Lehrdeputat

An der Führungsakademie der Bundeswehr bringen Spitzenführungskräfte aus allen Bereichen der Streitkräfte ihre Expertise in unterschiedlichen Formaten in die Lehre ein.

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Alumni

Die Führungsakademie der Bundeswehr ist traditionell international stark vernetzt. Weltweite Kooperationen sind die Basis unseres Beitrages zur Völkerverständigung.

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Master: MFIS

Die Führungsakademie der Bundeswehr bietet ihren Lehrgangsteilnehmern in Kooperation mit der Helmut-Schmidt-Universität einen international anerkannten Masterabschluss:

„Militärische Führung und Internationale Sicherheit“

GIDS

Das German Institute for Defence and Strategic Studies – GIDS – untersucht geostrategische, sicherheitsrelevante Fragestellungen unserer Zeit. 

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Spenden für Erinnerungen

Autorin: Claudia Birkholz; Fotos: Bundeswehr/ Birkholz / Sternenbrücke

Hamburg, 18.03.2019

Frau Schüddekopf erläutert den Soldaten die Bedeutung der Sterne an der Wand

Am Rande des Gartens steht diese Statue mit einem Engel, der zwei Kinder in die Arme schließt

: Demütig schauen die Soldaten auf die Laternen

Die Repräsentanten der drei Lehrgruppen überreichen die Spende an die Hospiz-Referentin Frau Schüddekopf

Das Kinder-Hospiz „Sternenbrücke“ in Hamburg konnte sich freuen: Mitte März übergaben angehende Stabsoffiziere des aktuellen Basislehrgangs an der Führungsakademie der Bundeswehr die Spendensumme von 1.335 Euro.

„Wir können für Ihr Kind nichts mehr tun“ – allein die Vorstellung, diesen Satz einmal aus dem Mund des behandelnden Arztes des eigenen Kindes zu hören, scheint unvorstellbar und lässt mit Sicherheit jeden in einen nachdenklichen und traurigen Gemütszustand verfallen. Aber es ist für manche Mütter und Väter eine ganz bittere Realität.

Verantwortung übernehmen

„Bei uns ist Ende Januar 2019 die Idee entstanden, dass wir uns als angehende Führungskräfte sozial engagieren wollen.“, sagt Major Jörg Becker, Teilnehmer des Hörsaals 09. Eine Idee fand sich schnell: Spenden für das Kinder-Hospiz „Sternenbrücke“ in Hamburg. Er erklärt: „Wir, die zukünftigen Stabsoffiziere aus der Mitte der Gesellschaft, möchten nicht nur im Dienst Verantwortung übernehmen.“ Mit einer Geldspende für das Kinderhospiz möchten die jungen Offiziere denjenigen ein paar Stunden der Freude schenken, die eines der schlimmsten Schicksale überhaupt durchleben.

Derzeit absolvieren 174 Lehrgangsteilnehmende den Basislehrgang Stabsoffiziere (BLS) an der Führungsakademie der Bundeswehr. Etwa die Hälfte von ihnen sind Väter oder Mütter. Ihnen war es ein ganz besonderes Anliegen. Aber nicht nur Eltern sorgen sich um ihre Kinder. Paten, Onkel, Tanten, Geschwister – einfach jeder, der Kinder mag, will sie lachen, spielen und glücklich sehen. Somit war es rasch eine Herzensangelegenheit des gesamten Lehrgangs.

Spendenübergabe

Mitte März überreichten sie schließlich den gesammelten Betrag von 1.335 Euro an Christiane Schüddekopf, Hospizreferentin und Vorstandsmitglied des Fördervereins für das Kinder-Hospiz Sternenbrücke e.V. „Wir freuen uns sehr über die großzügige Spende der Soldatinnen und Soldaten“, sagt sie. Die Sternenbrücke ist auf Spendengelder angewiesen. „Wir können dem Leben nicht mehr Tage geben, aber den Tagen mehr Leben – getreu diesem Motto wird das Geld für die Schaffung besonderer Momente genutzt, die auf lange Sicht zu schönen Erinnerungen werden können“, so Schüddekopf.

Das Kinder-Hospiz „Sternenbrücke“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, betroffene Familien auf jedem Abschnitt des Krankheitsweges ihrer Kinder professionell und liebevoll zu unterstützen. Dies beinhaltet neben der temporären Pflege der Kinder auch gleichzeitig die Möglichkeit, den Familienangehörigen kurze Erholungspausen zu ermöglichen. „Anders, als man vielleicht zunächst erahnt, leiden nur weniger als 30 Prozent der Kinder an Krebserkrankungen. Die überwiegende Anzahl der Kinder erkrankt an Stoffwechsel- und Muskelerkrankungen“, erklärt Schüddekopf.

Garten der Erinnerung

Trotz der traurigen Umstände hilft die Sternenbrücke den Familien und den erkrankten Kindern, einen Umgang mit dem Thema Tod zu finden. Wenn die Zeit gekommen ist und ein Kind verstirbt, findet eine Lampe mit dem jeweiligen Namen des Kindes ihren festen Platz im hauseignen „Garten der Erinnerung“, der die Form eines Unendlichkeitszeichens hat. Jedes Licht symbolisiert ein Kind, das in den Himmel gekommen ist. Dieser Himmel spiegelt sich in dem Brunnen wieder, der in der Mitte des Gartens steht.

„Schöne Erinnerungen sind enorm wichtig für die Familienangehörigen. Sie können dabei helfen mit dem schmerzlichen Verlust eines geliebten Kindes umzugehen und einen Weg in ein neues Leben mit dem Kind im Herzen zu finden“, sagt Christiane Schüddekopf. Am Rande der Gartenanlage steht eine Statue mit einem Engel, der zwei Kinder in die Arme schließt. Auf dem Sockel steht: „Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können.“

 

 

 

 

Aktuelles

Generalinspekteur will Entscheidungsfreude

Autor: Norbert Stäblein; Fotografin: Lene Bartel

Hamburg, 13.03.2019

General Eberhard Zorn und Korvettenkapitän Gunnar Lux gehen in die Tiefe des Sachgebiets

Komplexer Hintergrund und offenes Gespräch

Oberfeldarzt Uwe Unkelbach stellt sie Sahel-Zone vor

Er sprach davon, in der Bundeswehr zu lüften und brachte jede Menge frischen Wind mit: General Eberhard Zorn, Generalinspekteur der Bundeswehr, besuchte die Lehrgangsteilnehmer an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg, um ihnen vorzustellen, welchen Weg die Bundeswehr gehen muss und um gleichzeitig die Initiative eines jeden einzelnen einzufordern. „Gehen Sie fröhlich, entscheidungs- und verantwortungsfreudig in Ihre jeweiligen Aufgaben“, lautete ein Appell. Er scheute aber auch nicht davor zurück, eine ehrliche Sachstandsbeschreibung über Dienst, Organisation, Motivation und Material in der Truppe an die Soldatinnen und Soldaten heranzutragen und sich mit ihnen darüber auszutauschen.

Information von der Quelle holen

Zorn, seit April 2018 Generalinspekteur, holt sich bei Überraschungsbesuchen in den Standorten der Bundeswehr Informationen direkt an der Quelle, ohne Ankündigung und Protokoll. Diese wertet er aus und komplettiert sein Lagebild. Aus diesem „Insiderwissen“ und den Fakten aus ministeriellen Arbeiten, politischen Vorgaben und Stabsarbeit leitet er seine Folgerungen für das Ministerium, für die Teilstreitkräfte und Organisationsbereich der Bundeswehr ab. Beim Material, in den Medien oft gescholten, ging es um ein gemeinsames Verständnis: „Die Zukunft ist geplant, der Kern liegt im heute“, rief er angehenden Stabsoffizieren, den Bataillonsführern und Entscheidern zu. Die Materialbeschaffung dauere jedoch lange, weil Fachpersonal, besonders Juristen fehlen, um Verträge auszuhandeln und abzuschließen. Das wirke sich auf den Dienst, aber auch in der öffentlichen Wahrnehmung aus.

Öffentlich verständlich sein

Gerade der Wahrnehmung der Bundeswehr in der Gesellschaft widmete sich General Zorn mit Nachdruck. Dabei ging es ihm um den Dienst der Soldaten in Deutschland und im Einsatz, aber auch um die Wahrnehmung der Sicherheitslage im eigenen Land. Mit der Annexion der Krim und der aktuellen Vorkommnissen im Asowschen Meer haben sich die Bedingungen wieder verändert, Cyberbedrohung und die Landesverteidigung seien Themen. „Wie erklären wir unseren Dienst, Sicherheits- und Verteidigungspolitik der Bevölkerung“, fragte er rhetorisch, um gleich darauf die jungen Chefs von Morgen zu ermutigen: „Erklären Sie es den Bürgern, egal wo Sie sind“.

Mit Mut in den Dienst gehen

Mut machte der Generalinspekteur immer wieder. Mut zum Entscheiden, zum Handeln, zu sachlicher Kritik. „Wenn Sie merken, dass es keine Entscheider gibt, dann suchen Sie die Entscheidung“. Zorn verstärkte dies, indem er den Offizieren sein Ziel, „den Handlungsspielraum auf den unteren Ebenen wieder zu erweitern“, sinnbildlich ins Pflichtenheft schrieb. Auch den Abbau von Bürokratie forderte er ein. Mit Erwartungen wie diesen stieß er sofort auf offene Türen bei den Teilnehmern des Basislehrgangs Stabsoffiziere, des Lehrgangs General- und Admiralstabsausbildung National (LGAN), und auch bei den internationalen Soldaten.

