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Hintergründe

Zum Jubiläum kehrt die Arbeitsgruppe Joint and Combined Operations zu ihren Wurzeln zurück

Seit nunmehr 10 Jahren arbeitet das Heer in einer eigens dafür eingerichteten Dienststelle in Hamburg an den Grundsätzen der Truppenführung.

Die "Arbeitsgruppe Joint and Combined Operations" ist allerdings eher durch "FÜREX" bekannt, jene Planübungen für Truppenführer, die 1999 durch den damaligen Inspekteur des Heeres ins Leben gerufen wurde. Oft wird die Arbeitsgruppe Joint and Combined Operations auch als integraler Bestandteil der Führungsakademie der Bundeswehr betrachtet. In jüngster Zeit wurde mancher Insider durch die umfangreiche Auswertung des IRAK-Krieges auf die Arbeitsgruppe aufmerksam.

Tatsächlich ist die Arbeitsgruppe eine Dienststelle "sui generis", die nicht nur eine Sonderrolle in der Hierarchie des Heeres spielt, sondern auch keine Entsprechung in den anderen Teilstreitkräften findet. Die sicherheits­politischen Umwälzungen der frühen neunziger Jahre und die sich daraus ergebenden veränderten Rahmenbedingungen für den Einsatz der Streitkräfte waren Grund für den Inspekteur des Heeres, eine Arbeitsgruppe einzurichten, um die Führungsvorschriften der Reihe HDv 100 grundlegend neu zu erarbeiten. So wurde am 01. April 1994 die aus 19 Offizieren - insgesamt 26 Soldaten - bestehende "Gruppe Truppenführung" an der Führungsakademie in Hamburg eingerichtet.

Bild : Struktur der Arbeitsgruppe Joint and Combined OperationsZoom
Struktur der Arbeitsgruppe Joint and Combined Operations(Quelle:FüAkBw)

Truppenführerreise des Heeres

Nach Fertigstellung der Vorschriftenentwürfe wurde die Gruppe 1996 personell verringert und zur Arbeitsgruppe Joint and Combined Operations umgegliedert. Parallel zu den abschließenden Arbeiten an den Vorschriften wurde diese mit der Vorbereitung der ersten Truppen­führerreise des Heeres "FÜREX 99" beauftragt. Nach der erfolgreichen Durchführung der ersten Übung wurden weitere geplant und so im November 2001 aus der befristeten Arbeitsgruppe schließlich eine auf Dauer aufgestellte selbständige Dienststelle des Heeres.


Auftrag

Obwohl zeitweise Schwerpunkt, sollte die Vorbereitung der FÜREX-Übungen jedoch eigentlich nie im Mittelpunkt der Arbeit der Arbeitsgruppe stehen. So lautet der STAN-Auftrag:
»ArbeitsGruppe Joint and Combined Operations erarbeitet konzeptionelle Grundlagen im Hinblick auf künftige operative und taktische Erfordernisse im Rahmen des gesamten Aufgabenspektrums des Heeres unter besonderer Berücksichtigung Teilstreitkräft-übergreifender und multinationaler Zusammenarbeit.«

In der Tat nimmt sie bis heute folgende Aufgaben wahr:

  • Weiterentwicklung der Grundsätze der Truppenführung im multinationalen und streitkräftegemeinsamen Kontext;
  • Grundlagenforschung zu Aspekten der Truppenführung;
  • Verfassen und Aktualisieren der Vorschriften der Reihe Heeresdienstvorschrift 100;
  • Anlegen von Führungsübungen
  • zur Unterstützung der Weiterbildung im Heer hinsichtlich ausgewählter und aktueller Grundsätze der Truppenführung
  • als Grundlage für Übungen von Kommandobehörden und Großverbänden;
  • Leitung des Terminologie - Ausschusses "Heer und Militärisches Nachrichtenwesen";
  • Zuarbeit zur Bearbeitung von STANAG;
  • Zuarbeit zu Grundlagendokumenten hinsichtlich Aspekten der Truppenführung;
  • Untersuchungen mit operativer oder taktischer Fragestellung im Auftrag des Führungsstab des Heeres.

