Autor: FüAkBw ; Fotos: Katharina Junge

Hamburg, 01.08.2017

Konteradmiral Carsten Stawitzki eröffnete die 51. sicherheitspolitische Informationstagung

Konteradmiral Carsten Stawitzki eröffnete die 51. sicherheitspolitische Informationstagung

Thilo Klößer -  Korrespondet des Deutschlandradios in den USA und Kanada

 Thilo Klößer -  Korrespondet des Deutschlandradios in den USA und Kanada

Das Auditorium verfolgt interessiert die diversen Vorträge

Das Auditorium verfolgt interessiert die diversen Vorträge

Der Präsident der Clausewitz-Gesellschaft, Generalleutnant a.D Kurt Hermann im Gespräch

Der Präsident der Clausewitz-Gesellschaft, Generalleutnant a.D Kurt Hermann im Gespräch

Lieutenant Colonel von Recum im offenen Austausch

 Lieutenant Colonel von Recum im offenen Austausch

Major David EricHoolbrooks der US-Army, Frank Riegner und Dr. Martin C. Wolff diskutieren über Risiken und Bedrohungen des Cyberbereichs

Major David EricHoolbrooks der US-Army, Frank Riegner und Dr. Martin C. Wolff diskutieren über Risiken und Bedrohungen des Cyberbereichs

Offene Diskusionen über die Rolle der USA in der NATO

Offene Diskusionen über die Rolle der USA in der NATO

Kontinuität und Stabilität in unruhigen Zeiten - Tagung der Clausewitz-Gesellschaft

Kurz nach dem turbulenten G20-Gipfel in Hamburg, wenige Wochen nach dem Brüsseler NATO-Mini-Gipfel und knapp ein halbes Jahr nach dem Amtsantritt des 45. US-Präsidenten sind viele Fragen der internationalen Sicherheitspolitik offen. Die 51. Sicherheitspolitische Informationstagung der Clausewitz-Gesellschaft e.V. hat versucht, Antworten zu finden und hat sich zwei Tage lang mit dem Thema „Die Rolle der USA in einer Welt im Wandel – hat die bisherige Sicherheitsordnung noch Zukunft?“ beschäftigt. Über 200 Teilnehmer aus Politik, Militär und Gesellschaft waren an die Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) gekommen, um sich mit Vorträgen und in Paneldiskussionen dem höchst aktuellen Themenkomplex zu nähern. Im Fokus stand das Verhältnis Deutschlands und Europas zu den USA im Kontext der sicherheitspolitischen Rahmenbedingungen und Herausforderungen.

Denkfabrik von Außerhalb

Im Rahmen der Neuorientierung der FüAkBw soll ein Think Tank innerhalb der Akademie entstehen. Eine enge Kooperation mit einem solchen gibt es schon: Die Clausewitz-Gesellschaft e.V. ist einer der renommiertesten Think Tanks auf dem Gebiet von Sicherheits- und Verteidigungspolitik in Deutschland. Die Gesellschaft wurde 1961 gegründet und hat sich die Aufgabe gestellt, auf der Grundlage des Denkens und Werkes des Philosophen und Militärstrategen Carl von Clausewitz Erkenntnisse auf den Gebieten von Sicherheitspolitik und Strategie zu gewinnen und diese als Beitrag in die gegenwärtige und zukünftige Politikgestaltung einzubringen.

Transatlantische Experten

Zurück zur Tagung. Generalleutnant a.D. Kurt Herrmann, Präsident der Clausewitz-Gesellschaft, freute sich nicht nur über die Anwesenheit des Kommandeurs der FüAkBw, Konteradmiral Carsten Stawitzki, sondern auch darüber, dass dieser eine Einschätzung der aktuellen Lage und Herausforderungen in Verbindung mit den weiteren Entwicklungen an der Akademie teilte. Renommierte Sprecher wechselten sich ab, um in den anschließenden Fachvorträgen und Panels ihre Expertise beizutragen. Thilo Kößler, Korrespondent des Deutschlandradios in den USA und Kanada machte mit „Die USA – eine gespaltene Nation – Folgerungen für das transatlantische Verhältnis“ einen eindrucksvollen Anfang, dem von Professor Dr. Klaus Erich Scharioth, ehemaliger Staatssekretär im Auswärtigen Amt und Deutscher Botschafter in Washington D.C., mit seinem Vortrag zum Thema „Außen- und Sicherheitspolitik der USA unter Präsident Trump“ genauso interessant gefolgt wurde.