Im Lehrgang konkret werden

Die Teilnehmer des LGAN konnten am Nachmittag den Stand ihrer Studienphase mit dem Schwerpunkt Afrika vorstellen. Vor dem Hintergrund des Afrika-Konzepts der Bundesregierung beschäftigen sich die Soldaten im LGAN mit dem Kontinent. In Arbeitsgruppen erstellen sie Länderspezifische Analysen über Geografie, Kultur, Bodenschätze und Aspekte, die Chancen und Risiken des jeweiligen Landes, aber auch die Initiative Deutschlands betreffen. Ziel ist es, eine konkrete Handlungsanweisung für militärische Entscheidungsfindungen für den jeweiligen Staat zu erstellen. Der Generalinspekteur stellte fest, dass an der Führungsakademie, der höchsten militärischen Ausbildungseinrichtung der Bundeswehr, die Lehrgangsteilnehmer praktische Erfahrung sammeln und zugleich strategisches Management lernen. Das sei die beste Ausbildung der zukünftigen Entscheider.

Immer wieder Wissen abfragen

General Zorn nutzte die kleinen Gruppen und die Nähe zum Einzelnen, um intensive Gespräche zu führen. So gab er Tipps, wie die Handlungsanweisung konkret werden könne: „Nutzen Sie bitte das Wissen Ihrer erfahrenen Einsatzkameraden, die beispielsweise aus Mali zurückkommen“. Die Lehrgangsteilnehmer wiederum nahmen die Forderungen des Generals zur Entscheidungsfreude auf und erklärten, dass Lehrgangsteilnehmer aus afrikanischen Staaten angesprochen würden, um Informationen aus erster Hand zu erhalten.

 

Zur Ethik politischer Gewalt

Hamburg, 12.03.2019

Die Frage der Legalität und Legitimation der Projektion politischer Gewalt in der gegenwärtigen Staatenwelt stand auf der zweitägigen GIDS-Tagung "Ethik politischer Gewalt" im Mittelpunkt. In einem interdisziplinären Format und in aktivem Austausch diskutierten jetzt Expert/innen aus den Fächern Internationale Beziehungen, Politische Philosophie und Theologie sowie Völkerrecht und Dozentinnen mit Dozenten der Führungsakademie der Bundeswehr Hamburg.

Mehr über die Tagung des GIDS sehen Sie hier: Hompage des German Institute for Defence and Strategic Studies

 

 

Der Dreiklang: Führen, Forschen, Mut zum Diskurs

Autorin: Dr. Victoria Eicker ; Bilder: Dr. Victoria Eicker, Dr. Silke Richter

Hamburg, 06.03.2019

 

Nach dem Vortrag stellten sich Generalmajor Kohl und Prof. Dr. Oberst Rogg den Fragen der Gäste

Es wurden viele Fragen zur FüAkBw und zum GIDS gestellt

Roger Zörb und Elke Weber-Braun bedankten sich bei Generalmajor Kohl für Vortrag und Veranstaltung

„Die Welt ist geprägt von einer gewissen Unordnung“, sagte Elke Weber-Braun, Vorsitzende der Universitäts-Gesellschaft Hamburg, Anfang März im gut gefüllten Gneisenau-Saal des Manfred-Wörner-Zentrums an der Führungsakademie der Bundeswehr. Damit begrüßte sie – gemeinsam mit Roger Zörb, Vorsitzender des Hamburger Forums der Deutsch-Atlantischen Gesellschaft – die etwa 120 Gäste zum Vortrag des Kommandeurs der Führungsakademie, Generalmajor Oliver Kohl. Und sie führte mit ihren Worten thematisch in den Abend ein – eine sicherheitspolitisch unsicher gewordene Welt und die Rückschlüsse daraus an der höchsten militärischen Ausbildungseinrichtung der Bundeswehr. as kommt danach?

Das Mindset prägen

Während es vor der Tür in typisch Hamburger Manier stürmte und regnete, entführte Generalmajor Kohl in seiner direkten, unverschnörkelten Art die Gäste des Abends in Auftrag und Aufgaben der Führungsakademie der Bundeswehr: Führen und Forschen – Mut zum Diskurs. Das war das Thema. Langweilig war es nicht, und es fing äußerst überraschend an: Mit einem Exkurs zur Gorch Fock ließ Generalmajor Kohl, ein Mann in der Uniform des Deutschen Heeres, keinen Zweifel daran, warum auch die Schwierigkeiten rund um Deutschlands „Botschafter der Weltmeere“ etwas mit der höchsten Ausbildungseinrichtung der Bundeswehr zu tun haben: „Es geht um die Einstellung der Menschen – das Mindset, das Entscheidungen vorbereitet und trifft. Wir beschaffen an der Akademie keine Panzer und sanieren auch nicht die Gorch Fock. Aber, wir bilden aus und wir prägen unseren Führungskräftenachwuchs“, sagte er. „Wir brauchen in der Bundeswehr Führungskräfte, die strategisch denken können, die auf Vorrat planen sowie entsprechend vorausschauend beraten und handeln“.

Dreiklang – Führen, Forschen, Mut zum Diskurs

Damit waren die gespannten Hörer von den Weltmeeren plötzlich tief im Inneren der Führungsakademie. Sicherheitspolitische Herausforderungen von morgen vorausschauend meistern. Darum ginge es, sagte der General. Und genau dazu müsse das Spitzenpersonal der Bundeswehr in die Lage versetzt werden – mit modernen Methoden. Mit dem German Institute for Defence and Strategic Studies (GIDS) fädeln sich die Kompetenzen und Fähigkeiten aller Beteiligten – vom Lehrgangsteilnehmer, bis zum Dozenten und Wissenschaftler – zu einem festen Tau des Wissens und der Strategiefähigkeit. „Wir müssen unseren Spitzenführungskräften das nötige Rüstzeug geben, um in einem immer unübersichtlicheren Umfeld handlungs- und entscheidungsfähig zu bleiben“, sagte Kohl. Der Kern zeitgemäßer Stabsoffiziersausbildung sei es, Wissen zu vermitteln, Strategiefähigkeit zu erzeugen, das militärische Handwerk zu vermitteln und den kritischen Geist zu fördern.

Werkzeugkasten für die Zukunft

„Das soll sie befähigen, sich in jedem auch noch so unbekannten Terrain zurechtzufinden, das soll ihnen Methoden an die Hand geben, um Komplexität zu reduzieren, und strukturiertes, flexibles und agiles Denken ermöglichen“. Der Kommandeur erwähnte mit ernsten Worten auch das scharfe Ende des Soldatenberufs. Die Befähigung zum Kampf, als wesentlicher  Wesensgehalt der Streitkräfte, stelle die Akademie vor die Aufgabe, dafür Sorge zu tragen, dass die Bundeswehr über kriegstaugliche Stabs- und Generalstabs- und Admiraloffiziere verfügt. Hinzu käme seit dem letzten Jahr durch das GIDS der Aspekt  explizit militärstrategischer Forschung. Bislang ein Novum auf dem Think-Tank-Markt in Deutschland. Das beinhalte auch den Mut zum Diskurs! Mut zum Diskurs zeigten Generalmajor Kohl und Prof. Dr. Oberst Matthias Rogg, Vorstand des GIDS, in der anschließenden Diskussion. Erfrischend direkt und – teilweise auch mutig offen – beantworteten die beiden Offiziere Fragen zu einer möglichen sicherheitspolitischen Generaldebatte oder künftigen sicherheitspolitischen Herausforderungen.
Die Universitäts-Gesellschaft Hamburg veranstaltet zusammen mit der Deutschen Atlantischen Gesellschaft regelmäßig Vorträge, Podiumsdiskussionen und Exkursionen, um den Dialog zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft zu intensivieren und zu fördern. Vor etwa einem Jahr hatte der damalige Kommandeur der Führungsakademie einen Vortrag zur strategischen Vorausschau gehalten. Generalmajor Kohl gab neben dem Ausblick auf sicherheitspolitische Herausforderungen auch einen tiefen Einblick in die Ausbildung des Führungskräftenachwuchses an der Führungsakademie, um zukünftigen Herausforderungen entgegen treten zu können.

Rede des Kommandeurs der Führungsakademie der Bundeswehr, Generalmajor Oliver Kohl

 

 

 

 

 

Neuer Lehrgang, neues Glück

Autorin: Anne Bressem ; Bilder: Anne Bressem

Hamburg, 06.03.2019

 

Oberstleutnant i.G. Rupert Steeger und
Hauptmann Claudia Birkholz im Auswärtigen Amt

Hörsaal 9 im Auswärtigen Amt

„Sehr geehrte Dame, sehr geehrter Herr, herzlich begrüße ich Sie als künftigen Teilnehmer Basislehrgang Stabsoffizier an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg.“

Eine spannende Reise auf dem Weg zum Stabsoffizier und damit zur nächsten Karrierestufe beginnt mit einem herzlichen Begrüßungsschreiben des Direktors Ausbildung an der Führungsakademie. Mit diesen netten Zeilen werden die zukünftigen Lehrgangsteilnehmerinnen und Lehrgangsteilnehmer begrüßt und können sich so auf eine interessante Zeit einlassen. Was kommt da auf sie zu? Wie wird ihr Umfeld sein, ein halbes Jahr Hamburg steht vor der Tür, was kommt danach?

Am Anfang steht die Ungewissheit 

Was ist dieser Stabsoffizierlehrgang überhaupt, was wird von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern erwartet, was wird ihnen geboten? In dem Schreiben ist zu lesen, die jeweiligen individuellen Kompetenzen sollen als die Basis für erste Verwendungen als Stabsoffizier in Stabsabteilungen bzw. so genannten Führungsgrundgebieten der Bundeswehr entwickelt werden und so das berufliche Selbstverständnis sowie die individuelle Professionalität gestärkt werden. Der Stabsoffizierlehrgang umfasst 56 Ausbildungstage mit vier wesentlichen Komponenten: die Vermittlung von Grundlagenwissen, die Verbesserung des Führungskönnens für zukünftige Aufgaben als Stabsoffizier sowie das Erlangen der gemäß Soldatenlaufbahnverordnung geforderten Voraussetzungen für die Beförderung zum Major beziehungsweise Korvettenkapitän.

