Verabschiedung internationaler Lehrgangsteilnehmer: Kameradschaft ohne nationale Schranken  

Autor: Inka von Puttkamer ; Fotos: Katharina Junge

Hamburg, 12.07.2017

Die Familien der Lehrgangsteilnehmer hören interessiert zu

Die Familien der Lehrgangsteilnehmer hören interessiert zu

Konteradmiral Carsten Stawitzki bei der Begrüßung

Konteradmiral Carsten Stawitzki bei der Begrüßung

Generalmajor Shigenobu Tanaka speziell aus Japan angereist

Generalmajor Shigenobu Tanaka speziell aus Japan angereist

Hauptmann Ali Al-Jawdah aus dem Irak

Hauptmann Ali Al-Jawdah aus dem Irak

Freundschaften auch über die Lehrgangszeit hinaus

Freundschaften auch über die Lehrgangszeit hinaus

Erfahrungsaustausch vor und nach dem offiziellen Teil

 Erfahrungsaustausch vor und nach dem offiziellen Teil

Viele Nationen und Kulturen gemeinsam in der Ausbildung

 Viele Nationen und Kulturen gemeinsam in der Ausbildung

 

 

Die 79 Absolventen des 55. internationalen Generalstabs- und Admiralstabslehrgangs (LGAI) sind nach einjähriger Lehrzeit in einer feierlichen Abschlussveranstaltung von der Führungsakademie der Bundeswehr verabschiedet worden. Zwei Jahre haben die Offiziere aus 38 verschiedenen Nationen - darunter 17 Deutsche - insgesamt im Land verbracht, erst gemeinsam deutsch am Bundessprachenamt in Hürth gelernt, anschließend die Schulbank in Hamburg gedrückt.  

Großartige Unterstützung

Viele Familien sind mitgekommen, Verteidigungsattachés sind aus Berlin angereist, Freunde und Wegbegleiter der Lehrgangsabsolventen tummeln sich im Manfred-Wörner-Zentrum, teilweise sogar in landestypischen Trachten. Die 200 Gäste umranken die stolzen Offiziere bei ihren Feierlichkeiten, das Blechbläserquintett des Marinemusikkorps sorgt mit stimmungsvollen Stücken wie „I am sailing“ für eine schöne Atmosphäre. Alle denken noch einmal an die anstrengenden und herausfordernden, aber auch sehr schönen letzten Monate zurück.

Gemeinsam stark

Konteradmiral Carsten Stawitzki, Kommandeur der Führungsakademie, verabschiedet die bunte Truppe mit persönlichen Worten. Er appelliert an den notwendigen Schulterschluss zwischen den Nationen in einer globalisierten Welt: „Nur gemeinsam werden wir Frieden, Recht und Freiheit in unseren Ländern bewahren können!“ Aber auch für die Persönlichkeit will Stawitzki allen Absolventen etwas mitgeben. Die „drei K für einen Generalstabsoffizier“ sollen sie sich bewahren – Kritikfähigkeit, Konsensfähigkeit und Konfliktfähigkeit. Nur so können sie das gemeinsame Ziel mit der bestmöglichen Lösung erreichen. Frei nach Graf von Baudissin, dem Gründungsvater der Inneren Führung, prägt er seinen Zuhörern ein: „Das ‚Was‘ ist dem Soldaten in der Regel aufgegeben, das ‚wie‘ aber liegt in seiner Hand!“


Festredner aus Fernost

Admiral Stawitzki übergibt das Wort an Generalmajor Shigenobu Tanaka. Er ist eigens aus Japan angereist, um die Festrede zu halten. Inzwischen ist es gute Tradition, einen LGAI-Absolventen und Flagoffizier zu diesem Zweck einzuladen, um den zu Verabschiedenden lebhaft vor Augen zu führen, was ein ehemaliger Lehrgangsteilnehmer erreichen kann. Es soll auch Motivation sein, selbst immer das Höchstmögliche anzustreben.


