Autor: Christiane Rodenbücher; Fotos: Laura Clayborn

Hamburg, 10.10.2017

General Del Casale trägt sich ins Gästebuch ein

General Del Casale trägt sich ins Gästebuch ein

Italienische ,,Führungsakademie

Italienische ,,Führungsakademie" zu Besuch in Hamburg

Deutsch-italienische Freundschaft wird in Hamburg gelebt

Deutsch-italienische Freundschaft wird in Hamburg gelebt

Der Besuch von Generalleutnant Massimiliano Del Casale an der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) war von viel Herzlichkeit sowie einem intensiven Austausch geprägt. Der Präsident der italienischen Einrichtung Centro Alti Studi per la Difesa (CASD), auf Deutsch Zentrum für höhere Verteidigungsstudien, hat mit großem Interesse zahlreiche Fragen gestellt, zum Beispiel nach dem Aufbau des Generalstabsdienstlehrgangs in Deutschland sowie dem Beginn und der Gestaltung der Phase, in der die Teilstreitkräfte in Deutschland gemeinsam ausgebildet werden.

Stationen in der Vita des Präsidenten

Die kenntnisreichen Fragen des Generals ließen auf seine vielen früheren Tätigkeiten schließen: Nach zahlreichen Führungsverwendungen als Grenadier im Heer war er wiederholt als Chef des Stabes in Auslandsmissionen der NATO beschäftigt. Del Casale hatte verschiedene Führungspositionen in Ausbildungszentren sowie im italienischen Verteidigungsministerium inne, bis er 2015 Präsident der höchsten militärischen Ausbildungseinrichtung in Rom wurde. Die 1949 gegründete Einrichtung untersteht (wie in Deutschland die FüAk) dem italienischen Generalstabschef. Im italienischen Äquivalent heißt das Pendant zum Generalstabsdienstlehrgang Istituto Superiore di Stato Maggiore Interforze (ISSMI). Der Kurs dauert neun Monate. Teilnehmer des ISSMI stammen aus allen Teilstreitkräften, außerdem kommen sie von der Finanzpolizei, den Carabinieri, der Gendarmerie Italiens sowie aus anderen Ministerien.

Reger Austausch, intensive Gespräche

„Mir liegt besonders am Herzen“, betont Konteradmiral Stawitzki, „die Bande zu anderen militärischen Akademien zu stärken, daher freue ich mich sehr über den Besuch von General Del Casale und seinem Team.“ Im Vordergrund steht für den Akademiekommandeur, noch besser zu verstehen, wie die Institutionen anderer Nationen arbeiten. Außerdem soll der Informationsaustausch gefördert werden. Darüber hinaus nutzt Admiral Stawitzki stets die Möglichkeit, mehr über die Ausgestaltung von Äquivalenten des Masterstudiengangs Militärische Führung und Internationale Sicherheit (MFIS) zu erfahren. Nach einem ersten Kennenlernen jüngst in London ist damit nun kurze Zeit später der erste ausführliche Besuch erfolgt.

 

 

 

Woher wir kommen

General Del Casale erhielt von Oberst i.G. Martin Simberg, Leiter Ausbildungsprozessmanagement, einen Einblick in die Geschichte der FüAk. Die Namensgeber der zwei Kasernen wurden erwähnt, das Konzept der Inneren Führung erläutert. Simberg ging auf die neue Struktur der FüAk mit den Schwerpunkten Ausbildung und Training sowie Strategie und Fakultäten ein. Er erläuterte die Aspekte der Lehre von den Teilstreitkräften über Politik und Soziologie bis zu den Konzepten verbundener Operationen. 500 Personen aus mehr als 60 Nationen sind immer an der FüAk präsent. 3000 Studenten pro Jahr nehmen diverse Aus- und Fortbildungsangebote in mehr als 80 Kursen wahr.

Aktuelle Konzepte der Ausbildung

Simberg erklärte das Konzept des lebenslangen Lernens sowie der kompetenzorientierten Ausbildung. „Risiken, Herausforderungen, Bedrohungen: Diese Parameter prägen die heutige komplexe Welt, darauf müssen wir unser Top-Führungspersonal von morgen vorbereiten.“ Besonders zu bedenken ist dabei: „Die Offiziere kommen mit einem breiten Erfahrungshintergrund zu uns, sie haben schon viel Expertise in der Truppe gesammelt und ein Studium absolviert. Diese Erfahrung wollen wir erkennen, fördern und im Rahmen unserer künftigen Denkfabrik nutzen.“ Mit großem Interesse hat General Del Casale auch die Ausführungen zum internationalen Generalstabslehrgang verfolgt. Das Konzept der FüAk, Wissen über den grundsätzlichen Aufbau deutscher Streitkräfte an internationale Lehrgangsteilnehmer zu vermitteln, deutsche Prozesse im politisch-parlamentarischen Raum sowie den Ansatz vernetzten Handelns zu erklären, hat er sehr aufmerksam wahrgenommen.

Brücke zwischen Akademie und Uni

Den Ausführungen von Jörn Thießen, Leiter Politik- und Gesellschaftswissenschaften, lauschte der italienische General gespannt. Thießen erklärte in einem mitreißenden Vortrag die immense Bedeutung des bereits erwähnten Masterstudiengangs MFIS: „Das ist eine der wichtigsten Brücken zwischen der FüAk, der Helmut-Schmidt-Universität und der Öffentlichkeit. Es hat acht Jahr gedauert, bis wir dieses unglaublich große Potenzial zum Leben erwecken konnten.“ Der MFIS sorgt laut Thießen für die Verbindung der Welten Militär und akademisches Wissen. „Hier besteht eine riesige Chance, mit einem gemeinsamen Auftrag die Wege beider Institutionen zusammen zu führen.“

Rom-Besuch bereits geplant

Abschließend betonten der General und der Admiral beider Akademien die Wichtigkeit realitätsbasierter Szenarios für die Vorbereitung des militärischen Top-Führungspersonals von morgen. Darüber hinaus waren sich beide einig: Jede Ausbildungseinrichtung kann und muss sich ständig weiter entwickeln. Um diese Ziele gemeinsam zu verfolgen und diesen guten Draht zueinander weiter auszubauen, haben sich beide auf einen Gegenbesuch in Rom schon in wenigen Wochen verständigt.