Glücksrad mit tollen Preisen, auch selbstgemachte Weihnachts-Dekoration und diverse Handarbeiten sorgten für einen Erlös von 351 Euro.

Das Bundeswehr-Sozialwerk (BwSW) engagiert sich für die Menschen in der Bundeswehr – und für deren Familien. Was mit Erholungsheimen begann, ist heute zu einem breiten Spektrum an sozialen Angeboten ausgebaut: zum Beispiel Hilfen für Eltern von Kindern mit körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen, sowie für unverschuldet in Not geratenen Bundeswehrangehörige und ihre Familien. Unterstützung durch Bereitstellung kostenloser Urlaube in vereinseigenen Häusern oder finanzielle Einzelhilfen erhalten auch Familien, die von einem Auslandseinsatz betroffen sind, insbesondere verletzte Einsatzrückkehrer und deren Familien oder Hinterbliebene von gefallenen Soldaten. Aus der „Aktion Sorgenkinder in Bundeswehrfamilien“ werden unter anderem seit Jahren spezielle Freizeiten für Kinder mit Beeinträchtigungen, sowie Einzelhilfen finanziert und unverschuldet in Not geratene oder schwer erkrankte Bundeswehrangehörige und ihre Familien unterstützt.

Serbiens großer Tag an der Führungsakademie der Bundeswehr

Autor: Marc Schulz; Fotos: Lene Bartel

Hamburg, 14.01.2019

Oberstleutnant Mandić gewährte tiefe Einblicke in die Herausforderungen seines Landes

Tanzvorführung des Serbischen Vereins für Kultur und Kunst „Mladost“

Am 4. Dezember 2018 setzte der zweite Große Nationale Informationstag (GNIT) des Lehrgangs Generalstabs-/ Admiralstabsdienst International (LGAI) die Vortragsreihe mit kulturellem Schwerpunkt der Partnernationen des LGAI 2018 fort.

Beim jüngsten Großen Nationalen Informationstag stand Serbien, vorgestellt durch den serbischen Lehrgangsteilnehmer, Herrn Oberstleutnant Velimir Mandić, im Mittelpunkt. Mit dem Blick Deutschlands auf den Balkan und im Speziellen auf Serbien leitete der Kommandeur der Führungsakademie, Herr Generalmajor Oliver Kohl, mit seinen Erfahrungen ein. Als ALUMNI des Jahrgangs 2007 begrüßte der serbische Militär-Attaché, Herr Oberst im Generalstab Dejan Cimbaljević, drückte seine besondere Verbundenheit zur Führungsakademie der Bundeswehr aus und dankte allen Gästen mit sehr persönlichen Worten. In bewährter Manier stellte der Lehrgangsleiter des LGAI, Herr Oberst im Generalstab Frank Wasgindt, den Hauptredner vor und bereitete so die Bühne für dessen kurzweiligen Vortrag.

Oberstleutnant Mandić gewährte mit ungezwungenem Witz und Charme sowie interessanten Fakten tiefe Einblicke in die Herausforderungen seines Landes. Er ließ dabei auch die komplizierten Themen, wie Gebietsstreitigkeiten und die wirtschaftliche Entwicklung, nicht aus. Zur allgemeinen Erheiterung verglich er die Entwicklung und die Chancen Serbiens mit der seines pubertierenden Sohnes und unterstrich aus seiner persönlichen Sicht die Parallelen. Inhaltlich wurde Oberstleutnant Mandić im Thema Religion durch Herrn Erzdiakon Milutin Marić unterstützt, welcher den Gästen kurz und informativ die Besonderheiten der orthodoxen Kirche näher brachte. Gegenseitiges Verständnis erzeugend, ging er dabei auf die Unterschiede, aber auch auf die Gemeinsamkeiten zur römisch-katholischen Kirche ein. Für Auflockerung sorgten verschiedene Tanzvorführungen des Serbischen Vereins für Kultur und Kunst „Mladost“. Die sichtbare Begeisterung der serbischen Kinder in ihren handgefertigten Kostümen führte zu einem donnernden Applaus aller Gäste, bevor zum Abschluss der Veranstaltung typisch serbische Getränke und Speisen gereicht wurden.

 

Strategie in Raum und Zeit: Tagung am 22.01.2019

Strategie in Raum und Zeit: Neue Herausforderungen für Deutschland, NATO und EU im Ostseeraum

Autor: Dr. Victroria Eicker; Fotos: GIDS

Hamburg, 07.01.2019

 

Die völkerrechtswidrige Annexion der Krim 2014 war der Anfang. Die hegemonialen Ansprüche Russlands auf die Ostukraine schwelen seither unterschwellig und ungelöst vor sich hin. Das sicherheitspolitische Umfeld ist an der NATO-Ostgrenze deutlich volatiler geworden. Der Ostseeraum markiert da einen strategischen Knotenpunkt.

Diesem Thema und seinen sicherheitspolitischen Implikationen für Deutschland widmet sich am 22. Januar die zweite Strategiekonferenz der neuen, bundeswehreigenen Denkfabrik „German Institute for Defense and Strategic Studies“ (GIDS). Im Manfred-Wörner-Zentrum an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg werden Impulsvorträge und Paneldiskussionen zu der Frage führen, welche Bedeutung Deutschland im Bündnis insbesondere in Bezug auf den Ostseeraum heute hat. Hochkarätige Gastredner und Panelisten werden den strategischen Dialog bereichern.

Gemeinsame Diskussion zwischen Experten und Publikum

Deutschlands Sicherheit ist tief verknüpft mit den Bündnispartnern aus NATO und Europäischer Union. Die strategische Bedeutung des Ostseeraums für die Sicherheit und Stabilität in Europa und damit auch in Deutschland ist in den vergangenen Jahren besonders in den Vordergrund gerückt. Welche strategische Rolle wird Deutschland angesichts der derzeitigen und künftig zu erwartenden politischen Umwälzungen erfüllen müssen? Welche Anforderungen kommen in den verschiedenen Bündnissen auf Deutschland zu? Die Thematik wird aus unterschiedlichen Perspektiven mit Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Politik und Streitkräften beleuchtet, sowie sicherheitspolitische und militärstrategische Herausforderungen, Ausrichtungen und Entwicklungsszenarien gemeinsam mit dem Publikum diskutiert.

GIDS – Denkfabrik im Aufbau

Das GIDS wurde im Juni 2018 von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen eröffnet. Die Auftaktveranstaltung des GIDS ging der Frage nach, welche Bedeutung Strategie im aktuellen gesellschaftlichen Diskurs beigemessen wird. Diskutiert wurde damals mit Vertretern aus Wissenschaft und Politik, Religion und Kultur. Die am 22. Januar 2019 folgende zweite Tagung findet ganztägig mit Impulsvorträgen und Paneldiskussionen statt. Damit setzt das GIDS auf dem Strang des öffentlichen Diskurses seinen Weg zur etablierten Denkfabrik fort.

Zu einer Teilnahme sind Sie herzlich eingeladen. Nähere Informationen finden Sie hier

 

How russian media foments hostility toward the west

Autor: Christoph Weigmann; Fotos: Sönke Marahrens

Hamburg, 20.12.2018

Frau Liubov Tsybulska, Leiterin der Studiengruppe Ukraine Crisis, spricht über die Ergebnisse der Studie

Die Aussagen und die Wirkung in russischen Medien erörterten die Teilnehmer beim #experttalk des German Institute for Defence and Strategic Studies (GIDS) an der Führungsakadamie der Bundeswehr in Hamburg. Unterstützt vom ukrainischen Generalkonsulat und der ukrainischen Botschaft in Berlin und in Kooperation mit dem Clausewitz Netzwerk für strategische Studien erfuhren die Zuhörer beim #experttalk von Liubov Tsybulska, dass dieses Thema in der westlichen Berichterstattung wenig Beachtung fände. Tsybulska ist Leiterin der Studiengruppe des Ukraine Crisis Media Center in Kiew. Sie war Expertin der neuen Reihe #experttalk, die ganz bewusst in die Tradition der ehemaligen Blankeneser Gespräche gestellt worden ist. Die Studie, die sie als Grundlage nutzte, war zuvor im Pentagon, im schwedischen Außenministerium, der französischen Nationalversammlung, der Parlamentarischen Versammlung des Europarates, im Chatham House und dem NATO Public Diplomacy Forum präsentiert worden.

