Die Geschichte der Generalleutnant-Graf-von-Baudissin-Kaserne (GBK)
Dieser Aufsatz über die Entstehungsgeschichte der Generalleutnant-Graf-von-Baudissin-Kaserne wurde im Archiv von ehemals G 3 Org/Btrb sowie beim Kasernenoffizier GBK gefunden. Er wird leicht gekürzt und in einigen Passagen ergänzt bzw. korrigiert wiedergegeben. Die geänderten Passagen sind mit Klammern kenntlich gemacht. Der Verfasser ist nicht bekannt. Auch nicht das Entstehungsdatum und der Anlass der Niederschrift. Die Führungsakademie der Bundeswehr ist für den Inhalt nicht verantwortlich.Die Zeit vom Kaiserreich bis 1935
Will man die Gründung der Osdorfer Kaserne verstehen, dann muß man in der Geschichte etwas weiter ausholen, denn die Entstehung der Kaserne hat ihren Ursprung bereits im Deutschen Kaiserreich.
Noch vor dem Ersten Weltkrieg wurde in Hamburg-Bahrenfeld der Bau einer Kaserne begonnen, die für das Infanterieregiment 31 der Kaiserlichen (preußischen) Armee vorgesehen war. Da bei Ausbruch des Krieges jedoch andere Aufgaben vordringlicher waren, wurde der Bau, dessen Grundmauern schon in die Höhe gezogen waren, eingestellt. Er sollte niemals wieder in seiner ursprünglichen Bestimmung fortgesetzt werden, denn kurze Zeit danach wurde die gesamte Anlage von dem Tabakfabrikanten Reemtsma als Fabrikgebäude übernommen. Er führte den Bau zu Ende und richtete darin seine Produktionsanlagen ein.
Während der Weimarer Republik blieb der Gebäudekomplex in seinem Besitz. Die Produktion lief auf vollen Touren, bis Anfang 1934 auf Weisung Hitlers die Vorbereitungen für die Erweiterung des 100 000-Mann-Heeres auf 300 000 Soldaten anliefen. Die Deutsche Wehrmacht benötigte neue Unterkünfte und stellte Reemtsma vor die Entscheidung, entweder seine Fabrikanlagen zu demontieren und die Gebäude als Kaserne zur Verfügung zu stellen oder auf eigene Kosten eine neue Kaserne zu errichten. Aus wirtschaftlichen Gründen entschloss sich Reemtsma für einen Neubau. Er behielt die bereits eingerichteten und im Betrieb befindlichen Produktionsanlagen. So wurde auf dem Grund des Bauern Heinz Behrmann in Osdorf eine neue Kasernenanlage begonnen. Vom Anfang des Jahres 1934 bis Juli 1935 wurden die Unterkunftsgebäude und ein Teil der Kraftfahrzeughallen fertiggestellt, während die Straßen und die restlichen Kraftfahrzeughallen erst im Sommer 1936 ihrer Bestimmung übergeben werden konnten.
Die Jahre 1936 und 1937
Im Juli 1935 zog als erstes ein Ausbildungskommando von der 2. Preußischen Fahrabteilung des Flugabwehrregimentes in Stettin ein. Den Eingang der Kaserne zierte bei der Übergabe ein mannshoher Findling, auf dem ein bronzener Adler seine Schwingen ausspannte. Es standen zu diesem Zeitpunkt das Stabsgebäude und die Unterkunft für drei Batterien. Das übrige Gelände zeigte mit seinen Trümmerfeldern und Baugruben deutlich die weiter vorangetriebenen Bauarbeiten. Der größte Teil des heute vom Rugenbarg begrenzten Geländes war ein einziges schlammiges Baggerloch, aus dem der Bausand gefördert wurde.
Am 1. Oktober 1935 wurden die ersten Rekruten eingezogen und zum 1./Flugabwehrregiment 6 zusammengestellt. Sie erhielten hier ihre allgemeine Grundausbildung. Da sich das weit brachliegende Gelände für die Gefechtsausbildung geradezu anbot, wurden zum größten Teil auch in diesem Abschnitt die Grundlagen der Infanteriegefechtsausbildung vermittelt. Der jetzige Sportplatz Nord und der Platz vor den Kraftfahrzeughallen dienten als Exerzierplätze. Untergebracht wurden die Rekruten nach Korporalschaften, die den heutigen "Gruppen" entsprachen; die Korporale, die als Ausbilder fungierten, bewohnten die Flachgebäude, jetzt Geschäftszimmer und Hörsäle. Bemerkenswert ist, dass sich die Korporale streng von allen anderen Soldaten abkapselten, seien es höhere oder niedere Dienstgrade. Es galt zumindest für die Rekruten fast als Verbrechen, sich in ihre Wohngebäude hineinzuwagen.
