Autor: Inka v. Puttkamer ; Fotos: Laura Clayborn/ Katharina Junge

Hamburg, 16.06.2017

Admiral Stawitzki und General Zorn im Gespräch

General Zorn zur Führungskultur

Aufmerksame Zuhörer

Workshop mit BwConsulting

zivil-militärischer Austausch

 

 


Zwei Akademien auf gemeinsamen Wegen

Wie gut das Militär und ein ziviles Unternehmen zusammenarbeiten können, haben die Führungsakademie der Bundeswehr und die Führungsakademie der Bundesagentur für Arbeit bei ihrem „Trendforum Führung“ nun schon zum dritten Mal bewiesen. Spitzenführungskräfte aus dem militärischen und zivilen Bereichen trafen sich zu einem abwechslungsreichen Programm unter dem Titel „Führungskultur im Wandel“, für dessen Ausrichtung in diesem Jahr die Hamburger Akademie zuständig war.

Führung ist Kommunikation

„Wozu dienen? Wozu sterben? Wozu töten? Die Präambel des Grundgesetzes, dem Frieden der Welt und der Einheit Europas zu dienen, gilt nicht nur für Soldaten, sondern auch für Unternehmer.“ Mit dem „Business Case“ der Bundeswehr macht Konteradmiral Carsten Stawitzki, Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr, das Alleinstellungsmerkmal der deutschen Streitkräfte deutlich. So spannt er den Bogen zwischen der Führungskultur in der militärischen und in der zivilen Welt. Beide müssen „Talente organisieren“ und „mit Mitarbeitern im Dialog bleiben“.

Kultur durch Mentoring

Generalleutnant Eberhard Zorn, Abteilungsleiter Führung Streitkräfte im Bundesministerium der Verteidigung, trägt zum Thema „Bundeswehrgemeinsame Führungs- und Organisationskultur“ vor. „Selbst innerhalb der Bundeswehr existiert noch kein gemeinsames Führungsverständnis auf militärischer und auf ziviler Seite.“ Das führt er authentisch aus: Innerhalb der Streitkräfte wird der zwischenmenschliche Umgang mit dem Konzept der „Inneren Führung“ geregelt, für die Angehörigen der Wehrverwaltung gibt es eine solche Grundlage nicht. Außerdem erklärt er anhand der steilen Dienstgradstruktur, dass auch die militärische Hierarchie ein Handlungsfeld ist, an dem ständig mit viel Kommunikation und persönlichen Kontakten gearbeitet werden muss, um den Informationsfluss von oben nach unten und anders herum zu garantieren. Zorn sieht eine Lösungsalternative im Ausbau der Mentoring-, Coaching- und Weiterbildungsprogramme, um noch „näher am Menschen“ zu sein. In der angeregten Diskussion wurde deutlich, dass die Standpunkte kontrovers sind: Manche befürworten die Übertragung einer „Inneren Führung“ auf das Zivilpersonal der Bundeswehr, manche begründen ihre Ablehnung.

Quo vadis, Tradition?

Mit einem Ausblick auf den Prozess der Weiterentwicklung einer gemeinsamen Führungs- und Organisationskultur zusammen mit der Neufassung des Traditionserlasses entließ General Zorn die Zuhörer mit ausreichend Stoff, der auch beim geselligen Teil am Abend noch Gesprächsthema war. Historische Grundlagen der Führungskultur vermittelte anschließend Prof. Dr. Jörg Felfe, Professor für Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie an der Helmut-Schmidt-Universität (Universität der Bundeswehr) in Hamburg.

Verbindung zur Agenda Attraktivität

Ein Team der „BwConsulting“, der In-House-Beratungsfirma der Bundeswehr, war am nächsten Morgen eingeladen, mit seiner Expertise vier gleiche Workshops zu leiten. Die Teilnehmer diskutierten, wo sich die Führungskultur der Bundeswehr aktuell befindet, wohin sie sich entwickeln soll und welche Herausforderungen auf diesem Weg zu meistern sind. Im Rahmen der von Verteidigungsministerin Dr. Ursula von der Leyen ins Leben gerufenen „Agenda Attraktivität“ ist die BwConsulting bereits seit 2016 beauftragt, an der Weiterentwicklung der Führungs- und Organisationskultur der Bundeswehr mitzuwirken. Die Ergebnisse der Arbeitsgruppen fließen als Bottom-Up-Beitrag direkt in das Beratungsresultat ein.