Der Einfluss der russischen Medien

Das Forschungsteam der Nichtregierungsorganisation Ukraine Crisis Media Center hatte im Zeitraum von 2014 bis 2017 diese umfassende Studie über den Inhalt von mehr als 540.000 Nachrichten auf russischen Fernsehkanälen sowie im Internet erstellt. Ihre Ergebnisse über die Schlüsselnarrative lassen aufhorchen. Danach liegt Deutschland unter allen europäischen Ländern auf Platz drei der Länder mit negativer Berichterstattung durch die russischen Medien. Insgesamt zeigt die Studie auf, wie stark die untersuchten Medien Einfluss auf die Meinungsbildung und das Verhalten der Bevölkerung haben. Ein Resultat der medialen Beeinflussung ist beispielsweise die Zahl der nach Europa ausgewanderten Russen. Wegen der negativen Berichterstattung über Europa sank ihre Zahl in den vergangenen fünf Jahren von 20 Prozent auf zehn Prozent.

Jedoch können Sie die Präsentation hier abrufen 

Dem Vortrag folgte eine kritische und offene Diskussion mit den Zuhörern, die auch ihre Anmerkungen zum methodischen Vorgehen, jedoch auch zu den Aussagen machten.

Was ist das GIDS?

Das GIDS wurde am 30. Juni 2018 von der Bundesministerin der Verteidigung Ursula von der Leyen gegründet. Als Kooperationsprojekt der Führungsakademie der Bundeswehr und der Helmut-Schmidt-Universität / Universität der Bundeswehr Hamburg berät das GIDS forschungsbasiert Entscheidungsträger in strategiepolitischen Fragestellungen, publiziert Forschungsergebnisse und fördert mit Tagungen, Kongressen und innovativen Veranstaltungsformaten den öffentlichen Diskurs zu sicherheitspolitischen und sicherheitsstrategischen Fragestellungen.

 

 

 

 

Zwischen Glühwein und Nordafrika

Autor: Stefan Berger; Fotos: Lene Bartel

Hamburg, 19.12.2018

Der Nikolaus besucht den LGAI


Weihnachtliche Klänge stimmte die Gäste ein


Auf dem Weihnachtsmarktstand des Bundeswehrsozialwerks


Blick auf die Region


In der Podiumsdiskussion


Informationen aus „erster Hand“

 

 

 

Zum Jahreswechsel gab es für die Stabsoffiziere des Lehrgangs Generalstabsdienst-/Admiralstabsdienst International (LGAI) 2018 der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) in der Clausewitz-Kaserne noch zwei große Highlights: Ein traditioneller Weihnachtsmarkt mit Glühwein und Nikolaus sowie ein Exkurs nach Nordafrika. Den LGAI 2018 besuchen Offiziere aus 27 Nationen. Viele sind mit ihren Familien hier. Ein Jahr dauert der Lehrgang. Ein Jahr Hamburg, Elbe, Führungsakademie. Ein Jahr deutsche und europäische Sicherheitspolitik. Aber auch ein Jahr deutsche Kultur und deutsches Brauchtum. Am Ende des Jahres sind das die Traditionen rund um Weihnachten. Gleichzeitig führen die Lehrgangsteilnehmer die deutschen Gäste in ihre Heimatländer und Regionen. Dieses geschieht auf den sogenannten Regionalen Informationstagen, die an der FüAk von jeweils einer der teilnehmeden Nationen ausgerichtet wird. Im Dezember ging die informative Reise nach Nordafrika. Vier Lehrgangsteilnehmer berichteten über ihre Heimat an der südlichen Mittelmeerküste. Es war der letzte Regionale Informationstag im Reigen der Informationstage des Jahres 2018.

„Vorweihnachtlicher Abend“ mit traditionellem Weihnachtsmarkt

Doch zunächst der vorweihnachtliche Abend: Das Weihnachtsfest gehört bei uns zu den ganz besonderen Festen im Laufe des Jahres. Doch bereits die Adventszeit hat ihren besondere Aura. Mehr als 250 Gäste hatten sich Anfang Dezember im Scharnhorst-Saal der Führungsakademie zu einem festlichen Adventsessen versammelt. Nach Ansprachen und besinnlichen Gedanken zum Weihnachtsfest sorgte die Jugendmusikschule Hamburg mit ihrer Darbietung aus dem Grimm‘schen Märchen „Hänsel und Gretel“ für Begeisterungsstürme bei Jung und Alt.

Danach wartete gerade das ganz junge Publikum gespannt auf den Nikolaus. Und der kam tatsächlich in voller Montur. Für jedes Kind hatte er in seinem großen Sack ein Geschenk dabei und die vielen kleinen Kindergesichter hörten gar nicht mehr auf zu strahlen. Erstmalig eröffnete im Außenbereich vor dem Scharnhorst-Saal ein kleiner „Weihnachtsmarkt“. Glühwein, Lebkuchen, Spekulatius – es roch und duftete rund um die liebevoll gestalteten kleinen Weihnachtsmarkthütten. Den traditionellen „Vorweihnachtlichen Abend“ gestalteten die Lehrgangsteilnehmer des LGAI 2018 gemeinsam mit dem „Freundeskreis Ausbildung ausländischer Offiziere an der Führungsakademie der Bundeswehr“. Es war ein geselliger Abend, an dem man an Glühwein schlürfen durfte und sich austauschen konnte.

Regionaler Informationstag „Nordafrika“ - Schicksalsregion Europas

Wenige Tage später ging es von der Weihnachtsstimmung getragen nach Nordafrika. Mit Nordafrika – heute oft als Schicksalsregion Europas beschrieben – endete die Reihe der Informationstage im LGAI für 2018. Stabsoffiziere aus Algerien, Ägypten, Marokko und Tunesien entführten die aufmerksamen Zuhörer mit spannenden Vorträge gen Süden und vermittelten einen detaillierten und authentischen Überblick über die Region. Sie beschrieben unter anderem die Entwicklungen seit den Umbrüchen 2011 – auch als afrikanischer Frühling bekannt. Diese haben bis heute zu einer Veränderung des gesamten nordafrikanischen Raumes sowie der angrenzenden Sahelzone geführt. Insgesamt wurde nicht nur der nordafrikanische Krisenbogen zu einem prägenden Thema im politischen Tagesgeschehen, auch die Flüchtlingskrise, die sich wegen der Durchlässigkeit fragiler Staaten verschärfte, beherrschte das Tagesgeschehen in allen europäischen Staaten und ist heute eine der größten Herausforderungen der Europäischen Union.

