Autor: Manfred Ertl; Fotos: Katharina Roggmann

Hamburg, 20.11.2017

Im Fokus des Lehrgangs: Der Einsatz in Hauptquartieren von UN-Missionen

Im Fokus des Lehrgangs: Der Einsatz in Hauptquartieren von UN-Missionen

Teilnehmende aus dem zivilen Bereich

Teilnehmende auch aus dem zivilen Bereich

Austausch zwischen deutschen und internationalen Teilnehmenden

Austausch zwischen deutschen und internationalen Teilnehmenden

Praktische Anwendung des Gelernten in einer Planübung

Praktische Anwendung des Gelernten in einer Planübung

 

 

Der Einsatz deutscher Soldatinnen und Soldaten in Friedensmissionen der Vereinten Nationen (UN, United Nations) ist mittlerweile ein fester Bestandteil des Aufgabenspektrums der Bundeswehr, der künftig noch an Bedeutung gewinnen wird. Die Bundeswehr hat ein Paket von Maßnahmen geschnürt, um die Soldaten bestmöglich auf diese Einsätze vorzubereiten. Eine dieser Maßnahmen ist die Schaffung eines UN Staff Officer Course (UNSOC) an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg. Ziel dieses dreiwöchigen Lehrgangs ist es, Angehörige der deutschen Streitkräfte auf den Einsatz als Stabsoffizier in Hauptquartieren von UN-Missionen vorzubereiten. Der UN Staffofficer Course (UNSOC) gehört weltweit zu den wenigen Lehrgängen, die von den Vereinten Nationen zertifiziert und deswegen besonders attraktiv sind.

Zivile und militärische Teilnehmer

Da UN-Hauptquartiere nie rein militärische Einrichtungen sind, steht der UNSOC auch Mitarbeitern ziviler Institutionen offen. So nehmen zum Beispiel regelmäßig Vertreter deutscher Polizeibehörden am Lehrgang teil. Darüber hinaus entsenden auch andere Nationen Offiziere an die Führungsakademie. Dadurch ist der UNSOC durch Multinationalität geprägt wie auch das Aufeinandertreffen einer Vielzahl unterschiedlicher Organisationskulturen, was für die Situation in UN-Einrichtungen typisch ist. Es verwundert nicht, dass die Lehrgangssprache Englisch ist – eine Notwendigkeit, um in einer multinationalen Gruppe gemeinsam lernen und arbeiten zu können.

Peacekeeping-Missionen im Fokus

Der Lehrgang besteht im Wesentlichen aus zwei Teilen: Im ersten, zwei Wochen dauernden Abschnitt werden die Grundkenntnisse vermittelt, die erforderlich sind, um Grundlagen der Vereinten Nationen als Institution sowie die Funktionsweise von Peacekeeping-Missionen zu erfassen. Dazu befassen sich die Teilnehmenden zunächst mit den historischen, rechtlichen und konzeptionellen Grundlagen des Peacekeepping.

Anschließend geht es um die konkrete Organisation einer Friedensmission sowie um die unterschiedlichen Aufgaben und Zielsetzungen, die im Fokus derartige Missionen stehen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem Prinzip des multidimensionalen Peacekeepings, das große Übereinstimmung mit dem Prinzip der vernetzten Sicherheit aufweist.

Dem liegt die Erkenntnis zugrunde, dass die meisten heutigen Konflikte nicht rein militärisch sind, sondern dass sie eine Vielzahl weiterer Dimensionen umfassen wie etwa eine prekäre humanitäre Lage, mangelndes Demokratieverständnis der Konfliktparteien, ethnische Spannungen und fehlende staatliche Strukturen. Folglich darf eine Stabilisierungsoperation auch nicht eindimensional auf die Sicherheitslage einwirken. Sie muss vielmehr auf politischem, humanitärem oder ökonomischem Gebiet die Voraussetzungen schaffen, dass ein Waffenstillstand auch zu einem dauerhaften und belastbaren Frieden führt.

Verknüpfung ziviler und militärischer Aspekte

Vor diesem Hintergrund werden beim Lehrgang insbesondere Fragestellungen aus den Bereichen humanitäre Hilfe, Entwicklungsarbeit sowie Wiederaufbau von Polizeistrukturen und der lokalen Zivilgesellschaft behandelt. Im dem Zusammenhang befassen sich die Teilnehmenden auch mit den Grundprinzipien der Logistik bei einer solchen Mission, die sich von den Prinzipien und Prozessen rein militärischer Logistik zum Teil erheblich unterscheiden. Den Input-Teil des UNSOC runden Vorträge über die Staff Procedures in UN-Missionen, Verhaltensregeln für UN-Personal und grundlegende Prinzipien der Vereinten Nationen wie die Berücksichtigung von Gender-Aspekten oder der Schutz der Zivilbevölkerung im Einsatzland ab.

Planübung zur praktischen Anwendung des Gelernten

In der dritten Woche des Lehrgangs wenden die Teilnehmenden das Erlernte im Rahmen einer Planübung praktisch an. Sie erhalten den Auftrag, in dem fiktiven Land Kolpoto im Westen Afrikas eine UN-Peacekeeping-Mission zu planen. Der militärische Operationsplan für die Friedenstruppe ist dabei allerdings nur ein Teil des Vorhabens. Denn parallel dazu muss in der Übung ein Konzept für den politischen Prozess, ein Plan für die humanitäre Operation und für die Koordinierung von Entwicklungsprojekten sowie ein Logistikkonzept entwickelt werden. Hierbei steht im Vordergrund, dass die Lehrgangsteilnehmenden am Beispiel einer konkreten Problemstellung nachvollziehen können, welche Aufgaben die verschiedenen Akteure in einem Hauptquartier einer Peacekeeping-Mission haben und wie sie interagieren.

Damit leistet die Führungsakademie einen elementaren Beitrag für gelingende UN-Missionen.