Autor: Michél Gallien; Fotos: Laura Clayborn

Hamburg, 28.09.2017

Modulteilnehmer beim Kartenstudium

Modulteilnehmer beim Kartenstudium

Qualmende Köpfe

Qualmende Köpfe

Der Teilnehmerkreis

Der Teilnehmerkreis

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

„Beim Militärischen Nachrichtenwesen geht es doch sicherlich um Spionage“, kommt dem einen oder anderen in den Sinn. Keineswegs! Eine Woche lang haben sich zwölf nationale und internationale Teilnehmende aus militärischen wie zivilen Dienststellen an der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) mit der oftmals „abgeschirmten“ Welt des Militärischen Nachrichtenwesens in einem NATO-Planungsstab beschäftigt. Hinter den Aufgaben der Leiter des Militärischen Nachrichtenwesens beschäftigt sich eine vielfältige Welt. Was in einem solchen Stab gemacht werden muss, damit haben sich die Lehrgangsteilnehmer vertraut gemacht. In dem Modul „Militärisches Nachrichtenwesen auf operativer Ebene“ wurde dieses Wissen anhand von praktischen Übungen einstudiert. Was verbirgt sich hinter diesem Begriff, was bedeutet diese Welt?

Was ist Militärisches Nachrichtenwesen?

Das Militärische Nachrichtenwesen beschäftigt sich grundlegend mit der Frage, wie und mit welchen Möglichkeiten der Informationsbedarf der eigenen Kräfte gedeckt werden kann. Jede Person oder Instanz benötigt Informationen, um künftig handlungsfähig zu sein und zu bleiben. Dies gilt für das Einsatzführungskommando wie auch für den einzelnen Soldaten. Genau dort setzt das Militärische Nachrichtenwesen an. Der Soldat, der im bewaldeten Versteck den anrückenden Feind beobachtet, trägt, seinen Teil zur Deckung der benötigten Informationen bei. Ebenso tut dies das Einsatzführungskommando, das die nationalen Streitkräfte in den Auslandseinsätzen führt und die Nachrichtenlage auswertet und beurteilt.

Rollenwechsel mit den Augen des Feindes

In ihren Auslandseinsätzen haben es die verbündeten NATO-Streitkräfte oftmals mit einem Gegner zu tun, der sich nicht an internationales Recht und Gesetz hält. Um das Militärische Nachrichtenwesen effektiv einzusetzen, ist für die Planung der Blick aus den Augen des Feindes notwendig. Für diesen Erkenntnisgewinn versetzt sich der Planer in die Rolle des Gegners. Dabei erarbeitet er die wahrscheinlichsten und für die NATO-Streitkräfte gefährlichsten Handlungsmöglichkeiten des Feindes. Im Fachjargon wird dieses „Red Teaming“ genannt. Daraus ergeben sich eigene Optionen des Handelns im Rahmen des internationalen Rechts. „Es ist, als würde ich einen neuen Wagen der Konkurrenz mit allen legalen und illegalen Mitteln ausplanen, damit ich herausfinde, wie der nächste Entwurf eines Wagens meiner Firma aussehen muss, um sich besser verkaufen zu lassen… und das ausschließlich mit legalen Mitteln.“ So fasst ein teilnehmender Reserveoffizier, der in seinem Zivilberuf in der Automobilbranche beschäftigt ist, diesen Übungsabschnitt zusammen.

Wissen ist Macht durch Informationsüberlegenheit

 Die Fähigkeit, die Stärken und Schwächen des Gegners zu analysieren, soll dazu dienen, dass die eigenen Streitkräfte dem Feind an Informationen überlegen sind. Das an der FüAkBw angebotene Modul wird im kommenden Jahr in aktualisierter und erweiterter Form angeboten. Für die unterrichtenden Dozenten ist es wichtig, dass nicht nur Fachleute des Militärischen Nachrichtenwesens daran teilnehmen. Am Ende bleibt für die Lehrgangsteilnehmenden die Erinnerung an einen informationsreichen Einblick in eine „abgeschirmte“ Welt. „Wir haben viel mitgenommen, viele neue Aspekte kennen gelernt, es war eine große Bereicherung“, sind sich die Lehrgangsteilnehmer einig.