Auch 2019 gibt es Regionale Informationstage

Die vortragenden Lehrgangsteilnehmer Oberst Loutfi Bouacha aus Algerien, Fregattenkapitän Ehab Hassan Eltomy aus Ägypten, Oberstleutnant Rafik Ait aus Marokko und Fregattenkapitän Achour Touffahi aus Tunesien betonten in ihren jeweiligen Vorträgen die Notwendigkeit bilateraler und internationaler Ansätze für die Region Nordafrika. Ein Punkt, der in der anschließenden Diskussionsrunde vertieft wurde und in der Oberst i.G. Thomas Brillisauer aus der Fakultät Politik, Strategie und Gesellschaftswissenschaften (PSGW) die deutsche Sichtweise verdeutlichte. Auch 2019 werden die Lehrgangsteilnehmer an den Regionalen Informationstagen ihr Wissen und ihre Kenntnisse weiter vertiefen und austauschen. Gerade das Thema Nordafrika – als Abschluss der Regionalen Informationstage 2018 – hat verdeutlicht, wie sehr Deutschland in verschiedenen Regionen der Welt zur Sicherung des Friedens starke und verlässliche Partner braucht. In diesem Sinne lädt der LGAI auch im Jahr 2019 herzlich zu weiteren Regionalen Informationstagen ein. Die nächste Veranstaltung „Westafrika 1“ mit Referenten aus Mali und Niger findet am 15. Januar 2019 statt.

 

 

 

 

 

 

 

Bedrohung - Sicherheit - Cyber Achillesferse moderner Gesellschaften

Autor: Jürgen Nehring; Fotos: Lene Bartel / Jürgen Nehring

Hamburg, 12.12.2018

Cyber-Sicherheit im multinationalen Rahmen an der Führungsakademie

Über den Spieltrieb zur „Cyber-Awareness“


Die Teilnehmer des Seminars „Cyber-Security international“

Die Digitalisierung verändert Staat, Gesellschaft und Wirtschaft in raschem Tempo. Der Cyberraum, der praktisch grenzenlos ist und alle über das Internet vernetzten Informationssysteme umfasst, spielt politisch und gesellschaftlich, aber auch militärisch global eine immer entscheidendere Rolle. Entsprechend international besetzt war das Modul „Cybersecurity International“, um Aspekte der Cybersicherheit „grenzüberschreitend“ zu besprechen. Auf Einladung der Führungsakademie der Bundeswehr kamen 21 Teilnehmer aus 11 Nationen zu einem einwöchigen Informations- und Erfahrungsaustausch zusammen. Unter Leitung von Oberstleutnant Nehring, einem der Cyberdozenten der Führungsakademie, und mit Unterstützung zahlreicher interner und externer Referenten wurde ein weiter und facettenreicher Bogen gespannt.

Gesamtstaatlicher Ansatz

Nach dem Begrüßungsvortrag durch OTL Friedrich, der schon den internationalen und vertrauensbildenden Charakter der Führungsakademie unterstrich, stellte der ministeriell zuständige Vertreter für Cyber-Politik und -strategie im BMVg (aus dem Referat CIT I 1), FK Dr. Patrick Jungkunz, das Grundverständnis heraus: Aufgaben im Cyber- und Informationsraum können nur gesamtstaatlich, gemeinsam und nach Möglichkeit multinational bewältigt werden. Neben der Bedrohung militärischer Einrichtungen und Systeme sind alle Bereiche der Gesellschaft wie Privatpersonen, staatliche Behörden, Industrie und Wirtschaft von den Gefahren im Cyberraum betroffen. Innere und äußere Sicherheit fallen in wenigen Bereichen so eng zusammen wie im Cyberraum. Diese Aussage aus dem Weißbuch der Bundesregierung wurde durch den Vertreter des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), Herrn Sven Niedfeldt, nochmals bekräftigt. Das BSI ist verantwortlich für die Cyber-Sicherheit in Deutschland und damit sowohl für den einzelnen Bürger als auch für Unternehmen und Verwaltungen. Es koordiniert dabei mit den anderen Ressorts die Zusammenarbeit bei Basisschutzmaßnahmen, die Abwehr technischer Cyber-Attacken und im Großschadenfall die Krisenreaktions- und -aufwuchsfähigkeit des nationalen Cyber-Abwehrzentrums.

Kritische Infrastruktur – Achillesferse moderner Gesellschaften

Großschadensfälle können eintreten, wenn z.B. Kritische Infrastrukturen (KRITIS) etwa durch Cyber-Angriffe betroffen sind und teilweise oder ganz ausfallen. Dies gilt beispielsweise für große Stromnetzbetreiber bzw. im Banken- oder Gesundheitssektor, wenn Versorgungs- oder Leistungsausfälle erhebliche negative Auswirkungen auf das gesellschaftliche Zusammenleben entwickeln können. OTL Krempel, seinerseits Cyber-Reservist und ausgewiesener KRITIS-Experte mit langjähriger Berufserfahrung in der Deutschen Flugsicherung, erläuterte in seinem Vortrag die praktischen Konsequenzen, die sich bei der Nichteinhaltung von Regeln und Standards (z.B. im Rahmen des IT-Sicherheitsgesetzes) ergeben können. Er verdeutlichte dies am Beispiel des zivilen Flugverkehrs. Seine anschaulichen Ausführungen sorgten bei den Teilnehmern für reges Interesse und konnten in besonderem Maße die Bedeutung der Informationssicherheit in allen staatlichen und privaten Bereichen herausarbeiten.

Die Bundeswehr stellt sich der Cyber-Bedrohung – der neue militärische Organisationsbereich Cyber -und Informationsraum

Wofür braucht die Bundeswehr fast 15.000 Cyber-Krieger? Diese oder ähnliche Fragen wurden eingangs von Seiten der internationalen Teilnehmer verwundert bis kritisch gestellt. Im Rahmen der ersten Gastvorträge wurde aber schnell klar, dass sich diese Zahl auf den gesamten neuen militärischen Organisationsbereich Cyber -und Informationsraum (CIR) bezieht und damit der größte Teil der zusammengeführten Dienststellen und Verbände bereits vorher bestand (IT-Services, Aufklärung, GeoInfo, Operative Kommunikation). Nur wenige Elemente wurden gänzlich neu aufgestellt oder wachsen auf. Eine der wichtigsten Neuerungen stellt das Gemeinsame Lagezentrum (GemLZ) im Kommando CIR dar. FK Albrecht als Vertreter des Lagezentrums erläuterte den aktuellen Sachstand zum Aufbau eines fusionierten Lagebildes CIR aus verschiedenen bereits bestehenden Bundeswehr-Teillagen mit CIR-Bezug. Nach Fertigstellung im Jahr 2021 soll das GemLZ sowohl strukturierte wie auch unstrukturierte Informationen aus heterogenen Quellen wie Betriebsdaten, Lageberichte oder öffentlichen Quellen sammeln. Die Daten und Informationen sollen mittels kognitiver Technologie korreliert und georeferenziert darstellt werden, um sowohl Bw-interne Informationsbedarfe als auch externe Informationsanfragen zur Lageauswertung und Entscheidungsfindung zu bedienen.

Human Error – nach wie vor die größte Gefahr im Cyber- und Informationsraum

Was nützt die beste Firewall, das aktuellste Antivirenprogramm oder sonstige technische Schutzmaßnahmen, wenn der einzelne Nutzer sorglos mit den Fortschritten unserer digitalisierten Umwelt umgeht und durch seine unbedachte Art hilflos den Cyber-Angreifern ausgeliefert ist. Genau hier setzt mit Gamification ein interessanter Ansatz an, um bei der Zielgruppe eine Sensibilisierung für Risiken auch aus dem Cyberraum zu erreichen. OTL Thorsten Kodalle, ein Fachmann auf dem Gebiet Serious Games/Gamification und der Vertreter der FüAkBw in den entsprechenden NATO-Arbeitsgruppen, schaffte es, die internationalen Kursteilnehmer für sein selbst entwickeltes Cyber-Kartenspiel zu begeistern. Nach einer guten Stunde „Spieltrieb“ gab es sowohl Sieger im Kartenspiel als auch anerkennende Zustimmung, dass mit dieser spielerischen Lernform die Lernziele Sensibilisierung und Cyber-Awareness auf leichte Art und Weise vermittelt werden können.