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Unterstellungsverhältnis

Die Arbeits­gruppe ist fachlich dem Stabsabteilungsleiter Führungsstab des Heeres III unterstellt und arbeitet so direkt dem Ministerium zu. Truppendienstlich ist sie dem Beauftragten des Inspekteurs des Heeres an der Führungsakademie, dem Fachbereichsleiter Führungslehre Heer, unterstellt und somit administrativ der Führungsakademie der Bundeswehr zugeordnet.

Um ihren Auftrag wahrnehmen zu können, arbeitet die Arbeitsgruppe eng mit anderen Heeresdienststellen wie Heeresamt Abteilung I, dem Fachbereich Führungslehre Heer an der FüAkBw sowie dem Taktikzentrum Heer an der Offizierschule des Heeres zusammen. Dem "Joint"-Aspekt wird durch Arbeitsbeziehungen zu entsprechenden Stellen bei Luftwaffe und Marine sowie zum Fachbereich Einsatzführung Streitkräfte(FES) an der FüAkBw Rechnung getragen. Im Ausland unterhält die Arbeitsgruppe Joint and Combined Operations Kontakte zu den Führungsgrundsätze bearbeitenden Stellen wie u.a. CREDAT in Frankreich, DGD&D in Großbritannien und zur Landesverteidungsakademie bzw. zum Generalstab in Österreich. Der enge Bezug zur Praxis wird unter anderem durch die Zusammenarbeit mit Stäben wie dem I. D/NL Korps sichergestellt.
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Bild : Die Führungsgrundsätze und Begriffe des HeeresZoom
Die Führungsgrundsätze und Begriffe des Heeres (Quelle:FüAkBw)

Führungsgrundsätze und Führungsbegriffe

Im Rahmen der Weiterentwicklung der Truppenführung stehen Führungs­grundsätze und Führungsbegriffe des Heeres im Mittelpunkt der Arbeit der Arbeitsgruppe. Am besten beschreibt jeweils ein Dreieck (siehe Abbildung) die enge Wechselwirkung von zusammen­hängenden Aufgaben. Grundlage für die Weiterentwicklung der eigenen Führungsg­rundsätze ist die Auswertung von Operationen und Einsätzen sowie das Studium der Führungs­grundsätze der Alliierten und der NATO. Eigens zu diesem Zweck vorbereitete Führungs­übungen bieten ein Forum, Truppenführer und deren Führergehilfen mit Veränderungen und Entwicklungen vertraut zu machen sowie neue Führungs­grundsätze zu erproben und zu diskutieren. Auf diese Weise schließt sich der Kreis, auf dem dann die Überarbeitung der Vorschriften der Truppenführung und die Zuarbeit zu konzeptionellen Dokumenten aufbaut.

Stets parallel zur Fortentwicklung der Führungsgrundsätze verläuft die Bearbeitung der damit verbundenen Führungsbegriffe. Dies erfolgt in enger Wechselwirkung zwischen der Überarbeitung der HDv 100/900, der Zu- und Mitarbeit zur Terminologie in konzeptionellen Dokumenten und der Harmoni­sierung im internationalen Bereich durch den Terminologieausschuss des Heeres, der seit Januar 2003 durch die ArbGrp JACOP geleitet wird.

Die enge Wechselbeziehung zwischen all diesen Arbeitsfeldern, die Möglichkeit zur ausgiebigen internen Diskussion und der intensive Gedan­kenaustausch mit anderen an der Thematik beteiligten Stellen sind charakteristisch dafür, wie die Arbeitsgruppe ihre Aufgabe erfüllt. Nach Aussetzung der Übung FÜREX 2004 und dem Abschluss der Auswertung des IRAK-Krieges für das Heer steht nun die Überarbeitung der Führungsvorschriften wieder im Mittelpunkt.