Positive Zukunftshoffnung

In der Diskussionsrunde war man sich einig: „Die großen Probleme der Welt können auch in Zukunft nur gemeinsam gelöst werden. Hoffentlich kommen bald entsprechende Signale aus den Vereinigten Staaten!“. Als „von vitaler Bedeutung“ sahen alle Teilnehmer die gemeinsame Politikgestaltung über den Atlantik hinweg an, da grade die USA die multilaterale Weltordnung nach dem 2. Weltkrieg entscheidend mitgestaltet hätten. Damit seien auch die USA eine „europäische Macht“. Zugleich mahnten viele Teilnehmer immer wieder, dass die Europäer und Deutschland mehr in diese gemeinsame Sicherheit investieren müssten.

Kollektive Bedrohung aus dem Netz

Das Thema Cyber, das derzeit in aller Munde ist, wenn es um neue Bedrohungen geht, fand einen prominenten Platz: das Clausewitz-Netzwerks für Strategische Studien (CNSS) widmete der Rolle der USA in der kollektiven Cyberverteidigung ein Spezialpanel. Major der US-Army David Eric Holbrooks und Frank Rieger, einer der Sprecher des Chaos Computer Clubs, diskutierten über Risiken und Bedrohungen des alle Lebensbereiche durchdringenden Cyber- und Informationsraums sowie Fähigkeiten, Voraussetzungen, Möglichkeiten und Grenzen der entsprechend notwendigen Verteidigung.

Die Rolle der USA in der NATO

Drei weitere Panels beleuchteten das Tagungsthema aus unterschiedlichen Blickwinkeln. MdB Dr. Johann Wadephul, Mitglied des Auswärtigen Ausschusses des Deutschen Bundestages, Professor James D. Bindenagel, „Henry-Kissinger-Professor for International Security and Governance“ an der Universität Bonn, und Dr. David Sirakov, Direktor der Atlantischen Akademie Rheinland-Pfalz, analysierten und brachten ihre Erfahrungen zur NATO unter der Frage „Quo vadis mit den USA?“ ein.

Zukunft der internationalen Organisationen

Aus dem europäischen Blickwinkel wurden NATO und EU anschließend mit Bezug auf die USA weiter betrachtet. Es sprachen Elmar Brok, Mitglied des Europäischen Parlaments und Abgeordneter der EVP-Fraktion und ehemaliger Vorsitzender des Ausschusses für Auswärtige Angelegenheiten, Botschafterin Edita Hrdá, „Managing Director for the Americas“ im Europäischen Auswärtigen Dienst, Dr. Andrew Blair Denison, Direktor Transatlantik Networks, und Professor Dr. Stefan Fröhlich, „Transatlantic Academy Senior Fellow GMF, Washington D.C.“ und Lehrstuhlinhaber Internationale Politik am Institut für Politische Wissenschaften der Universität Erlangen-Nürnberg. Sie diskutierten erfrischend engagiert und brachten allein durch ihre verschiedenen Lebensläufe ganz unterschiedliche Sichtweisen ein.

Was heißt das für die Bundeswehr?

Das letzte Panel hat sich zur Aufgabe gesetzt, die „Konsequenzen der aktuellen US-Außen- und Sicherheitspolitik für Deutschland und die Bundeswehr“ zu analysieren. PD Dr. habil. Markus Kaim, Senior Fellow der Forschungsgruppe Sicherheitspolitik bei der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), Wolf-Christian Paes, MA, Leiter Beratungsvorhaben am „Bonn International Center for Conversion (BICC)“, Flottillenadmiral Jürgen Alfred Georg zur Mühlen, Unterabteilungsleiter Sicherheitspolitische Angelegenheiten im Bundesministerium der Verteidigung, und Brigadegeneral Dirk Heinrich Backen, ehemaliger Verteidigungsattaché an der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Washington D.C. in den USA, beleuchteten das komplexe Geflecht der Argumente nun vornehmlich mit Blick auf die erweiterte deutsche Verantwortung und daraus erwachsende Verpflichtungen.

Runde Veranstaltung

Ein festliches Abendessen inklusive Gastvortrag zum Traditionsverständnis der Bundeswehr, vorgetragen durch Professor Dr. Söhnke Neitzel, rundeten die 51. Sicherheitspolitische Informationstagung so gut ab, dass es Generalleutnant a.D. Herrmann am nächsten Tag schwer fiel, sie schon wieder zu beenden. „Ich danke den hochkarätigen Sprechern und besonders der Führungsakademie der Bundeswehr für die langjährige vertrauensvolle Kooperation mit der Clausewitz-Gesellschaft“, sagte er mit Vorfreude auf die 52. Veranstaltung.