Die Stabsoffiziere bilden nach den Generalen die zweithöchste Dienstgradgruppe der Offiziere in der Bundeswehr. Sie umfasst im Wesentlichen die Dienstgrade vom Major bis zum Oberst bzw. vom Korvettenkapitän bis zum Kapitän zur See. Jährlich absolvieren mehr als 600 Offiziere den Lehrgang, befassen sich intensiv mit der Stabsarbeit, also mit der Arbeit, die den Grundbetrieb der Bundeswehr am Laufen und Leben hält. Die Übungen während des Lehrgangs soll sie auf diverse Verwendungen in höheren Kommandobehörden vorbereiten. Sie lernen unterschiedliche Managementmethoden, wie zum Beispiel Prozessmanagement oder Veränderungsmanagement kennen. Vor allem soll aber das neue didaktisch-methodische Konzept der Akademie, die so genannte Kompetenzorientierung verinnerlicht werden. Das „Handeln“ soll im Fokus stehen und „Wollen“ und „Können“ gefördert werden. Das klingt nach viel aktiver Mitarbeit. So sollen vorhandene Kompetenzen ausgebaut und Neue erworben werden.

Die Reise beginnt…  

Die Lehrgangsteilnehmerinnen und Lehrgangsteilnehmer kommen in Hamburg an, zunächst müssen die Offiziere des Heeres, der Luftwaffe, der Marine und des Sanitätsdienstes noch eine taktische Hürde nehmen. Um angehende Stabsoffiziere auf nationale und internationale Führungsprozesse vorzubereiten, schult die Führungsakademie der Bundeswehr ihre Offiziere im Rahmen des Lehrgangs „Grundlagen der Führungs- und Operationsplanung“. Dadurch kommen alle auf den gleichen Wissensstand und das macht auch neugierig.

Die Wochen vergehen, die Offiziere haben ihr Wissen aufgefrischt, aber auch viel über die Befähigung zum erfolgreichen Kampf an Land, in der Luft und zu See dazugelernt. Es geht weiter, der Stabsoffizierlehrgang beginnt. Die Lehrgangsteilnehmerinnen und Lehrgangsteilnehmer beschnuppern sich zunächst, die Hörsäle sind bunt gemischt. Bei diesem Lehrgang sitzen erstmals alle Teilstreitkräfte und Organisationsbereiche der Bundeswehr zusammen in einem Hörsaal. Heer, Luftwaffe, Marine, Sanitätsdienst, Streitkräftebasis, Cyber und Informationsraum erkennen sich an ihren Verbandsabzeichen. Die Offiziere sind gespannt auf die nächsten Wochen mit ihren Tutoren. Die Tutoren sind so etwas wie Klassenlehrerinnen und Klassenlehrer, die sie die nächsten drei Monate in ihre dienstliche Obhut nehmen. Stabsarbeit, Change Management, Personalmanagement, kompetenzorientierte Ausbildung, Sicherheitspolitik, Innenpolitik, selbstredend Sport und klar auch das Hamburger Kulturleben bereiten sie auf ihre zukünftigen Aufgaben als Stabsoffizier vor. Jeder Einzelne nimmt sehr unterschiedliche Erfahrungen mit. Wie eine Kameradin den spannendsten Teil des Stabsoffizierlehrgangs erlebt, wird im Folgenden beschrieben.

Hauptmann Birkholz geht ihren Weg

Claudia Birkholz ist Hauptmann und seit Januar dieses Jahres auf der Reise ins Stabsoffizierleben. Sie ist Presseoffizier und über ihre Verwendung als Logistikoffizier in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeiterwelt der Bundeswehr gelandet, in der sie sich sehr zu Hause fühlt.

Birkholz lebt mit ihrem Mann, ebenfalls Offizier, in Berlin. In der Vergangenheit sind sie beide sehr lang gependelt und teilen dieses Schicksal mit vielen anderen Familien und Angehörigen der Bundeswehr. Dienstlich ist Frau Hauptmann aktuell im Ausbildungskommando des Heeres in Leipzig beheimatet. Mit Beendigung des Stabsoffizierlehrgangs tritt sie ihren neuen Dienstposten im Presse- und Informationszentrum des Heeres an. Damit geht es wieder zurück an ihre alte Wirkungsstätte in Strausberg nordöstlich von Berlin. Sie freut sich sehr darauf, denn erstmals hat sie ab Mitte des Jahres mit ihrem Mann die Perspektive auf ein ganz „normales“ Leben, auf gemeinsame Abende nicht nur am Wochenende. Bis dahin muss sie aber noch viel lernen. Auch eine Exkursion gehört zum Lernplan.

Berlin Berlin, wir fahren nach Berlin… 

Die so genannte Berlin-Reise des Stabsoffizierlehrgangs kann gut und gern als der Höhepunkt des Lehrgangs bezeichnet werden. Diese Bildungsreise liegt in der Federführung des Leiters der Fakultät Politik, Strategie und Gesellschaftswissenschaften, Jörn Thießen, sowie seinem Team. Vom Hörsaal ins Geschehen: Die Bedeutung der Berlin-Reise liegt vor allem darin begründet, andere Ressorts und Ministerien kennenzulernen und damit konkret zu erfahren, was vernetzter Ansatz in der Realität bedeutet. Die Lehrgangsteilnehmerinnen und Lehrgangsteilnehmer haben die Möglichkeit, für diese Reise jeweilige Themenfelder aus dem sicherheitspolitischen Spektrum zu wählen. Den Beginn macht ein so genannter Geschichtstag. Hier begeben sie sich auf unterschiedliche historische Spuren. Für Claudia geht es auf Spurensuche nach Ursachen und Folgen verschiedener Kriege, vor allem Kriege der jüngeren Geschichte.

„Mein Vater war der heimatloseste Mensch, den ich kenne.“

Mit diesen Worten beginnt die Fahrt in die Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde. Dr. Maja Bächler, Dozentin an der Fakultät Politik, Strategie und Gesellschaftswissenschaften, führt durch den Geschichtstag der Berlin-Reise. Sie erzählt von ihren persönlichen Erfahrungen, einer Fluchtgeschichte ihres Vaters. Sichtlich ergriffen, tauschen sich die Offiziere über unterschiedlichste Erfahrungen aus. In diesem Zusammenhang wird einmal mehr klar, wie sehr auch jüngere Geschichte bewegt. In Marienfelde angekommen, lassen die Offiziere die Ausstellung unterschiedlichster Fluchtgeschichten auf sich wirken. Claudia wirkt nachdenklich, auch bewegt. Auch sie ist „Ostkind“, ist bis 1989 in der ehemaligen DDR aufgewachsen, berichtet sie und erzählt sodann von typischen „Ost“ Erlebnissen aus ihrer Kindheit. Geschichte live.

„Vielleicht bekommt der Sozialismus noch ein freundliches Gesicht.“ 

Die Zeitzeugin Renate Werwigk-Schneider war geflüchtet und nimmt die Lehrgangsteilnehmerinnen und Lehrgangsteilnehmer mit in ihre Zeit als Kind, Jugendliche, Studentin, Erwachsene und später verheiratete Frau und Ärztin. Klingt alles erstmal nach normalem Leben. Schnell machen ihre Worte klar, wie wenig davon ein vermeintlich normales Leben war. Auch wenn nach ihren Worten immer mal die Hoffnung bestand, „der Sozialismus bekäme noch ein freundliches Gesicht“, hat sie doch sehr gelitten. Heute sprüht sie dennoch vor Energie und Euphorie. Ihre Fluchtgeschichte zieht alle in den Bann, sie lässt spürbar nachempfinden, was es bedeutet, nicht in Freiheit leben zu können und appelliert an ihr Publikum, sich den Wert der Freiheit immer wieder bewusst zu machen. Die Lehrgangsteilnehmerinnen und Lehrgangsteilnehmer steigen nachdenklich in den Bus, Claudia redet nicht, sie ist nachdenklich. Später sagt sie, die Erinnerungsstätte Marienfelde habe sie sehr bewegt und dazu angeregt, in ihrer eigenen Familie nachzufassen.

„Hunger, der zum Tode führt.“

Es geht weiter ins Deutsch-Russische Museum nach Berlin-Karlshorst. Hier wird über zwei ehemalige Kriegsgegner berichtet und an ihre gemeinsame, wenn auch sehr schmerzhafte Geschichte erinnert. Das Deutsch-Russische Museum ist eine bisher einmalige binationale Einrichtung, die von der Bundesrepublik Deutschland und der Russischen Föderation getragen wird. Sie widmet sich den deutsch-sowjetischen sowie deutsch-russischen Beziehungen. Die Lehrgangsteilnehmerinnen und Lehrgangsteilnehmer sehen die Dauerausstellung, die den Eroberungs- und Vernichtungskrieg, den das Deutsche Reich am 22. Juni 1941 gegen die Sowjetunion begann, dokumentiert. Sie sehen diesen Krieg sowohl aus deutscher als auch aus sowjetischer Perspektive. In sehr dunklen Räumen ist Leid, Verzehrung, Tod, und Trauer zu spüren.

Claudia wohnt nicht weit von hier, wie sie erzählt. Sie sei froh, endlich diesen Ort der Erinnerung besucht zu haben. „Ich hätte nicht gedacht, noch einmal eine andere Perspektive auf diese dunkle Seite unserer Geschichte bekommen zu können.“, sagt die 35-Jährige. In ihrer Schulzeit und auch bei einigen Tagen der politischen Bildung während ihrer Bundeswehrzeit sei sie an vielen Gedenkstätten, in einigen Museen oder ehemaligen Bunkeranlagen gewesen, die vom Zweiten Weltkrieg berichten. „Mir war aber nicht klar, dass der Ort, an dem die Kapitulation des Deutschen Reiches 1945 unterzeichnet wurde, so nah an meinem Wohnort liegt. Mitten in einem Wohnviertel.“ Sie hätte gern mehr Zeit gehabt, um sich nach dem Rundgang mit dem Guide noch intensiver mit einzelnen Ausstellungsstücken zu befassen, jedoch ist es Zeit wieder in den Bus zu steigen, um die Fahrt zurück, einmal quer durch Berlin, anzutreten.