Internationale Zusammenarbeit notwendig und erwünscht

Verteilt auf alle Tage des Seminars stellten die internationalen Teilnehmer ihrerseits die verschiedenen nationalen Strukturen und Aktivitäten im Cyberraum dar. Es ist auffallend, dass Gefahren und Risiken überall ähnlich gesehen werden, die gewählten Ansätze zur Cyber- und Informationssicherheit je nach nationalen Rahmenbedingungen und Schwerpunktsetzungen tatsächlich sehr verschieden ausfallen. Umso wichtiger ist der gegenseitige Austausch. „Networking“ heißt die Zauberformel, die oft abseits der offiziellen Strukturen und Beziehungen zum Erfolg führt. Dieses internationale Cyberspace-Seminar ist das beste Beispiel für erfolgreiches Networking. Vertreter aus Ländern, die zumindest im Cyberraum bisher wenig bis gar nichts miteinander zu tun hatten, kommen ins Gespräch, teilen Informationen und Wissen und tauschen Erfahrungen aus.

Dies wurde auch vom Vertreter des Auswärtigen Amtes, Herrn von Heynitz, gelobt, der am letzten Tag die Bedeutung gegenseitiger Gespräche, vertrauensbildender Maßnahmen und den freiwilligen Informationsaustausch unter Partnern betonte. Diese Grundsätze gelten ausdrücklich auch in der Cyberspace-Domain“, stellt er heraus, u.a. bei internationalen Konsultationen bei NATO, EU oder VN.

Die freundschaftliche Atmosphäre und der kameradschaftliche Umgang untereinander wurden auch durch den anfänglichen Icebreaker und das kulturelle Hamburg-Programm gefördert. Kontaktdaten wurden selbstredend ausgetauscht. So wurde die Führungsakademie wieder einmal Ihrem Ruf, als „Little United Nations“ gerecht und so vertrauensbildende Maßnahmen zu stiften und zur Völkerverständigung beizutragen.

 

Bella Italia und die Führungsakademie

Autorin: Dr.Victoria Eicker; Fotos: Lene Bartel

Hamburg, 10.12.2018

Der Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr, Generalmajor Kohl begrüßt den Kommandeur des Instituto di Stato Maggiore Interforze (ISSMI), Generalmajor Dario Mario Ranieri

"Die Akademien halten zusammen"

Generalmajor Dario Mario Ranieri beim Eintrag in das Gästebuch der Führungsakademie der Bundeswehr

Das Instituto di Stato Maggiore Interforze (ISSMI) in Rom ist das italienische Pendant zur Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg. Es bildet den italienischen Führungsnachwuchs der Streitkräfte aus und weiter. Der italienische Kommandeur, Generalmajor Dario Mario Ranieri, reiste im Dezember in die Hansestadt, um sich erstmals mit dem hiesigen Kommandeur, Generalmajor Oliver Kohl, auszutauschen. Aber nicht nur das. Italien plant auch, seine Variante des Generalstabslehrgangs neu aufzustellen.

Kaffee unter Freunden

Der Besuch lief zunächst wie gewohnt ab: Eintrag ins Gästebuch und morgendlicher – deutscher – Kaffee mit Generalmajor Kohl. Während Generalmajor Ranieri seine Worte ins Gästebuch unter den Augen von Carl von Clausewitz verfasste, trank er seinen Kaffee unter den Augen des „Mädchens mit dem Perlenohrring“ von Jan Vermeer im Zimmer des Kommandeurs. Das Wetter wechselhaft – typisch hanseatisch. Das Gespräch verlief angeregt, gestenreich – die Offiziere tauschten sich über Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Akademien aus. Kurz darauf hörte sich Generalmajor Ranieri Vorträge zur Struktur der Führungsakademie an. Sein Interesse galt dabei insbesondere dem Aufbau der Lehrgänge und den zeitlichen Ansätzen dieser in der Gesamt-Vita der Stabsoffiziere.

Master a la italiana – Ausbildung im Vergleich

Zur Sprache kamen dabei unter anderem der Basislehrgang Stabsoffizier sowie die beiden Lehrgänge Generalstabs-/ Admiralstabsdienst National (LGAN) sowie International (LGAI). Ganz interessiert zeigte sich der italienische Kommandeur am Masterstudiengang Militärische Führung und Internationale Sicherheit (MFIS). Generalmajor Kohl berichtete von dem großen Zuspruch, den dieser Masterstudiengang, der erstmalig 2016 startete, seither erfahren habe. Ranieri fragte dezidiert nach der Anbindung an die Helmut-Schmidt-Universität, nach Länge und Anerkennung. Während der zusätzliche Master parallel zum Generalstabslehrgang in Hamburg freiwillig ist, ist ein Masterstudiengang in Italien eng verwoben mit der Generalstabsausbildung. Das ISSMI kooperiert mit zwei Universitäten in der italienischen Hauptstadt, um ein möglichst breit gefächertes Angebot an Masterstudiengängen anbieten zu können. Insgesamt sei der Generalsstabslehrgang in Rom wissenschaftlicher ausgerichtet und die Lehrgangsteilnehmer sind deutlich älter als an der Akademie in Hamburg: 40 bis 45 Jahre alt ist man in Rom, während die deutschen Stabsoffiziere 30 bis 35 Jahre alt sind. „Unser Generalstabslehrgang dauert zehn Monate“, erklärte Ranieri – deutlich kürzer als in Deutschland. Allerdings geht diesem Lehrgang ein für die Teilstreitkräfte spezifischer einjähriger Lehrgang voraus. Und zu einem späteren Zeitpunkt in der Karriere der italienischen Stabsoffiziere folgt ein weiterer einjähriger Lehrgang. Zwei unterschiedliche Konzepte. Beide Kommandeure waren sich indes darin einig, dass insbesondere auch die intellektuellen Fähigkeiten des militärischen Führungsnachwuchses gestärkt werden müssen.

 

Fähigkeiten stärken

Doch was bedeutet das? Logisches Denken, Erfassen abstrakter Gedanken und Vorstellungen, richtiges Schlussfolgern, Verstehen von komplexen Zusammenhängen – um nur einige Fähigkeiten zu nennen, die in Studienphasen, Übungen und Studienarbeiten geschärft werden. „Die Erkenntnis, wie wichtig das Stärken dieser Fähigkeiten ist, ist aber noch nicht überall angekommen“, gab Generalmajor Kohl zu bedenken. Aufstehen, diskutieren, überzeugend und mitreißend sein, Entscheidungen treffen – auch Führungsfähigkeiten seien wichtig. Der Weg an die Spitze des Militärs verlangt viel vom Nachwuchs. Am Ende steht der militärische Führer, „kriegstaugliche Generalstabsoffiziere“, wie Generalmajor Kohl betont. Große Anerkennung erhaltend und politisch gewollt sei der LGAI, zu dem regelmäßig Stabsoffiziere aus nicht-NATO-Staaten eingeladen werden. Sie erhalten Einblick in die Struktur deutscher und auch europäischer Sicherheitspolitik und kommen oft als Militärattachés später zurück nach Deutschland. Kohl und Ranieri tauschten sich zudem über die Herausforderung aus, ziviles Personal für die Generalstabslehrgänge zu gewinnen.