Im Januar 1936 wurde dem Flugabwehrregiment das Heeres-Infanterie-Regiment 6 aus Flensburg zugeteilt. Nachdem die Kaserne 1936 in laufenden Arbeiten während des ganzen Jahres fertiggestellt worden war, brachte man im Block 4 die Stabsbatterie unter, im Block 5 die Verwaltung, im Anbau dieses Gebäudes den Sanitätsbereich (jetzt S 4 und Stab). Block 6 diente als Wirtschaftsgebäude (es wurde hier das Offizierkasino eingerichtet), die Gebäude 7 und 8 beherbergten die erste Batterie (jetzt 5. und 4. Inspektion), Gebäude 9 und 10 die zweite (jetzt 6. Inspektion und Offizierunterkünfte). In den Gebäude 11 und 12 lag die Scheinwerferbatterie (jetzt Offizierunterkünfte und 1. Inspektion), die später auf fünf schwere Scheinwerfer erweitert wurde. Die vierte Batterie kam in Block 13 und 14 unter (jetzt Luftwaffenmusikkorps und 3. Inspektion), die dritte in Block 15 und 16 (jetzt Offizierunterkünfte und 2. Inspektion). Ein weiteres Wirtschaftsgebäude befand sich im Gebäude 17. Die heutige Kraftfahrzeughalle war als Waffenwerkstatt eingerichtet, während in der Verlängerung des Gebäudes die Kraftfahrzeug-Reparaturwerkstatt lag. Die Flugabwehrbatterien waren zunächst mit 7,5 cm-Geschützen ausgerüstet, die auf vollgummibereiften Henschel-Fahrzeugen montiert waren. In der Folgezeit kamen dann schwere Abteilungen mit 8,8 cm-Geschützen, gezogen von Raupenfahrzeugen, hinzu.
Als erster Kommandeur übernahm Major Heino von Rantzau das Regiment; sein Adjutant war Oberleutnant Haberland, der spätere Oberstleutnant und Lehrgruppenkommandeur der Flugabwehrschule in Rendsburg. 1938 wurde der Kommandeur zum Flugabwehrkanonenregiment 43 nach Dessau versetzt. Der Verband wurde von Major Hartmann übernommen, einem früheren Marineoffizier.
1936 bereiteten sich auch Olympiateilnehmer in der damaligen Sporthalle, dem heutigen Offizierheim, für die Olympischen Spiele (Fünfkampf, Fechten) in Berlin vor. Noch heute sind zur Erinnerung an diese Vorbereitungen über dem Wirtschaftseingang die Olympischen Ringe zu sehen (es handelt sich um das Gebäude 56, dem heutigen Freiherr-vom–Stein–Saal; die olympischen Ringe sind durch Änderung der Fassade nicht mehr erkennbar).
Die Zeit von 1937 bis Kriegsbeginn
Im Jahre 1937 stellte die Wehrmacht Ersatzbataillone als Reserve für den Fall eines Krieges auf. Auch der Kaserne in Osdorf wurde eines dieser Bataillone zugewiesen. Es waren jedoch keine Unterkünfte vorhanden, und so wurden zunächst die Sporthalle und die Kraftfahrzeughallen mit Strohsäcken als Notquartiere eingerichtet, bis die Reservisten später in rasch errichteten Baracken hinter den Fahrzeughallen einzogen. Auch der spätere Bundeskanzler Helmut Schmidt trat hier seinen Wehrdienst an, wurde aber noch am selben Tage zu einer Flugabwehreinheit in Bremen weitergeleitet. Die Osdorfer Ersatzabteilung bestand ausschließlich aus Reserveoffizieren des Ersten Weltkrieges. Sie erhielten vom Stammpersonal des Flugabwehrregimentes eine zweite Rekrutenausbildung.
Die Flugabwehrkaserne in Osdorf war in ihrer Art und Verwendung nicht die einzige im hamburger Raum; sie war eine Masche des weit über Hamburg gespannten Flugabwehrnetzes. So befand sich zum Beispiel in der heutigen Logistikschule das Leichte Flugabwehrregiment 76, im Rissener Krankenhaus eine schwere Scheinwerferabteilung. 1938 wurde die 5. Batterie in die heutige Flugabwehrschule nach Rendsburg verlegt, der übrige Teil des Regimentes erhielt einen Einsatzbefehl für das Sudetenland. Ein Einsatz in Polen folgte 1939. In der Kaserne verblieb lediglich ein Restkommando, das den Nachschub von Reservisten regelte. Im Mai 1940 wurden die Gebäude 7 bis 13 von der Luftwaffen-Kraftfahrzeug-Ausbildungsabteilung im Rahmen des Flak-Schutz-Rings in Hamburg belegt.
Die Nachkriegszeit und der Aufbau der Bundeswehr
Im Mai 1945 übernahm die Royal Air Force der britischen Besatzungsmacht die Kaserne und gab ihr den Namen "Philips Barracks". Sie wurde in der nachfolgenden Zeit zu verschiedenen Zwecken verwendet. Die Gebäude 9 und 14 (jetzt 6. und 3. Inspektion) wurden ehemaligen polnischen Fremdarbeitern in Deutschland als Wohnraum zur Verfügung gestellt. Einige andere Gebäude dienten zeitweilig als Unterkunft für das Wachpersonal des Kuriohauses, Sitz der höchsten britischen Justizbehörde während der Besatzungszeit in Deutschland.
