Autor: Christoph Weigmann; Fotos: Stefan Bayer

Hamburg, 01.12.2017

Prof. Dr. Bayer beim  Vortrag auf der EIDESEA 2017

Prof. Dr. Bayer beim Vortrag auf der EIDESEA 2017

Peruanische Kadetten der Militärschule Escuela Militar de Chorrillos

Peruanische Kadetten der Escuela Militar de Chorrillos "Coronel Francisco Bolognesi" beim abendlichen Empfang

Pazifikstrand im Stadtteil Miraflores von Lima

Pazifikstrand im Stadtteil Miraflores von Lima

Peruanische Kadetten der Militärschule Escuela Militar de Chorrillos

Folkloredarbietung der peruanischen Kadetten der Militärschule Escuela Militar de Chorrillos "Coronel Francisco Bolognesi"

Huaca Pucllana ist eine beeindruckende Pyramide aus der Prä-Inka-Zeit und befindet sich mitten in der Hauptstadt Lima

Huaca Pucllana ist eine beeindruckende Pyramide aus der Prä-Inka-Zeit und befindet sich mitten in der Hauptstadt Lima"

Es sind die Erfahrungen und Erlebnisse einer Forschungsreise im klassischen Sinne, die Professor Dr. Stefan Bayer, Leiter des Fachgebietes Ökonomie und Strategie in der Fakultät für Politik, Strategie und Gesellschaftswissenschaften an der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw), von seiner (zu) kurzen Forschungsreise nach Lima / Peru zurück an die FüAkBw gebracht hat. Die von der Hanns-Seidel-Stiftung in München unterstützte Reise Anfang November wurde zum wissenschaftlichen Diskurs und für Expertengespräche ebenso genutzt wie auch dazu, die Führungsakademie zusammen mit der Helmut-Schmit-Universität der Bundeswehr (HSU) als die neue Denkfabrik am Standort Hamburg bei den internationalen Partnern zu positionieren und zu vernetzen.

Enge Verbindung der Länder

Kurz nach seiner Anreise hielt Bayer einen Vortrag zum Thema „Intergenerational Discounting in Climate Policy Analysis and Strategic Planning“ an der renommierten Pontifical Catholic University of Peru (PUCP). Inhalt seiner Ausführungen war die „Strategische Bedeutung ökonomischer Planungsmethoden für langfristige Entscheidungssituationen“.  Sein peruanischer Kollege, José Carlos Silva, Professor für Ökologische Ökonomie an der Fakultät der PUCP, kommentierte die Ausführungen Bayers und moderierte die daran anschließende kontroverse Diskussion unter den etwa 35 Zuhörerinnen und Zuhörer. Wie eng Peru und Deutschland miteinander verflochten sind, mag an einem konkreten Beispiel deutlich werden. Im Verlauf der Diskussion wurde ein tagesaktueller Rechtsstreit erörtert. Dieser handelte von der Klage eines peruanischen Bauern gegen einen deutschen Energiekonzern vor dem Landgericht Essen. In diesem Rechtsstreit strebt der peruanische Kläger an, das Energieunternehmen wegen der Folgen der Klimaerwärmung in seiner Heimatregion in Peru in Regress zu nehmen. Für Professor Bayer rücken durch diesen Fall die so genannten externen Kosten der Stromproduktion in den Fokus. Diese Klage könnte das Kernanliegen juristisch begründen: „Eine vollständige Wirtschaftsrechnung muss alle Kosten des Handelns berücksichtigen“, so Bayer.

Einfluss auf die Sicherheitspolitik

An den beiden Folgetagen stand die internationale Konferenz für Verteidigung, Sicherheit und Umwelt für Professor Bayer auf dem Programm. Teilnehmer aus insgesamt neun Ländern waren zugegen und tauschten sich über verschiedene Aspekte militärstrategischer Implikationen des internationalen Klimawandels aus. Wegweisend wurde die Tagung gemeinsam von der Pontifical Catholic University of Peru (PUCP), der Escuela Militar de Chorrillos Coronel Francisco Bolognesi, ein Pendant zur deutschen Führungsakademie der Bundeswehr auf Heeresebene, sowie vom World Wildlife Fund (WWF) organisiert und durchgeführt.

Verteidigungsminister eröffnet Konferenz

Der erste Tag wurde an der Militärschule, der zweite an der PUCP durchgeführt. Die Tagung hatte ein starkes politisches Gewicht mit der Begrüßung durch den peruanischen Verteidigungsminister Jorge Nieto Montesinos. Dieser führte die rund 400 Konferenzteilnehmer mit einem nachdenklich stimmenden Grußwort auf die kommenden zwei Tage ein. In seinem Grußwort titulierte er sich als Minister für Frieden, Sicherheit und Entwicklung. Aus seiner Sicht „sind alle Facetten strategische Aufgaben, die die peruanischen Streitkräfte in Zukunft noch deutlich mehr beschäftigen werden."

Verlust an nationaler Souveränität

Professor Bayer hatte die große Ehre, den wissenschaftlichen Teil der EIDESEA 2017 mit einem Grundsatzvortrag zu eröffnen. In diesem arbeitete er die neuen strategischen Herausforderungen für Streitkräfte im Zeitalter des Klimawandels heraus. „Zugleich hat der Klimawandel den Verlust an Souveränität für die Nationen zur Folge“, sagte Bayer. Neues, sehr umfassendes Denken ist sowohl auf nationaler wie internationaler Ebene notwendig, um hier nachhaltige Lösungen zu erarbeiten und politisch umzusetzen. „Dazu sind derartige Konferenzen prädestiniert“, wie der Vortragende ausführte.  Weitere interessante Vorträge, so Erfahrungen aus Kanada, den USA, aus dem Gastgeberland Peru oder Brasilien, aber auch Überlegungen zum Risikomanagement privater Unternehmen wurden vorgestellt und ausführlich diskutiert. Während der Tagungspausen konnten intensive Gespräche geführt werden. Zudem wurde Bayer zu zwei Interviews mit regionalen Tageszeitungen gebeten.

Folklore zur Aufmunterung

Die peruanischen Gastgeber verwöhnten nach dem ersten Tagungstag die Konferenzbesucher mit peruanischer Folklore und allerlei Gaumenfreuden mit Getränken und Speisen. Bei den Abschlussgesprächen wurde dieses Forum einheitlich als beispielgebend bewertet, ein Tagungsband und eine Nachfolgekonferenz binnen Jahresfrist werden vorbereitet. Die verbleibenden beiden Tage konnten zur Erkundung Limas genutzt werden,  auch hier wieder mit großartiger Unterstützung der peruanischen Gastgeber, bevor die lange Rückreise vom Pazifik in den kalten Norden Deutschlands anstand.