Parallelen zu zivilen Unternehmen

Mit Gerhard Lippe, Kaufmann und zugleich Botschafter der Stiftung „Club of Hamburg“, beschäftigt sich ein erfahrener Unternehmer mit Führungsthemen. Die Handlungsfelder, die er aufzeigte, ähneln denen im Militär. „Die Arbeitswelt wird durch die Digitalisierung massiv umgekrempelt, den Menschen wird immer mehr Flexibilität abverlangt und Mitarbeiterführung erhält deswegen einen noch größeren Stellenwert.“ Er fügt hinzu, dass diese auf klaren Werten und einer ebenso klaren Haltung basieren muss.

Vorhandene Fähigkeiten nutzen

Kompetenzorientierte Ausbildung wird in der Bundeswehr in Zukunft in den Fokus gerückt. Diese Entwicklung hat Brigadegeneral Markus Kurczyk, Abteilungsleiter für die Ausbildung der Streitkräfte in der Streitkräftebasis, in der Hand. Das Konzept sieht vor, Erfahrungen und Kenntnisse von Lehrgangsteilnehmenden aktiver einzubinden, so dass es zu mehr Freiraum, mehr Eigengestaltung und mehr Kreativität kommt. Am Ende steht kompetentes Handeln, vor allem auch in Extremsituationen. Dies ist als Baustein für die Weiterentwicklung einer Führungskultur unerlässlich.

Insiderwissen

Den Reigen der hochkarätigen Sprecher komplettierte am Abend Frank-Jürgen Weise, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Bundesagentur für Arbeit sowie Leiter des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, im Rahmen eines Kamingesprächs. Mit seinen Erfahrungen als Vorsitzender der Bundeswehr-Strukturkommission 2010 sowie als Oberst der Reserve hatte er einzigartiges zivil-militärisches Expertenwissen im Gepäck.

„Die jungen Wilden“

Nicht nur „gesetzte“ Damen und Herren beschäftigen sich mit der Weiterentwicklung von Führungskultur. Eine Kooperation zwischen dem Bundesministerium der Verteidigung und den Unternehmensverbänden Berlin-Brandenburg baut mittlerweile im vierten Jahr auf die Expertise von jungen Führungskräften. Militärisches und ziviles ausgesuchtes Personal (zum Beispiel aus Unternehmen wie Siemens und Mercedes-Benz) trifft sich regelmäßig und tauscht sich zum Thema „Führen lernen“ aus. Ergebnis wird ein onlinebasierter Leitfaden für das Führen in einer digitalisierten Welt sein, von dem die Unternehmen und die Bundeswehr gleichermaßen profitieren können. Zwei der Teilnehmer haben beim Trendforum Führung am dritten und letzten Tag ihre Zwischenergebnisse präsentiert. Als Mitglied der Geschäftsleitung des IT-Dienstleisters der Bundeswehr, der BWI, gab Christine Serrette zum Schluss einen Einblick, wie die Führungskultur sich in diesem Unternehmen gewandelt hat.

Dialog bei Führungskultur im Wandel

Die Zusammenarbeit, die aus einer Kooperationsvereinbarung der beiden Akademien entstanden ist, soll auch in Zukunft fortgeführt werden. Der erfolgreiche gegenseitige Austausch begeisterte die Teilnehmenden. Das nächste Trendforum findet 2018 an der Akademie in Lauf statt. Konteradmiral Stawitzki ist selbst Leiter der „Arbeitsgemeinschaft Führungskultur“ in Zusammenarbeit mit dem Zentrum Innere Führung der Bundeswehr in Koblenz und dem Bildungszentrum der Bundeswehr in Mannheim. Mit dem Ziel, den zivil-militärischen Austausch zu pflegen, ist seine Kernbotschaft auch für das Trendforum klar: „Wir müssen im Dialog bleiben.“