Autor: Christoph Weigmann ; Fotos: Katharina Junge

Hamburg, 23.06.2017

Staatssekretärin Katrin Suder beim Eintrag ins Gästebuch der Führungsakademie

Begrüßung in der Führungsakademie

Katrin Suder beim Vortrag

Aufmerksame Zuhörer

Podiumsdiskussion mit Kommandeur und Staatssekretärin

Aktive Teilnahme an der Diskussion

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Hörsaal in der Graf-von Baudissin-Kaserne der Führungsakademie war bis auf den letzten Platz gefüllt, als am gestrigen Donnerstag die Staatssekretärin im Bundesverteidigungsministerium, Katrin Suder, in die Führungsakademie kam. Ihr Vortrag hat die jungen Menschen sowie das Stammpersonal begeistert.

Sicherheitspolitische Tour d´ Horizon

„Sei Du selbst, sei authentisch, sei anders: Schwimme gegen den Strom.“ Das Motto, das Korvettenkapitän Judith Zeug bei ihrer Vorstellung der Biografie der Staatssekretärin im Bundesministerium der Verteidigung voranstellte, ist zugleich auch der rote Faden des Vortrag und des sich anschließenden Gesprächs gewesen. Anwesend waren die Lehrgangsteilnehmenden des Generalstabs- Admiralstabsdienstlehrgangs national und international, die Teilnehmenden des Basislehrgangs Stabsoffizier sowie das Stammpersonal der Führungsakademie.

Biografische Aspekte

Dem Vortrag stellte Suder den Erfahrungshorizont ihrer eigenen Biografie voraus. Und: Keine Rede sollte ohne Kontext erfolgen. Dieser Kontext ist für sie die sicherheitspolitische Lage Deutschlands. Der persönliche Kontext ist ihr Werdegang. Suder hat die Denkweise aus ihren physikalischen Forschungstätigkeiten verinnerlicht: Sie geht den Dingen auf den Grund, wie sie verrät. Ihre Promotion im Bereich der Gehirnforschung und die Tatsache, dass sie bei der Unternehmensberatung McKinsey Direktor für die Betreuung öffentlicher Institutionen wurde, waren die Voraussetzung, sich der Lösung komplexer Aufgaben zu widmen.

Deutschland im Umbruch

„Das sicherheitspolitische Umfeld hat sich seit 2014 komplett verändert“, erklärt Suder. In dem Jahr ihres Beginns im Verteidigungsministerium, 2014, war die Ukraine ebenso wenig Thema wie der Terror. „Das 2016 von der Verteidigungsministerin herausgegebene Weißbuch berücksichtigt bereits die Veränderung der Situation und die gezogenen Rückschlüsse“, fährt Suder fort, „seit der Zeit kam es zu einer erheblichen Lageverschärfung: der islamische Terror, die Rückkehr einer konkreten Bedrohung aus der Situation in der Ukraine, der hybride Krieg durch die neuen Medien sowie strategische Überraschungen.“ All diese Faktoren stellen Deutschland vor neue Herausforderungen.

Cyber als besondere Bedrohung

Insbesondere die Digitalisierung und Cyber machen der Staatssekretärin Sorgen. „Cyberaktivitäten sind billig, die Aktivitäten bekommt keiner mit, und sie erzielen eine große Wirkung - es ist die ideale Erstschlagswaffe.“ Verschärfend komme hinzu, dass sich die strategische Gesamtsituation verändere. Sie nennt den Brexit, die zentrifugalen Kräfte innerhalb der EU, den aufkommenden Nationalismus und die aktuellen Entwicklungen innerhalb der US-Regierung.

Parallelen von Szenarien

Die Parallelität dieser vier Szenarien wirke bedrohlich, sagt die erfahrene Staatssekretärin. Suder macht deutlich, was wichtig für die Bundesregierung und alle staatlichen Stellen im Rahmen einer internationalen Kooperation ist: Deutschland habe nicht die Handlungsoption, sich nicht einzumischen. Im Gegenteil, es sei wichtig, Haltung zu zeigen und zusammenzuhalten. Dabei bekomme auch die Landes- und Bündnisverteidigung wie auch die Rüstungspolitik eine neue Bedeutung.

Umdenken ist erforderlich

„Wir müssen alle umdenken“ so der Apell, den Suder den Zuhörern zugerufen hat. Die Zeit der alten Verhaltensweisen ist vorbei. Daraus resultiert auch, dass die Aufgaben facettenreicher geworden sind. Ziel müsse sein, die Aufgaben und Ressourcen im Einklang zu bringen. Erst wenn Personal, Material und Finanzen im Einklang mit dem Auftrag stehen, kann dieser wahrgenommen werden. Ist das nicht der Fall, gelingt der Auftrag der Bundeswehr nicht.

Business Case Sicherheit

Die Änderung in der Großorganisation Bundeswehr ist nicht so einfach. Um vor einem solchen Hintergrund Veränderungen zu erreichen, bedarf es einer Voraussetzung: Führung, Führung und Führung. Das bedeutet: Reden, Reden und Reden – also stete Kommunikation. Darüber hinaus gebe es keinen Business Case für Sicherheit. „Beim Auftrag der Bundeswehr geht es um Frieden, Freiheit, Menschenrechte, es geht um die Sicherheit unseres Landes und um das Leben, auch das Leben unserer Soldatinnen und Soldaten, die Bundeswehr ist verantwortlich für das Leben der Menschen - das verlangt ein besonderes Augenmerk auf den Menschen, emotional wie auch vom Management.“

Agenda Rüstung

In ihrem eigenen Bereich „Rüstung und Rüstungsprojekte“ wurden bereits viele Änderungen angegangen, die nach und nach Wirkung zeigen, wie sie erläutert. Hierzu wurde ein externes Rüstungsgutachten in Auftrag gegeben. „In diesem wurde eine schonungslose Defizitanalyse mit strategischer Fehlerbehebung aufgezeigt.“

Mensch im Mittelpunkt

Die Herausforderungen für diese Veränderungsprozesse seien groß, und die zur Verfügung stehende Zeit ist knapp. Im Mittelpunkt dieses Prozesses stehe der Mensch. Mit Vorschlägen zu guter Führung rundete sie ihren eindrucksvollen Vortrag ab. „Gute Führung braucht Vielfalt, und diese sei herzustellen angesichts der Tatsache, dass vor der bestehenden Sicherheitslage keine Zeit vorhanden ist. Gute Führung braucht Respekt beim Umgang mit dem Menschen. Voraussetzungen einer guten Führung ist die Freiheit, das Fordern und die Toleranz.“