Der Geschichtstag endet hier, es herrscht Stille im Bus auf dem Weg zurück in das Hotel, die Offiziere sind alle vertieft. Frau Bächler schließt mit einem, wie sie es charmant nennt, Blitzlicht zum gedanklichen Austausch über persönliche Empfindungen ab und alle lassen den Tag sacken.

Außenpolitische Sicht auf Russland erhalten

Claudia hat sich als sicherheitspolitisches Themenfeld für „Der westliche Balkan – vergessene Krisen“, das Oberstleutnant i.G. Rupert Steeger sehr engagiert in Regie führt, entschieden. So verschlägt es sie am nächsten Tag mit dem Hörsaal 9 zu Hans-Peter Hinrichsen, Leiter des Referats für Russland, Belarus, Moldau und Östliche Partnerschaft im Auswärtigen Amt.

Wie sieht Russland die Welt? Russlands Blick auf die Welt gleiche einem westfälischen Weltbild, bedeutend seien lediglich die drei souveränen Mächte Russland, USA und China, die EU würde politisch sowie militärisch kaum wahrgenommen und deswegen auch kein Dialog mit ihr angestrebt. Frieden bedeute für Russland, die Abwesenheit von militärischer Gewalt. Die USA würde als Macht im Abstieg begriffen, China hingegen als Macht im Aufstieg gesehen. Insofern sei Russland an Appeasement mit China gelegen, um potentielle Konflikte zu vermeiden. Es würden gute Beziehungen zu Japan, Vietnam, den Philippinen, Indien und Pakistan gesucht und vor dem Hintergrund auf Balance gehofft. Ganz klar strebe Russland nach Autarkie, Ziel sei die Schwächung Europas, hält Hinrichsen fest. Wie können wir nun auf diese Entwicklungen reagieren?

Die widerstreitenden Beziehungen zu Russland müssten besser verwaltet werden, einen neuen kalten Krieg werde es nicht geben, sagt er. Die Instrumente der Rüstungskontrolle müssten aber dringend erhalten und stetig verbessert werden und ebenso müsse, wenn wir über neue Waffen diskutierten, eine neue Form der Rüstungskontrolle initiiert werden. Bedauerlich sei, dass viele europäische Staaten keinen funktionierenden Gesprächskanal mehr zu Russland hätten, de facto gebe es aktuell keine europäische Russland Politik, führt Hinrichsen fort. Nicht nur eine politische Entfremdung habe stattgefunden, auch eine gesellschaftliche Entfremdung befinde sich im Prozess. Diese Tendenz müsse klar aufgehalten werden. Probate Mittel seien hier vor allem die Pflege von Städtepartnerschaften oder auch Jugendaustauschprogrammen sowie die Ausgestaltung von Themenjahren. Schlussendlich sei aber für uns die westliche Einheit von großer Bedeutung, die Einheit zwischen den USA und der EU. Russland sei ganz klar eine Herausforderung für uns, habe aber letztlich keinen Einfluss auf unseren way of life, China hingegen schon, beschließt Hinrichsen seinen ausgesprochen spannenden Impulsvortrag.

Wohin es Claudia und ihren Hörsaal im Folgenden verschlägt, erfahren Sie in der Fortsetzung. Soviel sei gesagt. Sie reisen über Israel in den Kosovo und landen letztlich in Italien, es bleibt also spannend…

 

 

 

Schwarzer Kontinent in Hamburg

 Autor: Stefan Berger; Fotografin: Lene Bartel

Hamburg, 06.03.2019

Von links: Major Mwongoso, Oberstleutnant Bekono und Dr. Krohn auf dem Podium

Das Publikum ist fasziniert von den Ausführungen

Teilnehmer des LGAI und weitere Gäste hören die Vorträge

Oberstleutnant Bekono und seine Frau im Gespräch mit den Gästen

Mit einem weiteren Regionalen Informationstag zu Afrika führte der Lehrgang Generalstabs-/Admiralstabsdienst International (LGAI) 2018 seine Gäste dieses Mal nach Kamerun und Tansania und damit in Teile Zentral- und Ostafrikas.
Die beiden Referenten, Oberstleutnant Bekono aus Kamerun und Major Mwongoso aus Tansania, überraschten mit faszinierenden Bildern und weitreichenden sowie offenen Worten über ihre beiden Länder. Sie verdeutlichten die Verwurzelung in ihren Traditionen, ihrer Kunst und Kultur genauso, wie die heutige Zuwendung hin zu den Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft.

Regionale Informationen komplettieren Wissen

Die Regionalen Informationstage sind fester Berstandteil des militärischen Lebens an der Führungsakadmie. Durch lebendige Vrstellung von Kultur, Geschichte und eigene Erlebnissen, erfahren Lehrgangsteilnehmer und Gäste immer wieder neue Aspekte der Länder aus erster Hand. Mit ihren Länderpräsentationen zeigten die beiden Offiziere aus dem LGAI 2018 die Schönheit und die Geheimnisse Afrikas mit ihren Menschen auf und gaben damit einen Überblick darüber, was diese großen afrikanischen Staaten in Afrika ausmacht. Ergänzend dazu stellte diesmal erneut Dr. Krohn die deutsche Perspektive auf die Region und die Zusammenarbeit mit Afrika vor.

Gebannt folgten die Gäste einer Reise in die beiden Länder und erfuhren viel Neues und Unerwartetes über diese komplexen Nationen. Anhand der Geographie, der Flora und Fauna sowie des Lebensstils, der Sprache, der Kleidung und des Essens sind sie seltene Beispiele für Vielfalt. Oberstleutnant Bekono: „Kamerun wird wegen seiner vielfältigen Klima- und Vegetationszonen als Afrika im Miniaturformat bezeichnet.“

Optimismus trotz Unruhe

Lange Landesgrenzen mit vielen Nachbarstaaten und die strategische Lage der beiden Länder an zwei Ozeanen leiteten anschließend zu einer Übersicht über Auftrag und Leistungsfähigkeit der beiden Streitkräfte über. Insbesondere Kamerun ist mit zahlreichen bewaffneten Aufständen an seinen Grenzen und auch im eigenen Land konfrontiert. Oberstleutnant Bekono ist aber zuversichtlich, dass die Streitkräfte aufgrund ihrer Professionalität und Leistungsfähigkeit derzeit gut mit diesen Herausforderungen umgehen können und zuletzt gute Fortschritte erzielt wurden. Tansania hat aufgrund der eigenen geographischen Lage einen anderen Fokus, aber auch Gemeinsamkeiten. Major Mwongoso: “Die Teilnahme an Missionen der Vereinten Nationen ist für Tansania ein wichtiges Mittel der Außen- und Sicherheitspolitik.“ Er betonte darüber hinaus das gute Verhältnis zwischen Bevölkerung und Streitkräften, getragen von dem Stolz auf den Beitrag Tansanias zur Sicherung des Friedens in Afrika sowie seinen Beitrag zur Unabhängigkeit der afrikanischen Völker. Vor dem Hintergrund der Diskussion um die Wehrpflicht in Deutschland ist interessant, dass jeder erwachsene Tansanier für sechs Monate an einem militärischen National Service Training teilnehmen muss. Nur mit dem Zeugnis für diesen abgeleisteten Dienst kann man sich für eine Arbeitsstelle bewerben. Das dient nicht nur der Bildung einer Reserve sondern auch der Stärkung der Bindung der Bevölkerung an Ihren Staat.

Mit Partnern in die Zukunft 

Die Förderung und Aufrechterhaltung eines friedlichen und stabilen außenwirtschaftlichen Umfelds, in dem die innenpolitischen Aufgaben der integrativen Wirtschaftsentwicklung und der Armutsbekämpfung schnell und ohne Hindernisse voranschreiten können, bleiben darüber hinaus weiter wesentliche Ziele der Politik. Auch die Partnerschaft zu Deutschland stellten beide Referenten besonders hervor.
Dennoch sind die Schwerpunkte in beiden Ländern aufgrund der unterschiedlichen regionalen Lage nicht die gleichen. Oberstleutnant Bekono fokussiert stark auf die Sicherheitslage in Kamerun, da er sagt, dass „diese im Moment die vordringliche Aufgabe darstellt.“ In Tansania stehen aufgrund der deutlich besseren Sicherheitslage dagegen wirtschaftliche Herausforderungen und auch der Klimawandel im Vordergrund.
Der anschließende Empfang mit Speisen und Getränken aus Zentral- und Ostafrika bot dann noch reichlich Gelegenheit zum Austausch über die beiden Länder.

 

 

Behörden auf Schnupperkurs

Autorin: Dr. Victoria Eicker; Fotografin: Lene Bartel

Hamburg, 27.02.2019

Lego spielen auf höchster Ebene

Generalmajor Kohl mit seinen Gästen

   

 

 

Ende Februar war die Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg Treffpunkt für das halbjährliche Behördenleitertreffen der Freien und Hansestadt Hamburg. Der Kommandeur der Führungsakademie, Gastgeber Generalmajor Oliver Kohl, begrüßte in diesem Jahr zwölf Gäste in der Clausewitz-Kaserne in Hamburg Blankenese.  Unter ihnen waren Leiterinnen und Leiter der Bundespolizei, der Agentur für Arbeit, der Feuerwehr, der Universität, des Rechnungshofs, der Hauptverwaltung der Deutschen Bundesbank, der Generalstaatsanwaltschaft, der Hamburg Port Authority, des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie, des Planetariums und des Oberlandesgerichts..

