Autor: Sarah Schlösser / Norbert Schneider; Fotos: Aldo Kleemann / Bundeswehr

Hamburg, 05.06.2017

Auch der Kommandeur der Führungsakademie, Carsten Stawitzki besuchte die Fachtagung

General Zudrop betont die Wichtigkeit der Stärkung weiblicher Führungskompetenz

Vielfalt ist der Schlüssel, um die Komplexibilität der Herausforderungen zu meistern

Chancengerechtigkeit als Grundstein für die individuelle Entfaltung in den Streitkräften

,,Welche Kernkompetenzen muss ein Soldat haben?", fragt General a.D. Schneiderhan, der frühere GI

Offener Austausch im Berliner Auditorium



 

 

 

 

 

 

Rund 100 Soldaten der Führungsakademie, darunter über 80 Lehrgangsteilnehmer des laufenden Basislehrgang Stabsoffizier (BLS) sowie Stammpersonal, nahmen an der Fachtagung „Auf dem Weg zur Generalinspekteurin?" in Berlin teil. Ausrichter dieser Tagung war das „Zentrum für ethische Bildung in den Streitkräften", kurz zebis. Unterstützt wurde zebis vom Zentrum Innere Führung (ZInFü), vertreten durch Generalmajor Reinhardt Zudrop, sowie den Wehrbeauftragten des Deutschen Bundestages, Dr. Hans-Peter Bartels.

Der katholische Militärgeneralvikar Monsignore Reinhold Bartmann eröffnete die Veranstaltung gemeinsam mit der Direktorin des zebis Dr. Veronika Bock und dankte auch seinem evangelischen Kollegen, Militärgeneraldekan Matthias Heimer, für die Unterstützung der Tagung.

Spannender Austausch

Zielgerichtet leiteten die Grußworte und Themeneinführung den Diskurs über die Chancengerechtigkeit in den Streitkräften ein. Anschließend wurde in vier Workshops angeregt diskutiert und gearbeitet. In der Arbeitsgruppe 1 mit dem Thema „Die Situation von Soldatinnen im internationalen Vergleich" gaben hochrangige Soldatinnen der niederländischen und US - Streitkräfte mit ihren persönlichen Erfahrungen maßgebliche Impulse. Ein Ergebnis der AG 1 bekräftigte, dass Integrationsprozesse und Diversity-Management Zeit benötigen und Quoten als langfristige Zielvorgabe dienen. Damit erinnerten sie an eine Daueraufgabe.

Führungskompetenz groß geschrieben

In der Arbeitsgruppe 2 beschäftigten sich die Teilnehmer unter der Moderation von Generalmajor Zudrop mit den Angeboten und Erfahrungen des ZInFü zum Thema "Stärkung weiblicher Führungskompetenz". Anhand fünf teilweise provokanter Arbeitsthesen, wie beispielsweise der Annahme, dass Frauen und Männer vor denselben Herausforderungen stehen, kam AG 2 zu dem Ergebnis, dass die junge Generation von Soldatinnen und Soldaten die Zusammenarbeit von Frauen und Männern als Normalität empfindet. Schließlich geht es nicht um das Geschlecht sondern um das Individuum. Nur so wird Individualität ermöglicht und von ihr profitiert.

Gleiche Chancen für alle

Vor dem Hintergrund, dass der Anteil der Soldatinnen in den Kampfverbänden nur zwei Prozent beträgt, beschäftigte sich die Arbeitsgruppe 3 mit der Fragestellung „Gendergerechtigkeit im Kampfverband?" unter der Leitung von Frau Dr. Veronika Bock und Oberstarzt Dr. Lale Bartoschek. Vorbehaltlich einer grundlegenden Tauglichkeit kommt es auf die individuelle Bereitschaft an, sich den besonderen Herausforderungen von Kampfverbänden stellen zu wollen. Der Wechsel von der tradierten Homogenität zu Heterogenität in diesen Verbänden ist eine zwingende Voraussetzung, die komplexen neuen Herausforderungen zu meistern und fördert zugleich die Chancengerechtigkeit.
 

Unser Personal von morgen

Die aufgrund der unerwartet hohen Teilnehmerzahl zusätzlich angebotene Arbeitsgruppe 4 führte unter der Leitung des Wehrbeauftragten und General a.D. Wolfgang Schneiderhan einen kritischen Diskurs zum Thema „Personalprobleme in der wachsenden Bundeswehr". Unter den Leitfragen „Wen braucht die Bundeswehr?", „Welche besonderen Eigenschaften braucht der Soldat / die Soldatin in Abgrenzung zur Gesellschaft?" und „Was muss der potenzielle Bewerber an schulischer und ethischer Bildung mitbringen?", wurden die Maßnahmen der Personalwerbung und -bindung kontrovers diskutiert. Darüber hinaus wurde hinterfragt, wie die Bundeswehr mit dem demografischen Wandel der Gesellschaft umgeht und sich als zukunftsfähiger attraktiver Arbeitgeber in Konkurrenz zu Industrie und öffentlichem Dienst positioniert.

Realität für neues Denken

Hauptmann Stefanie Reichle, Kompaniechefin im Jägerbataillon 292, zieht ihr persönliches Fazit der Fachtagung wie folgt: „Das Symposium war sehr interessant und aufschlussreich, nicht zuletzt auch wegen der eingeladenen Gäste. Mein besonderer Dank gilt Herrn General a.D. Schneiderhan. Für mich persönlich wurde deutlich, dass es noch immer viele ,alte‘ Denkweisen und Einstellungen vorherrschen. So wurde unter anderem in den Arbeitsgruppen herausgearbeitet, dass es noch lange Zeit dauern wird, bis Frauen in den Streitkräften und vor allem in Kampfverbänden als ,normal‘ und selbstverständlich angesehen werden. Eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung dahingehend ist, dass in allen Bereichen jeder Soldat, egal ob Mann oder Frau, seine Fähigkeiten und Fertigkeiten Gewinn bringend für das Ganze einbringt. Ein Unterschied beim Geschlecht darf nicht gemacht werden. " Die Fachtagung bot ein Forum für Dialog und Diskussion. Fazit: Chancengerechtigkeit findet in den Köpfen aller statt, nicht bloß auf dem Papier.

Weitere Informationen auf der Seite Zentrum für ethische Bildung in den Streitkräften (zebis).