Viele Anregungen

Oberst i.G. Martin Simberg, Leiter des Ausbildungsprozessmanagements, führte den italienischen General im Anschluss in die Lehrgangsplanung und die Weiterentwicklungsprozesse für die bestimmenden Lehrgänge an der Führungsakademie ein. Vertieft wurde die Thematik insbesondere in Bezug auf den LGAN schließlich noch durch Oberst i.G. Lars Gehlhaar, Leiter des LGAN 2017, und Oberstleutnant i.G. Ralf Hammerstein, Leiter des LGAN 2018. Ranieri wurde nicht nur durch die Räumlichkeiten geführt, er bekam auch einen Einblick in den Lernplan und die wesentlichen Inhalte – Studienphasen, Reisen, Übungen, es sind dichte 24 Monate. Während die Lehrgangsteilnehmerzahlen in Hamburg sukzessive ansteigen, stellte Generalmajor Ranieri fest: „Bei uns nimmt die Zahl an Lehrgangsteilnehmern ab“ – was in der Tatsache begründet liegt, dass die italienischen Streitkräfte bis zum Jahr 2024 reduziert werden sollen. Ranieri zeigte sich äußerst interessiert. „Wir suchen nach noch besseren Wegen, unsere Lehrgangsteilnehmer zu motivieren und in ihnen die Kompetenzen zu entwickeln und zu stärken, die wir für unser Spitzenpersonal haben wollen“, resümierte er. „Ich nehme viel mit. Danke“, sagte er schließlich lächelnd – Akademien halten eben zusammen.

 

 

 

Musikalische Klänge an der Führungsakademie der Bundeswehr

Autorin: Verena Hoffmann; Fotos: Lene Bartel

Hamburg, 06.12.2018

Der stellvertretende Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr, Oberst i.G. Neumann, begrüßt die Gäste im Manfred-Wörner-Zentrum

Das Marinemusikkorps Kiel führte unter Leitung von Herrn Fregattenkapitän Friedrich Szepansky durch die Geschichte des Militärmusikwesens

 Austausch beim Empfang im Manfred-Wörner-Zentrum

 

 

Militärmusik in Geschichte und Gegenwart. Den Lehrgangsteilnehmern des LGAN 2017, deren Angehörigen sowie weiteren interessierten Gästen wurde am 21.11.2018 im Manfred-Wörner-Zentrum der Führungsakademie der Bundeswehr mittels eines Informationskonzertes eindrucksvoll die Einsatzmöglichkeiten sowie die Leistungsfähigkeit eines Musikkorps der Bundeswehr präsentiert. Die Wichtigkeit der Wahrnehmung dieser besonderen Tradition betonte Oberst Neumann, stellvertretender Kommandeur der Führungsakademie, in seinen Begrüßungsworten durch die Aufnahme des Informationskonzerts in den Lehrplan der zukünftigen Generalstabsoffiziere des laufenden Generalstabsdienst / Admiralstabslehrgangs.

Ein Mix aus Musikstücken und Vortragsblöcken

Das Marinemusikkorps Kiel führte an dem Abend in knapp zwei Stunden unter der Leitung von Herrn Fregattenkapitän Friedrich Szepansky durch die Geschichte, das Fähigkeitsprofil und das Leistungsspektrum des Militärmusikwesens. Dabei wechselten sich klassische, moderne und vor allem bekannte Musikstücke mit kurzen Vortragsblöcken ab und zeichneten somit eine erlebnisreiche Zeitreise durch die Epochen der Militärmusik für die begeisterten Zuhörer des voll besetzten Gneisenausaals.

Militärmusik als zentrales Element der soldatischen Tradition

Was macht Militärmusik zur Tradition des Soldatentums? Mit dieser Frage richtete sich Fregattenkapitän direkt an das interessierte Publikum. Noch anfangs verhalten in den Antworten wurde das Publikum durch ein reges Frage-Antwort-Spiel zwischen den historischen Passagen und den militärischen Stücken schnell immer mutiger. Ein Freiwilliger, der sein Truppensignal aus der Gemenge von 6 Signaltönen herausfinden sollte, war schnell gefunden. Dieses Experiment sollte zeigen, dass die Signaltöne des Trompeters zur Führung über Distanz auch im Gefecht von denen des Feindes differenziert werden musste.

„Türen öffnen, Gespräche fördern und Brücken bauen“

Am Ende des Abends stellte Fregattenkapitän Szepansky erneut die Frage, was Militärmusik im Sinne der Tradition ausmacht. Die Antworten wurden nach dieser Geschichtsstunde durch die Epochen vom Publikum richtig beantwortet: Die Militärmusik diente schon immer dazu, Zusammenhalt zu festigen und das Selbstverständnis zu prägen und ist seit Jahrhunderten fest im Militär verankert. Dabei gilt es nicht nur einen beeindruckenden und würdigen Rahmen bei Übergaben von Großverbänden zu bilden, sondern auch Türen zu öffnen, Gespräche zu fördern und Brücken zu bauen. Dieser Austausch wurde beim anschließenden Empfang im Foyer des Manfred-Wörner-Zentrums mit Speis und Trank noch ausgiebig gefeiert.

 

 

 

 

 

Was Haferflocken mit Digitalisierung zu tun haben

Autoren: Christoph Weigmann / Beatix Palt u.a.; Fotos: Lene Bartel

Hamburg, 05.12.2018

Gastgeber und Referenten des DWT Symposiums

Dr. Andreas Schröter, Executive Vice President & Regional Manager DNV GL - Energy, beim Vortrag

 Konteradmiral a.D. Karl-Wilhelm Ohlms bei der Begrüßung

 Interessierte Zuhörer im Auditorium

 

Prof. Dr. Burkhard Meißner, Vorstand GIDS

Prof. Dr. Beatrix Palt, INP Institut für Nachhaltiges Projektmanagement bei Ihren Ausführungen

Generalmajor Michael Vetter CdS des Kommandos Cyber- und Informationsraum, CIR

Was haben Haferflocken mit Digitalisierung zu tun? Gar nichts, sagen Sie? Das stimmt nicht. Hiervon wußte Dr. Christian von Boetticher, Geschäftsführer der Peter Kölln GmbH & Co KGaA zu erzählen, als er seine Dinner Speech „Digitalisierung: Wie Big Data uns zur Veränderung zwingt“ an der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) gehalten hat. Dr. von Boetticher war eingeladen, mit seinem Erfahrungsbericht das diesjährige Symposium der Deutschen Gesellschaft für Wehrtechnik e.V. der Sektion Hamburg und Schleswig-Holstein zu eröffnen. Dieses Symposium fand zum zweiten Mal an der Führungsakademie statt. Vor der Rede begrüßte die Sektionsleiterin der DWT, Frau Fkpt. d. R. Professorin Dr. Beatrix Palt, die rund 100 geladenen Gäste sehr herzlich und lud zur aktiven Beteiligung an einem Symposium ein, deren Ziel der rege Erfahrungsaustausch ist. Ihre Worte nahm der Kommandeur der FüAkBw, Generalmajor Oliver Kohl auf, um seinerseits als Hausherr und Gastgeber den Gästen einen informativen und guten Austausch zu wünschen. Schließlich begrüßte auch der Geschäftsführer der DWT, Konteradmiral a.D. Karl-Wilhelm Ohlms, die geladenen Teilnehmer des Symposiums. Admiral Ohlms spannte zugleich Bogen zur FüAk, denn die DWT zeichnet alljährlich die beste Lehrgangsarbeit mit wehrtechnischem Bezug unter den Absolventen des Lehrgangs Generalstabsdienst/ Admiralitätsstabsdienst National (LGAN) mit dem Zukunftspreis der DWT aus. Dieses Jahr erfolgte die Verleihung für seine Arbeit an Major Sven Kümmeth, der sich mit „Big Data in der Bundeswehr“ auseinandergesetzt hat (wir berichteten darüber).