Vom Lagetisch zum Legotisch

Die norddeutschen Führungskräfte bekamen einen Einblick in den Auftrag und die Aufgaben der Akademie als höchste Ausbildungseinrichtung der Bundeswehr. „Das Behördenleitertreffen dient dem Austausch und der engeren Vernetzung von Führungskräften in Hamburger und Norddeutschen Behörden sowie Bundesbehörden“, erklärte Erika Andreß, Präsidentin des Hanseatischen Oberlandesgerichts. Mit großem Interesse hörten die Gäste den Vorträgen im Manfred-Wörner-Zentrum zu, dem sogenannten Planungszentrum. Im Anschluss an die Theorie folgte direkt die Praxis an einem der zwölf digitalen Lagetische. Wo sonst Teilnehmer der verschiedenen Lehrgänge militärische Taktik lernen, konnten sich die Behördenleiter ein Bild machen, wie militärische Kräfte verlegt werden können und auf welche Informationen – beispielsweise die Belastbarkeit einer zu überquerenden Brücke – man dabei zurückgreifen kann.

„Es ist nicht nur wichtig, dass wir die Entscheidungsträger kennen und uns eng vernetzen, es ist auch immer wichtig, dass wir wissen, was jeder von uns macht“, erklärte Generalmajor Kohl. In diesem Sinne ging es vom digitalen Lagetisch zu den analogen Legosteinen und schließlich noch zum Planspiel Veränderungsmanagement, um die innovativen Ansätze und Methoden der Lehre, die an der Führungsakademie praktiziert und stets weiterentwickelt werden, vorzustellen.  

Brücken bauen, Menschen führen

Beim sogenannten Lego Serious Play durften einige Behördenleiter selber tätig werden. Ein Satz der beliebten Bausteine lag vor jedem einzelnen. „Bauen Sie eine Brücke, unter die eine Hand passt und auf die man eine Hand auflegen kann, ohne dass sie zusammenbricht“ lautete der Auftrag. Eine überdimensionierte grüne Eieruhr setzte den Rahmen: zwei Minuten! Die Ergebnisse bunt, definitiv kreativ, nicht unbedingt stabil. Das Lego Serious Play dient dazu, auf eine spielerische, kreative Art und Weise eine Problemstellung oder Fragestellung zu bearbeiten. Genutzt wird die Methode für verschiedene Lernziele, beispielsweise um eine Vision oder ein Leitbild zu entwickeln – eine durchaus spannende Herangehensweise, so war die Resonanz.

Zum Abschluss versammelten sich die zwölf Gäste samt Kommandeur um das Planspiel Veränderungsmanagement. Veränderungsprozesse einzuführen, Strukturen anzupassen und zu verändern, das ist nicht nur in einer Großorganisation wie der Bundeswehr ein Dauerthema, sondern auch in vielen anderen Behörden. „Es gibt Techniken und Methoden, die dazu führen, dass man ein Gespür entwickelt, wie man mit Herausforderungen bei Veränderungsprozessen umgeht. Als Führungskraft muss man die Menschen mitnehmen, aber die Menschen reagieren unterschiedlich, man muss wissen, wie man sie wann anspricht“, erklärte der Kommandeur. Die Kernbotschaft am Ende war klar: Die Ausbildung der militärischen Führungskräfte der Bundeswehr ist der wesentliche Auftrag der Führungsakademie – immer am Puls der Zeit und mit den bestmöglichen Methoden.  

 

SKB-Wochen an der FüAkBw-Mit fester Grundlage einsatzbereit

SKB-Wochen an der FüAkBw-

Mit fester Grundlage einsatzbereit

Autor: Autorenteam FüAkBw; Fotografin: Lene Bartel

Hamburg, 21.02.2019

Viel Inhalt - viel mitschreiben

Aufmerksamkeit war den Referenten garantiert

Viele Zwischenfragen erweitern die Information

Die Komplexität der SKB führte immer wieder zu Zwischenfragen und Anmerkungen

Generalleutnant Martin Schelleis führte in die umfangrieche Materie der SKB ein

Neben Vorträgen gab es auch praktische Darstellungen

Schneeschippen im Januar? SKB. NATO-Kolonne durch Deutschland? SKB. Beratung im Umgang mit gefährlichen Stoffen? SKB. Wieviel Expertise sich hinter diesen drei Buchstaben verbirgt, erfuhren die angehenden Generalstabsoffiziere an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg, wo Angehörige der Streitkräftebasis (SKB) zwei Wochen lang Einblicke in die zahlreichen Aufgaben und Möglichkeiten dieses Organisationsbereiches der Bundeswehr gaben. Die Streitkräftebasis allein ist mit ihren Tätigkeitsfeldern so umfangreich und spannend, dass sich die Teilbereiche selbst vorstellen. Neben dem Inspekteur der Streitkräftebasis präsentierten die jeweiligen Kommandeure ihren Fachbereich den Teilnehmern der Lehrgänge.

Fachwissen und Werbung

Ihre fachlichen Erläuterungen nutzten die Vortragenden der SKB auch zur Werbung für ihren Organisationsbereich. Die angehenden Generalstabsoffiziere fänden hier anspruchsvolle Verwendungen, war einhelliger Appell. Die SKB-Wochen eröffnete der Inspekteur der SKB, Generalleutnant Martin Schelleis. In seinem Überblick zeigte er zunächst auf, wie viele Mitarbeiter unterschiedlicher Statusgruppen in der SKB Dienst tun und wen oder was sie in der Bundeswehr mit ihrem Dienst unterstützen. „Zentraler Unterstützer und Enabler der Bundeswehr“ überschrieb er diese Darstellung. Die hatte es in sich, musste Schelleis doch die vernetzten Aufgabenbereiche von der nationalen Ebene bis in die Einsätze vorstellen.

Nationales und Internationales verbinden

Der Inspekteur SKB stellte zugleich die aktuellen Schwerpunkte seines Bereichs vor. Als Nationaler Territorialer Befehlshaber müsse er in Deutschland jegliche Unterstützung für nationale und multinationale Streitkräfte bereitstellen und koordinieren. Was sich zunächst harmlos liest, beinhaltet jedoch eine immense Operationsarbeit. So beispielsweise bei den Märschen von Truppen nach Norwegen oder der Übung ATLANTIC RESOLVE im Januar 2017.
Ist dies schon umfangreich genug, so ist die SKB für die Ausdifferenzierung des Heimatschutzes in der Verantwortung. In der Bezifferung des Kräftebedarfs kommen hierzu noch die Überlegungen der Einbindung von Reservedienstleistenden und der Blick in die nahe Zukunft; Stichwort Landesregimenter.

Logistik weit im Voraus denken

Nach der Einführung kamen Kommandeure unterschiedlicher Teilbereiche der SKB zu Wort. Zunächst setzten die Logistiker Akzente. Ihre Kernaussage: „Durchgängiges logistisches System von der Basis in Deutschland bis in die Einsatzräume durch Zusammenfassung aller Kräfte und Mittel aus der Basislogistik, Einsatzlogistik und durch Leistungen Dritter“. Liest sich einfach, bedeutet aber, dass vor dem Beginn einer Übung, einer Operation oder eines Einsatzes geklärt sein muss, dass erstens die Truppe vollumfänglich mit allem notwendigen Material versorgt ist und zweitens alle Bewegungen sicher und zeitgerecht im Inland und in allen anderen Gebieten bis hin zum Einsatzgebiet möglich sind. Dies gelte es ebenso sicherzustellen, wenn im Bündnis geübt würde.

Material, Sprit und Wasser

Die Kommandeure des Logistikkommandos der Bundeswehr und des Logistikzentrums der Bundeswehr zeigten damit den Lehrgangsteilnehmern auf, in welcher Komplexität die SKB denken und handeln muss. Damit das System Dienstleistung aber rund läuft, sind noch viele weitere Aspekte einzubeziehen. So erklärte der Kommandeur des ABC-Abwehrkommandos der Bundeswehr, dass der Begriff ABC für Atomar/Biologisch/Chemisch nicht alles umfasse, was sein Bereich verantworte. „Wir sind auch für die Trinkwasserversorgung mit einer Qualität wie in Deutschland zuständig“. Und ABC würde erweitert um die Beratung zu Gefahrstoffen allgemein.

Material erhalten oder reparieren

Bei all den großen Planungen ist in der Logistik zu bedenken, dass genutztes Material starken Beanspruchungen ausgesetzt ist. Damit es so lange wie möglich einsatzbereit bleibt, hat die Heeresinstandsetzungslogistik GmbH HIL bei sogenannten landgestützten Systemen wie Fahrzeugen und Waffen die Verantwortung. Ihr Ziel ist es, die Verfügbarkeit von Systemen sicherzustellen, was auch die kontinuierliche Prüfung von möglichen Verbesserungen am Gerät sowie die Kostenkontrolle beinhaltet. Dazu muss die HIL koordinieren, wann welches Material in welche Instandsetzungseinrichtung gebracht werden muss und wie Ersatzteile vorrätig sein müssen.

Die Menschen immer im Mittelpunkt

Mit dem Beitrag des Kommandeurs  des Kommandos Territoriale Aufgaben der Bundeswehr rückte der Fokus wieder auf die Menschen. Soldaten seien in Deutschland in der Fläche zwar rar. Aber bei Schneechaos oder Waldbränden, bei Überflutungen oder Sturmschäden stünden sie neben anderen Hilfskräften im Mittelpunkt. Nicht zuletzt weil sie schnell strukturierte Kräfte mit schwerem Gerät in den Einsatz brächten. Das sei möglich, weil das Grundgesetz die Hilfeleistung erlaube: „Alle Behörden des Bundes und der Länder leisten sich gegenseitig Rechts- und Amtshilfe“. Dies zu koordinieren und einzuspielen sei ein Teil der Territorialen Aufgaben. Genauso sei das Kommando aber auch eingebunden in die zuvor erwähnten Marschplanungen mit eigenen und alliierten Truppen, in die Planungen der Verwendung von Reservisten in Deutschland.