Die Kaserne selbst wurde von Polen bewacht, die in der CMLO (Civil Mixed Labour Organization) zusammengefasst waren. Der Chef dieser Organisation für diese Kaserne war der polnische Kapitain Wronski. Es herrschten damals zum Teil recht raue Sitten. So kam es Anfang 1946 im Lokal Weidenruh in Bahrenfeld, im Stammlokal der Polen, zu einer Auseinandersetzung zwischen Deutschen und Polen. Nachdem deutsche Polizei zunächst für Ruhe und Ordnung sorgen konnte, kehrten die Polen in ihre Unterkunft zurück, kamen jedoch nach kurzer Zeit bewaffnet wieder zum Lokal. Die englische Militärpolizei und die deutsche Polizei verstanden es jedoch, in diesem Lokal, nachdem einige Schüsse gefallen waren, wieder für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Sie verfolgten die flüchtigen Randalierer. Später kam es in der Kaserne zu einer Schießerei, nachdem sich ein Pole in seinem Zimmer verbarrikadiert hatte und er sowohl die englische als auch die deutsche Bereitschaftspolizei daran hinderte, den Block zu betreten. Nach weiterem, heftigen Feuergefecht gab der Pole den Widerstand auf, nachdem er stark verwundet war.
Die Gebäude 10, 11 und 13 wurden 1947 zu Wohnungen für englische Familien ausgebaut. Mitte des Jahres 1947 wurde Block 16 von einer GSO-Einheit ehemaliger Kriegsgefangener belegt.
Mit dem Jahre 1955 kam der Aufbau der Bundeswehr und damit auch die Neuaufstellung der Deutschen Luftwaffe. Im Dezember 1956 wurde die Kaserne von der Standortverwaltung Hamburg übernommen. Und im Mai 1957 bezogen wieder deutsche Soldaten die Osdorf-Kaserne.
Bereits im Juni 1956 erfolgte die Kurzeinweisung gedienter Soldaten in die neuen Aufgaben der Bundeswehr bei den sogenannten Luftwaffenlehrgängen in Uetersen. Am 1. Januar 1957 wurden diese Lehrgänge in die "Truppenschule der Luftwaffe" umgewandelt. Sie ist die einzige Schule dieser Art in der Bundesrepublik Deutschland.
(Aus o.g. Truppenschule ging die Unteroffizierschule der Luftwaffe hervor, welche Ende der 60er Jahre nach Iserlohn verlegt wurde). Es folgte die Stabsakademie der Bundeswehr. Ihr Auftrag bestand darin, als dritte und abschließende Stufe im sogenannten Dreistufenplan der Offizierausbildung, den künftigen Stabsoffizieren teilstreitkraftgemeinsam eine berufs- und verwendungsbezogene Ausbildung zu vermitteln. Der Stabsakademielehrgang dauerte 3 Monate.)
Seit dem 14. Mai 1965 trägt die Kaserne den Namen "General-Schwartzkopff-Kaserne". Eine Dokumentation der Stadtverwaltung Altona berichtet darüber.
Hier endet der gefundene Aufsatz.
Nachlese - Die Zeit von 1973 bis heute
Seit 1973 ist die "General–Schwartzkopff-Kaserne" wesentlicher Bestandteil der Führungsakademie der Bundeswehr. Zur Aufnahme der Lehrgangsteilnehmer des Stabsoffiziergrundlehrganges werden 1984 ein neues Unterkunftsgebäude (der "schnelle Brüter") sowie bis 1986 moderne Sporteinrichtungen gebaut. Die Gebäude 6 und 17 (Heimbereiche und Truppenküche) erhalten einen mehr als 500 m² großen Verbinderbau als Speisesaal.
Am 07. Juni 1994 wird die Liegenschaft durch den damaligen Verteidigungsminister Volker Rühe in Generalleutnant–Graf–von–Baudissin–Kaserne umbenannt. Damit werden die Verdienste des Mitbegründers der Inneren Führung explizit gewürdigt.
Im März 2001 erhält das Plenum, Gebäude 22, den Namen "Oberst–Dr.–Will–Saal". Dr. Günter Will war der einzige Kommandeur der Stabsakademie (StAkBw), die bis zum Jahr 1973 als einzige Einrichtung der Bundeswehr eine teilstreitkraftgemeinsame Ausbildung durchführte und am 01.10.1973 in der Führungsakademie der Bundeswehr aufging.
Durch die Zusammenfassung der einzelnen Sanitätsbereiche der Führungsakademie zu einer zentralen Dienststelle "Sanitätszentrum Hamburg" im Gebäude 4 sind im Herbst 2003 umfangreiche Umzüge einzelner Teilbereiche, wie z.B. das Baudissin-Archiv, das Wissenschaftliche Forum Internationale Sicherheit (WIFIS) und diverser Fachbereiche, notwendig geworden.