Wehmut und Zukunftsappell

Hauptmann Ali Al-Jawdah aus dem Irak hält als Lehrgangssprecher anschließend eine Rede. Hatte er beim zurückliegenden Abschlussball schon die richtigen Worte gefunden,  so bringt er hier auch noch einmal alle zum Schmunzeln, als er sagt, „Ich selbst bekomme bereits Heimweh, sobald ich mehr als 100 Kilometer von Blankenese entfernt bin.“ Die Umgebung der Führungsakademie ist zur zweiten Heimat geworden. Aber auch ernste Worte richtet Al-Jawdah an seine Kameraden: Sie sollen die gewonnen Freundschaften aktiv erhalten, um für ein besseres gegenseitiges Verständnis zu sorgen und die Welt lebenswerter und friedlicher zu machen. Das sei bei 38 Nationen und unterschiedlichsten Prägungen und Glaubensrichtungen keine Selbstverständlichkeit. Am Ende bedankt er sich beim Personal der Führungsakademie, den Paten und den Mitgliedern des „Freundeskreises Ausbildung ausländischer Offiziere“ und betont, dass er sich schon jetzt auf ein Wiedersehen freut – egal, ob in Blankenese oder wo anders auf dieser Welt.


Freiwillige Initiative 

Dr. Martin Willich, Vorsitzender des Freundeskreises, schafft es als letzter Redner, einen der Lehrgangsabsolventen so richtig zu überraschen. Tief bewegt zeigt sich Oberstleutnant Kolawolé Adegnika aus Benin, als er erfährt, dass er den Scharnhorst-Preis für überragende gezeigte Leistungen erhält. Oberst i.G. Matthias Kohnen, Lehrgangsleiter des LGAI, betont, „es geht bei dem Preis gerade nicht darum, dass der Offizier die beste Planübung geleitet hat, sondern dass er eine hervorragende Gesamtpersönlichkeit ist“. So wundert es nicht, dass Dr. Willich in der Laudatio unter anderem das ehrenamtliche Engagement Adegnikas beim Gemeinde-Bürgerkommitee Steinhagen für ein Projekt in seinem Heimatland herausstellt.

Kulturelle Vielfalt

Auch den deutschen Lehrgangsteilnehmern haben die zwei Jahre viel Spaß gemacht. Deutschland und die Bundeswehr mal aus einem ganz anderen Blickwinkel zu betrachten, aber auch intensive Freundschaften zu entwickeln und viel über die Heimatländer der Offiziere zu lernen, hat den Lehrgang ausgezeichnet. „Die Abschlussveranstaltung war ein gelungenes i-Tüpfelchen auf dem Lehrgang. Die Stimmung war heiter und ausgelassen!“, sagt Oberstleutnant Malte Kruit, bevor er seinen für ihn als Deutschen sehr kurzen Heimweg antritt. Besonders die ausländischen Offiziere, die ihre Familien nicht mit nach Deutschland gebracht haben, freuen sich auf die Rückkehr in die Heimatländer. Wenn auch das Heimweh nach Blankenese bleibt, stellt Hauptmann Al-Jawdah mit dem Blick in die Zukunft als Resümee fest: „Ohne Abschied gibt es kein Wiedersehen!“

Lange Geschichte

Der LGAI hat an der Führungsakademie einer über 50jährige Tradition: So lange schon werden Offiziere aus insgesamt 120 Nationen zum Generalstabs- und Admiralstabsoffizier ausgebildet. Sie werden auf operativer und taktischer Ebene im gesamten Aufgabenspektrum der Streitkräfte geschult und nehmen besonders persönliche Eindrücke einer Parlamentsarmee, des Leitbilds vom Staatsbürger in Uniform, des Führens mit Auftrag und des Konzepts der Inneren Führung in ihren persönlichen Erfahrungsschatz auf. Neben dieser militärischen Ausbildung erhalten die Lehrgangsteilnehmer zusätzlich eine Vielzahl kultureller, politischer und wirtschaftlicher Einblicke in die deutsche Gesellschaft. Unterstützt werden sie dabei von einem Drittel deutscher Lehrgangsteilnehmer. Für alle Absolventen stehen nun die nächsten herausfordernden Aufgaben im Heimatland an.