Soldaten sind immer im Gespräch

Wie wichtig diese Koordination ist, kam im Beitrag des Kommandeurs Zentrum Zivil-Militärische-Zusammenarbeit ZMZ heraus. Die Bundeswehr muss ihren militärischen Auftrag bei Einsätzen im Ausland inmitten der Bevölkerung und im engen Verbund mit nationalen und internationalen Organisationen erfüllen. Um dies sicherzustellen, ist das Zentrum in der Lage, wissenschaftlich zu analysieren, alle Dienststellen fachlich zu beraten und die für ZMZ vorgesehenen Soldaten auszubilden.

NATO Kommando in Ulm

Den Abschluss bildete der Vortrag des Befehlshabers des Multinationalen Kommandos Operative Führung (MN KdoOpFü) in Ulm. Dem Kommando unterliegt die Bereitstellung von Personal und Material zur Planung und Führung multinationaler Einsätze der Land, Luft- und Seestreitkräfte der Europäischen Union und der NATO. Die NATO-Zertifizierung erfolgte im Mai 2018, während der Übung Trident Juncture wurde dem Kommando die Befähigung erteilt, multinationale und teilstreitkräfteübergreifende Einsätze zu planen und zu führen. Seither gilt ein Jahr lang die Rufbereitschaft, im Ernstfall NATO-Kräfte mit bis zu 60.000 Soldaten zu führen.

Kommandozentrum für Mobilität

Im Juni 2018 folgte die Entscheidung der NATO-Mitglieder, in Ulm eines der beiden neuen NATO-Kommandos einzurichten: das Joint Enabling and Support Command (JSEC). Das JSEC untersteht bei Aktivierung dem militärstrategischen NATO-Hauptquartier Supreme Headquarters Allied Powers Europe – auch SHAPE genannt. JSEC wird zuständig für Truppen- und Materialtransporte sowie deren Schutz und Einsatzbefähigung in ganz Europa sein. Die Grundbefähigung soll im Oktober 2019 stehen, die volle Einsatzbereitschaft im Oktober 2021.

Die Militärpolizei in der SKB

Die umfangreichen Fähigkeiten der Feldjäger konnten sich die angehenden Generalstabsoffiziere im Zuge einer Ausbildungsreise zum Kommando Feldjäger nach Hannover anschauen. Auf einer Stationsausbildung stellten die Feldjäger ihre Handlungs- und Ausbildungsmöglichkeiten dar. Zugleich erläuterten sie die Möglichkeiten zur Unterstützung der Disziplinarvorgesetzten in der Truppe.

Zusammenarbeit zwischen Bundeswehr und zivilen Kräften

Aufgrund der Rolle des Inspekteurs der Streitkräftebasis als Nationaler Territorialer Befehlshaber kamen auch die Stellen der gesamtstaatlichen Sicherheitsvorsorge zu Wort. Der Vertreter des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat (BMI) erläuterte das strategische Krisenmanagement der Bundesregierung und erläuterte wie eine Krise auf Regierungsebene behandelt wird. Der Referent aus dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) ergänzte zu den Verfahren und Mitteln des Katastrophen- und Zivilschutzes und zeigte Schnittstellen und gemeinsame Übungen mit der Bundeswehr auf. Die Vorstellung des Bundesamts Technisches Hilfswerk (THW) verdeutlichte die auf Bundesebene zur Verfügung stehenden Mittel für den Katastrophen- und Zivilschutz.

Während einer dreitätigen Planuntersuchung hatten die angehenden Generalstabsoffiziere abschließend noch einmal die Gelegenheit in ausgewählte Aspekte der SKB, vor allem im Rahmen der Drehscheibe Deutschland, einzutauchen und angeleitet von internen und externen Fachreferenten vertiefte Diskussionen zu führen.

Fazit der SKB-Wochen an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg ist somit, dass Vielfältigkeit der Aufgaben der SKB verdeutlichten, dass die Aufgabenfülle eine hohe Zahl an Möglichkeiten sowohl fachlich als auch im personellen Bereich für die angehenden Generalstabs-/Admiralstabsoffiziere bietet, die im Truppenalltag gar nicht so bekannt sind und gerade vor dem Hintergrund der Refokussierung auf Bündnis- und Landesverteidigung an Bedeutung gewinnen wird.

 

Vom Hamburger Hafen an die neue Seidenstraße

Autor: Dr. Ralf Hartmann; Fotograf: Bundeswehr

Hamburg, 20.02.2019

Bundesministerin der Verteidigung, Ursula von der Leyen, beim Besuch in China

Das chinesische Militär spielt eine große Rolle

Bundesministerin der Verteidigung, Ursula von der Leyen, empfängt die Verteidigungsministerin der Republik Indien, Nirmala Sitharaman, im Februar 2019

Die maritime Sicherheit betrifft den indischen Ozean genauso wie die Bundesrepublik Deutschland

Ein riesiges geografisches und geopolitisches Gebiet behandelten die Teilnehmer im Seminar Geopolitik an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg. Genauso breit aufgestellt waren auch die Referenten: Von Stiftungen über ehemalige Mitarbeiter von Regierungsorganisationen bis zur Helmut-Schmidt-Universität und der Offizierschule in Dresden reichte die Expertise. Kein Wunder, galt es doch, brisante Themen zu besprechen. Vom 17. bis 20. Dezember 2018 wurde an der Führungsakademie unter der Leitung von Oberstleutnant Dr. Ralf Hartmann und Fregattenkapitän aD Dr. Hartmut Klüver das Seminar Geopolitik „Der indopazifische Raum. Regionale Entwicklungen von globaler Bedeutung“ durchgeführt. Das stark nachgefragte Seminar mit langer Warteliste beschäftigte sich teils tagesaktuell mit den geopolitischen Strukturen und Entwicklungen im indo-pazifischen Raum. Nach der Begrüßung der Teilnehmer durch den Fakultätsleiter Direktor Jörn Thiessen führte Oberstleutnant Priv.-Doz. Dr. Robert Riemer (OSH Dresden) in seinem Vortrag zunächst in die politische Geschichte dieses Raumes ein. Nach einem kurzen Abriss der älteren Geschichte befasste er sich eingehend mit der Entwicklung vor allem seit dem 2. Weltkrieg, die viele Umbrüche brachte und bis heute andauernde Krisen etwa in Kaschmir, Tibet oder den Himalaya-Staaten zur Folge hatte.

China und die Tibetfrage

Über die intensiven chinesischen Bemühungen zur Erschließung des Landes referierte Ministerialrat Oberstleutnant Dr. Martin Grosch. Er wies neben der politisch-historischen Entwicklung auch auf die anhaltendenden Schwierigkeiten der einheimischen tibetischen Bevölkerung hin. Diese gerät bei weiterhin starkem Zuzug chinesischer Bevölkerung zunehmend in eine Minderheitenposition. Grosch zog die Zuhörer mit zahlreichen Bildern und mit eigenem Erleben in die Materie und konnte so die rasante Veränderung der Verhältnisse in der fernen Gegend anschaulich machen.

Südasien - Geschichte und Konfliktlinien

Schnell fasste Ministerialrat a. D. Hans-H. Dube China auf und führte die Teilnehmer nach Südasien. In seinem Vortrag “Südasien - kurze Geschichte und Konfliktlinien“ skizzierte er in Kürze die Entwicklung im Raum Pakistan, Afghanistan und China. Der Referent war viele Jahrzehnte für die Bundesregierung und die GIZ in diesem Gebiet tätig, so auch fünf Jahre in Kabul. Als eigene Quelle zeichnete er ein detailreiches, durch eingespielte eigene TV-Interviews angereichertes Bild dieses nach wie vor von zahllosen Interessen und daraus erwachsenden Konflikten erschütterten Raumes. Wie die Zuhörerreaktionen zeigten, gelang es ihm, vor allem die zahllosen Konflikte in ihrer Entstehung und Entwicklung herauszuarbeiten und die hier nach wie vor akuten politischen Probleme in ihren möglichen Auswirkungen deutlich zu machen.

Konkurrenzdenken: Indiens Außen- und Sicherheitspolitik

Schon ging es wieder zurück zum Nachbarstaat. Über „Indiens Außen- und Sicherheitspolitik“ berichtete Frau Prof. Dr. Sandra Destradi, Dozentin der Helmut-Schmidt-Universität. Außenpolitisch befindet sich Indien in der Region Südasien und in der erweiterten Nachbarschaft der Region des Indischen Ozeans und ist zusehend der Konkurrenz der asiatischen Macht China ausgesetzt. Indien verfolgt eine Politik der „strategischen Autonomie“ und hat in den vergangenen Jahren geschickt seine Zusammenarbeit mit den unterschiedlichsten Akteuren ausgebaut - ohne sich zu stark an die einzelnen Partner wie USA, EU, Russland, Iran oder die anderen aufstrebenden Großmächte zu binden. Destradi schilderte eindrucksvoll diesen eigenen Weg Indiens auch vor dem Hintergrund der demografischen und wirtschaftlichen Entwicklung des Landes. Ebenso wies sie deutlich auf die zukünftig erwachsenden Probleme gerade im Verhältnis zu China und Konflikten im Himalaya als Einflussfaktoren der Politik hin.