Trenderkennung über Flaggshipstores

In seiner Dinner Speech begann Herr von Bötticher gleich mit der Feststellung, dass es DIE Digitalisierung nicht gibt. Es gebe sie in Geschäftsmodellen, in Märkten usw. Nach Dr. von Boetticher kommt es als modernes Unternehmen, das auch in Zukunft bestehen möchte, sehr darauf an, dass der Sachnächste die Entscheidungen trifft und nicht der hierarchisch höherstehende. Dieser habe möglicherweise in der komplexen Fachmaterie auch keine Ahnung mehr. Die Moderne im Führungsprozess im digitalen Zeitalter bestehe aus drei Kernaspekten: 1. Die Führungskraft muss Vertrauen in seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben und in deren Sachkompetenz. 2. Es käme darauf an, in Teams zusammenzuarbeiten. Hierarchien verhindern das Zusammenwirken von allen gefragten Lösungskompetenzen. Und 3. kommt es auf eine gelebte Fehlerkultur an. „Das Lernen aus den Fehlern ist ein Teil des Prozesses“, so Dr. von Boetticher. Und weiter führte er aus: „Doch „das setzt den Mut zum Probieren voraus.“ Digitalisierung ermöglicht jedoch auch eine schnelle Reaktion auf Marktentwicklungen. So ermöglicht der Flaggshipstore des Unternehmens beim Hamburger Chilehaus eine Trendbeobachtung. Diese Trends können dann in ein Serienprodukt ausgebaut werden. Damit der Changemanagementprozess im Zuge der Digitalisierung in dem Unternehmen schnell umgesetzt werden kann, hat sich die Geschäftsführung entschlossen, 24 Targets parallel anzugehen. Nach von Boetticher geht es darum, unter seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern „die Sehnsucht nach Digitalisierung zu wecken.“

Bei einem gemeinsamen Abendessen, das von einem großen IT-Dienstleister gesponsort worden ist, konnten die Gäste das Gehörte gut diskutieren. Auch das Netzwerken kam nicht zu kurz.  

Sehnsucht nach Digitalisierung

In 10 Vorträgen mit jeweils anschließenden Diskussionen näherten sich die Symposiumsteilnehmer am zweiten Tag des Symposiums dem Thema der Veranstaltung „Digitalisierung. Organisation und Akteure. Design Thinking, Big Data, Workflows, neue Gesellschafter und Sicherheit“. Den Begriff von der „Sehnsucht nach Digitalisierung“ nahm zur Eröffnung des zweiten Tages Admiral Ohlms auf, der die Frage umfassend anging. So fragte er neben den zu erwartenden Vorteilen, etwa der neuen Arbeitsplätze, auch danach, was „Industrie 4.0“ bei den einfach ausgeprägten Jobs in den Schwellen- und Entwicklungsländern bedeuten würde. Doch Umwälzungen würden auch hierzulande anstehen. Zu denken sei nur an das Roboting in der Pflege, ein Prozess, der vor allem in Deutschland, Japan und Korea zu erwarten sei, also überall dort, wo die hohe Überalterung der Gesellschaft diese Ausprägung der Digitalisierung erforderlich machen würde.

Digitalisierung ist das Thema bei den Streitkräften

Generalmajor Vetter, Chef des Stabes im Kommando Cyber- und Informationsraum der Bundeswehr, ist in seinem Vortrag der Frage nachgegangen, was die Digitalisierung für die Streitkräfte bedeutet. Er bezeichnete dabei die Digitalisierung als „den Megatrend des 21. Jahrhunderts“, der große Chancen eröffnet, aber auch Risiken und Gefahren in sich birgt. Die Angriffe auf kritische Infrastrukturen könnten, so der General, „im Ergebnis dabei ähnliche Effekte erzielen, wie ein massives Bombardement.“ Information wird zu einem wesentlichen Faktor auch der Operationsführung, wobei nicht nur der „Kampf um Information“, sondern zunehmend auch der „Kampf mit Information“ im Fokus steht. Propaganda, „Fake News“ und andere Möglichkeiten der Beeinflussung müssen erkannt werden und es sind gezielt „Gegennarrative“ zu entwicklen. Die Besonderheiten des Cyber- und Informationsraums sind auch in Bezug auf die operativen Faktoren „Raum, Zeit und Kräfte“ zu beachten. So hebt die Bedrohung aus dem Cyberraum die Territorialität weitgehend auf und auch der Faktor Zeit bekommt eine andere Bedeutung. Wirkung kann z.B. über beliebige Entfernung ohne Zeitverzug erzielt werden, denn die Effekte treten in Echtzeit ein. Jedoch bedürfen die Angriffe aus dem Cyberraum langer und präziser Vorbereitungen. Sie seien nicht einmal „ebenso“ zu ermöglichen. Hybride Konfliktformen werden zunehmend zu wahrscheinlichen Konfliktszenarien, die in der Regel gezielt unterhalb militärischer Eskalationsschwellen bleiben. Sie nutzen unklare Zuständigkeiten – beispielsweise die Abgrenzung innere und äußere Sicherheit –, bleiben i.d.R. unterhalb der Schwelle des „klassischen“ Krieges („war without fighting a war“). Das heißt aber nicht, dass sie gewaltfrei verlaufen. In diesem Kontext ist zu klären „Wann liegt im Verständnis ein Verfassungsfall im Sinne des Grundgesetzes vor? Kann ein großangelegter Cyberangriff den Verteidigungsfall auslösen?“, so der General.

Workflows – in einem Digital Enterprise

Die Transformation von Geschäftsprozessen und Workflows im Zuge der Digitalisierung war der Themenschwerpunkt von Frank Irnich, Enterprise Architekt bei der SAP SE. Um dem Begriff der Digitalisierung besser zu definieren, wurden eingängige Messgrößen festgelegt und Bereiche der digitalen Transformation sowie deren Herleitung über Modelle erörtert. Im Zuge der sich durch die digitale Transformation ständig ändernden Geschäftsprozesse, Wertschöpfungsketten und Technologien beschrieb der Vortrag die Vorteile von Prozess-Mining für Bestandsprozesse zur Steigerung von Effizienz, Konformität und Compliance. Aktuelle disruptive Technologien, wie Künstliche Intelligenz und Blockchain, die heute schon bei der Digitalisierung einen großen Einfluss auf die Prozesswelt haben, wurden vorgestellt und durch Prozessbeispiele näher beleuchtet. Besonders die Möglichkeiten von Künstlicher Intelligenz reichen dabei sehr weit und konnten am Beispiel der Automatisierung einer Service-Ticket-Bearbeitung verfolgt werden.

Agiles Arbeiten ist Teil der Digitalisierung  

Ralf Junge, Leiter Content Strategie der Aperto GmbH, wählte einen gänzlich anderen Ansatz, sich dem Thema Digitalisierung zu nähern. Er stellte die nutzerzentrierte Produktentwicklung im digitalen Zeitalter dar. Ein möglicher Ansatz ist ein Design Thinking-Prozess, wobei unter „Design“ auch die Kenntnis darüber zu verstehen ist, wie etwas funktioniert. Hier beschrieb er die Auswirkungen, die die Digitalisierung in der Zusammenarbeit mit Kunden bedeutet. Um mit Kunden schneller und effizienter zusammenarbeiten zu können, sind viele neue Arbeitsweisen notwendig. 12 Prinzipien für „agiles Arbeiten“ und das Agile Manifesto liegen der Arbeit von Aperto zugrunde, die im Zusammenarbeitsprozess mit den Kunden berücksichtigt werden.  

