Autor: Jürgen Bredtmann ; Fotos: Michael Gundelach / Laura Clayborn

Hamburg, 31.05.2017

Die Band ,,Cause of Action" in Aktion

Dr. Maren Tomforde organisierte das Projekt

Setzt auf die Stärken und Talente seiner Männer und Frauen: Konteradmiral Carsten Stawitzki

Katharina Junge konzipierte die Ausstellung und die Fotos

Interaktive Befragung des Unterbewusstseins

Dr. Petra Köppel ,,Fremdes zulassen"

Selbsteinschätzung per Fragebogen

Die Fotos werden als Wanderausstellung auch an anderen Orten zu sehen sein.

Vielfalt gab es schon musikalisch durch „Cause of Action“, die Band der Führungsakademie der Bundeswehr. Unplugged nahmen zwei Gitarren, ein Keyboard, ein Cajon und drei Stimmen das Publikum mit auf die bunte Reise in den Diversity-Day in Hamburg. Seit 2012 unterstützt die Bundeswehr die Charta der Vielfalt, diesmal im Schwerpunkt sichtbar durch eine Fotoausstellung.

„Wir möchten mit der Fotoausstellung die Vielfalt an den Hamburger Dienststellen aufzeigen“, erläutert die Fotografin der FüAkBw, Katharina Junge, das Konzept hinter dem Projekt „Uniformierte Vielfalt“. 70 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Bundeswehrdienststellen Hamburgs haben sich freiwillig einmal in Uniform beziehungsweise Arbeitskleidung sowie einmal in Privat- oder Hobbykleidung fotografieren lassen. Ein weiteres Foto wurde von einem selbst gewählten Objekt aufgenommen, welches die Person für sich als wichtig erachtet.

Ganzkörperportraits mit Texten

Erläutert werden die Fotoaufnahmen durch Interviews zu beruflicher und privater Identität – Zitate daraus begleiten die spannenden Ganzkörperportraits. Wer steckt eigentlich hinter dieser Uniform – wer hinter dieser Arbeitskleidung? "Oftmals nehmen wir in unserem geschäftigen Arbeitsalltag Personen nur in ihrer offiziellen Funktion wahr. Die Individuen dahinter mit all ihren Interessen, Fähigkeiten und Potenzialen bleiben häufig verborgen", weiß die Dozentin an der FüAkBw, Dr. Maren Tomforde, die die Federführung für den Diversity-Day der Bundeswehr in Hamburg übernommen hatte.

Rahmen schaffen, um Talente zu entfalten

Der Kommandeur der Führungsakademie, Konteradmiral Carsten Stawitzki, hatte zuvor die zentrale Veranstaltung im Gneisenausaal des Manfred Wörner Zentrums in der Clausewitz-Kaserne eröffnet. „Wenn Sie alleine meinen Namen nehmen, dann stellen Sie fest, dass meine Vorfahren aus Ostpreußen gekommen sind, was mir 1992 bei der Wohnungssuche durchaus Probleme machte“, wies der Kommandeur auf seine persönlichen vielfältigen Erfahrungen mit Vorurteilen hin. ,,Teams richtig zusammen zu stellen, mal homogener, mal heterogener, um gemeinsam Aufgaben zu lösen, das ist unsere Führungsaufgabe, sei es am Chirurgentisch, in der kleinen Kampfgemeinschaft oder bei einer Besprechung", so der Admiral weiter. Das Betriebsklima sei der Hauptgrund, warum Mitarbeiter in einer Firma bleiben - oder kündigen.

Unterbewusstes Schubladendenken

Die FüAkBw organisierte den bundesweit fünften Diversity-Day in Hamburg in enger Zusammenarbeit mit den anderen Bundeswehr-Dienststellen der Stadt. Ab 09.30 Uhr kamen etwa 250 Vertreter vom Bundeswehrkrankenhaus, der Helmut-Schmidt-Universität, dem Landeskommando sowie der Führungsakademie der Bundeswehr in der Clausewitz Kaserne zu einer Tagung zusammen. ,,Die Diversität dieser Dienststellen ist mit Blick auf alle sieben Diversity-Dimensionen, auf ethnische und nationale Herkunft, sexuelle Orientierung, körperliche und geistige Fähigkeiten, Religion und Weltanschauung, Alter, Geschlecht und soziale Herkunft beeindruckend, birgt viele Herausforderungen - aber auch unzählige Chancen, "weil der Mensch nämlich fähig ist, sich Gedanken zu machen", so Stawitzki.  

Ein Tag voller Impulse

Ihre Keynote-Speech nutzte Dr. Petra Köppel von der Unternehmensberatung Synergy Consult für den Hinweis auf den Nutzen von Vielfalt für die Bundeswehr. ,,Vielfalt ist nicht immer sichtbar. Es reicht der erste Eindruck für ein Urteil", mahnte sie. Erfahrung, Werte und Einstellungen sieht man zunächst nicht. ,,Nur mit Wertschätzung funktioniert Vielfalt und trägt damit für mehr Berufszufriedenheit und bessere Aufgabenerledigung bei."

Vielfalt ist Managementaufgabe

,,Vielfalt ist eine Managementaufgabe und fängt oben an", so die Unternehmensberaterin. Dazu sei es in einer komplexen Welt absolut notwendig, Kategorien zu haben - die aber verzerren können und dazu führen, sich von Mustern lenken zu lassen." Wichtig sei es, beschreiben und bewerten voneinander zu trennen, um damit auch den ersten Eindruck zu hinterfragen und Kritik zuzulassen. ,,Wer sich selbst in Frage stellt, Denkmuster aufbricht und Komfortzonen verlässt, der kann Unsicherheit ertragen, Fremdes zulassen, neugierig sein und sich ändern", betonte Dr. Köppel. Es geht um die Nutzung von Potenzialen - von allen.

Bunte Vielfalt

In drei Workshops ging es dann am Nachmittag um chancengerechtes Diversity Management als Führungsaufgabe, um die gelebte Vielfalt in der Bundeswehr und dabei gemachte Erfahrungen sowie um die Herausforderungen in der Vereinbarkeit von Familie und Dienst. Parallel spielte das "Kaleidoskop-Theater" aus Hamburg-Altona „Diversity als Improvisations-Theater“ und bezog das anwesende Publikum aktiv mit ein. Aussagen der Anwesenden auf Fragen der Schauspieler zu Vielfalt im Allgemeinen wurden theatralisch zurück gespielt. Große Lacher im Publikum: "Wir haben uns durchaus wieder erkannt".

Vorstellung der Diversity-Initiativen

Gute Kommunikation, klare Anforderungen und das Vertrauen, sich öffnen zu können sind wesentliche Voraussetzungen, dass Initiativen wie Diversity-Beratungsgremien, Diversity-Symposium, Fragebögen für die Mitarbeiter, ein wissenschaftlich fundierter, weiterbildender Master-Studiengang "Leading Diversity", Dialog der Kulturen oder eine einwöchiges Seminar zum Thema und Veranstaltungen zum Diversity Day 2018 erfolgreich werden können.

Fazit

Fazit des Kommandeurs, der viel für sich mitgenommen hat: ,,Das Highlight war die Grundstimmung, die den ganzen Tag angehalten hat. Der Impuls-Vortrag von Frau Dr. Petra Köppel, der Überraschungsauftritt der FüAk-Band genauso wie die Workshops mit den vielen wertvollen Impulsen und dann natürlich die Fotoausstellung. Alles zusammen insbesondere der Mix hat den ganzen Tag großartig gemacht."

 

Das Video zum Diversity Tag 2017