Autor: Christoph Weigmann ; Fotos: Bundeswehr

Hamburg, 10.07.2017

Stärken identifizieren und ausbauen

Stärken identifizieren und ausbauen

Wo soll es hingehen?

Wo soll es hingehen?

Auch eine Kompetenz: interkulturelle Fähigkeiten

Auch eine Kompetenz: interkulturelle Fähigkeiten

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 Entscheidungen treffen „leicht gemacht“

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 Ziel: auch im Team besser werden

 

Verschiedene Lernmethoden im Einsatz

 Verschiedene Lernmethoden im Einsatz

 

 

 

 

 

 

 

 

Kompetenzen sind in der Bundeswehr der entscheidende Faktor, um Soldaten entsprechend ihrer Fähigkeiten einzusetzen. Um die vorhandenen Kompetenzen noch besser erkennen und ausbauen zu können, hat die Führungsakademie der Bundeswehr gerade einen Coach nach dem Prinzip KODE® ausbilden lassen. Oberstleutnant Felix Heymann aus dem Fachbereich Führung und Management kennt sich nun bis ins Detail mit der Kompetenz-Diagnostik und Entwicklung (KODE®) aus. Was ist das?

Kompetenzen sind Fähigkeiten zur Selbstorganisation

In einer durch Digitalisierung und Individualisierung komplexer werdenden Welt wird es immer schwieriger, Entscheidungen zu treffen. Stabilität für den, der sich in diesem Umfeld der Unsicherheit wiederfindet, gibt es durch eine gute Selbstorganisation. Sie ist das Prinzip, das KODE® als Schlüssel zu den eigenen Kompetenzen zugrunde liegt. Dahinter versteckt sich ein komplexes Diagnose-, Trainings- und Coaching-System, das unter dem Dach der Selbstorganisation die Kompetenzen jedes Einzelnen und auch womöglich verstecktes Potenzial herausfinden und fördern will.

Vier Basiskompetenzen mit messbarem Ergebnis

Dazu werden die Kompetenzen in vier Basiskategorien eingeteilt: die personale Kompetenz, die Aktivitäts- bzw. Handlungskompetenz, die Fach- und Methodenkompetenz und die sozial-kommunikative Kompetenz. Unter die personale Kompetenz fallen zum Beispiel untergeordnete Fähigkeiten wie Loyalität, Hilfsbereitschaft und Humor. Unter die Fach- und Methodenkompetenz fallen unter anderem Lehrfähigkeit, Fachwissen und Fleiß. Es ergibt sich ein Cluster von insgesamt 64 einzelnen Kompetenzen.

Entscheidende Diagnostizierung

„KODE® bietet mir als Coach die Möglichkeit, die Handlungskompetenzen meiner Coachees besser zu erfassen“, erzählt Oberstleutnant Heymann angetan von seinem neuen „Werkzeug“ und fasst zusammen: „so kann ich sie noch zielgerichteter und wirksamer bei ihren Fragestellungen unterstützen“. Er berichtet, wie die Persönlichkeit durch gezielte Fragen herausgearbeitet und das Ergebnis in den vier Basiskategorien nicht nur visualisiert, sondern auch quantifiziert wird. Der Coach kann genau sehen, welche Kompetenzen bei seinem Coachee mehr oder weniger ausgeprägt sind und welche demzufolge noch weiter ausgebaut werden können.

Der Mensch im Mittelpunkt

Im nächsten Schritt wird mit dem Coachee sehr individuell erarbeitet, wie er seine Handlungen aufbaut. Der Frage nach dem Handlungsideal folgt die Frage nach der Handlungserwartung, bevor die Praxis in den Mittelpunkt rückt: Wie wird die Handlung tatsächlich vollzogen und was ist ihr Ergebnis? Kurz gesagt: Es wird ein Soll-Ist-Vergleich vorgenommen. KODE® betrachtet das Handeln immer unter zwei Aspekten: unter normalen und unter schwierigen Bedingungen. Die genaue Analyse mithilfe der elektronischen Verfahren von KODE® bringt im Ergebnis, welche Kompetenzen ausgebaut werden können und sollen – für den Coachee gibt es dann konkrete Handlungsanleitungen, wie er das tun kann. KODE® ermöglicht, die Kompetenzvielfalt der Soldatinnen und Soldaten klar und deutlich erst diagnostizieren und dann entwickeln zu können.

Umfassende Kompetenzorientierung

Der Fokus auf die Kompetenzen ist in der Bundeswehr besonders wichtig, da sie bei komplexen Problemen eine Entscheidungshilfe sind. Die Fähigkeit zum selbstständigen Handeln hat durch die Einsatzorientierung noch mehr an Bedeutung gewonnen. Im Beitrag über die kompetenzorientierte Ausbildung im Basislehrgang Stabsoffiziere wurde gezeigt, dass der Aufbau, Erhalt und die Weiterentwicklung von Kompetenzen die Handlungsfähigkeit des Einzelnen in komplexen und unerwarteten Situationen unterstützt und festigt, weil Wissen, Können und Handeln schon in Lernsituationen zusammengeführt werden.

Way ahead

Wofür kann das neue Verfahren nun genutzt werden? Die Anwendung von KODE® steckt an der Führungsakademie noch in den Kinderschuhen. Es kann der Begleitung von Verhaltenstrainings und Teamentwicklungsmaßnahmen dienen, der objektiven Erkennung von Talenten, es kann aber auch zur Begleitung der Personalentwicklung bis hin zur Ableitung differenzierter Personalmaßnahmen genutzt werden. Aktuell befindet sich in der Prüfung, wie das Coaching in den Lehrgängen der Führungsakademie prominenter oder durch mehr Coaches einen Platz finden kann.

Trendforum Führung

Die Bundesagentur für Arbeit, mit der die Führungsakademie erst jüngst das gemeinsame Trendforum Führung veranstaltet hat, ist seit kurzem Vorreiter: Sie setzt das KODE®-Verfahren bereits ein, um die Fähigkeiten von Arbeitsuchenden herauszuarbeiten. Oberstleutnant Heymann ist überzeugt, dass die Methode auch Soldaten helfen kann: „Wir können den Charakter eines Erwachsenen nicht mehr ändern. Aber wir können herausfinden, was er besonders gut kann und seine Stärken ausbauen.“