Agilität und die Akteure – der Drahtseilakt

Frau Professorin Dr. Palt, INP Institut für Nachhaltiges Projektmanagement, beschrieb in ihrem Vortrag Digitalisierung als evolutionären, offenen Entwicklungsprozess für die Organisation und ihre Akteure. Anhand eines Drahtseilakts veranschaulichte sie den Zuhörern, dass Digitalisierung einerseits bedeute, alles in Frage zu stellen, Konfetti in die Luft zu werfen und anderseits die Akteure und ihre Befähiger zu befähigen. Das erfordere Agilität, Beweglichkeit, aber nicht als Selbstzweck, sondern mit dem Ziel, Komplexität und Kontingenz zu beherrschen. „Will ich Menschen in Bewegung setzen, so verlangt das ein Lernen in unterschiedlichsten Bereichen.“ Hierzu führte sie aus: „Wir sprechen hier vom Lernen aus Erfahrung und in sozialen Kontexten.“ Dabei helfen die Erkenntnisse aus der Gehirnforschung (wie lernen wir?) ebenso wie Erkenntnisse aus der Wirksamkeitsforschung (Was bringt uns das?), der Organisationspädagogik (wie lernen wir selbstreguliert aus reflektierter Erfahrung? oder auch der IT. Professorin Palt forderte, tradierte Denkmuster aufzugeben „Agilität fordert ein reflexives Führungsverständnis, das mit einem offenen Entwicklungsverständnis einhergeht.“ Damit funktioniert ein agiler Fortschritt nur, wenn die Fähigkeit zur Selbstreflexion, die Fähigkeit zur Selbstregulierung und zur Problemlösung vorliegt. Entscheidend dafür sei die Fähigkeit zum Musterbruch – in der Organisation aber auch im Selbst.

Digitalisierung im Gesundheitswesen

In einem nächsten Vortragsabschnitt der Tagung wurde die Digitalisierung im Gesundheitswesen zum Thema. Dieser Abschnitt begann mit einem Vortrag von Dr. John Näthke, Geschäftsführer der Helios-Kliniken. Nach Herrn Dr. Näthke zeigt sich in seiner Klinikgruppe Digitalisierung unter anderem als eine Plattform, wo alle Vorschläge, die seitens der Patienten wie auch der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingebracht werden, von der Geschäftsführung bewertet und zur Umsetzung gebracht werden können. Das betrifft das Ärzteportal ebenso wie auch ein umfassendes digitales Serviceangebot für Kunden, ein Feedback- und Beschwerdetool, Anfrageoptionen für Wahlleistungen oder ein Benachrichtigungssystem, das nach dem Ende einer Operation den Angehörigen eine Nachricht sendet. Doch kann im Gesundheitswesen Digitalisierung sehr weit gedacht werden. An dieser Stelle seien die digitalen Patientenakten zu nennen oder der Wartezeitenmonitor.

Behandlung von Patienten auf See

Mit den Darstellungen von Admiralarzt Dr. Stephan Apel wurde der Vortragsabschnitt Gesundheit fortgeführt. Nach Dr. Apel bedeutet Telemedizin „medizinische Beratung auf Distanz“. In diesem Kontext also die Betreuung von Patienten auf Schiffen, die fern der Heimatstandorte im Einsatz sind und deren medizinische Versorgung sichergestellt werden muss. Dabei hat die maritime Telemedizin bereits eine sehr lange Geschichte. Die weltweit vorgeschriebene Bereitstellung von telemedizinischen Diensten für Seefahrer wird für Deutschland seit 1931 durch das Krankenhaus Cuxhaven in staatlichem Auftrag übernommen. Digitalisierung bedeutet in diesem Zusammenhang die Nutzung aller digitalen Medien und Verfahren um diese Beratung zu verbessern und auszuweiten. Fragen der technischen, aber vor allem auch der rechtlichen Rahmenbedingungen wurden angerissen und das weitreichende Potential in der Weiterentwicklung dargestellt.

Wie die Digitalisierung unser Unternehmen durcheinanderbrachte

Die Digitalisierung als plötzliches Phänomen zu betrachten, greift zu kurz. Vielmehr sind Veränderungsprozesse wohl stete Begleiter eines Unternehmens. Die vielen Prozesserleichterungen, die eine digitale Welt mit sich bringen kann, können auf der einen Seite Ängste hinsichtlich benötigter Personalressourcen auslösen. Andererseits stellt die Digitalisierung – wie im Fall der FURUNO DEUTSCHLAND GmbH einer der Schlüssel für den weiteren wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens dar. Die Neuausrichtung bestehender Prozesse und deren Abbildung in Form digitaler Workflows geschieht nicht über Nacht und stellt auch keine One-Man-Show dar. Herr Frederiksen und Herr Lumma führten anschaulich aus, dass hierzu nicht nur das Kommittent im Führungskreis ein Erfolgsfaktor ist. Vielmehr wurde die Einbindung der betroffenen Mitarbeiter als weiter Baustein für eine „Sukzess Story“ betrachtet. Beide Redner zeigten sich überzeugt: allein aufgrund der aktiven Einbindung der operativen Einheiten und der hieraus gewonnenen Erkenntnisse kann ein digitaler Umstellungsprozess durch den Teamcharakter und des interaktiven Zusammenwirkens von Hierarchie- und Fachabteilungen einen gewissen Grad zur Eigenmotivation wecken. Herausgehoben wurden die anfänglichen Hürden und kleinen Widerstände im Unternehmen, denen mittels regelmäßiger Soll-Ist-Abgleiche im Rahmen von Feedback-Gesprächen und Workshops begegnet wurde. In einem laufenden Umstellungsprozess, so die Redner, sind Risiken nicht zu unterschätzen. Bei der FURUNO DEUTSCHLAND GmbH ist dies eine Doppelbelastung der betroffenen Mitarbeiter, nicht nur für die regelmäßigen Workshops, sondern für die sich ergebenen Testphasen der digitalen Workflow-Prozesse. Darüber hinaus kann ein Rückfall in „alte“ Verhaltensweisen den Projekterfolg gefährdenden und die „neue“ „digitale Welt“ als Allheilmittel für Problemstellungen betrachtet werden. Voller Zuversicht konzentriert sich das Unternehmen nunmehr auf die Endphase des Prozesses und wird im neuen Geschäftsjahr 2019, nach einer gut Einjährigen Einführungsphase, den digitalen Workflowprozess auf live schalten.

Neue Geschäftsmodelle und Kosteneinsparungen in der Energiewirtschaft durch Digitalisierung und Datennutzung

Dr. Andreas Schröter Executive Vice President & Regional Manager DNV GL - Energy fuhr die Vortragsreihe mit dem Thema „Neue Geschäftsmodelle und Kosteneinsparungen in der Energiewirtschaft durch Digitalisierung und Datennutzung“ fort. Dabei ging es vorab um die Zukunft der Energiegewinnung. Es wird prognostiziert, dass bis 2050 eine Aufteilung der fossilen und nicht fossilen Quellen von 50/50 sattfinden wird. Darüber hinaus wird die Photovoltaik um das 80-fache und die Windenergie um das 30-fache wachsen. Durch die höhere Nachfrage und somit Produktion, werden die einzelnen Stückkosten der Anlagen wiederum sinken. Die Digitalisierung und die Datenanalyse ermöglichen ein genaueres Verständnis des Zustandes der Stromversorgung und seiner Fähigkeiten. Digitale Technologien werden das Energiesystem vernetzter, intelligenter, effizienter, zuverlässiger und nachhaltiger gestalten. Dieser Effekt wird sich bei der Energieversorgung bemerkbar machen, vor allem aber die Effizienz bei der Endnutzung der Energie steigern. Auswirkungen der Digitalen Technologien können sein, dass die Betriebskosten durch Fernsteuerung- und überwachung der Anlagen verringert werden. Durch das Internet of Things kann der Strombedarf genau angepasst werden und es ist eine bessere Koordination von Angebot und Nachfrage möglich. Es wird vorhergesagt, dass bis 2025 etwa 50% aller neuen Autos in Europa E-Autos sein werden. Am Ende des Vortrages von Herrn Dr. Schröter erläuterte er, wie DNV GL Energy auf diesen Trend reagiert und seine Geschäftsfelder umstellt. Des Weiteren gewährte Herr Dr. Schröter einen kurzen Einblick in einige digitale Projekte von DNV GL Energy. Digitale Projekte sind beispielsweise GPM Horizon, WindGEMINI und Smart Cable Guard. GPM Horizon ist ein Multi-Technologie Überwachungsplattform für gemischte erneuerbare Portfolios, die derzeit Solar-, Speicher- und Windkapazitäten umfassen. WindGEMINI ist ein Digitales Zwillings Framework, das Betriebsdaten in nahezu Echtzeit analysiert, um das Expertenwissen von DNV GL an unsere Kunden zu liefern und ihren Umsatz zu steigern und Smart Cable Guard ermöglicht es, Stromverteilungsnetze zuverlässiger, sicherer und "fit für die Zukunft" zu machen, indem es eine nachhaltigen Betrieb unterstützt.