Wichtige Impulse für den neuen Ansatz geben dabei die Erkenntnisse aus dem IRAK-Krieg und den Einsätzen deutscher Truppenteile in Afghanistan und auf dem Bal­kan. Vor allem aber spielen Fragen zu den Rahmenbedingungen künftiger Ein­sätze eine Rolle, wie sie u.a. durch die Schlagworte "zunehmende Multina­tionalisierung", "vernetzte Operationsführung", "Three Block War", "Jointness", "Asymmetrie" und "nicht-lineares Gefechtsfeld" umschrieben werden.

Unverkennbar wächst die Bedeutung des streitkräftegemeinsamen Ansatzes im Rahmen der Führungsgrundsätze des Heeres, die den Transformationsprozess in NATO, Bundeswehr und Heer konsequent und zukunftsorientiert umsetzt.
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Transformationsprozess

Im Zentrum der vorbereitenden Überlegungen steht die Herausforderung, Antworten auf eine Reihe von Fragen zu finden, die den Weg in die Zukunft weisen sollen, wie zum Beispiel:

  • Welche Konsequenzen wird die "vernetzte Operationsführung" auf das traditionelle Führungsverständnis und die daraus entwickelten Führungsverfahren haben?
  • Was bedeutet "Jointness" für die taktische Führungsebene und welche neuen Schnittstellen ergeben sich dadurch zwischen den Teilstreitkräften?
  • Welchen Einfluss hat die Aufstellung neuer Organisationsbereiche, wie zum Beispiel der SKB, auf die Führungsgrundsätze?
  • Wie kann vor dem Hintergrund nicht mehr klar voneinander abgrenzbarer Einsatzbedingungen und fließend ineinander übergehender Einsatzformen die notwendige Flexibilität der Führungsgrundsätze erreicht werden?
  • Wie kann dazu die künstlich entstandene Kategorisierung der Führungsgrundsätze des Heeres in Grundsätze in "Kampfeinsätzen" und Grundsätzen in "Einsätzen ohne Kampf" überwunden werden?
  • Gilt das traditionelle Verständnis von Truppenführung und vom Truppenführer unter den neuen Bedingungen unverändert?
  • Wie kann den jungen Führergehilfen, die vermehrt in multinationalen Stäben gefordert sind, der Schritt vom traditionellen deutschen Führungsprozess zum sehr formalen "Operational Planning Process" der NATO erleichtert werden?
Bereits jetzt zeichnet sich ab, dass nicht jede neue Entwicklung Veränderungen der Grundsätze der Truppenführung erfordert, aber es wird auch deutlich, dass in manchen Bereichen erheblicher Aktualisierungsbedarf besteht.
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Ausblick

Mit dieser aktuellen Aufgaben­stellung ist die ArbGrp JACOP wieder zum Ausgangspunkt, dem Anlass für die Einrichtung der "Gruppe Truppenführung" vor zehn Jahren, zurückgekehrt. Mehr noch als damals zeigt sich heute, dass die Entwicklung der Führungsgrundsätze des Heeres niemals getrennt von den anderen Teilstreitkräften gelingen kann. Ein Thema für die nächsten Jahre muss sein, Voraussetzungen für abgestimmte Führungsgrundsätze zu schaffen, zum einen zwischen den Teilstreitkräften und zum anderen zwischen der taktischen und ope-rativen Ebene. Auch dieser Aufgabe wird sich die Arbeitsgruppe JACOP weiter widmen.

Schon der Name der Arbeitsgruppe verpflichtet seit Beginn zur Orientierung an Multinationalität und Jointness. Mit dem nun gewählten Ansatz für die Neugestaltung der Vorschriften zur "Truppenführung" fügt sich die Arbeits­gruppe nahtlos in den im Heer laufenden zukunftsorientierten und innovativen Prozess der Neuausrichtung ein.
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Stand vom 10.03.2008