Indiens und Chinas Entwicklung 

Dr. Habil. Christian Wagner von der Stiftung Wissenschaft und Politik, Berlin knüpfte nahtlos an und ging auf „Indien und China“ mit Blick auf Innovation und Demografie ein. Er verdeutlichte, dass beide Länder zwar fast die gleiche Bevölkerungsgröße haben, jedoch China in der Entwicklung mittlerweile um Jahre voraus sei. Während Indien eine eher zurückhaltende Sicherheitspolitik verfolge, tritt die Volksrepublik China zunehmend aggressiver auf und verfolgt ihre Interessen im Himalaya und teils zusammen mit Pakistan nachhaltig. Das hier bestehende Konfliktpotenzial sei nicht zu unterschätzen, seien doch alle drei Nachbarländer Atommächte, machte Wagner klar. 

Die Neue Seidenstrasse – Politik durch Handel

Unter dem Titel „Die neue Seidenstrasse. Wiederauflage des alten „Great Game“ oder vielversprechende globale Entwicklungsstrategie?“ befasste sich Oberstleutnant i.G. Jörg Barandat mit dem chinesischen Leuchtturmprojekt dieses Jahrhunderts. Die Neue Seidenstrasse soll nach chinesischer Darstellung vor allem dem Ausbau des Handels und der internationalen Beziehungen dienen. Zunehmend mehren sich aber kritische Stimmen, die vor den Folgen des Projektes warnen. Zahlreiche Länder im Verlauf dieser geplanten Land- und Seeverbindungen verfügen nicht über die Mittel, um den Ausbau ihrer Straßen und Häfen zu finanzieren. Hier bietet China scheinbar günstige Kredite an, die teils schon mittelfristig in eine Schuldenfalle führen, aus der nur die langfristige Verpachtung von Häfen, Eisenbahnlinien und anderen Infrastrukturen führt. Sie fallen dadurch dem Zugriff Chinas zum Opfer. Zugleich ergibt sich auch eine politische und wirtschaftliche Abhängigkeit der betroffenen Staaten in Asien und Afrika.

Kaschmir-Konflikt

Kaum war ein Konflikt behandelt, tauchte flugs der nächste auf. Dem Kashmir-Konflikt, eine seit der Unabhängigkeit Indiens und Pakistans bestehende Auseinandersetzung, nahm sich Oberstleutnant Dr. Martin Pabst vor. Er stellte Hintergründe und Akteure, den aktuellen Stand des Konfliktes und die Ziele der Beteiligten, zu denen auch hier wieder China gehört, vor. Zugleich arbeitete er heraus, welche regionalen und globalen Auswirkungen der Konflikt birgt, die dieses ungelöste Problem bislang aufweist und möglicherweise auch in Zukunft noch entfalten könnte.

Immer wieder China als regionale Hegemonialmacht

Die Macht in Ostasien beschäftige die Teilnehmer intensiv über zwei Seminartage. Der Donnerstagvormittag begann mit einem Vortrag von Oberst Hans Hundt über die Rolle Chinas als regionale Hegemonialmacht und Global Player. Der ausgewiesene Chinaexperte, der das Land seit Jahrzehnten kennt, zeichnete ein farbiges und äußerst interessantes Bild einer großen historischen Nation im Aufbruch, deren Ambitionen von den Nachbarstaaten aber zunehmend als Gefahr wahrgenommen werden. Damit verdichtet sich das Bild über den indopazifischen Raum.

Tagesaktuell: China`s Five Fingers in the Himalayas

Der letzte Vortrag des Seminars hatte „China`s Five Fingers in the Himalayas“ zum Thema. Dr. Andreas Dittmann, Professor am Geographischen Institut der Julius-Liebig-Universität in Gießen reiste am frühen Morgen direkt aus Singapur an und erreichte nach einigen Verzögerungen aufgrund eines verpassten Anschlusses auf die Minute genau die Führungsakademie. Seine tagesaktuellen Ausführungen beschäftigten sich intensiv mit den chinesischen Bemühungen um eine Ausweitung seines Einflussgebietes, aber auch mit den speziellen Problemen in den teils umstrittenen Grenzräumen zu Pakistan, Indien und den kleinen Himalaya-Staaten Nepal und Bhutan.

Maritime Sicherheit im indischen Ozean

Der indopazifische Raum wird auch durch zahlreiche Gewässer bestimmt. Die maritime Sicherheit ist mittlerweile auch im globalen Rahmen eine existentielle Frage geworden, führen doch die bedeutendsten Handelsrouten durch den indischen und pazifischen Ozean. Wie es um die Sicherheit der Seerouten im indischen Ozean bestellt ist zeugte Kapitän zur See a.D. Heinz Dieter Jopp auf. Jopp, Direktor der Carl Friedrich von Weizsäcker-Stiftung und früherer Leiter des Fachbereichs Sicherheitspolitik und Strategie der Führungsakademie und Publizist zählt somit zu den Fachleuten auf diesem Gebiet. In Deutschland wird die Frage nach der Sicherheit der Seewege bislang kaum diskutiert. Aktuell werden diese Handelswege nur durch Piraterie gefährdet. Denkbar sind aber auch politische Entwicklungen, in deren Verlauf die verschiedenen „Nadelöhre“ dieser Seewege - z.B. das Bab el Mandeb, die Malakka-Straße oder andere - gesperrt werden könnten. Dies hätte erhebliche Auswirkungen auch auf die Versorgung Europas und damit auf die Versorgung in Deutschland.

Hamburg und die Wirtschaft des Indo-Paz. Raums / Sicherheitsempfindliche Infrastruktur

Maritime Sicherheit spiegelte sich auf einer Exkursion wider. Die Teilnehmer konnten sich in der Praxis mit der Entwicklung des Hamburger Hafens, aber auch dem Problem der sicherheitsempfindlichen Infrastruktur am Beispiel eines internationalen Großhafens vertraut machen. Unter der sachkundigen Führung von Oberstleutnant a.D. Dr. Thomas Palaschewski erkundeten sie mit Bus, Hafenfähre, zu Fuß und per U-Bahn Teile des Hamburger Hafens und setzten unterwegs verschiedene Schwerpunkte zu den Aspekten maritime Sicherheit.

Künstliche Intelligenz als Werkzeug der Zukunft

Schutz, Präzision, Schnelligkeit – Künstliche Intelligenz als Werkzeug der Zukunft

Autorin: Dr. Victoria Eicker; Fotograf: Marco Dorow / Julia Schneider

Hamburg, 18.02.2019

Eröffnung und Begrüßung der Gäste durch Generalmajor Oliver Kohl & Thorsten Herrmann, Mitglied der Geschäftsführung Microsoft Deutschland

VN Direktorin Anja Kaspersen erläutert KI aus Sicht der Vereinten Nationen

KI Expertin Sian John im Gespräch mit Generalleutnant Vollmer und Admiral Nielson

Der Inspekteur des Heeres spricht über die Digitalisierung des Heeres

Künstliche Intelligenz (KI) – eine der großen Innovationen unserer Zeit. KI ist mittlerweile ein nicht mehr wegzudenkendes Werkzeug in unserem Alltag – und auch die Bundeswehr nutzt es. Unbestritten ist das immense Potential, aber wo verlaufen die Grenzen zu den kaum abschätzbaren Gefahren. Darüber diskutierten im Vorfeld der Münchner Sicherheitskonferenz am Donnerstag Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Bundeswehr mit etwa 120 Gästen in der Microsoft-Zentrale in München Schwabing. Es war eine gemeinsame Veranstaltung des von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen im Juni 2018 ins Leben gerufenen Think Tanks „German Institute for Defence and Strategic Studies“ (GIDS) in Hamburg und Microsoft Deutschland.

Zwischen Hollywood und Realität

„Die Bundeswehr braucht Künstliche Intelligenz“ sagte Generalleutnant Jörg Vollmer, Inspekteur des Heeres auf dem ersten Panel „Künstliche Intelligenz im Kontext innerer und äußerer Sicherheit“. Admiral Manfred Nielson, Stellvertretender Kommandeur des NATO-Kommandos ACT (Allied Command Transformation) pflichtete ihm bei. KI könne viele Prozesse schneller strukturieren und analysieren und so die Entscheidungs- und Handlungsfähigkeit steigern. So könne Personal für andere Kernkompetenzen freigemacht werden. Mit den beiden Spitzenmilitärs der Bundeswehr diskutierten Sian John, Chief Security Advisor Microsoft Corporation und Anja Kaspersen, Direktorin im Office for Disarmament Affairs der Vereinten Nationen in Norwegen.

„Künstliche Intelligenz verändert unsere Gesellschaft grundlegend“, sagte Thorsten Herrmann, Mitglied der Geschäftsführung Microsoft Deutschland. „Wir müssen aber erst einmal differenzieren, denn die Technologien, die heute verfügbar sind, unterscheiden sich sehr stark von dem, was zum Beispiel in Hollywood Blockbustern gezeigt wird.“ Das Potential von schon heute vorhandener KI-Technologie sei allerdings schon jetzt als Ergänzung kognitiver Fähigkeiten des Menschen immens. Das ist auch für militärische Prozesse interessant, denn sie können Reaktionszeit steigern und Schutz bieten.

Sicherheit ist auch ein Thema bei Microsoft, als ein weltweit vernetztes Unternehmen – insbesondere in Bezug auf Cyberangriffe. Cyberangriffe sind indes ebenso ein virulentes Thema für die Bundeswehr. Und auch hier kann Künstliche Intelligenz helfen, so Sian John. Die Angriffe auf Systeme im Cyberraum würden größer, besser und schneller. „Es gibt mehr Technologie, die Welt vernetzt sich mehr, damit wird die Angriffsfläche größer“, sagte die KI-Expertin. Microsoft nutze Künstliche Intelligenz aber nicht nur zur Sicherung von Systemen. „Ziel ist es, dass die Technologie die Basisarbeit macht, auf deren Grundlage die Menschen Entscheidungen treffen“, erklärte John. Durch Algorithmen sei Künstliche Intelligenz mittlerweile so weit, dass Maschinen eigenständig lernen, Daten zu verarbeiten. Die dann gefilterten Daten, helfen dem Menschen, schneller entscheiden zu können. Künstliche Intelligenz sei ein wichtiges Werkzeug, sich vor Bedrohungen zu schützen – hierbei sei Schnelligkeit ein wesentlicher Faktor und den könne Künstliche Intelligenz verbessern.