 

A bit british an der Elbe

Autorin: Dr. Victoria Eicker; Fotos: Lene Bartel

Hamburg, 03.12.2018

Generalmajor Oliver Kohl begrüßt Air Vice-Marshal Chris Luck an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg

Air Vice-Marshal Chris Luck beim Eintrag in das Gästebuch der Führungsakademie

 Gespannt folgt die Akademieführung dem Vortrag

 Interessierte Zuhörer im Auditorium

 

Im Austausch mit Air Vice-Marshal Luck

 

 

Wozu ist die Führungsakademie der Bundeswehr eigentlich da? Und wozu sind die vielen anderen militärischen Akademien weltweit da? Darin war man sich von Anfang an einig: um die nächste Generation militärischer Führungskräfte bestmöglich auf eine ziemlich ungewisse Zukunft vorzubereiten. Und das heißt: intellektuelle und handwerkliche Fähigkeiten sowie die Möglichkeit zur Selbstreflexion, um in komplexen Situationen und mit diesen Werkzeugen Entscheidungen zu treffen, die am nächsten an einem „richtig“ liegen. Das klingt nicht ambitioniert? Mehr ist Illusion und kommt an eine sich rasant verändernde und komplexe Sicherheitslage nicht heran. Doch beginnen wir am Anfang eines dieser spannenden Tage in der Clausewitz-Kaserne in Hamburg.

Zwei Kommandeure – zwei Akademien

Morgens neun Uhr: Der Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg (FüAkBw), Generalmajor Oliver Kohl, begrüßt den Kommandeur des britischen Pendants zur Führungsakademie, das Joint Services Command & Staff College (JSCSC) in der Clausewitz-Kaserne, Air Vice-Marshal Chris Luck. Es ist das erste Mal, dass der Kommandeur der Führungsakademie den ehemaligen Hubschrauberpiloten und Kollegen aus dem britischen Shrivenham persönlich empfängt. Nach dem traditionellen Eintrag ins Gästebuch und einem ersten Austausch zwischen den beiden Kommandeuren, wird Air Vice-Marshal Luck – sein Dienstgrad entspricht einem deutschen zwei Sterne General – die Führungsakademie der Bundeswehr als höchste Bildungseinrichtung der deutschen Streitkräfte vorgestellt.   

Angeregte Diskussion

Von der Geschichte der Führungsakademie bis hin zu den Fakten der Gegenwart: Eine Bildungsinstitution mit etwa 3.000 Lehrgangsteilnehmern pro Jahr, davon 250 international, in 80 Lehrgängen – um nur einige zu nennen. Dem hoch aufmerksamen Air Vice-Marshal Luck präsentiert zunächst Oberstleutnant i.G. Matthias Friedrich die Struktur der FüAkBw sowie die spezifischen Besonderheiten der Lehrgänge für Stabsoffiziere und den angehenden Führungsnachwuchs anhand der Grundphilosophie der Lebenslagen Lernens. Vom ersten Tag bei der Bundeswehr bis zu dem Tag, an dem man womöglich General wird und darüber hinaus: Lernen gehört zum Weg durch die Streitkräfte. „Wie entscheiden Sie, welche Inhalte gelehrt werden“, fragt Luck. „Wir stützen uns auf Vorgaben, Erfahrung und Evaluation“, erklärt Generalmajor Kohl. Luck ist nicht nur an der Auswahl der Inhalte interessiert, auch an der Länge beispielsweise des Lehrgangs Generalstabs-/Admiralstabsdienst National (LGAN). Dieser ist auf zwei Jahre ausgelegt. Das Pendant dazu im Vereinigten Königreich Großbritannien sei zehn Monate lang – und das empfinde man schon als erheblichen Zeitaufwand. Das Thema werde auch hier diskutiert, versichert Generalmajor Kohl – aber Ausbildung braucht seine Zeit, besonders im Bereich der Spitzenkräfte.

Einladung nach England

Auch Oberst i.G. Jesko Peldszus, Leiter des Kompetenzzentrums Ausbildung und Führung, und Oberst i.G. Sönke Marahrens, Projektoffizier des German Institute for Defence and Security Studies (GIDS) – dem neuen Think Tank an der Führungsakademie, halten in Vorträgen die Besonderheiten ihres Bereich fest. Der britische Gast verfolgt die Beiträge genau, hakt immer wieder nach und diskutiert mit Generalmajor Kohl, dem Direktor Ausbildung Oberst i.G. Holger Neumann und den Vortragenden über Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Ausbildung und Struktur ihrer Führungsakademien. Ganz besonders interessiert den britischen Zwei-Sterne-General das Konzept des Lebenslangen Lernens – welche Anreize werden geschaffen, bis zu welcher Führungsebene ist eine Teilnahme angedacht. Immer wieder durchbricht schallendes Lachen die Diskussion – britischer Humor ist eben etwas Besonderes. Der neue Think Tank GIDS stößt bei Luck auf großes Interesse, denn auch in Großbritannien gibt es den Think Tank Development, Concepts and Doctrine Center, der dem Verteidigungsministerium untersteht. Zum Schluss dieses für alle Seiten fruchtbaren Gesprächs lädt Air Vice Air-Marshal Luck seine deutschen Kollegen zu einem nachfassenden Gespräch nach Shrivenham ein.

Ungewisse Zeiten

Fortsetzung 13.30 Uhr: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Lehrgänge Generalstabs-/Admiralstabsdienst National 2017 und 2018 und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Führungsakademie warten gespannt im fast komplett
besetzten Manfred-Wörner-Zentrum. Eine kurze, aber spritzige Vorstellung des britischen zwei-Sterne-Generals von Oberstleutnant Sarah Tunsdall, einer britischen Teilnehmerin des LGAN, stimmt das Auditorium auf dessen Vortrag ein. Luck umreißt die aktuelle, sehr komplexe und ausgesprochen dynamische Sicherheitslage sowie die Herausforderungen etwa durch Künstliche Intelligenz oder unbemannte Waffensysteme. Für das künftige militärische Führungspersonal steht fest, dass sie eine Wirklichkeit vorfinden werden, die heute noch gar nicht in Gänze absehbar ist. Luck und Kohl sind sich am Ende einig: Der Führungsnachwuchs muss heute so gut wie möglich auf ungewisse Zeiten von morgen vorbereitet werden. Das ist die Aufgabe der Führungsakademien.

 

 

 

 

Wir stellen uns vor

 

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Die Führungsakademie der Bundeswehr ist traditionell international stark vernetzt. Weltweite Kooperationen sind die Basis unseres Beitrages zur Völkerverständigung.

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