Vernetzte Sicherheit I: Territoriale Aufgaben der Bundeswehr
Hamburg, 30.03.2007
Überschwemmungen, Pandemien und terroristische Bedrohung – Sicherheitspolitik im 21. Jahrhundert ist so facettenreich wie ihre Herausforderungen. Die Frage wie mit ihnen umgegangen werden kann, beschäftigte die Teilnehmer des LGAN in der Woche der vernetzten Sicherheit vom 5. – 9. März 2007.
Beitrag der Bundeswehr im Katastrophenschutz im Inland
Im Lehrgang General-/Admiralstabsdienst National der Streitkräfte 2006 befasste sich ein Teil des Ausbildungsabschnitts "Grundbetrieb" mit den territorialen Aufgaben der Bundeswehr im Rahmen der Gesamtstaatlichen Sicherheitsvorsorge.
Ziel dieses Ausbildungsabschnittes war es, den Lehrgangsteilnehmern den Beitrag der Bundeswehr im Katastrophenschutz im Inland zu verdeutlichen, ihnen die wichtigsten zivilen Organisationen vorzustellen und sie in der Übung "TERREX" in unterschiedlichsten Rollen und verschiedenen Szenarien auszubilden.
Die generelle Grundidee wurde in Zusammenarbeit des Fachbereichs Führung und Einsatz Streitkräfte mit der Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz (AKNZ) entwickelt.
Anteile der Übung wurden durch ein Ausbildungsteam der AKNZ unterstützt.
Gesamtstaatliche Sicherheitsvorsorge in der Praxis
In der Inputphase wurden zunächst die verfassungsrechtlichen und organisatorischen Grundlagen für den subsidiären Einsatz der Streitkräfte, mit Schwerpunkt bei Großschadensereignissen im Inland, gelegt. Im Rahmen von Vorträgen und Podiumsdiskussionen konnten die wesentlichen Keyplayer der gesamtstaatlichen Sicherheitsvorsorge deren Auftrag, Organisation und Fähigkeiten darstellen. Die Anwesenheit des Präsidenten des Bundesamtes für Bevölkerung und Katastrophenhilfe, Christoph Unger zeigte, welchen hohen Stellenwert der zivile Bereich dem Ausbildungsabschnitt beigemessen hat. Der in der Grundidee angelegte Interagency-Ansatz konnte durch Beteiligung und Engagement des Präsidiums des Deutschen Roten Kreuz aus Berlin, Bundespolizeipräsidium Nord aus Bad Bramstedt, der Innenbehörde der Hansestadt Hamburg, Polizeidirektion Lüneburg sowie dem Technischen Hilfswerk , Bonn nachhaltig verwirklicht werden. Abgerundet wurde dieser Teil der Ausbildung durch eine von der Innenbehörde der Hansestadt Hamburg organisierten statischen Leistungsschau von THW, DRK, Feuerwehr und Polizei auf dem Gelände der Führungsakademie der Bundeswehr.Abgerundet wurde diese Phase durch Vorträge über private Dienstleister in der Gesamtstaatlichen Sicherheitsvorsorge, über zivile Führungsstrukturen und über Erkenntnisse aus der Übungsserie des Innenministeriums "LÜKEX".
In der Übung "TERREX" mussten die Lehrgangsteilnehmer zunächst Aufgaben aus dem Bereich der rechtlichen Einordnung des Einsatzes der Streitkräfte im Inland lösen und zu Auswirkungen eines länderübergreifenden Stromausfalls nach einem Unwetter Stellung nehmen. Eine besondere Herausforderung war der Übungsabschnitt, bei dem sich die Lehrgangsteilnehmer in die Rolle eines Verwaltungsstabes des Bundeslandes Baden-Württemberg versetzen mussten, um die politischen und gesamtstaatlichen Dimensionen einer Naturkatastrophe reaktiv zu bewältigen.
Engagement und Offenheit
Der sich daran anschließende präventive Umgang mit einer Naturkatastrophe, die im Bundesland Sachsen angesiedelt war, stellte den Höhepunkt der Übung dar.
Für diesen Abschnitt konnten der Regierungspräsident Dresden, Dr. Henry Hasenpflug, und der stellvertretende Landrat des Weißeritzkreises, Thomas Rechentien, Beamte der Polizeidirektion Dresden und der Leiter des Ausbildungszentrums des THW, Harald Müller gewonnen werden. Auch der Präsident des THW, Albrecht Broemme ließ es sich nicht nehmen, an Teilen der Übung teilzunehmen.
Mit der Fülle ihrer Erfahrungen und der ausgewiesenen Expertise gelang es eindrucksvoll, den Lehrgangsteilnehmern wertvolle Impulse für die Arbeit in den Stäben zu geben. Diese Stäbe spiegelten sowohl die zivile Seite von Kreis über Bezirk bis zur Landesregierung wider, als auch die militärischen Dienststellen vom Beauftragten der Bundeswehr für die zivil-militärische-Zusammenarbeit über das Landeskommando bis zum Wehrbereichskommando.
Für die Lehrgangsteilnehmer eine fordernde Aufgabe, der sie sich mit Engagement und Offenheit gerade auch für die besonderen Herausforderungen der Neuorganisation der territorialen Aufgaben stellten.
Mit diesem Ausbildungsabschnitt ist es gelungen, einen weiteren Beitrag zu einem übergreifenden, ebenengerechten und zielorientierten Zusammenwirken der staatlichen und nichtstaatlichen Organisationen der Gesamtstaatlichen Sicherheitsvorsorge zu leisten . Diesem Ziel dient der Ansatz des Interagency-Prozesses generell, der in Modulen und in den Generalstabslehrgängen immer mehr Platz greift und so seiner Bedeutung angemessen verwirklicht werden kann.