Klarheit der Begriffe

Der Inspekteur des Heeres erklärte, dass die Digitalisierung der Streitkräfte in vollem Gange sei. In Munster habe man bereits mit der Aufstellung von Test- und Versuchskräften begonnen, die erste Erfahrungen in der Digitalisierung von landbasierten Operationen sammelten. Künstliche Intelligenz sei ein Bestandteil davon. „Insgesamt integrieren wir aber neue Entwicklungen zu langsam in das System“, erklärte er. Da pflichtete ihm Admiral Nielson bei: „Der Zug ist abgefahren“, stellte er nüchtern fest und forderte: „Wir sollten den Anschluss nicht verpassen. Wir brauchen einen übergreifenden Ansatz bei Künstlicher Intelligenz.“ Anja Kaspersen differenzierte, das KI eine Eigenschaft sei, kein System. Man müsse mehr Klarheit in die Diskussion bringen und die Begriffe schärfen. Erst dann könne man zielführend über Chancen und Risiken sprechen.

Das betrifft auch die Unterscheidung von automatisierten und autonomen, beziehungsweise halbautonomen Waffensystemen. „Wir verwenden bereits halbautonome Waffensysteme“, erklärte Vollmer. Beispielsweise nutze der Schützenpanzer ein halbautonomes System zur Abwehr von Raketen. Der Mensch sei nicht mehr involviert. Allerdings sei es der Mensch, der entscheidet, wann ein solches System zu welchem Zweck genutzt wird. Admiral Nielson gab zu bedenken, dass man nicht nur die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz beachten müsse, „wir müssen darüber nachdenken, wie wir Menschen ausbilden, damit sie in Zukunft mit der Technologie umgehen können.“ Auch über den Aspekt eines Regelwerkes, wie mit Künstlicher Intelligenz umzugehen sei, wurde diskutiert. Das war gerade Direktorin Kaspersen wichtig, denn hier sei man darum bemüht, Leitlinien zum Umgang mit KI zu entwickeln – multilateral. Doch Regelwerk hin oder her. „Wir wollen unsere Soldatinnen und Soldaten in den Einsätzen bestmöglich schützen. Wenn KI das kann, dann ist das gut“, sagte Admiral Nielson. „Künstliche Intelligenz sollte unser Diener sein“, sagte John. Vollmer pflichtete bei, „aber ich möchte, dass ein Mensch das noch kontrolliert.“

Die Ethik mitgedacht

Im zweiten Panel „Ethische und rechtliche Aspekte der Anwendung Künstlicher Intelligenz im Umfeld öffentlicher Sicherheit“ debattierten Marcel Otto Yon, CEO Bundeswehr Cyber Innovation Hub, Konstantin von Hammerstein, Der Spiegel, Oberstaatsanwalt Markus Hartmann, Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime im Bundesland Nordrhein-Westfalen, und Prof. Dr. Merith Niehuss, Präsidentin der Bundeswehr Universität München. Hier ging es beispielsweise um die Frage, ob die Gesetzgebung der schnellen Entwicklung von Cyberangriffen und damit auch KI folgen könne. Hier gab Yon zu bedenken, dass ein Einschreiten durch den Gesetzgeber wohl überlegt sein müsse. „Im Falle der Biometrie hatte sich der Gesetzgeber eingeschaltet und damit einen ganzen Industriezweig ins Ausland befördert“ Aber ungeachtet dessen erklärte Oberstaatsanwalt Hartmann: „der Gesetzgeber wird sich der ethischen Verantwortung rund um Künstliche Intelligenz stellen müssen“.

In Wissenschaft und Industrie werde Ethik selbstverständlich immer mitgedacht, sagte Niehuss. Aber man müsse gut abwägen, wo die Gefahren den Nutzen übersteigen, um dann mit einem Regelwerk oder Gesetzen einzugreifen. „Die ganz große Vision einer der Biologie nachempfundenen Intelligenz wird noch sehr lange dauern“, sagte Yon und plädierte dafür, die Debatte auf das zu fokussieren, was derzeit existiere: KI als Werkzeug, Prozesse des Alltags zu optimieren, damit der Mensch schneller und besser entscheiden könne – beispielsweise bei der Krisenfrüherkennung. Den Menschen zu ersetzen, soweit sei man noch nicht. „Am Ende macht ein Mensch den Plausibilitätscheck“, so Niehuss. Schließlich blieb die Erkenntnis: „KI ist eine Naturgewalt. Der Zug wird nicht aufzuhalten sein“, sagte von Hammerstein. Doch Vieles ist eine gute Ergänzung, so dass sich der Mensch auf Kernkompetenzen konzentrieren kann – das war Konsens. Generalmajor Oliver Kohl, Kommandeur der Führungsakademie in Hamburg und damit Mitveranstalter, schloss die Veranstaltung mit den Worten: „Bei all diesen Veränderungen, die auf uns zurollen, stellen sich für uns an der Führungsakademie der Bundeswehr zwei Fragen: Wie werden wir künftig führen? Und wie wollen wir dafür ausbilden?“ – Anregungen zur Beantwortung dieser Fragen bot der Nachmittag allemal.

 

 

 

 

Westafrika – Spannende ethnische und kulturelle Vielfalt

Autor: Stefan Berger; Fotografin: Lene Bartel

Hamburg, 11.02.2019

Eröffnung und Begrüßung der Gäste durch Oberst i.G. Jesko Peldzus

Oberstleutnant Serge Kabore redet über seine Heimat Burkina Faso

Die Oberstleutnante Coovi und Kabore während der Diskussionsrunde mit dem Dozenten Klüver

Im Dialog mit den Lehrgangsteilnehmern

Durch fortschreitende Globalisierung, Flüchtlingsströme aus Afrika nach Europa und eine zunehmende Terrorgefahr in einigen Ländern des afrikanischen Kontinents erhält die internationale Zusammenarbeit im zivilen und militärischen Bereich einen immer höheren Stellenwert. Auch zukünftig braucht Deutschland in Afrika zur Sicherung des Friedens und zur Wahrung eigener Interessen starke und verlässliche Partner. Aufbauen und Vertiefen kann man diese Partnerschaften besonders durch persönliches Kennenlernen, Verständnis und gegenseitigen Respekt.

Der Lehrgang für Generals- und Admiralsstabsdienst International 2018 (LGAI 2018) wurde konkret:  „Westafrika 2“ hieß es Ende Januar beim bereits sechsten Regionalen Informationstag RIT im Manfred-Wörner-Zentrum an der Führungsakademie der Bundeswehr FüAkBw.

Anknüpfend an den ersten Regionalen Informationstag „Westafrika, Teil 1“ im Jahr 2019, der schon den Fokus auf den westafrikanischen Kontinent richtete, begaben sich Gäste, Teile des Stammpersonals der FüAkBw und Lehrgangsteilnehmer des LGAN 2018 sowie des LGAI unter der Moderation von Oberstleutnant Tobias Maiworm als „RIT-Meister“ auf die gedankliche Reise nach Benin und Burkina Faso. Im bewährten Format präsentierten die Lehrgangsteilnehmer Oberstleutnant Coovi Theophile Gbeto aus Benin und Oberstleutnant Serge Kabore aus Burkina Faso „Erste-Hand-Informationen“ aus ihrer Heimat.

Neben der langen Geschichte Westafrikas stellten die beiden auch Traditionen beider Länder, die Vielfalt der dort lebenden Gesellschaften sowie die Geographien, Ökonomien, Lebensstile und der Sprachen heimischen Volksgruppen vor.

Zuvor waren die Zuhörer durch Hartmut Klüver aus der Fakultät Politik-, Sozial- und Gesellschaftswissenschaften mit einem detail- und facettenreichen Vortrag in die offizielle deutsche Sicht auf Westafrika, insbesondere aber in die deutschen Interessen an und Aktivitäten in den Länder Benin und Burkina Faso eingewiesen worden.


In der anschließenden Diskussion, in der sich die Referenten in einem anregenden Dialog den tiefgründigen und teils kritischen Fragen der Zuhörer stellten, stellte Kabore unmissverständlich fest: „Auch Burkina Faso braucht verlässliche Partner, die bereit sind, in mein Land zu investieren. […] Dann bin ich überzeugt davon, dass mein Land einer positiven Zukunft entgegensieht.“

Gbeto aus Benin, der bereits am Stabsoffizierlehrgang in China teilnahm, unterstrich die Wichtigkeit vieler starker Partnerländer speziell im Rahmen der Ausbildungskooperation. So lobte er Deutschland: „Ich bin nun zum dritten Mal in Deutschland und kann sagen, dass ich vom Prinzip Führen mit Auftrag vollkommen überzeugt bin und es anderen jederzeit vorziehe.“

Dank der persönlichen Schilderungen der afrikanischen Offiziere erfuhren die Zuhörer und Gäste bei diesem Regionalen Informationstag neue Anregungen und Impulse. Diese hinterfragten sie intensiv in der abschließenden Podiumsdiskussion mit den Referenten, die fachkundig und mit persönlichen Erfahrungen versuchten, jede Frage zu beantworten und Anmerkungen aufzunehmen.

Neben der geistigen Nahrung sollte auch die sinnliche Erfahrung zum besseren Verständnis stehen. So probierten die Gäste, Lehrgangsteilnehmer und die Referenten bei einem Empfang im Foyer des Manfred-Wörner-Zentrums lokale Spezialitäten aus Burkina Faso und Benin.

 

 

 

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Die Führungsakademie der Bundeswehr ist traditionell international stark vernetzt. Weltweite Kooperationen sind die Basis unseres Beitrages zur Völkerverständigung.

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